2018-01-07 - 1. Sonntag nach Epiphanias - Renate Switala & Elke von Schlichting

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen


Sehr geehrte Damen und Herren,


hiermit laden wir an der Gottesdienstgestalltung interessierte Gemeindemitglieder zu einer Ausbildung zur Prädikantin / zum Prädikanten in Gemeinden in Europa und Übersee ein.


Die Grundausbildung dauert 10 Monate und besteht aus:

  1. zwei zentrale Präsenzphasen von vier Tagen in Deutschland
  2. Arbeitsgruppen in eigener Verantwortung,
  3. Begleitung am Ort durch einen Mentor
  4. persönliche Lektüre und Arbeit am Gottesdienst.


Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft am gesamten Kurs teilzunehmen und mit dem Fernstudienprogramm am Computer zu arbeiten.


Die Teilnehmerzahl am Kurs ist begrenzt. Anmeldeschluss ist der 30.Juni.2016


Verantwortlich für die Beauftragung ist die zuständige Gemeinde. Das Pfarramt nimmt die Beauftragung vor zusammen mit dem Kirchenvorstand.


Dieser Brief wurde an die mit der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verbundenen Gemeinden geschickt, auch an unsere Gemeinde.


Der Auftrag


Elke und ich wurden gefragt ob wir Interesse hätten an dieser Ausbildung. Die Gemeinde würde uns die Beauftragung geben.


In einer sehr begrenzten Zeit wollte der Vorstand unsere Antwort haben.


Mein erster Gedanke war: Ist dieser Auftrag von Gott?


Wenn Gott den Menschen einen Auftrag – eine Mission gibt – dann ist es oft mit einer Angst verbunden. Für mich war es zuerst eine “Mission Impossible” ? Was erwartet er denn schon wieder von mir? Hab schon eh genug zu tun, wo finde ich dafür noch Zeit? Bin doch viel zu alt um noch eine Ausbildung zu machen.


Manch einer behauptet, Gott würde von einem Menschen niemals etwas verlangen, dem er nicht gewachsen ist oder vor dem er Schiss hat. Begründet wird das mit dem was Paulus mal sagte:

 

"Aber Gott ist treu und wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht."

Im Kolosserbrief,dem Predigttext vom Epiphaniasfest sagt Paulus folgendes:


Im Auftrag Gottes verkündige ich, Paulus, dieses Evangelium.


24 Was ich auch immer für euch erleiden muss, nehme ich gern auf mich; ich freue mich sogar darüber. Das Maß der Leiden, die ich für Christus auf mich nehmen muss, ist noch nicht voll. Und ich leide für seinen Leib, für seine Gemeinde.

25 Gott hat mir aufgetragen, seiner Gemeinde zu dienen und euch seine Botschaft ohne Abstriche zu verkünden.

26 Ihr habt erfahren, was von Anfang der Welt, ja, was der gesamten Menschheit vor euch verborgen war: ein Geheimnis, das jetzt allen Christen enthüllt worden ist.

27 Dabei geht es um ein unbegreifliches Wunder, das Gott für alle Menschen auf dieser Erde bereithält. Ihr, die ihr zu Gott gehört, dürft dieses Geheimnis verstehen. Es lautet: Christus lebt in euch! Und damit habt ihr die feste Hoffnung, dass Gott euch Anteil an seiner Herrlichkeit gibt.


Als ich diesen Abschnitt gelesen habe, hat mich Vers 25 sofort angesprochen „Gott hat mir, Renate aufgetragen, seiner Gemeinde zu dienen und ihnen seine Botschaft ohne Abstriche zu verkünden.“


Wenn wir die Bibel mal genau lesen, dann werden wir feststellen, dass Gott Menschen keine wischiwaschi Missionen / Aufträge gibt, sondern oftmals sind das richtig krasse und riskante Dinger.


Im Hebräerbrief kann man einiges lesen, was Gott den Menschen so für Aufgaben gab:


Noah gab er den Auftrag die Arche zu bauen, obwohl ihn die Leute dafür auslachten.

Abraham sollte alles hinter sich lassen und Gott sagte er wird mit Ende neunzig nochmal Vater.

Josef sollte Gott treu bleiben, trotz Sklaverei und Gefangenschaft.

Mose sollte sich dem Pharao widersetzen.


Interessant ist, dass all diese Leute ihre ganz persönliche “Mission Impossible” annahmen – obwohl viele erst widersprachen, aber weil sie Gott vertrauten, konnte er Großes durch sie tun.


Paulus sagt noch was: "Wenn er euch auf die Probe stellt, sorgt er auch dafür, dass ihr sie bestehen könnt."


Aus den Geschichten in der Bibel kann man auch erkennen, dass Gott auf die mögliche Angst der Leute reagiert, Gott ermutigt und verspricht dabeizusein!


Im Buch des Propheten Josua schon verspricht Gott dass er immer bei uns ist.


Es ist toll zu wissen, dass Gott immer dabei ist – aber ein Versprechen, dass nie wieder etwas Schlimmes passiert ist es nicht. Es besagt lediglich, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann.


Vielleicht müssen wir leiden, so wie Paulus. Vielleicht werden wir verletzt. Vielleicht müssen wir sterben.


Es kommt nicht darauf an, ob Du Dich gut und stark genug für Deine Mission fühlst. Du fühlst Dich niemals dazu bereit. Worauf es ankommt ist Deine Entscheidung!


