(Predigt Hebräer 13,12-14) [ Link zum Video ]
Bleibt Zuhause! Stay at home! Heißt es seit Donnerstag Nacht nun endgültig. Für die nächsten 3 Wochenvorerst.
Die Predigt, liebe Gemeinde, kommt von meinem Zuhause. In die Kirche kann auch ich nicht mehr so ohne weiteres für die nächste Zeit gehen.
Die soziale Distanz bringt uns im Netz näher zusammen.
Viele Videos gehen hin und her. Erheitern auch das Gemüt, machen das Schwere leichter.
Zuhause bleiben… wer hätte gedacht, dass das vielen so schwer fällt.
Die Lehrer der DSP haben nun damit begonnen, jeden Tag präsentiert sich eine oder einer auf der Homepage und gibt Tips für die Freizeitgestaltung.
Letzte Woche haben schon einige Prominente einen Werbeclip auf Facebook dazu gestellt. da sind gute Ideen dabei: all das tun, was man bisher vermieden hat: die Wohnung streichen, den Keller aufräumen, Bücher lesen, Spiele spielen, was mit der Familie machen und für sich selber tun, den Garten gestalten, die Buchhaltung in Ordnung bringen, über die Kindheit nachdenken oder puzzeln, die Zukunft planen, das Badezimmer putzen, kochen. Eigentlich sei es ein Traum. Freunde und Verwandte anrufen, innehalten, meditieren, Sinnfragen stellen und beantworten, Bücher nach Farben sortieren, PC spielen und sich mit Leuten im Internet treffen.
Eine Frau stellt fest: Wir Menschen sind so getrieben und können diese Wettbewerbs und Produktivitätsauszeit seelisch sehr gut gebrauchen, es ist eine Riesenchance für viele, runterzukommen, runterzufahren. Es wird dafür geworben, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen und teilzuhaben an der Krisenbewältigungsgesellschaft
Einer meint: Auf seltsame Art und Weise ist diese Distanz Schuld daran, dass ich viel näher bin als zuvor.
Sinnfragen stellen… das ist nicht schwer angesichts der großen Corona-Krise. Die Welt wird danach eine andere sein, da ist man sich einig.
Der Theologe Karl Barth hat einmal, vor über 100 Jahren heute, wie ich finde, immer noch zutreffend, formuliert:
Sowie wir auch nur mit einem Finger hindurchstoßen durch die dünne Schicht von menschlicher Gerechtigkeit und Sicherheit und Wichtigkeit, auf der wir scheinbar so ruhig wandeln, sofort stoßen wir auf den feurigen, unterirdischen Grund dieser großen Anklage, die einfach alles in Frage stellt: Was macht ihr aus eurem Leben? Was für eine falsche, verkehrte Welt baut ihr euch tagtäglich auf… Das ist der Schatten, der über unserem Leben liegt.
Was machen wir aus unserem Leben? Worin bestehen der Sinn und der Weg des christlichen Lebens?
Lasst uns beten: Guter Gott:: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie uns leiten zu deiner Wohnung und ich dir danke, dass du mir hilfst. Amen
Ich lese den Predigttext aus dem Hebräerbrief, Kap. 13,12-14
12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Mit den 2 Konfirmandinnen habe ich letzte Woche noch über Jesus Christus gesprochen. Seine Worte, seine Taten, sein Leben. Aber mehr noch geht es mir darum, eine persönliche Beziehung zu ihm zu bekommen. Es gibt doch diese Armbändchen, wo drauf steht: wwjd – what would Jesus do… ja, sich hin und wieder das zu überlegen… und somit in die eigenen Entscheidungen mit einzubeziehen, ihn ins Leben hinein zu holen, das hilft einem im Leben … in den guten und in den schweren Tagen… davon bin ich überzeugt.
Jesus hineinholen. Diese Woche ist Jesus in mein Leben visuell hineingekommen, weil unser Jesus am Kreuz in der Kirche frisch eingeölt wurde. Ich habe mich sehr gefreut, diese Fotos zu bekommen und nun auf meinem Smartphone zu haben, wenn mein Gang zur Kirche nun in den nächsten Wochen wohl eher selten oder gar nicht möglich sein wird.
Jesus hineinnehmen…
Damals, da war er auch mittendrin. Bei den Menschen mit seiner Botschaft: Gott liebt diese Welt. Als Mensch lebte Jesus unter Menschen, nicht unter Mächtigen und Herrschenden, sondern unter ganz normalen Menschen. Er teilte ihr Leben, heilte und predigte, dass das Reich Gottes und seine Liebe nahe seien.
Und das tat er in einer Zeit voller Gewalt, Ungerechtigkeiten und Unfrieden.
Damit weckte er Hoffnung bei den einen und Ärger bei den anderen. Die Mächtigen fürchteten seine Reden: Unruhestiftung – warfen sie ihm vor. Wo kämen wir da hin, fragten sie sich, wenn oben nicht mehr oben und unten nicht mehr unten ist.
Und Jesus? Er ließ sich nicht einschüchtern, er wusste um die Gefahr, in die er sich gebracht hatte durch sein Reden und Handeln.
