Predigten

Apostelgeschichte 10, 21-34



Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

der Predigttext nimmt uns mit in die Zeit der ersten christlichen Gemeinden. Die Apostelgeschichte, die Lukas verfasst hat, erzählt wie das Evangelium sich ausgebreitet hat, wie Gemeinden sich bildeten und wie das Christentum sich langsam entwickelte. Theologische Fragen wurden geklärt. Davon lesen wir ja auch viel in den Briefen, die Paulus geschrieben hat. Und ja, es ging um Mitgliederfragen und um Strukturen und im weitesten Sinn die ersten Kirchenordnungen. Damals war alles neu – nichts selbstverständlich.

Heute sind manche der damaligen Einsichten zwar nicht neu, doch immer noch nicht selbstverständlich.

Hört selbst:

Apostelgeschichte 10, 21-34


21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin’s, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier? 

22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 

23 Da rief er sie herein und beherbergte sie.

Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 

24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. 

25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 

26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, auch ich bin ein Mensch. 

27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. 

28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. 

29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.

30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 

31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 

32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 

33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.

34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.


Manchmal werde ich gefragt: „Ist es nicht schwer, Pastorin zu sein?“ Ich frage dann zurück, warum das schwer sein soll. Oft ist die Antwort: „Da hat man es mit so vielen Menschen zu tun. Alle sind unterschiedlich!“

Das wiederum, liebe Gemeinde gehört für mich zu den schönen und schönsten Seiten meines Berufes.

6 Jahre habe ich in der Lippischen Landeskirche die Abteilung Ökumene und Mission geleitet. In dieser Abteilung geht es auch um Partnerschaften weltweit in uns verbundenen Kirchen. Es geht um das Zusammensein in Bünden wie dem Lutherischen Weltbund und der reformierten Kirchengemeinschaft. Es geht um die gemeinsamen Interessen der Christen in Europa. Das sind nur einige Themen.

In den sechs Jahren hatte ich ausreichend Gelegenheiten an Konferenzen teilzunehmen und Partnerkirchen zu besuchen.

Von jeder Reise und jeder Tagung  kam ich ein bisschen reicher und auch verändert zurück. Wo wir auch zu Gast waren, ob in Polen oder in Litauen, in Rumänien oder Südafrika, in Ghana oder Togo, in Asien: Überall wurden wir herzlich empfangen.

Da war eine Verbundenheit zu spüren. Eine große Freude, dass wir zusammengehören.

Umgekehrt war es genauso: manchmal luden wir unsere weltweiten Partner zu einer Tagung zu uns in die kleine Lippische Landeskirche ein.

Wir entwickelten ein Format mit dem Namen: „Andere Sichten“ mit anderen Worte: Wir fragten unsere Partner, was sie sehen und wahrnehmen, wenn sie bei uns sind. Sie waren ein Spiegel für uns und ein Korrektiv.

Ja, ich habe wunderbare Erinnerungen aus diesem Arbeitsfeld und in kleiner Form erlebe ich das auch in jeder Gemeinde. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass so unterschiedliche Menschen  so eine tiefe Gemeinschaft pflegen und füreinander da sind.
Das ist eines der größten Wunder unseres Glaubens.

Lasst uns etwas genauer in den heutigen Predigttext schauen: was fällt mir da auf.

Zwei Männer an unterschiedlichen Orten, die beide zu ihrem Gott beten: Kornelius und Petrus. Sie wissen noch nichts voneinander. Doch sie werden von Gott gebraucht. Gott führt sie zusammen. 

Petrus hatte für sich schon erkannt oder er hatte zumindest den Gedanken gewagt: Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Das war keines Wegs selbstverständlich, denn bis zum heutigen Tag haben beten Menschen in der ganzen Welt zu unterschiedlichen Göttern: so jedenfalls sieht es aus.  Aber Petrus hatte schon unterwegs mit Jesus erlebt, dass es in ihrer Jüngergemeinschaft nicht so sehr darauf ankam, was sie vorher gemacht hatten, wo sie lebten und herkamen und welche Berufe sie erlernt hatten, sondern es kam auf das gemeinsame Ziel an: Die Verkündigung des Reiches Gottes – als Trost und Hoffnung. 