Jedes Mal, wenn ein Mensch "JA!" zu Gottes Mission sagt, dann verändert er damit ein kleines Stückchen die Welt. Er trägt dazu bei, dass etwas passiert, was sich Gott genauso gedacht hat und was Menschen erreichen wird. Es ist wichtig, dass Du "JA" sagst zu Herausforderungen, Anforderungen und Risiken – denn nur so besteht die Möglichkeit, dass Du das Ziel erreichst, das du das Geheimnis entdeckst!


Dieses Geheimnis des Glaubens offenbart der Verfasser des Kolosserbriefes uns allen.


Elke wird euch dieses Geheimnis verraten.


Das Geheimnis


Ja, Paulus spricht von einem unbegreiflichen Wunder, von einem “Geheimnis” das allen Menschen auf Erden gilt.


Wer von uns ist nicht von Geheimnissen fasziniert? Vorallem in der Weihnachtszeit, die wir gerade hinter uns gebracht haben, hat man unzählige Möglichkeiten, die Kinder oder die Eltern auf die Folter zu spannen, mit wohlgemeinten “Geheimnissen”. Da wird die menschliche Neugier manchmal aufs äußerste strapaziert. In der Adventszeit geht es los, mit den Adventskalendern. Wir hatten noch diese Adventskalender mit den Türchen die man öffnete und wohinter sich kleine Bildchen befanden. Wie war die Neugier groß zu wissen welche Bildchen hinter den Türchen versteckt waren. Das gehörte damals schon und auch heute noch zum Geheimnis von Weihnachten. Die Weihnachtsneugier und Erwartung wurde noch größer, wenn sich hinter der verschlossenen Tür im Weihnachtszimmer der “Weihnachtsmann” ans Tannenbaumschmücken machte, oder wenn an der Zimmertür ein Zettel mit “Santas Workshop” klebte und jemand am basteln oder einpacken von besonderen Päckchen war, die liebevoll und persönlich ausgesucht waren. Dann kamen leise die Fragen auf: Bekomme ich das was auf meinem Wunschzettel steht? Bekomme ich etwas anderes, etwas was noch geheimnisvoller ist?


Ja, da wendet mancher gleich ein, es geht doch nicht um Geschenke. Gewiss, es geht nicht um unsere Geschenke, aber es geht um das größte Geschenk aller Zeiten, das Weihnachtsgeheimnis. Das Geschenk was für die Menschheit in die Krippe gelegt wurde – Das Jesuskind.


Und genau darum geht es in unserem Predigttext. Das Geheimnis von dem Paulus spricht, ist Christus Jesus, der Mensch geworden ist, damit wir direkten Zugang zu Gott haben können. Jesus, der als Mensch unter Menschen gelebt hat, Wunder getan hat, Menschen bekehrt hat und letztendlich aus Liebe zu uns für uns gelitten hat, am Kreuz gestorben ist und mit seiner Auferstehung ein neues und ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit ermöglicht hat.


Ist das ein Geheimnis dass wir für uns selbst halten sollten, wie es eigentlich mit Geheimnissen der Fall ist? Nein, das Geheimnis des Wunders in der Krippe zu Bethlehem ist viel zu kostbar und zu wichtig, damit es geheim gehalten wird. Es will und muss weiter erzählt werden soll. Es will und soll in der ganzen Welt verkündigt werden, nicht nur den Heidenchristen, wie ursprünglich in Kolossä, sondern dir und mir, jedem von uns, gestern, heute und morgen.


Wie schön dass uns gerade dieser Text mit dem Auftrag, Jesus nach zu folgen und sein Geheimnis zu verkündigen, heute vor Augen geführt wird, am Anfang des neuen Jahres. Mit und durch ihn dürfen wir hoffen auf ein gutes und auch besseres 2018.


Wir stellen uns Fragen, zum Teil besorgt, zum Teil hoffnungsvoll, über welche Geheimnisse das neue Jahr wohl für uns bereit hält? Dürfen wir hoffen auf harmonische Familienverhältnisse, gute Gemeinschaften, Erfolg in der Schule oder bei der Arbeit? Bringt es uns vielleicht Regen in der Westkap, eine korruptionsfreie Regierung, ein besseres Leben für die vielen hungernden und obdachlosen Menschen in Südafrika und in vielen anderen Ländern dieser Welt? Schenkt uns 2018 endlich Frieden in den Kriegsgebieten, Versöhnung zwischen Völkern, Kulturen, Religionen und auch Familien? Hält das neue Jahr für uns bessere Gesundheit und einen positiven Blick auf die Zukunft bereit?


Durch Christus, dürfen wir weiter hoffen und vertrauen, dass sich alles zum Besten entwickelt. Unser Glauben an Jesus Christus macht uns Teil von dem offenen Geheimnis der Weihnachtsbotschaft. Du und ich, wir sind die Boten dafür! Oft durchschauen wir uns selbst nicht. Aber wer uns dort draußen sieht, hat die Möglichkeit, in uns ein Stück Christus zu sehen. Das ist der Sinn von Epiphanias, das "sichtbar werden” heißt.


Möge unser himmlischer Vater uns in diesem neuen Jahr stärken und helfen, das Weihnachtsgeheimnis, die frohe Botschaft Jesu, zu verkündigen, damit sie in der ganzen Welt sichtbar wird. Denn durch uns Christen, können Menschen eine Idee von Gottes Treue und Herrlichkeit bekommen, einen Blick auf die verheißene Ewigkeit werfen und zur Nachfolge Christi begeistert werden.


Amen.
Und der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.