2018-05-27 - Trinitatis - Jugenddiakonin Kathrin Grüneberg

(Epheser 1, 3-10)


Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns mit seinem Geist reich beschenkt und uns durch Christus Zugang zu seiner himmlischen Welt gewährt. Schon vor Beginn der Welt, von allem Anfang an, hat Gott uns, die wir mit Christus verbunden sind, auserwählt. Er wollte, dass wir zu ihm gehören und in seiner Gegenwart leben, und zwar befreit von aller Sünde und Schuld. Aus Liebe zu uns hat er schon damals beschlossen, dass wir durch Jesus Christus seine eigenen Kinder werden sollten. Dies war sein Plan, und so gefiel es ihm. Mit all dem sollte Gottes herrliche, unverdiente Güte gepriesen werden, die wir durch seinen geliebten Sohn erfahren haben. Durch Christus, der sein Blut am Kreuz vergossen hat, sind wir erlöst, sind unsere Sünden vergeben. Und das verdanken wir allein Gottes unermesslich großer Gnade. Ja, in seiner Liebe hat er uns überreich beschenkt: Er hat uns mit Weisheit erfüllt und uns seinen Willen erkennen lassen. Sein Plan für diese Welt war bis dahin verborgen, doch nun hat er ihn uns gezeigt. Durch Christus verwirklicht er ihn genau so, wie er es sich vorgenommen hat. So soll, wenn die Zeit dafür gekommen ist, alles im Himmel und auf der Erde unter der Herrschaft von Christus vereint werden.


Heute feiern wir Trinitatis – das Fest des dreieinigen Gottes. Trinitatis ist: Gott für uns. Diesem Gott für uns gibt sich der Verfasser unseres heutigen Predigttextes hin. Und er benutzt dazu eine große und feierliche Sprache. Der Apostel preist Gott, der sich als Erwählender, als Erlösender und als in die Zukunft Führender erweist. Sein Dank gilt Gott, der ihn "in Christus" sein lässt.

 

Wir können diesen Lobpreis als einen überschwänglichen Liebesbrief lesen. Die Inhalte lassen sich in Worten kaum fassen. Sie sprengen den literarischen Rahmen und lassen erahnen, dass der Apostel in diesem Lobpreis mit allen Sinnen und Gedanken bei Gott war und intensiv seine Nähe erfuhr. Der Lobpreis erhob ihn zu Gott und Gott segnete ihn mit seiner Gegenwart.

 

Wer einen Liebesbrief schreibt, ist ergriffen von der Liebe und will keine wissenschaftliche Abhandlung mit Pro und Contra verfassen. Er wird nicht analysieren, warum ihn die Liebe getroffen hat. So ist auch verständlich, warum der Apostel hier manche Aussagen so klar und unmissverständlich formuliert, ohne zu begründen, warum er die Sachverhalte genau so ausdrückt und nicht anders. Der Apostel hat mit diesem Lied Gott selbst im Blick, nicht die zweifelnden Bibelleser des 21. Jahrhunderts. So preist er die Erwählung Gottes, weil er sein Glück nicht fassen kann. Gott hat sich zu ihm, dem kleinen unbedeutenden Menschen herabgebeugt. Gott hat ihn erwählt und in Christus gelegt. Sein Schicksal war schon immer mit Jesus Christus verbunden.

 

Das Herz des Apostels ist voller Dankbarkeit darüber, dass er sich erwählt weiß. Und er stellt fest, dass dieses "In-Christus-Sein" auch Folgen für den Alltag hat. Wenn Gott uns dazu vorherbestimmt hat, ihn mit unserem Leben zu preisen, dann können wir unser Leben nicht ohne ihn gestalten. Dann können wir es nicht wegwerfen oder es unabhängig von Christus führen. Spiegelt sich dieser Lob in unserem Alltag wieder? Sind wir bereit, unsere Konflikte von Christus anschauen zu lassen, sie mit ihm zu besprechen und seine Weisungen zu hören? Haben wir das Vertrauen, dass er, der uns erwählt hat, unser Leben als Lobpreis gestalten kann, über unsere eigene Kraft hinaus?

 

Desweiteren preist der Apostel die Rettungstat Jesu. Sein Tod am Kreuz hat uns aus der Gottesferne in die neue Gemeinschaft mit dem Vater geführt. Die grundlegende Veränderung durch diese Rettungstat hat der Apostel existentiell erlebt. Er kannte das Gefühl der Befreiung, als ihm seine Schuld vergeben war und nichts mehr zwischen ihm und Gott stand.

 

Vielleicht erleben wir das Retten nicht so hautnah, weil wir wissen, dass es Gottes eigentliche Aufgabe ist, uns immer und immer wieder zu vergeben. Bei einem so vergebenden Gott brauchen wir uns um unsere Schuld keine Gedanken zu machen, sie wird ja sowieso vergeben. So stumpfen wir ab, nehmen die Liebe Gottes selbstverständlich, ruhen uns auf ihr aus und merken gar nicht, dass Schuld uns wie Hochwasser die Luft zum Atmen abdrückt. Es reicht nicht aus, um Gottes Vergebung zu wissen, sie muss auch angenommen werden. Und dazu gehört, sich bewusst zu werden, was von Gott trennt und was er von uns nehmen muss, dass wir unseren Platz "in Christus" voller Freude und Offenheit einnehmen. Wird Vergebung gewährt, verändert sie die Zukunft.

 

Die Erlösung durch Jesus Christus hat zum Ziel, den Willen Gottes zu erkennen. Ich stelle mir das ganz bildlich vor. Ich bin ein leeres Blatt, das zwischen den Buchdeckeln hängt. Die Buchstaben der Seiten, zwischen denen ich liege, färben auf mich ab. Ich nehme Gottes Willen an, lasse mich von ihm prägen. Das führt zu Veränderungen.

 

Aber erst mit der Kraft des Heiligen Geistes ist Lobpreis möglich. Durch ihn wird das Verlangen zum Ausdruck gebracht, von Jesu Gegenwart immer mehr ergriffen und geprägt zu werden. Im Lobpreis kommt Jesu Gegenwart zum Ausdruck, indem das Singen und Beten auf ihn hinweist und zu ihm hin trägt.

 

Die Worte des gesungenen und gesprochenen Lobpreises werden zu Gefäßen, in denen wir Jesus empfangen können und er in unser Leben tritt. Es kommt nicht auf den abwechslungsreichen Inhalt an, nicht auf viele Worte, die besonders originell sind. Wichtig sind die Herzen, die sich Christus hingeben und in die hinein Christus seine Liebesbotschaft schreibt.

 

Lobpreis ist wie ein Kurzurlaub. Da wird der Alltag für eine begrenzte Zeit ausgeblendet, die bedrückenden Tagesgeschehnisse werden nicht zum Hauptthema, sondern die Seele wird frei, neue Kraft zu empfangen und neue Gewissheit zu bekommen. Nach dem Lobpreis wird der Alltag in neuem Licht erscheinen. Die Prioritäten sind wieder klar.

 

"In Christus Sein" ist eine Grundhaltung, die uns von menschlichen Zwängen freier, mit unseren Mitmenschen versöhnlicher und angesichts unserer Herausforderungen kräftiger werden lässt.

 

Trinitatis - das Fest der Fülle lädt uns heute dazu ein, das Leben wie ein Loblied anzustimmen. Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!


Amen.