2018-06-03 - 1. Sonntag nach Trinitatis - Elke von Schlichting

(Jer 23, 16-29)


Was wünschen wir uns von einem sonntäglichen Gottesdienst? Was erwarten wir vom Wort Gottes? Diese Frage habe ich einigen Jugendlichen und einigen im Alter voranschreitenden Mitgliedern unserer Gemeinde gestellt. Die vielen Antworten lassen sich auf folgende Punkte reduzieren: Gemeindemitglieder wünschen sich, besinnliche Gottesdienste, schriftbasierte, gut formulierte Predigten in denen Gottes Wort einen anspricht, wo man eine Botschaft in den Alltag nehmen kann, über die man nachdenken kann, eine Botschaft über Gottes Charakter. Man möchte Gott in seiner Ganzheit und Kreativität, in Gemeinschaft mit anderen Christen begegnen. Der eine wünscht sich einen ruhigen Gottesdienst, der andere einen mit mehr Lobpreis, Orgel und Musik, der dritte freut sich, wenn Gleichnisse aus unserer Zeit das Wort Gottes verdeutlichen. Das grundsätzlichste Bedürfnis der meisten aber ist Gottes Liebe und Zuspruch zu erfahren, etwas Positives und aufbauendes zu hören. Dem Negativen aus dem Alltag zu entfliehen. Das sind wunderbare Gedanken und Bedürfnisse, die jeder Prediger auf der Kanzel wahrscheinlich gerne erfüllen und predigen würde.

 

Wenn ich aber jetzt eine Doom Sprühdose hierher stelle, einen Hammer daneben lege, ein heißes Feuer entfache und wohlmöglich auch noch ein großes Ungewitter über die Gemeinde ziehen lassen würde, hättet ihr da noch dieses besinnliche gute Gefühl, das Gott mich, als der liebende fürsorgliche Gott, in meiner jetzigen Lebenslage ein Stück näher an sein Himmelreich bringen wird. Erkennen wir in diesen Artikeln den Gott, den wir aus unseren Kinderbibeln kennen und von dem wir heute in der Epistel gehört haben? Der Gott der die Liebe ist? Oder verunsichern euch diese Gegenstände, weil sie im Kontrast zu dem was wir in der Epistel-lesung gehört haben, stehen? Hier liegen Gift und Hammer neben einander, ein Feuer und Ungewitter – das sind harte kraftvolle Artikel, die eher beängstigend, erschreckend wirken.

 

Ja liebe Gemeinde, heute hat der Predigttext nicht den gleichen Trent wie der schöne und beruhigende Text der Epistel und dem moralisch ermutigenden Evangelium. Es geht heute um einen Gott, der mit erschreckenden Mitteln in eine Krisensituation eingreift und zur Umkehr ruft. So erzählen es uns die Gerichtsworte des Jeremias, die von den wahren und falschen Propheten, handeln.

 

In unserem Bibeltext befinden wir uns zeitlich im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus in Juda, dem kleinen Königreich im Süden vom heutigen Israel. Juda wurde bedroht vom mächtigen Assyrien, Ägypten und Babylonien und stand vor der Frage, mit wem sie sich verbünden konnten. Sie hatten sich von Gott ihrem Herrn abgewandt und versuchten mit eigenen Mitteln das Problem zu lösen. Gott was traurig darüber, ja sogar richtig zornig. Deswegen berief er den Propheten Jeremia dem Volk vorherzusagen, dass eine drohende Katastrophe auf sie zukäme. Jeremia war noch recht jung und fühlte sich mit dieser Aufgabe überfordert. Gott aber ließ nicht locker und so musste Jeremia diese Berufung annehmen und dem König gegenübertreten, um ihn vor diesen Verbündnissen zu warnen. Gleichzeit gab es aber die falschen Propheten, die dem König das Heil verkündigten was der König hören wollte, dass er mit seinen eigenen politischen Ideen Erfolg zeigen würde. Sie beriefen sich dabei auf Gottes Wort, wurden aber von Jeremia als falsche Propheten entlarvt. Sie wurden als Lügenpropheten betrachtet, die den Mächtigen sagten was sie hören wollten und dadurch den Menschen erlaubten, in ihrem eigenen Gutdenken weiterzuleben.

 

Ich lese aus dem Buch des Propheten Jeremia, im 23. Kapitel.

16 So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN.

17 Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen.

