(Predigt 1 Kor 15,19-28) [ Link zum Video ] [ Abkündigungen264.53 KB ]
Move 1 Wunder geschehn
Wunder geschehn – es gibt so vieles, was wir nicht verstehn.
O ja, liebe Gemeinde.
Mit dem Anfang aller Anfänge schon fängt es an. Und auch mit meinem eigenen Anfang.
Der Beginn des Lebens ist ein Wunder. Jedes Kind, das auf die Welt kommt, ist ein Wunder. Jedes Menschenleben ist ein Wunder, die Wissenschaft kann mittlerweile die Entstehungsbedingungen gut beschreiben und auch darin eingreifen, bis zu einem gewissen Punkt sogar künstlich herstellen, aber nur, indem sie auf anderes Leben zurückgreift. In diesem Sinne lässt sich sagen: Wie und warum Leben entsteht, lässt sich zwar beschreiben, aber nicht erklären.
Es mag sein, und da sind wir mitten im Ostersonntag, dass das Ende des irdischen Lebens ein genauso großes, wenn nicht noch größeres Wunder ist.
Aber wer käme auf die Idee, den Tod als ein Wunder zu bezeichnen.
Der Tod beendet Beziehungen, er kommt meist überraschend, schlägt Wunden in die Seele, hinterlässt große Lücken.
Wenn ein alter oder kranker Mensch stirbt, dann sagt man: es war eine Erlösung. Aber niemand, so glaube ich, bezeichnet den Tod als ein Wunder, auch wenn er genauso unerklärbar ist wie das Leben selbst.
Wann beginnt das Leben, wann ist jemand tot? Das sind große und wichtige Fragen an den Randbereichen des Lebens.
Todernst und lebenswichtig. Diese beiden Grenzen, der Beginn des Lebens und sein Ende. Und dafür eine Definition zu finden, ist selten für alle gut oder zufriedenstellend.
Warum leben wir, warum sterben wir, was kommt danach und was war davor? Was hat das alles für einen Sinn?
In der Schule bei den Siebtklässlern sind wir auf das Thema Tod zu sprechen gekommen, obwohl unser Thema eigentlich gerade ein ganz anderes war. So viele Fragen wurden da gestellt. So viel Neugier und so viele Ideen, wie es nach dem Tod sein könnte und zwischendurch die Meinung: damit solle man sich doch nicht beschäftigen, sondern das Leben genießen im Hier und Jetzt.
Nun, ich glaube, wenn man sich im Hier und Jetzt damit auseinandersetzt, dann kann man das Leben viel mehr genießen.
Weil Ostern uns nämlich sagt:
Ja, der Tod ist ein Feind. Sogar ein Feind, der besiegt werden muss. Aber Jesus Christus hat ihn besiegt, und das ist nicht einfach nur schön für ihn, sondern hat für uns Konsequenzen. Ich lese aus dem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs:
Lesen des Textes.
19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird;
24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1).
26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.
28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.
Move 2 Die elendsten
„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen“.
Liebe Gemeinde, im Predigttext geht es nicht darum, ob Jesus denn nun wirklich auferstanden ist, das scheint bei den Korinthern nicht die Frage zu sein. Sie glauben an die Auferstehung.
Entgegen der Menschen damals wie heute, die an Jesus glauben, ja, und ihn für einen tollen Menschen, einen anständigen Propheten, Visionär, Revoluzzer oder sonstiges halten, aber nicht für Gottes Sohn.
Das ist natürlich zu wenig für das, was heute „Christentum“ heißt. Andere gehen noch weiter und sagen: Ja, Christus war Gottes Sohn, alles stimmt, er ist auch auferstanden, bloß hat das mit unserem eigenen Tod nichts zu tun – das ist Paulus nicht nur immer noch nicht genug, es ist für ihn sogar der schlimmste anzunehmende Fall: Wer so denkt und lebt, für den kann es gar nicht übler kommen.
Wer sagt, Christus sei nur etwas für die Lebenden, aber nicht für die Toten, verschwendet seine Zeit. Denn wenn nicht tatsächlich alle Menschen auferstehen, kann keine Rede davon sein, dass der Tod besiegt ist. Und wenn der Tod nicht endgültig besiegt ist, dann herrscht Gott nicht über alles, und dann wäre der Titel „Gott“ auch nicht angemessen für ihn.
3 Woran Menschen glauben, wenn es um den Tod geht
Woran glauben Menschen, wenn es um den Tod geht? Manche glauben, dass danach nichts mehr kommt. Sarg, Erde oder Feuer und Schluss.
Andere glauben daran, dass die Verstorbenen im Weltall als Sterne weiterleben, zu denen die Trauernden in der Nacht hinaufschauen. Oder dass Sterbende in einem neu zur Welt kommenden Körper weiterleben, wie es die Vorstellung der Wiedergeburt denkt. Oder aber die Verstorbenen leben allein in der Erinnerung von geliebten Menschen weiter. Das denken viele, wenn sie schreiben: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, er ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“
Das sind alles schöne Gedanken irgendwie.
Aber was passiert dann z.B., wenn sich keiner mehr an einen erinnert?
Und viele glauben, die Seele würde weiter leben, während unser Körper stirbt.
Liebe Gemeinde, Auferstehung der Toten, wie wir sie im Glaubensbekenntnis bekennen, meint etwas anderes.
Auferstehung meint nicht, mein bloßer Leichnam wird aus dem Grab auferweckt, sondern mein ganzes gelebtes Leben erwacht in der Todesstunde zum ewigen Leben. Gott beginnt mit uns noch einmal von vorn, er lässt unser Leben neu erstehen, unter ganz neuen Bedingungen, in ganz neuer Weise.
Und weil er uns – in Christus – liebt, hat unsere Zukunft hier und heute schon begonnen.
Und dabei verlassen wir uns auf die Berichte und Erfahrungen, die andere, u.a. die drei Frauen am Grab gemacht haben.
Wir sind damals nicht dabei gewesen, genauso wenig wie Paulus.
Aber er spricht von über 500 Menschen, die dem Auferstandenen begegnet sind. Und er hatte sein eigenes Erlebnis mit dem Auferstandenen in Damaskus. Sein ganzes weiteres Leben hat sich dadurch verändert. Paulus und die Zeugen des Auferstandenen waren überwältigt.
Die Faszination der viel größeren Kraft Gottes, die mit Jesu Auferstehung sichtbar wurde, konnten sie nicht für sich behalten.
4 Gott will aus dem Tod erretten
Wunder geschehen, liebe Gemeinde.
Die Bibel ist voll davon: die Schöpfung ist so ein Wunder, der Durchzug durchs Schilfmeer ist ein Wunder, die Begegnungen mit Jesus, durch die Menschen verändert und geheilt wurden.
Viele Wunder, die damals passierten und die auch heute zum Glück passieren, wenn Leben entsteht und Menschen ihr ganz eigenes Damaskuserlebnis erfahren. Wenn ein neues Leben beginnt, wo man zuvor dachte, dass es keine Zukunft mehr gibt.
Und der Tag, wo ein Impfstoff gefunden wird und allen zur Verfügung gestellt wird und wo die Welt wieder frei atmen und Menschen sich frei begegnen können, wird so ein Wunder sein. Bis dahin ist es vielleicht noch ein langer und schmerzvoller Weg.
Gott ist da in den tiefsten aller Krisen und er vollbringt Wunder. Darauf müssen wir vertrauen.
Und das Osterwunder liegt auch gar nicht so sehr darin, dass Gott aus dem Tod erretten kann, sondern dass er es will. Ostern heißt nicht, dass Gott den körperlichen Tod rückgängig macht, so wie es Jesus bei Lazarus zuvor getan hatte.
Ostern ist nicht das Rückgängigmachen von Karfreitag. Jesu Tod am Kreuz war aus rein menschlicher Perspektive irgendetwas zwischen Justizirrtum, politisch-religiöser Intrige und Verkettung ungünstiger Umstände.
Und Gott hat nicht eingegriffen, als Jesus am Kreuz hing.
Dann hätte nämlich etwas ganz Wesentliches gefehlt. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab...“, Jesu Tod am Kreuz war zum einen die maximal mögliche Zuwendung Gottes zu den Menschen, das ultimative Opfer – zum anderen ist Jesus hier den Weg als Mensch zu Ende gegangen. Was auch immer uns Menschen quält – Jesus hat es selbst erlebt, sodass er wirklich mit uns mit-leiden kann.
Das allein schon hat etwas sehr tröstliches.
Die Geschichte könnte hier zu Ende sein. Ist sie aber nicht.
Auf Karfreitag folgt Ostern. Und Ostern ist also etwas ganz Eigenes. Ostern ist – wie der Karfreitag auch – ein Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Aber das, was Gott liebt, lässt er nicht im Tod. Jedes Leben ist für Gott kostbar. Er lässt es nicht vergehen, sondern er bewahrt es, bei sich selbst.
„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen“, das klingt hart. Aber er stellt die heikle Frage: Wie weit kann es mit der Liebe Gottes zu uns denn her sein, wenn er uns das ewige Leben schenken könnte, es aber nicht tut. Zum Glück müssen wir das nicht befürchten. Gott, wie er in der Bibel erzählt und geglaubt wird, lässt uns nicht im Stich. Im Leben nicht und auch nicht im Tod.
Leben wir, so leben wir dem Herrn und sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Wie leben oder sterben, so sind wir des Herrn.
5 Siehe, ich mache alles neu
Der härteste Prüfstein für den Osterglauben ist die Urnenwand hinter unserer Kirche. Sind all die tragischen Todesfälle, sind die Viren, die unser Leben bedrohen, sind die Menschen, um die wir trauern, weil sie nicht mehr da sind.
Wenn Christus doch den Tod besiegt hat, warum dann nicht gleich so, dass er uns nicht mehr trifft? Die Antwort, die ich finde und die unbefriedigend scheint, ist: Der Tod gehört zum Leben dazu.
Das Leben wäre unendlich langweilig, wenn es nicht durch den Tod begrenzt würde? Wir könnten alles vor uns herschieben, alles wäre möglich und wir würden es doch nicht tun.
Erst durch die Begrenzung, erst durch die knappe Zeit bekommen unsere Entscheidungen, was wir tun und was wir lassen, eine Bedeutung.
Das unglaublich Schwere am Tod ist und bleibt aber, dass er uns zu so unterschiedlichen Zeiten trifft. Gewaltsam zu früh, nach unerträglichen Leiden zu spät.
Hier schließt sich der Kreis zu Ostern. Das Grab ist leer. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.“
Der Tod gehört zum Leben, sonst wäre es kein Leben. Und deshalb sage ich auch meiner 7. Klasse ist es gut und wichtig, ab und zu darüber nachzudenken und in diesem Wissen sein Leben zu gestalten. Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern nur das vorletzte.
Und mit der Erkenntnis, dass wir Menschen nur im Vorletzten leben, eröffnet sich uns eine ungeahnte Freiheit. Ostern befreit uns von der Angst, alles in dieses irdische Leben krampfhaft hineinstopfen zu müssen. Ja, durch unseren Tod bekommen unsere Entscheidungen ein Gewicht, es ist nicht egal, wie wir unser Leben leben.
Aber was auch passiert und wie auch immer wir es geführt haben, lässt uns unser Schöpfer nicht im Tod.
Das hebelt jedes Zeitverständnis aus, denn unsere Zukunft mit und bei Gott hat schon begonnen, steht noch aus und wird bei ihm vollendet. Wie es dann sein wird, wissen wir nicht.
Dort bei Gott.
Nur so viel:
Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach:
Siehe, ich mache alles neu. So ist es uns verheißen.
Und so kann ich sagen: ja, auch der Tod ist ein Wunder.
Amen