2018-07-22 - 8. Sonntag nach Trinitatis - Bischof Horst Müller

Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis, 22. Juli 2018, in der Johannesgemeinde - Drei Taufen und Abendmahl


Der Gottesdienst gestaltet sich rundum die 3 Taufen und das Abendmahl. Die Predigt geht in Schritten an den Tauftexten, Wochenspruch, Epistel und Evangelium entlang.

 

1.Wochenspruch: Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit undWahrheit. Epheser 5,8.9

 

Liebe Gemeinde, darum geht es heute, am 8. Sonntag nach Trinitatis - um das Leben als Christ. Ich möchte das Thema heute aber nicht am Predigttext gestalten, sondern anhand der Tauftexte der drei Täuflinge.

 

Aus dem ersten Vers hören wir, worum es überhaupt beim Christsein geht: Taufspruch Jens Peter Funke: Jesaja 41,10

Fürchte dich nicht, ich binmit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. /

So do not fear, for I am with you; do not be dismayed, for I am your God. I will strengthen you and help you; I will uphold you with my righteous right hand./

Moenie bang wees nie, Ek is by jou, moenie bekommerd wees nie, Ek is jou God. Ek versterk jou, Ek help jou, Ek hou jou vas, met my regter hand red Ek jou.

 

Ich muss mich an dieser Stelle bei denen entschuldigen, die linkshändig sind, denn in zwei der Texten kommt die rechte Hand vor. Wer linkshändig ist, muss an der Stelle einfach hören: Linke Hand! Bei der Rechten Hand geht es umdie starke Hand, die Hand, die das wichtigste tut. Nun sagt Gott in diesem Text: Ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.Wenn Gott mit uns beschäftigt ist, macht er es nicht “mit links”, so nebenbei.Nein, er nimmt die Hand, die amwichtigsten ist - weil wir ihmsowichtig sind.

 

Um uns zu erlösen, schickt er seinen Sohn - der ihm am wichtigsten ist. Fürmich als Christen ist dieses einfach fantastisch zu hören: Ich binGott unendlich wichtig - er nimmt mich in die Rechte Hand, die Hand, die nicht nur kräftig zupacken kann, sondern auch ambesten und sichersten Zerbrechliches hält. Ich bin also nicht nur in Gottes starker Hand - sondern auch in Gottes behutsamer Hand! Wenn wir dann schauen, was noch in dem Text steht, fällt auf, dass es immer wieder heißt: Ich (Gott), ich, ich, ich.

 

Wenn ich Konfirmanden frage: Wer ist ein Christ, kommt meistens als erste Antwort: Jemand, der die Gebote hält. Der Vers aus Jesaja zeigt uns: Nicht ich (Mensch) bin das Wichtigste - sondern Gott, und sein Handeln! Das gilt heute bei der Taufe: Ja, wir geben ein Versprechen - aber viel wichtiger ist, dass Jesus Christus zu den Täuflingen sagt: ICHbin euer Erlöser! ICHrufe euch beimNamen. Ihr seid mein!

 

Auch wenn Glaube für uns oft zur Nebensache wird, wenn wir noch Zeit haben, wenn wir Lust haben - für Gott sind wir nicht Nebensache.Mit rechter Hand greift er zu, mit allem, was er hat, kommt er zu uns! Lasst uns darum voll Freude singen:

 

Lied 288, 1, 4-7: Nun jauchzt dem Herren alle Welt

 

2. Im ersten Teil haben wir gehört, dass das Wichtigste am Christsein das ist, was Gott für uns tut und durch seinen Sohn Jesus Christus für uns gibt. Beim Christsein geht es aber auch darum, dass wir dann als Christen leben - das Thema des 8. Sonntags nach Trinitatis.

 

Der Taufspruch Amara Talia Olivier: Sprüche 2, 10,11

Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein, Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten /

For wisdomwill enter your heart, and knowledge will be pleasant to your soul. Discretion will protect you, and understanding will guard you. /

Want wysheid sal in jou hart inkom, en kennis sal vir jou aangenaam wees. Goeie oordeel sal oor jou waghou, verstandigheid sal jou bewaak.

 

Dieser Vers hat zwei Seiten - einerseits ist er ein Zuspruch - besonders wenn man es einem Kind als Tauftext mit auf den Lebensweg gibt. Anderseits ist es eine Feststellung: Weisheit, Erkenntnis, Besonnenheit und Einsicht sind für das Leben hilfreich.

 

Den Zuspruch dürfen wir als Christen hören, wenn Jesus sagt: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes Empfangen... oder: Der Geist wird euch in aller Wahrheit leiten.Wenn Gott uns ruft, dann hilft er uns auch. Wenn man den Text als Feststellung liest, führt er uns zur Epistel. Dort wird uns Christen nicht nur gesagt,was uns gegebenwird, sondern auch,wiewir unsererseits darauf achten können, dass Weisheit, Erkenntnis, Besonnenheit und Einsicht in unserem Leben zur Geltung kommen:

Wir hören die Epistellesung Epheser 5 8b:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit undWahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

 

Es ist ein Aufruf zur Wachsamkeit, zur Prüfen, zum Unterscheiden. Diese Kinder wachsen auf in einer Zeit der grenzenlosenMöglichkeiten. Aber es ist auch die Zeit wo vieles andere grenzenlos wirkt.