18 Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört?

19 Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen.

20 Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen.

21 Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.

22 Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.

23 Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?

24 Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR.

25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt.

26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen

27 und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal?

28 Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR.

29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

 

Dieser Text hat es in sich. Er wirkt erschreckend, denn Ungewitter, Hammer und Feuer deuten auf einen erbosten Gott, der vor falschen Propheten warnt. Aber dennoch schimmert der liebende Gott durch, der das Volk zur Umkehr ruft. Gott betrauert die entstandene Gottesferne, die Distanz die das Volk zwischen sich, seinen Problemen und Gott geschaffen hat. Er versichert dem Volk, er sei auch ein Gott für sie, nicht nur in der Nähe, sondern auch aus der Ferne. Gott will alles daran setzen um sein Volk wieder in seine liebenden Arme zu schließen. Ist das nicht der Gott der Liebe? Die Frage ist aber, ob das Volk sich von ihm rufen lässt. Ist Volk zur Umkehr bereit? Ist das Volk bereit sein Tun und Wandeln zu verändern, damit Gott wieder im Mittelpunkt ihres Lebens stehen kann?

 

Wie ist das bei uns? Hören wir, wenn Gott uns ruft? Sind wir zur Umkehr bereit? Seien wir mal ehrlich. Wer hört gerne auf Propheten, die nur schlechte Botschaften haben, die das Negative voraussagen? Hören wir nicht lieber auf das was unseren Ohren gut tut? Das ist ja meistens der Grund warum Menschen auf falsche Prophetien reinfallen.

 

Wenn man den Zeitungen und Nachrichten folgt weiß man, dass es immer wieder falsche Propheten gibt, die sich Prophezeiungen und Methoden einfallen lassen, um arme, notleidende, kranke, verzweifelte Menschen in die Irre zu führen und ihnen wohlmöglich noch viel Geld dafür abzuzapfen. Wenn da zum Beispiel ein Prediger prophezeit, dass alle die sich mit Doom bespritzen lassen, oder die Gras und Ungeziefer fressen oder Benzin trinken, geheilt würden oder dass ihnen dadurch der Wohlstand blüht, dann ist es ja eigentlich nicht fremd, dass Menschen, die am tiefsten Punkt ihrer Schwäche sind, in ihrem Nicht-besser-Wissen daran glauben.

 

Aber nicht nur solche radikalen falschen Propheten führen Menschen auf Irrwege. In unserem Alltag gibt es auch vieles was uns auf Irrwege führt. Die Medien, die Plakatwände, die Werbung im Fernsehen und Radio, Horoskope und Wahrsager sind für uns falschen Alltagspropheten. Sie versuchen uns ein Rezept vor die Augen zu halten wie WIR unser Leben in den Vorwärtsgang setzen können. Sie sind diejenigen, die uns versuchen klarzumachen, dass wir Gott nicht brauchen, dass wir uns selbst und irgendwelchen Angeboten vertrauen sollen. Sie versprechen den Menschen, genau wie die falschen Propheten, dass was Menschen gerne hören wollen. Viele Menschen, die auf der Suche sind nach Heilung, Schönheit, Jugend sind bereit den oft spektakulären Versprechungen zu glauben und können dieser Versuchung nicht wiederstehen. Es beruhigt sie. Das sind unsere falschen Alltagspropheten. Hiermit will ich in keiner Weise behaupten, dass alles in den Medien schlecht ist. Bestimmt nicht. Aber es ist und bleibt eine komplizierte Sache, den falschen und richtigen Propheten zu unterscheiden. Denn genau diese falschen Propheten sind es, die mich, die uns von Gott entfernen und die Gottesferne, auf die Jeremia weist, hervorrufen.

 

Was ist also das Endergebnis der falschen Prophetie? Die Gottesferne. Die Distanz zwischen Gott und den Menschen wird oft durch die falschen Prophezeiungen vertieft, weil wir auf das hören was wir hören wollen. Sie bestätigen oft dem Menschen ihren irrigen Lebenswandel. Das soll heute Morgen unser Kerngedanke in diesem Gottesdienst sein.

