(Predigt zu Mk 14,3-9 Palmsonntag) [ Link zum Video ] [ Abkündigungen133.82 KB ]
Thema: Sich verschenkende Liebe fragt nicht nach Ruhm und Ehre
Move 1 Ich will genannt werden. Dann bin ich wichtig
Und begrüßen möchte ich heute besonders Herrn Kraft und Frau Sauer. Vielen Dank für die Häppchen von der Metzgerei Früh, in unermüdlichem Einsatz für uns tätig ist Frau Hase, mit freundlicher Unterstützung von Herrn Wassert. Die unterhaltsamen Beiträge sind geschrieben worden von Frau Wilders und werden vorgeführt von den Geschwistern Krauth.
Liebe Gemeinde, Ihr kennt solche Begrüßungsszenarien.
Wenn man sie selbst hält, dann schwitzt man, weil man nicht weiß, ob man jemanden vergessen hat. Bloß nicht.
Wenn man zu denen gehört, die in der Aufzählung vergessen werden, fühlt man sich zurückgesetzt.
Und wenn man zurzeit bei Youtube unterwegs ist, dann lässt sich ein Promi nach dem anderen etwas noch witzigeres einfallen, als die anderen. Der Name muss im Gespräch bleiben.
Die Welt soll einen kennen, sich an einen erinnern.
Und vielleicht schafft es der ein oder die andere in ein Buch der Familienchronik oder in solche Bücher, die da heißen: 100 Künstler, Erfinder, Schauspieler die man kennen muss.
Und wenn schon nicht da drin, dann zumindest in einem Familienstammbaum.
Dass es jemand in die Bibel schafft und etwas tut, an das man sich auch nach 2000 Jahren noch erinnern soll, wie Jesus es sagt, ohne dass wir ihren Namen erfahren, das ist etwas Besonderes.
Jesus ist in Jerusalem unter Hosianna Rufen eingezogen.
Er gerät in den folgenden Tagen immer wieder mit den Eliten Jerusalems aneinander. Gleich am 2. Tag kommt es zum Konflikt mit den Geldwechslern im Tempel. Er stößt ihre Tische um und will sie aus dem Tempel vertreiben. Bei Geld, liebe Gemeinde hört der Spaß auf.
Es folgen weitere Diskussionen und es kommt zu Streitgesprächen und am Ende ist für die Hohenpriester und Schriftgelehrten klar, dass sie Jesus töten wollen. Sie wissen nur noch nicht, wie sie diesen Plan umsetzen können.
Beim Passafest darf es nicht passieren, da könnte die Stimmung hochkochen.
Das war ja schon in zwei Tagen. Es musste schnell eine Lösung gefunden werden. Nur wie?
Während sie darüber nachdenken, ereignet sich folgendes.
Ich lese aus Mk 14,3-9
3 Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.
Move 2 Noch einmal innehalten, die Frau liebt.
Liebe Gemeinde,
Judas Iskariot wird daraufhin hinausgehen zu den Hohenpriestern und wird Jesus an sie verraten. Er wird seinen Freund gegen Geld verraten. Was danach kommt, wissen wir. Jesus wird gefoltert, bespuckt, gekreuzigt und begraben. Doch das hören wir nächste Woche.
Unsere Geschichte unterbricht diesen Gang der Passion Jesu und wir finden uns wieder im Haus des Simon. Wir wissen nichts von diesem Simon. Die Jünger und Jesus sind bei ihm zu Gast. Vielleicht wurde er von Jesus geheilt.
Frauen nahmen an solch einem Gastmahl in der Regel nicht teil. Doch plötzlich betritt diese uns unbekannte Frau den Raum. Wir kennen ihren Namen nicht und wir wissen auch nicht, warum sie zu Jesus kommt, um ihn zu salben. Wir wissen nicht, wer sie war, woher sie kam und wohin sie ging.
Wir wissen nur: wo das Evangelium gepredigt wird, wird dieser Frau gedacht, aber wir kennen ihren Namen und ihre Geschichte nicht. So etwas gäbe es heute nicht mehr. Oder doch?
Man will doch gesehen – und ganz wichtig – namentlich genannt werden. Aber an diese Frau erinnern wir uns auch noch 2000 Jahre danach.
Ob das auch so sein wird bei all den uns unbekannten Menschen, die sich momentan für uns einsetzen? Die ihr Privatleben ein Stück weit opfern, um in den Krankenhäusern zu dienen, um sich um die Obdachlosen und anderen Armen kümmern, und die dafür sorgen, dass wir noch Lebensmittel bekommen und der Müll weggeräumt wird? Wir kennen ihre Namen nicht, auch nicht ihre Geschichte, aber wir wissen, dass das was sie tun, eine unglaubliche Hilfe für uns alle ist. Ein echter Liebesdienst. Mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
Die Frau damals kam, sprach kein Wort, aber ihre Tat ging in die Geschichte ein. Sie nahm das Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf Jesu Haupt.
