2020-03-01 - 1. So. id Passionszeit - Invocavit - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

(Predigt zum Thema „Freundschaft“)


Wie muss ein Freund und eine Freundin sein?

(Ergebnisse von der Konfifreizeit werden aufgezählt)

Das ist, auf den Punkt gebracht, was den Konfis an ihren Freunden und Freundinnen wichtig ist. Eine ganze Menge.

Fast könnte man meinen: Freund und Freundin sein, heißt perfekt sein zu müssen. Wir sind aber nicht perfekt. Keiner von uns.

Fast ein Jahr lang habt ihr, Hannelore und Michelle schon miteinander hier verbracht, ihr VorKonfis kennt euch z.T. noch nicht besonders gut, einige vielleicht schon, andere noch nicht. Das wird sich ändern. Ihr seid nun eine längere Zeit miteinander unterwegs. Und ich bin mir sicher, es werden Verbindungen unter euch entstehen. Es wird mit Sicherheit etwas zwischen euch wachsen an Vertrauen. Auf der Konfifreizeit hattet ihr schon Gelegenheit dazu….Bande zu knüpfen. (Beispiele werden genannt)

Ab wann nenne ich jemanden einen Freund oder eine Freundin? Gibt es da eine Rangfolge? Ist man befreundet, wenn man sich gut unterhalten kann, den gleichen Musikgeschmack hat oder wenn man so und so viele Abenteuer miteinander bestanden hat?

In dem alten deutschen schwarz-weiß-Film singen die drei von der Tankstelle: Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.

Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt.

Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den es gibt.

Ein guter Freund ist einer, der da ist, wenn`s eng wird. Wenn wir Sorgen haben, wenn die Welt gegen uns ist. Wenn wir uns selbst nicht mögen.

Was wir dann nämlich brauchen, ist nicht jemand, der immer weiß, was richtig ist, sondern jemand, der sich Zeit nimmt und zuhört. Der vielleicht gerade auch einmal sagt: ich bin genauso ratlos wie du, aber ich steh das mit dir durch.

Wenn alles super läuft, brauchen wir einen guten Freund, der unsere Freude mit uns teilt. Auch das kann nicht jeder Mensch. Sich für einen anderen mitfreuen.

Egal, ob jemand schwer krank geworden ist oder unheimlich erfolgreich – hinterher kann man sagen: „Jetzt weiß ich, wer meine echten Freunde sind.“ Wir lernen im Laufe unseres Lebens viele Menschen kennen. Einige werden uns zu Freunden. Einige verlieren wir aus den Augen. Sehen sie vielleicht nach vielen Jahren wieder und es ist immer noch Freundschaft da. Mit anderen lebt man sich aber auch auseinander und irgendwann hat man sich nichts mehr zu sagen. Das sind sehr traurige Momente im Leben. Bei allen Freunden, die kommen und gehen im eigenen Leben. Einer möchte kommen und bleiben.

Jesus ist das. Ihr kennt mit Sicherheit schon vieles aus dem Leben von Jesus. Habt Geschichten gehört im Kindergottesdienst, aus der Kinderbibel, von Mama und Papa, in der Schule. Und ihr wisst mit Sicherheit, dass Jesus kein Einzelgänger gewesen ist. Er hat sich Freunde gesucht. Die Erzählung vom wunderbaren Fischfang erzählt, wie Jesus sich die ersten Freunde sucht, die meisten waren Fischer. Er wollte sie zu Menschenfischern machen.

Mit diesen 12 und es waren noch mehr Menschen, zog Jesus umher. Er erzählte von Gottes Reich, er heilte Kranke und vollbrachte Wunder mit der Vollmacht als Gottes Sohn. Immer wieder wird an seinem Leben deutlich, dass er sich um Menschen gekümmert hat, dass es ihm nicht egal war, wenn Menschen ausgegrenzt wurde. Ihr kennt die Geschichte von Zachäus, der einsam war. Natürlich war er da selbst mit dran schuld, weil er andere um Geld betrog, ihnen zu viel Zoll abnahm. Aber wir Menschen können schon unbarmherzig sein und es denjenigen spüren lassen, wenn er Mist gebaut hat. Anderen zu vergeben, fällt vielen schwer. Nun Jesus lädt sich zu ihm ein, er feiert die Gemeinschaft mit ihm und bringt ihn so dazu, umzudenken und das Geld zurück zu geben. Und das gelingt, weil er Zachäus sieht, wahrnimmt mit all seinen Nöten und Hoffnungen. Und Zachäus wohl gespürt hat: hier schenkt einer Liebe und Achtung. In Gegenwart von Jesus brauche ich nicht mich selbst und andere betrügen. Jesus ist ein Vorbild für uns, wie wir – auch freundschaftlich – miteinander umgehen sollen. Fehler verzeihen, niemanden verurteilen, uns selbst immer wieder vergeben lassen.

Wir sind jetzt in der Passionszeit. In der Predigt letzte Woche ging es darum, dass Jesus seinen Freunden ankündigte, dass ihr Weg hinauf nach Jerusalem gehen wird. Er weiß, was da passieren wird. Er wird gefoltert und angespuckt und zum Tode verurteilt und er wird gekreuzigt. Die Freunde wollen das nicht wahrhaben. Sie verstehen ihn nicht. Sie gehen den Weg mit ihm. Sie werden schwach werden, einer wird ihn verraten, sie enttäuschen Jesus und sich selbst. Sie merken: ich bin nicht so stark, wie ich es gern wäre.

Liebe Gemeinde, es ist nicht einfach, sich seine Schwäche einzugestehen. Ihr ins Auge zu blicken. Sie anzunehmen und sich selbst gnädig anzublicken. Wie gut, dass uns ein anderer anschaut, durchschaut und dennoch liebt. Jesus verurteilt niemanden. Niemals. Er kennt die Schwächen der Menschen. Er hat sie am eigenen Leib gespürt. Aber er ist größer als jede Schwäche. Und auch wir können uns immer wieder von ihm ermutigen lassen, weiter zu gehen, weiter zu machen, es besser zu machen. Wir dürfen immer wieder neu anfangen. Jesus möchte Euer Freund sein, liebe Konfis. Für immer. All die Eigenschaften, die euch an Freunden wichtig sind, werdet ihr bei Jesus finden: Er behält Geheimnisse für sich, ist ehrlich mit euch, liebt euch so, wie ihr seid. Er verzeiht euch. Ihr könnt normal sein und müsst euch nicht verstellen. Ihr könnt 100 % auf ihn vertrauen. Er nimmt sich Zeit und hört euch zu. Bei allen Sachen, die ihr unternehmt, ist er dabei. Er freut sich, wenn ihr mit ihm eure Zeit verbringt. Auf den Punkt gebracht: Du hast einen Freund.

Ein Freund, ein guter Freund, Jesus als Freund zu haben, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund, Jesus, bleibt immer Freund, auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt. Ein Freund, ein guter Freund, Jesus, das ist der größte Schatz, den es gibt.


Amen