 

“Prüft was dem Herrn wohlgefällig ist” wird da zu einem Lebenskompass, der ihnen immer wieder helfen wird, das Gute zu suchen und zu finden. Liebe Gemeinde, darin sollen wir diesen Kindern mit gutem Beispiel vorangehen. Sie sollen bei uns lernen, dass wir das suchen, was dem Herrn wohlgefällig ist! Das nächste Lied ist ein Gebet, das dieses zum Ausdruck bringt.

 

Lied 209: Ich möcht, dass einer mit mir geht (alle 4 Verse)

 

3. Nachdem wir gehört haben, dass es beim Christsein an erster Stelle darum geht, dass Gott handelt, beim zweiten Teil, dass wir suchen sollen nach dem was ihm gefällt, kommen wir nun zum dritten Teil.

 

Wir hören als das Evangelium dieses Tages: Matthäus 5

Ihr seid das Salz der Erde.Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht derWelt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die imHause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Auch dieser Text hat wieder zwei Seiten: Einerseits ist es der wunderbare Zuspruch, dass wir Salz der Erde und Licht der Welt sind. Anderseits aber ist es beunruhigend, dass auch von Salz die Rede ist, das nicht mehr salzt, oder von einem Licht, das unter einem Eimer steht - und schließlich ausgeht.

 

Werden wir es schaffen, als Christen zu leben? Werdet ihr Eltern und Paten es schaffen, eure Kinder so zu leiten, dass sie als Christen leben?

 

Da hören wir nun den dritten Taufspruch: Adrian Konrad Hinze: Jesaja 41, 13

Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir.  /

For I am the Lord your God who takes hold of your right hand and says to you, Do not fear; I will help you. /

Ek is die Here jou God, Ek vat jou regter hand, Ek sê vir jou:Moenie bang wees nie, Èk help jou

 

Wieder ist von “Rechter Hand” die Rede - aber diesmal ist es meine. Wann nimmt jemand meine rechte Hand? Beim Bergsteigen greift ein Helfer mit seiner Rechten nach meiner Rechten, um mich über eine schwierige Stelle zu ziehen.

 

Wir dürfen wissen, dass Gott uns in schweren Zeiten immer wieder die Rechte Hand reicht, besser gesagt, dass er unsere Hand fasst, und hilft.

 

Liebe Eltern und Paten, auch da sollen wir mit guten Beispiel vorangehen - unsere Kinder dürfen von uns lernen, dass auch wir von unserem Herrn abhängig sind, dass wir zu ihm rufen, wenn wir nicht weiter wissen.

 

Aber meine rechte Hand kann auch genommen werden, wenn jemand neben mir geht.Wir haben eben gesungen: Ich möcht, dass einer mit mir geht. Wenn Gott neben uns geht, nimmt er unsere Rechte (in seine Linke!) - was heißt dass? Eigentlich brauche ich doch meine starke Hand selber? Ich möchte es so deuten: Nun wird Gottes Rechte Hand zu meiner Rechten Hand - meine stärkste Hand ist nun nicht mehr meine eigene - sondern Seine! Darum sagt er: Fürchte dich nicht! Darum nennt er uns Salz der Erde und Licht derWelt - weil ER durch uns wirkt!

 

Liebe Eltern und Paten, so greift er auch eure rechte Hand umeuchmit seiner Hand zu helfen bei der Erziehung und Begleitung euerer (Seiner!) Kinder. Liebe Schwester, lieber Bruder, so nimmt der Herr uns immer wieder bei der Hand, damit unser Leben ein Segen ist.

 

Gestern las ich im Losungsheft den Satz: “... dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges fröhlich sehen will, denn wir sind Kinder Gottes.” (Hanns Dieter Hüsch)

 

Ist das nicht eine schöne Zusammenfassung davon, was es heißt, Christ zu sein? Aufrechten Ganges, fröhlich, denn wir sind Kinder Gottes! Diese Freude wird im nächsten Lied ausgedrückt:

 

Lied 200 1+2: Ich bin getauft

 

Taufen, mit Credo und Vaterunser Nach der Taufe

 

Lied 200 3+4: Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe

 

Familiensegnung

 

4. Hinführung zum Abendmahl: Liebe Gemeinde, nun sind wir eingeladen, unsere Hand auszustrecken und sie Gott hinzuhalten. Noch besser: Im Abendmahl erleben wir, dass er die Hand, seine Rechte Hand! nach uns ausstreckt, zu heilen, zu helfen, aufzurichten.

 

Mit den nächsten beiden Liedstrophen sind wir eingeladen neu diese Hand zu nehmen und unser Leben als Christ, mit Christus, zu leben. Beim Abendmahl dürfen wir schmecken und sehen, dass er bei uns ist!

 

Lied 200: 5+6 Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue (ersetzt “Schaffe in mir Gott”)

 

Das Lied danach ist dann nochmal die wunderbare Einladung: Kommher - auch du bist gemeint! Auch dir gelten diese Worte und Verheißungen!

 

Lied 213: Kommt her, ihr seid geladen!


Amen


Horst Müller, Bischof, ELKSA(N-T) Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!