 

Leben wir in Gottes Nähe? Oder eher in der Weite? Hat Gott in unserem Alltag Platz? Oder wie weit haben wir uns von Gott in unserem Alltag entfernt? Stehe ich morgens rechtzeitig auf um noch Stille Zeit zu halten? Oder habe ich abends vor dem Schlafengehen noch Zeit für eine Abendandacht, in dem ich dankend und bittend den Tag in Gottes Hand zurücklege? Und wie sieht es während des Tages aus? Ist Gott in meinen Gedanken, wenn ich zur Arbeit fahre, wenn ich mich um eine kranke Person kümmere, wenn ich mich mit meinem Vorgesetzten auseinandersetze, wenn ich Korruption in meinem Alltag erlebe? Oder sind wir Sonntagschristen? Und den Rest der Woche machen wir wie es uns gefällt. Albert Schweizer soll gesagt haben: “Wer glaubt ein Christ zu sein, weil man in die Kirche geht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in die Garage geht.”

 

Stehen wir in der Gefahr, den Bezug und Kontakt zu Gott im Alltag zu verlieren? Geraten wir in die Gottesferne? Muss erstmal etwas Schlimmes geschehen, damit Gott in meinem Alltag wieder in mein Blickfeld rutscht? Gewiss gibt es von euch welche, für die das kein Thema ist. Wir sind gesegnet mit Gemeindemitgliedern, die ihren Glauben wirklich spürbar leben. Die prüfen was Gottes Wille und Gebot ist, und wo die falschen Propheten lungern. Aber wenn wir den Nachrichten folgen, unseren eigenen hektischen Lebensstil etwas beobachten, kleine Streitereien in unserem Alltag, oder große Auseinandersetzungen in unserem Umfeld betrachten, dann kann es sein, dass wir doch manchmal oder öfter in die Gottesferne geraten.

 

Nochmal zurück zu Jeremia: Die falschen Propheten, die in Jeremias Zeiten so erfolgreich waren, haben das verkündigt was die Menschen hören wollten und sie in ihrem Lebensstil nicht antastete. Jeremias Prophezeiungen zielten im Gegensatz darauf auf Einsicht, Buse und Umkehr. Das war der schwierige, unbequeme Weg. Er fordert Selbsterkenntnis und die Bereitschaft, die eigene Lebensweise kritisch zu hinterfragen, Fehler auch bei sich selbst zu suchen und sich schließlich zu verändern und sich Gottes Weisheit zu überlassen. Jeremia litt unter seiner Berufung, wurde ausgegrenzt, verspottet, verfolgt. Er war der “Böse” im Spiel, er musste ein Prophet sein, der Unheil voraussagte, potenziell um das Volk zu zerstören. Es fiel ihm wirklich nicht leicht diese Berufung auszuführen, dennoch tat er es mit seiner ganzen Existenz. Daran erkennt man ihn als den wahren Propheten.

 

Trotz der Gottesferne wie Jeremia sie beschreibt, dürfen wir als Christen, gewiss sein, dass wir einen Gott haben, dem wir vertrauen können und der uns immer wieder wie verlorene Söhne und Töchter zurückkommen lässt in seine liebenden Arme. Das ist die Botschaft, die er trotz der manchmal gegenwärtigen Distanz zu uns spricht. Denn in und durch Jesus hat er diese Gottesferne für uns überwunden. Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Das ermutigt uns auf ihn zu schauen, an ihm zu prüfen was richtig und was falsche Aussagen sind. Wir brauchen nur das Vertrauen dazu, den Rest können wir Gott überlassen. Gott will, dass wir auf sein Wort hören und es Folgen haben lassen. Genau deswegen ist es manchmal unbequem. Dort wo Gottes Wort und Weg zu einfach und unkompliziert ist, da muss man vorsichtig sein. Da müssen wir prüfen ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind, oder auf dem des “Doom”propheten.

 

Manchmal ist es gut, uns dieses Vertrauen, dass Gott uns von falschen Propheten bewaren will, sichtbar vor Augen zu führen. Das wollen wir nun tun. Jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf an der Osterkerze, an dem Licht, das Gott uns in seiner großen Liebe zur Versöhnung geschenkt hat damit wir das ewige Leben erfahren können, eine kleine Kerze entzünden. Dieses Licht soll für jeden von uns leuchten und uns daran erinnern, dass Gott ein Gott der Liebe ist, der uns nie verlassen wird und das Jesus Christus der wahre Prophet ist, der uns den Weg zeigt. Amen Und der Friede Gottes, der alle Vernunft übersteigt, bewahre uns zum ewigen Leben,

 

Amen.