(Predigt zu 1 Petrus 2,21b-25) [ Video ] [ Abkündigungen654.12 KB ]
Ich lese aus der Basisbibel
Christus hat für euch gelitten.
Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt.
Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort.
Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück.
Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung.
Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.
Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigene Leib hinaufgetragen an das Holz.
Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Ihr ward wie Schafe, die sich verirrt hatten.
Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.
Alles ist anders.
Du kennst Dich nicht mehr aus.
Und verloren fühlst Du Dich. Zuhause oder allein – im Auto – Auf der Straße - im Supermarkt. Jeder für sich. Nase und Mund verhüllt erkennt keiner Deine Gefühlsregung. Es sieht keiner, wenn Du lächelst. Es fühlt sich unangenehm an. Die Brille beschlägt dauernd vom Atem. Sitzt die Maske auch richtig? Schaust, dass Dir keine zu Nahe kommt. Obwohl Du so ein Mensch eigentlich nicht bist. So auf Distanz, so steif, so ernst. Und um Dich herum haben alle die Nasen und die Münder versteckt hinter Masken.
Nein, der Hund darf nicht raus. Der Hund kennt sich auch nicht mehr aus. Alle sind immer zu Hause?
Du kennst Dich nicht mehr aus.
Welcher Tag ist heut? Fragen Deine Kinder? Ist heute Wochenende? Nein. Montag oder Dienstag? Ich muss selbst kurz nachdenken.
Und die Kinder sagen: Vor Corona konnten wir noch dies und das.
Du siehst einen Film und darin eine Szene mit Menschenmassen in einem Stadion und denkst: das geht doch nicht. Du bist selbst wie in einem falschen Film. Nein, Du traust Dich nur raus zum Einkaufen. Und denkst: hoffentlich muss ich nicht zum Arzt. Vor dem Supermarkt und der Bank eine Schlange, weil nur eine begrenzte Zahl rein darf. Akribisch achtest Du auf 1,50m Abstand und wenn einer hustet, schauen alle ihn anklagend an.
Ist das das neue Normal?
Ist diese Welt Deine Welt?
Du kennst Dich nicht mehr aus.
Und bist verirrt. In Sorge um die Eltern. In Sorge um Menschen wie Du, weltweit, vom Gleichen betroffen und bedroht.
In Trauer und Angst um Menschen und Zustände in der Welt.
Alles steht Kopf.
Bleib gesund! Steht nun unter Mails – statt „mit freundlichen Grüßen.“ Krankheit macht verdächtig.
Du kennst Dich nicht mehr aus.
Du findest Dich nicht mehr zurecht.
Verirrt.
„Ihr wart wie Schafe,
die sich verirrt hatten.“
Da…!
Eine Stimme.
Ach Du. Sagt eine Stimme, als Du in Gedanken versunken allein unterwegs bist, an all die Bekannten und Freunde denkst, Dich sorgst, in Dein Einerlei und Deine große Verantwortung für die Deinen vertieft bist. An alle, deren Jahr 2020 auf den Kopf gestellt worden ist. Kein Besuch von nah und fern. Die Hochzeit verschoben. Keine Reise absehbar. Wann wird alles wieder normal sein?
Ach Du.
Ach Du in der Sorge um die Deinen.
Ach Du in Angst um diese unsere Welt.
Ach! Du!
Eine Stimme - die Stimme des Hirten - ruft in Dir.
Und dieser Hirte, den Du hörst - er überlegt nicht lang.
Der Hirte geht los. Deinetwegen. Sucht dich und sieht dich.
Du magst Dich verloren fühlen – aber er hat Dich nie aus den Augen verloren.
So findet er Dich.
Sagt nicht: Wo warst Du? Fragt nicht: Was ist?
Ist einfach da und bei dir.
Hilft Dir.
Ach Du!
Egal was ist. Er sagt: ich bin da.
Und er bleibt bei Dir, damit Du Dich wieder zurecht findest.
„Jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.“
Bilder von Hirten – begegnen uns auf gemalten Bildern.
So wie dieses von Lucas Cranach dem Älteren:
(Bild einblenden)

Das Bild eines Hirten, der das Schaf auf den Schultern trägt.
Der Hirte trägt sein Schaf.
Und Gott trägt Dich.
Deine Kraft kommt von ihm.
Oder mehr noch: Du brauchst keine Kraft.
Liegst einfach da. Ermattet und Du selbst, auf diesen Schultern. Lässt Dich tragen. Zurück zu Dir. Zurück zu ihm. Durch alles, was ist.
Du bist nicht allein, sagt die Stimme. Durch Deine schwersten Zeiten habe ich Dich getragen.
Gott trägt Dich.
(Bild ausblenden)
Der Hirte trägt sein Schaf.
Mühelos sieht es oft aus auf den Bildern.
Und zugleich voll Kraft. Und Liebe.
Getragen. Aus Liebe.
„Christus hat für euch gelitten.“
Trägt. Aus Liebe.
„Durch Christi Wunden seid ihr geheilt.“
Ostern war vor zwei Wochen. Wir sind immer noch in der Osterzeit.
Christus ist auferstanden haben wir gehört und gesungen.
Mit den Kindern in der Kinderbibel gelesen: Mama, warum musste Jesus sterben? Er hat doch nichts falsch gemacht.
Abendmahl gefeiert, so anders und zugleich tief in diesem Jahr.
Bunte Eier aufgehängt im Garten. Und so viele Telefonate und Nachrichten in diesem Jahr. Hoffnungsbotschaften empfangen und verschickt. Der Herr ist auferstanden.
Der Herr ist auferstanden!
Ostern, spürst Du es jetzt noch?
Jesus, der sein Kreuz trug.
Jesus, der Dein Kreuz trägt.
Er sitzt da, neben Dir. Jetzt. Wo du auch bist.
Er nickt und versteht, ohne dass Du es sagen musst. Versteht alles.
Sagt: Ach Du!
Er weiß um das, was Dich verwirrt und wo Du verirrt und ängstlich bist.
Jesus trägt alles mit.
„Er hat keine Schuld auf sich geladen (…)
Er selbst hat unsere Sünde
mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz.
Dadurch sind wir für die Sünde tot
und können für die Gerechtigkeit leben.“
Und irgendwann steigst Du wieder ab von den Schultern, die Dich tragen. Weil Du spürst: deine Kraft ist wieder da und du gibst sie an andere ab.
Hilfst anderen ihre Ängste und Sorgen zu tragen.
Aus Liebe.
„Christus hat für euch gelitten.
Er hat euch ein Beispiel gegeben,
damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt.“
Du lächelst hinter der Maske. Und man kann es in Deinen Augen sehen. Du schreibst eine Botschaft. Entzündest eine Kerze. Weinst mit und betest für jemanden. Lachst wieder und trotzdem in dieser Deiner Welt. Schniefst und hast keine Angst. Du weißt - auch wenn Du Dich nicht mehr auskennst, ist da einer, der Dich kennt und behütet.
Manchmal wachst Du morgens auf und merkst im zweiten Augenblick: es ist noch immer kein Traum. Wir brauchen Geduld, diese Zeit durchzustehen.
Leben geht nicht ohne Lasten.
Aber Jesus trägt sie mit. Und er trägt mich mit.
Amen