2019-03-31 - Lätare - Verabschiedung von Kathrin Grüneberg - Jugenddiakonin Kathrin Grüneberg

Brot des Lebens


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

 

Es ist eine interessante Übung für sich selbst einmal 10 Sätze zu formulieren, die mit „Ich bin“ anfangen. Was würde da alles zusammenkommen und in welcher Reihenfolge? Ich bin. Wer bin ich?

 

Wenn man von den schlichten Äußerlichkeiten wie Geschlecht, Beruf und Familienstand einmal absieht ... Wer bin ich? Worüber definiere ich mich? Bin ich das, was ich tue? Und wenn ich das bin was ich tue, was bleibt dann noch, wenn ich das was ich tue irgendwann nicht mehr tun kann? Bin ich diejenige, die andere in mir sehen, oder bin ich so wie ich mich selber sehe? Oder verzerrt sich womöglich das Bild, wenn ich mich selber sehe, mache ich mich schlechter oder besser als ich in Wirklichkeit bin? Oder verändert sich mein Sein abhängig davon, mit wem ich zusammen bin und wie ich verschiedene Situationen im Leben gestalte? Wer bin ich?

 

Gott offenbarte sich Mose damals im brennenden Dornbusch. Und auf die Frage nach seinem Namen, gab er eine merkwürdige Antwort. „Mein Name lautet: Ich bin.“

 

Es ist schwierig diesen geheimnisvollen Gottesnamen angemessen im Deutschen wiederzugeben. „Ich bin, der ich bin“, steht in manchen Übersetzungen. „Ich bin, der ich sein werde“ oder auch: „Ich bin für dich da.“ Im Griechischen heißt es sogar: „Ich bin der Seiende.“ Gott bringt mit diesem Namen zum Ausdruck, dass er keine Identitätskrise kennt. Er definiert sich nicht durch andere, sondern im Gegenteil: Alles was ist, hat sein Dasein von ihm her. Und so ist es bei Jesus auch. Wir finden im Johannesevangelium gleich 7 Aussprüche, die mit „Ich bin“ anfangen und in denen sich Jesus selbst definiert und anderen vorstellt:

 

  • Ich bin das Brot des Lebens
  • Ich bin das Licht der Welt
  • Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird selig werden.
  • Ich bin die Auferstehung und das Leben.
  • Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
  • Ich bin der gute Hirte.
  • Ich bin der wahre Weinstock.

 

Das sind ziemlich steile Aussagen und wir merken, mangelndes Selbstbewusstsein war ganz offensichtlich nicht das Problem von Jesus. Aber mit diesen Äußerungen setzt er seine Zuhörer unter Zugzwang. Sie müssen eine Entscheidung treffen. Sie müssen sich entscheiden: kaufen wir ihm das ab – sagt er die Wahrheit über sich selbst, oder ist er Größenwahnsinnig. Ist er durchgeknallt. Und je nachdem wie diese Grundentscheidung Jesus gegenüber ausfällt, bekommen seine Worte auch einen ganz anderen Klang.

 

Der heutige Predigttext steht im Johannesevangelium, Kapitel 6, die Verse 47 bis 51. Es handelt sich um das erste der 7 Ich-bin Worte.

 

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

 

Liebe Gemeinde,

 

„Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Christus als Grundlebensmittel für uns Menschen, als das eigentliche Brot, das man braucht. Doch fällt es uns oftmals schwer, allein im Glauben an Jesus zu bestehen.

 

Im Predigttext stellt der Evangelist Johannes zwei Gaben Gottes gegenüber, die uns im Leben als Hilfe dienen sollen. Da ist auf der einen Seite das Manna - die wunderbare Speise der Israeliten auf ihrem Wüstenzug. Es wurde auch als Himmelsbrot bezeichnet (2. Mose 16, 4). Gott nährt sein Volk auf seinem Weg ins gelobte Land. Gott steht ihnen in der Wüste bei. Aber das Manna reicht immer nur für einen Tag. Es war ein Brot zum Leben. Ein Brot zum Überleben. Aber es war nicht das Brot des Lebens. Das Manna gehört zu den Dingen, die Gott uns Menschen geschenkt hat, damit wir im Leben über die Runden kommen. Bei den Israeliten in der Wüste war es eben dieses Manna und auch die Wachteln.

 

Und auch uns schenkt Gott vieles, was wir zum Leben brauchen: Ich denke da zum Beispiel an unsere Gesundheit. Auch sie gehört zu dem, was Gott uns schenkt. Es ist schön, wenn man leistungsfähig ist, einem nichts weh tut. Und natürlich gerade dann, wenn wir krank sind, merken wir, wie wichtig das ist.

 

Aber Gesundheit ist nicht unerlässlich. Auch wer krank ist, wer schwach und eben nicht mehr leistungsfähig ist, hat dennoch etwas vom Leben, ist dennoch etwas wert. Gesundheit gehört zu den Delikatessen unseres Lebens, aber sie ist nicht Brot des Lebens, ohne sie kann oder muss es trotzdem gehen.