Petrus hatte viel gesehen und vergesst nicht, am Anfang der Apostelgeschichte steht das große Pfingstwunder. Da geht es zwar um jüdische Menschen, die aus allen Richtungen der Welt kamen und inzwischen andere Muttersprachen hatten – doch der Geist sie bewegte und sie alle – trotz verschiedener Sprachen verstehen konnten, worum es geht.

Hier geht es nun noch einen Schritt weiter. Kornelius ist kein Jude. Er wird der erste getaufte Christ. Er war ein gebildeter, angesehener Mann, der natürlich die Regeln der Gesellschaft kannte und beherzigte.
Doch durch seinen Glauben veränderte sich seine Sicht und seine Wahrnehmung. Was bisher unmöglich erschien, wurde denkbar: Juden und Christen gehören zusammen. Sie glauben an den einen Gott. 

Für mich ist das einer der wichtigsten Gedanken und eine der schönsten Erfahrungen, die wir Christen in die Welt bringen: Da ist eine Verbundenheit von Menschen in Christus, die es ermöglicht, dass Trennendes überwunden wird.

Doch wir Menschen haben  Mühe damit: Kein Ansehen der Person. Ach, was lassen wir uns von dem Ansehen der Person oft leiten und auch verleiten. 
Wie hat sich das tief in das kollektive Bewusstsein eingeprägt, dass es Menschen gibt, die wichtiger und besser sind und andere, die weniger Bedeutung haben.


Wenn ihr mal ehrlich euer Leben anschaut, dann fragt euch: Spielt das Ansehen einer Person keine Rolle mehr?

Wenige Wochen nach Weihnachten, in der Epiphaniaszeit wird uns das nochmal ins Stammbuch geschrieben und dick in die Kalender, mit denen wir unsere Jahr füllen: „Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll!“

Petrus wird zu einem Menschen gesandt, mit dem er eigentlich nichts zu tun haben sollte. Und das Wunder, das hier geschieht: er lässt sich senden.

„Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht!“ Petrus Gedanke bleibt kein Gedanke, sondern wird zu Erfahrung. Das zeichnet unseren Glauben aus: Unser Glaube ist kein Gedankenspiel – mit unserem Glauben machen wir in Wahrheit Erfahrungen.

Ich muss im Grunde nicht betonen, wie weit entfernt wir von dieser Wahrheit und Wirklichkeit sind: die traurigen Geschichten fallen uns ein. Die Kämpfe und Kriege, das Mobbing und Ablehnen, das Verurteilen und die Vorurteile.

Nein, in dieser Welt sind wir Menschen oft weit entfernt von der Erfahrung des Petrus.

Doch ich will das nicht betonen, was nicht gelingt. Ich will wie eine Detektivin suchen, wo es klappt: Nebenan die DSP. Meine Freundin Stefanie, die neulich hier war: sie hat einen leiblichen Sohn und eine südafrikanische Adoptivtochter. Lebten sie in Deutschland, fiel Onna.Lenna immer auf.

Lebten sie in Südafrika, war Marius immer ein bisschen verloren.
Beide sind jetzt erwachsene junge Menschen und was sie nun sagen: In der DSP: da ist keiner von uns beiden aufgefallen. Da konnten wir einfach so sein.

Dann die vielen Erfahrungen in der Ökumene: Begegnungen in der weltweiten Partnerschaft – entstanden als große Friedensbewegung nach dem 2. Weltkrieg. Ach, wie schön, diesen Geist einzuatmen und so selbstverständlich zusammen zu sein.

In der Tat: wir Christen habe eine Mission: Nicht so sehr, unsere Kirchen zu vergrößern, aber überall in der Welt Versöhnung und Frieden zu stiften.

Macht euch auf die Suche nach großartigen Geschichten: Der Versöhnung in Ruanda, der Überwindung von Schuld durch den Verein Aktion Sühnezeichen, Mitarbeit an Gedenkstätten und Hilfe in der ganzen Welt.

Wie gut, dass Kornelius und Petrus gebetet haben und der Gebet der Ort wurde, wo Veränderung begann.

Ja, lasst uns so beten – so ganz in der Gegenwart Gottes leben und ihr zutrauen, dass wir überrascht werden von neuen Einsichten.

Im Abendmahl feiern wir diese Gemeinschaft – die Zusammengehörigkeit von Ost und West, von Nord und Süd.

Kommt mit Gaben und Lobgesang!


Der Frieden Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. amen