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Predigt: Thema – Suche Frieden und jage ihm nach!
Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.
Ich lese aus Psalm 34 die Verse 13 bis 16. Die heutige Predigt wird sich jedoch nicht nur mit den Worten dieses Psalms befassen, sondern auf das Thema dieses Gottesdienstes eingehen – Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34:
13 Wer ist’s, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte?
14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.
15 Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!
16 Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.
Suche Frieden und jage ihm nach!
Das Thema des heutigen Gottesdienstes und die Losung für das Jahr 2019. Ich denke nicht, dass es viele gibt, die dieser Losung nicht zustimmen würden. Wir leben in Zeiten der Spannung und Unruhen – weltweit und hier in unserem Land, Südafrika. Frieden ist seit vielen Jahren zum Mantra politischer Kampagnen geworden – sowohl links als auch rechts.
Wenn sich nun aber wirklich fast jeder Frieden wünscht, warum ist er dann so schwer zu finden? Warum ist der Frieden so flüchtig? Vielleicht liegt der Grund dafür in der Tatsache, dass wir den Begriff „Frieden” so unterschiedlich definieren. Bei meiner Vorbereitung dieser Predigt schlug ich das Wort nach und fand Folgendes:
Frieden – Freiheit von aller Störung; Ruhe
Frieden – Ruhe, Gelassenheit
Frieden – Glück, Freude, Nirvana
Frieden – ein Zustand oder einer Zeit, in der es keinen Krieg gibt oder in der der Krieg beendet wurde
Frieden – wenn Menschen ihre Konflikte gewaltlos austragen und zusammenarbeiten, um ihre Lebensqualität zu verbessern.
Jeder scheint sich also Frieden zu wünschen, aber was heißt es denn nun aus Sicht der Bibel, wirklich Frieden zu suchen? Das ist eine Frage, die es uns schwerfällt zu beantworten. Meines Erachtens ist dies teilweise darauf zurückzuführen, dass wir instinktiv – und verständlicherweise – zunächst einmal dem Waffenfeuer und dem Töten von Menschen ein Ende setzen wollen. Doch denke ich auch, dass wir uns oft garnicht so ganz sicher sind, was es denn nun heißt, wirklich Frieden zu suchen. Wir wissen nicht so recht, wo wir anfangen sollen und deshalb wissen wir auch nicht wirklich, wie wir uns in unserer Gesellschaft, in unserem Land, in unserer Welt verhalten sollen, wenn wir echten christlichen Frieden suchen. Um wirklich Frieden suchen zu können, müssen wir der Sache sozusagen „auf den Grund gehen“. Wir brauchen einen Frieden, der die Gesellschaft verwandelt und Menschlichkeit fördert, wie sie im Bilde Gottes geschaffen wurde.
Frieden, der mehr ist, als nur die Abwesenheit von Kugeln. Frieden, der Gesellschaften verwandelt. Frieden, der Menschlichkeit fördert, wie sie im Bilde Gottes geschaffen wurde.
Wo lässt sich ein solcher Frieden finden?
Ich lese noch einmal Vers 15 aus Psalm 34: Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche shalom und jage ihm nach!
Der Frieden, den wir aufgefordert werden zu suchen, ist ganz spezifisch. Es ist „shalom”. Im Alten Testament ist dies der wichtigste Begriff für Frieden. Er bezieht sich auf viel mehr, als nur die Abwesenheit von Konflikten. Shalom verweist auf die Beziehung zwischen Gott und den Frauen und Männern (Psalm 85,8) und auf die Beziehungen zwischen Menschen und Nationen (Genesis 34,21, 1. Könige 5,12).
Shalom steht oft im Zusammenhang mit einem Bund oder einem eingehaltenen Versprechen und der wirklich biblische shalom bezeichnet ein inneres Empfinden der Ganzheit. Obwohl er auch die Abwesenheit von Krieg bezeichnen kann, beziehen sich die meisten Bibelstellen, wo shalom erwähnt wird, auf eine Ganzheit, die dazu ermutigt, diese mit Dankbarkeit zu erwidern.
Frieden beginnt also bei dem Einzelnen und breitet sich dann in der Gemeinschaft aus. Wenn wir also Frieden suchen, so müssen wir zunächst einmal Frieden mit uns selbst finden.
Ich lese die ersten Worte aus einem Zitat von Thomas Merton: „Der Mensch findet keinen Frieden mit seinen Mitmenschen, weil er keinen Frieden mit sich selbst findet.”