Er hielt fest an dieser schlichten Wahrheit: Gott liebt diese Welt – in all ihrer Unvollkommenheit. Und Gott liebt diese Menschen – besonders die Kleinen, Armen, Schwachen. Dieses Reden und Handeln brachte Jesus ans Kreuz.
Unser Predigttext sagt es deutlich: Jesus musste deshalb leiden… draußen vor dem Tor, auf Golgatha ein Ort des Grauens! Gewalt, Schmerzen, Geschrei.
Draußen vor dem Tor wird gestorben.
Da riecht es nach Schweiß und Tränen und Blut.
Draußen vor dem Tor will keiner gern sein.
Draußen vor dem Tor starb Jesus.
Allein.
Draußen vor dem Tor – das höre ich heute mit anderen Ohren als sonst.
Draußen – da könnte das Virus sein.
Draußen vor der Tür dürfen wir uns gar nicht mehr aufhalten. Es sei denn, wir sind in systemrelevanten Berufen unterwegs.
Draußen vor der Tür halten sich auch die Menschen auf, die nichts haben: kein Wasser, keine Seife, vielleicht auch keine Hoffnung.
Sie haben auch kein social distancing, weil sie nämlich gar keine Tür haben, hinter der sie in Sicherheit sind.
Uns geht es da deutlich besser.
Wir bleiben zu hause. Nur schnell zum Einkaufen.
Draußen vor der Tür sind wir allein. Drinnen vielleicht auch.
Und die erschreckenden Bilder von draußen kommen zu uns rein über das Smartphone, den Laptop und den Fernseher.
Und auch das Bild von Jesus, der nun allein in der Kirche am Kreuz hängt kommt zu mir über das Smartphone in meine Nähe. Und ich merke, wie dieses Bild mich tröstet.
Warum? Weil Jesus kann das, was so schwer ist. Er hat Angst und Verlassenheit ausgehalten, er stirbt draußen vor dem Tor. Allein.
Und nun hängt er allein in der leeren Kirchen, so allein, wie er allein gewesen ist auf Golgatha. Damit wir jemanden haben, an den wir uns halten können. Er weiß, wie es uns geht. Er weiß, wie es vielen anderen Menschen geht.
Hinausgehen zu Jesus vor das Lager, seine Schmach tragen das ist nicht möglich.
Hinausgehen und füreinander da sein, das ist so auch nicht möglich. Und die die rausgehen müssen, um für uns zu sorgen, die würden vermutlich auch lieber zuhause bleiben.
Und dennoch sind wir alle aufgefordert, füreinander dazu sein. Darum geht es dem Verfasser des Hebräerbriefes. Er ermahnt die Christinnen und Christen für ihr alltägliches Leben.
Wir alle können etwas tun! Als Christinnen und Christen haben wir einen Auftrag, und der heißt: Jesus nachfolgen. Auf ihn schauen, lieben und Gutes tun! und das tun auch viele. Ich bin dankbar für alle in unserer Gemeinde, die ein offenes Ohr haben und Telefonanrufe machen und Einkaufsdienste übernehmen, einander beim Einrichten von Internet helfen. Denen helfen, die es sehr schwer haben.
Es gibt vieles, was wir tun können je nach unserer Begabung.
Liebe Gemeinde, lasst euch fragen: was könntest Du nun tun?
Vielleicht ist diese Zeit eine große Chance für uns alle, uns dieser Frage neu zu stellen und uns näher zu sein als zuvor.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Wir nehmen dieses Leben fest in den Blick und haben eine große Aufgabe. Und doch wissen wir, dass wir nur auf der Durchreise sind. Dazu eine kleine Geschichte:
Ein reicher Tourist besichtigt ein Kloster. Ein Mönch zeigt ihm freundlich und fröhlich Kapelle und Refektorium, Kreuzgang und Bibliothek. Wo er denn wohne, so ganz privat, erkundigt sich der Tourist; und der Mönch zeigt ihm seine Zelle, klein und sehr bescheiden eingerichtet. „Ja, aber …“, wundert sich der Tourist und fragt: „Wo haben Sie denn Ihre Sachen?“ – „Wo haben Sie Ihre Sachen?“, fragt der Mönch den Touristen. Seine Antwort: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ – „Ich auch“, erwidert der Mönch.
So ist das. Daran lässt sich nicht rütteln. Egal, wer und wie wir sind: Keiner von uns bleibt hier, wir sind alle nur „auf der Durchreise“ und haben hier „keine bleibende Stadt“. Irgendwann geht es zurück nach Hause. Doch solange wir hier sind, sind wir hier, dürfen lachen, müssen weinen und unseren Teil dazu beitragen, dass auch andere leben können, und es ihnen gut geht. Unser Leben ist Geschenk und Auftrag gleichermaßen. Gott traut uns viel zu. Nutzen wir unsere Möglichkeiten! Möge Gott uns dabei segnen!
Und der Friede Gottes, der sich nicht von Grenzen, Toren und Türen aufhalten lässt, er erfülle unsere Herzen und Sinne durch Jesus Christus unseren Herrn.
Amen.