 

Und so ist es auch mit den Beziehungen unter uns Menschen, in der Familie, Verwandtschaft oder im Freundeskreis: es ist wundervoll welche zu haben; Menschen, auf die man sich verlassen kann; Menschen denen man seine Sorgen erzählen kann und die nicht gleich abwinken. So etwas ist ein Schatz fürs Leben. Gelingende Beziehungen sind in meinen Augen auch ein Geschenk, mit dem Gott unser Leben schöner macht. Ein Sahnehäppchen, aber kein Brot des Lebens.

 

Wir als Menschen auf dieser Erde haben Anteil an einer wunderschönen Schöpfung um uns herum. Die können wir gestalten, aber leider auch verunstalten. Aus ihr gewinnen wir unsre Lebensmittel. In ihr können wir uns bewegen; an ihren Schönheiten uns freuen. Ohne sie könnten wir Menschen eigentlich gar nicht existieren. Darum gehört sie zu dem Manna, das Gott uns schenkt, damit wir leben können. Aber auch diese Schöpfung ist nicht Brot des Lebens!

 

Denn alles das, was Gott uns als „Manna“ schenkt – egal inwieweit es zu unseren Grundbedürfnissen gehört oder wirklich nur purer Luxus ist – alles das hat eine große Schwäche: es hält nicht ewig. Jesus sagt es im Predigttext: eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Alle unsere wunderbaren, tollen Lebensmöglichkeiten … am Sterbebett zerrinnen sie zwischen den Fingern. Was bleibt denn dann noch? Was überdauert unseren Weg hier auf der Erde? Jesus sagt es: „Das Brot des Lebens“.

 

Er spricht von sich selbst. In dem bekannten „Ich-bin-Wort“ stellt er sich den Juden als „Brot des Lebens“ vor, das gegenüber dem Manna aus der Wüste eine ganz andere Qualität besitzt. Ich glaube: wir treffen die Mischung ganz gut, wenn wir sagen „Brot des Lebens ist meine Beziehung zu Gott“. Die Möglichkeit zu ihm zu reden, auf ihn zu hören, die Chance, auf ihn zu vertrauen.

 

Brot des Lebens - was kann das sein?

 

  • Das ist ein Zuspruch: ich gebe dir, was du zum Leben brauchst, ich bin für dich da.
  • Das ist Ermutigung: du kannst mir vertrauen: dein Lebenshunger kann gestillt werden.
  • Das ist ein Angebot: verlass dich auf mein Wort.

 

Der heutige Sonntag Lätare sagt: „Freue dich.“ Er ist mitten in der Passionszeit wie ein kleines Ostern. Es ist wie eine Auferstehung, wenn das Grundvertrauen da ist oder wieder neu kommt, wenn man Gott fest an seiner Seite spürt und weiß, dass dieses Brot für das Leben da sein wird. Wenn man sein Kind in Gottes Händen geborgen weiß.

 

Für mich ist dieser Predigttext ein ganz wunderbares Wort. Ein Wort, das einen Horizont offenhält und den Weg in die Zukunft weist - für mich ganz persönlich, für die Gemeinde, für unsere Kirche. Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Martin Luther würde sagen: Solus Christus.

 

Einer stirbt für die Sünden der Welt und ist unsere Rettung.

Einer tritt für uns vor Gott ein und versöhnt die Welt.

Einer gibt sich hin, gibt sich selbst, damit wir Hoffnung haben.

Einer überwindet die Ferne zwischen Gott und den Menschen.

Einer besiegt den Tod und schenkt ewiges Leben.

Solus Christus.

 

Vertrauen auf Gott bedeutet Lebensgewinn.

Die Blickrichtung ist klar. Ich halte mich an Christus, das Brot des Lebens, das Licht der Welt, den Weg, die Wahrheit und das Leben.

 

Durch den Glauben an Jesus Christus hält Gott für mich, für jede und jeden einzelnen von uns eine Zukunft bereit.

 

Das Brot des Lebens, das Gott uns gibt in Jesus Christus, es stärkt uns durch die Wüstenzeiten in unserem Leben hindurch und eben darüber hinaus. Es gibt Kraft, auch schwierige Wege zu gehen. Es nährt uns mit Hoffnung und Zuversicht, mit Trost und Liebe. Es stärkt uns, unsere Wege im Leben bis in die Ewigkeit zu gehen.

 

Und es fügt auf die Frage: Wer bin ich? ein paar neue Antworten hinzu:

 

Ich bin ein geliebtes Kind Gottes.

Ich bin untrennbar mit Gott verbunden.

Ich bin bei Gott geborgen.

Ich bin ein Anwärter auf das ewige Leben.

 

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.