Wie finde ich denn nun Frieden in mir? Es fällt uns oft schwer, diese Frage zu beantworten. Viele versuchen, Frieden zu finden und Frieden zu schaffen, aber Frieden wurde schon geschaffen. Gott selbst schuf ihn durch Christus.
Hier nun das gesamte Zitat von Merton: „Der Mensch findet keinen Frieden mit seinen Mitmenschen, weil er keinen Frieden mit sich selbst findet, weil er keinen Frieden mit Gott hat.”
Wegen des leeren Grabes haben wir Frieden. Wegen seiner Auferstehung können wir auch in turbulenten Zeiten Frieden erleben, weil wir wissen, dass er alles, was in der Welt geschieht, in der Hand hat. Gott hat uns seinen Frieden gegeben. Wir brauchen ihn nur zu ergreifen. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh. 14,27)
Matthew Henry bringt dies sehr treffend zum Ausdruck:
“Christus starb und hinterließ ein Testament, in dem er seine Seele seinem Vater gab, seinen Körper Joseph von Arimathäa, seine Kleider den Soldaten, und seine Mutter Johannes. Aber seinen Jüngern, die alles aufgegeben hatten um ihm zu folgen, hinterließ er nicht Silber und nicht Gold, sondern etwas weitaus Besseres – er ließ ihnen seinen Frieden. ”
Wir wurden im Bilde Gottes geschaffen? Jesus Christus lebte und starb für jeden von uns. Er hat uns seinen Frieden versprochen, der alles Verstehen übersteigt. Wir haben den Anspruch darauf, mit Gott zu leben und Gott in uns leben zu lassen. Wir sind durch das Blut Christi angenommen und erlöst. Wir leben aus der Gnade Gottes, der uns annimmt, selbst wenn wir straucheln, fallen und Fehlentscheidungen treffen, Falsches denken oder unangemessen handeln. Gott gibt uns seinen Frieden. Wir können keinen Frieden mit Gott und mit uns selbst schaffen – wir können ihn nur durch die Gnade Gottes empfangen.
Suche Frieden und jage ihm nach!
Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche shalom und jage ihm nach.
Thomas a Kempis schrieb einmal: “Halte zuerst Frieden in dir selbst, dann kann du auch anderen Frieden bringen.”
Wahren Frieden in uns selbst finden wir nur, wenn wir den Frieden annehmen, den Gott uns durch Christus anbietet. Dann können wir mit seiner Hilfe versuchen, diesen Frieden auch anderen weiterzugeben. Wir streben dann nicht mehr einem Frieden nach, der der Gewalt einfach nur ein Ende setzt, sondern einem Frieden, der Gemeinschaften verwandelt, der es ermöglicht, im Feind den Bruder oder die Schwester zu erkennen. Frieden, der in der Liebe Christi wurzelt und nicht in dem Wunsch, der Gewalt ein Ende zu setzen, weil das unseren Interessen entspricht. Frieden, der in dem Wunsch wurzelt, das zu tun, was richtig ist, was gerecht ist und was liebevoll ist.
Ich schließe mit einem Zitat von Martin Luther King aus einer Predigt zur Feindesliebe:
„Christus sagte: ‚Liebet eure Feinde.‘ Und es ist ausschlaggebend, dass er nicht sagte: ‚Mögt eure Feinde.‘ […] Jesus sagte, liebt sie. Lieben ist größer als mögen. Liebe heißt verstehen, ein erlösender guter Wille für jeden, damit man jeden liebt, weil auch Gott ihn liebt […] Irgendwie ist das ‚Ist‘ unserer derzeitigen Natur aber nicht im Einklang mit dem ewigen ‚Soll‘, das uns immer wieder vor Augen geführt wird. Und das heißt lediglich, dass auch in den besten Menschen etwas Böses steckt und dass auch in den schlechtesten Menschen etwas Gutes steckt. Wenn wir uns das vor Augen halten, können wir Menschen anders begegnen. Selbst die Person, die dich am meisten hasst, hat Gutes in sich; selbst die Rasse, die dich am meisten hasst, hat Gutes in sich. Und wenn man dahin gelangt, dass man einem Menschen ins Gesicht blicken kann und ganz tief innen das erkennen kann, was die Bibel „das Bild Gottes nennt“, beginnt man, diesen Menschen trotz allem zu lieben. Egal was er tut, sieht man in ihm ein Abbild Gottes. Es gibt ein Element des Guten, das er selbst nie abreiben kann. Entdecke dieses Element des Guten in deinem Feind. Und wenn du ihn hassen willst, so finde diesen Kern des Guten und konzentriere dich darauf. Dann wird sich deine Haltung wandeln.”
Amen Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne jetzt und immerdar.
Amen