Es geht nicht um sie als Person, sondern um ihr Handeln. Sie wird darin Vorbild für den selbstlosen Christenmenschen. Sie tut es voll von Liebe, die sich verschenkt. Ohne etwas dafür zu bekommen.
Der Duft des Nardenöls erfüllt den Raum. Ich stelle mir vor, alle sind erst einmal betört von diesem Duft, der das Zuhause von Simon dem Aussätzigen durchströmt. Dort, wo es normalerweise nach Krankheit und Fäulnis riecht, da kommt nun der Duft aus einer anderen Welt herein. Im wahrsten Sinne den Wortes, denn das Nardenöl kommt von weither aus Indien.
Doch einige wurden unwillig und ärgerten sich über solch eine Verschwendung. 300 Silbergroschen entsprachen etwa einem Jahreslohn eines Arbeiters, das sind knapp 390 000 Rand oder 20000 Euro
Was hätte man nicht alles mit dem Erlös aus dem Verkauf des Öls Nützliches tun können! Warum lasst Jesus sich das gefallen? Warum stoppt er diese Verschwendung nicht?
Sie haben ja irgendwie Recht. War es nicht Jesus, der einem reichen Jüngling empfohlen hatte, all seinen Reichtum den Armen zu geben. Und hatte er nicht auch gesagt: „Was ihr nur einem von den Ärmsten, Kranken und Gefangenen getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25). Es wäre nur konsequent, alles vorhandene Geld in Wohltätigkeit zu investieren. Und so schimpfen die Jünger die Frau mit dem Salböl aus.
Move 3 Salbung und den Moment genießen
Liebe Gemeinde, was meint Salbung? Gesalbt wird ein König, wenn er seine Herrschaft antritt, gesalbt wird der Leichnam vor der Beerdigung – ein letzter Liebesdienst an dem Toten also.
8 Sie hat getan, was sie konnte; sagt Jesus, sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.Sie hat ein gutes Werk an mir getan Indem sie sich auf Jesu Seite stellt und ihn stärkt und tröstet.
Wie sie das Nardenöl verschwendet, so verschwendet sich Jesus, der Gesalbte für uns. Er gießt sein Leben dahin. Er ist es, der jetzt, in diesem Moment, nicht später, denn dann ist es zu spät, die überfließende Liebe dieser Frau braucht.
Mich habt ihr nicht allezeit. Sagt Jesus.
Liebe Gemeinde, den Moment genießen, die Liebe genießen. Und nicht an später oder gleich denken. Den Moment beim Schopfe packen. Das wünschte ich mir viel mehr. Wie oft macht mein Kopf eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wägt ab und denkt schon wieder an etwas ganz anderes, als das hier und jetzt zu genießen und dann hört man hinterher Sätze wie: hätte ich es doch mehr genossen, hätte ich ihm doch noch gesagt, wie sehr ich ihn liebe. Hätten wir die Zeit besser genutzt.
Aber dann ist es zu spät. Solche Momente kann man nicht zurückholen, sind mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
Move 4 Wo Liebe die Welt regiert
Und so ist das, was die Frau tut, in diesem Moment richtig und angemessen. Sie hat verstanden, was dran ist zu tun. Es gibt Zeiten, da ist es gut und richtig, den geringsten Brüdern zu helfen und es gibt die Momente, wo die unmittelbare Liebe zu Jesus zählt. Auch die feiernde Liebe gehört Jesus. Jesus lässt sich beim Einzug in Jerusalem feiern und er lässt sich die stumme Tat der Frau gefallen. Ein Evangelium, das für sich selbst spricht, ein letzter Liebesdienst an Jesus.
Und wenn seine Jünger denken, er werde nun als Gesalbter, die Macht ergreifen, so lässt er sie wissen, dass er in den Tod geht.
Man wird sich an die Frau erinnern, weil sie tut, was eine Christin tun soll. So könnte ihre Botschaft an uns heute sein: Berechnet nicht, ob es euch nutzt, nun zu helfen. Gebt voller Liebe, die kein Maß kennt. Erkennt und nutzt den Moment und handelt. Lasst eurem Herzen freien Lauf und unterdrückt nicht, wo ihr euch engagieren wollt. Habt keine Angst zu kurz zu kommen. Spart nicht gierig Eure Zeit und Kraft auf in der Sorge, was für euch bleibt und ob ihr wohl gesehen werdet. Ob man sich an euren Namen erinnern wird. Vertraut darauf, dass eure heilige Verschwendung euch noch reicher machen wird.
Und der Friede Gottes, der größer ist als alles, was wir uns vorstellen können, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen