2020-04-19 - Quasimodogeniti - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus, der auferstanden ist und lebt.
Amen


(Predigt Jesaja 40,26-31) [ Video ] [ Abkündigungen660.24 KB ]


Hebt eure Augen in die Höhe und seht!

Wer hat all dies geschaffen?

Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;

Seine Macht und starke Kraft ist so groß,

dass nicht eins von ihnen fehlt.

 

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:

„Mein Weg ist dem Herrn verborgen,

und mein Recht geht an meinem Gott vorüber?“

 

(Hallo), weißt du nicht? Hast du nicht gehört?

Der Herr, der ewige Gott,

der die Enden der Erde geschaffen hat,

wird nicht müde noch matt, 

sein Verstand ist unausforschlich.

 

Er gibt den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden.

Jünglinge werden müde und matt,

und Männer straucheln und fallen;

aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,

dass die auffahren mit Flügeln wie Adler,

dass sie laufen und nicht matt werden,

dass sie wandeln und nicht müde werden.

Move 1 Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen…

Ich denke sofort an Psalm 121, wenn ich diese Zeilen höre. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?

Ich bin mir sicher: viele von Euch haben diese Erfahrung in der Natur schon gemacht: ich stehe im Tal und schaue hoch auf die Berge oder in den Sternenklaren Himmel mitten in der Nacht oder blickt in die endlose Weite inmitten der Wüste und den erahnten Horizont auf dem Meer. Und es bleibt einem nichts als andächtiges Staunen.

Ja, der Psalmbeter erkennt: meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er ist viel größer, als ich es mir vorstellen kann. Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Unermessliche Schöpferkraft, die von ihm ausgeht. Und ich: klein und wunderbar gemacht und von Gott geliebt.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Was für ein tröstlicher Gedanke.

Gott schläft und schlummert nicht. Er wird nicht müde noch matt. Er ist immer da. In der größten Freude und im tiefsten Leiden.

Move 2 Das Dunkel hüllt ein

Wenn auch das Dunkel mich einhüllen möchte. Auch wenn ich Gott nicht sehen kann. Auch wenn ich keine Zukunft sehe.

So ging es den Israeliten im babylonischen Exil, zu denen der Prophet Jesaja diese Trostworte spricht: Sie selbst und mehr noch ihre Vorfahren waren weggeführt wordenaus ihrem Land und aus ihrer Heiligen Stadt ins ferne Babylon. Sie waren gestrauchelt und gefallen. Was ihnen heilig war, war verloren. Darüber müde und matt zu werden, das kann ich verstehen. Und müde und matt meint: Sie waren erschöpft, fühlten diese bleierne Schwere, die auf einem liegt, volle Wucht Müdigkeit und sie sehnten sich nach neuer Kraft. Die verheißene Rückkehr verzögerte sich, die Hoffnung also auf Besserung, Veränderung, Erlösung aus dem Exil wurde enttäuscht.

Auch die Jünger Jesu waren sicher müde und matt und voller Furcht am ersten Tag der Woche. Sie hatten sich versammelt und die Türen verschlossen. Angst hatte sie ergriffen. Unsicherheit, was nun passieren würde. Wie würde es ihnen ergehen, nun da Jesus gekreuzigt und begraben worden war und Maria Magdalena gekommen war und erzählt hatte von der wundersamen Erscheinung. Konnte es wirklich Jesus gewesen sein, den sie gesehen und der mit ihr gesprochen hatte? Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott? Sicher waren sie sich nicht.

Und erst recht nicht Thomas. Er wollte es selbst be-greifen, seine Hände in Jesu Nägelmale legen, bevor er an die Auferstehung glauben konnte.

Der Glaube im Exil. Die Kraft verschwunden.

Ich glaube, so geht es vielen. Vielleicht gerade jetzt, in dieser Krise umso mehr. Kraftlos sind viele, weil das Homeschooling einem als Eltern viel abverlangt. Dazu kommen die ganz eigenen persönlichen Umstände dazu. Die Kinder dürfen das Gelände nicht verlassen, sind unausgelastet. Aber nebenbei muss man selbst arbeiten. Oder man ist allein. Besuch darf nicht kommen.

Es gibt vieles, was einem die Energie raubt: existentielle Sorgen, Jobverlust, die Sorge darüber, wie die nächsten Monate sein werden?

Wie überstehe ich die Einsamkeit? Die Krankheit, den Kummer, die Trauer? Wie und wann kommen wir endlich wieder zusammen, wenn die Trennung einen verrückt macht?

Move 3 Wie die Worte Jesajas trösten können

Der Prophet Jesaja tritt in diesem Moment der Trostlosigkeit auf und verkündet jubelnd: Tröstet tröstet mein Volk. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist. Jesaja sieht förmlich, dass dem Weg der Israeliten zurück ins gelobte Land nichts mehr im Wege steht. Was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden.

Endlich ist da einer, der Mut zuspricht. Wer noch zweifelt, der soll sich einfach umschauen: er wird sehen, dass Gott alles geschaffen hat, was ist; da kann kein anderer – sogenannter Gott mithalten. Diesem Gott kann man alles zutrauen, von ihm alles erwarten. Dieser Gott gibt den müde gewordenen Kraft und Stärke, nach vorn zu blicken. Zu laufen und dabei nicht matt zu werden. In Bewegung kommen.

Und Jesaja erinnert an den Exodus, den Auszug aus Ägypten. Einst hat er sie vollzählig aus Ägypten herausgeführt und er wird es wieder tun. Mögen sie sich fühlen wie ein Hiobkollektiv. Sie bekommen auch als Kollektiv die Antwort, übrigens die gleiche Antwort, die auch Hiob bekommt: Der Erlöser ist der Schöpfer, sieh Dir die Schöpfung an.

Erfahrungen sind das, die Menschen mit dem lebendigen Gott gemacht haben. Die Bibel ist voll davon. Und nicht nur damals. Auch heute dürfen wir erfahren, dass Gott uns Kraft gibt. Es tut gut, wenn man von anderen Menschen erzählt bekommt, wie ihre Glaubenserfahrungen sind.

Move 4 Erfahrungen anderer Menschen, Geschwistern im Glauben

Liebe Gemeinde,

Welche Erfahrungen haben Menschen gemacht? Wo haben sie gespürt, dass Gottes Kraft sie aufrichtet? In Momenten der Resignation, des Müdeseins und der Mattheit?

Gemeindeglieder erzählen aus ihrem persönlichen Leben

- Elke von Schlichting

(Video)

- Gisela und Fritz Späth haben folgende Gedanken, die ich vorlese.

Wir, Gisela und Fritz leben nun ueber 4 Jahre – nein wir duerfen ! leben in Mabalingwe, mitten in Unseren Vaters wunderbaren Natur. Manche wuerden sagen einsam oder sogar wie so viele Zur Zeit in der schlimmen Quarantaene.

Nach einem oft schwierigen, arbeitsamen Leben hat Er uns aber dieses wunderbare Geschenk gemacht, Jeden Tag IHN zu spueren in der Natur, mit Tieren und auch mit besonderen Menschen.

Wir wissen dass wir ihn in dieser fuer viele so schweren Zeit bitten duerfen, dass alles wieder gut wird, und die gewissheit haben Duerfen, dass ER uns seinen Sohn geschickt hat.

Alle sollen wieder Hoffnung , Freude und Gesundheit erfahren und spueren , dass ER mit uns ist in aller Not, in seiner Natur und ueberalll, so wie Gisela und ich das taeglich spueren und glauben duerfen.

- Elva de Villiers

(Video)

- Elisabeth Holsten hat mir eine Botschaft geschickt, die ich gern vorlesen möchte:

Prof. Uli Schmid schenkte mir zu meinem 60. Geburtstag etwas ganz Besonderes: ein Kruzifix, ähnlich dem, das er für unsere Kirche geschnitzt hatte, eben nur kleiner, 29 x 15 cm. Wir sprachen darüber was dieses Kreuz für mich bedeuten würde und einigten uns auf Jesaja 41, 9 -10 als Grundlage. Da steht:

" Du sollst mein Knecht sein; denn ich erwähle dich, und verwerfe dich nicht, fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit."

Ich sehe dieses Kreuz von meinem Bett aus. So spricht Jesus täglich zu mir und macht die Verheißung Gottes wahr. Es wurde und ist mir eine immerwährende Kraftquelle, Kraft die ich jeden Tag brauche.

Move 5

Liebe Gemeinde,

Der Herr, der ewige Gott,

der die Enden der Erde geschaffen hat,

wird nicht müde noch matt,

sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden.

Es ging und es geht um Hoffnung: Hoffnung auf Veränderung, auf Besserung. Hoffnung ist eine Aussicht, ein Blick über den Rand der Not. Jemand soll ein Fenster oder eine Tür aufmachen, durch die ein Lichtstrahl fällt, der hoffen lässt.

Das tut der Prophet Jesaja hier mit seinem großen Trost.

Das tut Gott am Ostermorgen. Er öffnet uns Sterblichen eine Tür, durch die wir vorerst nur schauen können. Jesus bleibt nicht im Grab, der Himmel ist einen Spalt offen. Er ist der Erste unter denen, die auferstehen. Und wird nicht der

Letzte sein. Diese Osterhoffnung belebt die Welt. Und uns. Wir müssen nicht fürchten, einfach ins Nichts zu verschwinden. Wir werden bei Gott aufgehoben sein.

Und im Hier und Jetzt erleben wir auch so manche Auferstehung.

Gottes schöpferischer Trost greift aus in die Zukunft.

Unsere Zukunft sind die Wege seiner auferweckenden Schöpferkraft.

Kraft, die ich nicht habe, kommt mir von Gott her. Gott wird nicht müde. Menschliche Schwäche wird durch göttliche Stärke überwunden.

Was wird bei uns noch alles aufbrechen? Welches Exil dürfen wir verlassen? Was ahnen wir jetzt noch nicht? Wir dürfen der Verheißung Jesajas vertrauen. Und ansingen gegen jegliche Art von Pessimismus und Resignation, die uns überkommen mag. Immer wieder und am besten gemeinsam:

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret. Der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt. Hast du nicht dieses verspüret.