(Predigt zu Joh 15, 1-8) [ Video ] [ Abkündigungen173.92 KB ]
“Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.
2. Kortinther 5,17
«Ich bin da und gebe dir Halt!»
Der vielen bekannte Liedermacher Clemens Bittlinger hat ein Lied geschrieben und der Refrain ist folgendermaßen:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben
ohne mich könnt ihr letztlich nicht leben.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben,
ohne mich könnt ihr letztlich nicht sein.
Die Worte: „Ich bin der wahre Weinstock“, gehören zu einer Bildrede Jesu. Es ist das letzte einer Reihe von sieben „Ich bin“-Worten Jesu, die im Evangelium nach Johannes überliefert sind.
Jesus sprach die Worte kurz bevor er die Jünger verliess: Er sagte:
Lesung des Evangeliums: Joh 15, 1-8
1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Wer die Bedeutung des Bildes verstehen will, muss sich vor Augen halten, in welcher Situation es gesagt wurde: kurz bevor Jesus gefangen genommen und getötet wurde. Jesus verbrachte mit den Jüngern eine besondere Zeit, in der er über sein bisheriges Wirken sprach, über seinen Vater im Himmel und über den Heiligen Geist. So wie es Johannes beschreibt, kann man es als eine sehr «intime Zeit» bezeichnen, in der Jesus seinen Freunden Mut machen und wichtige Hinweise geben wollte.
Den Jüngern stand einiges bevor. Sie würden erleben, dass Jesus hingerichtet wird und sie damit ihren Freund, ihren Lehrer und Leiter verlieren. Für die Jünger musste es sich nach dem Tod von Jesus wie das absolute «Aus» ihres bisherigen Lebens anfühlen. Sie würden in ein tiefes Loch fallen, verängstigt, verunsichert und ratlos, wie es weitergehen sollte. Den Jüngern stand eine Zeit bevor, in der Jesus für sie nicht mehr sichtbar- und greifbar war.
Am vergangenen Sonntag haben wir den Hirtensonntag gefeiert. Da haben wir an den wunderbaren Vergleich gedacht, dass Jesus unser guter Hirte ist, wir aber seine Herde. Auch heute, am Sonntag Jubilate, finden wir in der Evangeliums-Lesung wieder einen wunderbaren Vergleich für Jesus und die Christenheit. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Jesus gleicht einer Pflanze im Weinberg, wir Christen sind die Zweige an dieser Pflanze, die Weinreben. Dieses Bild zeigt noch deutlicher als das Bild vom guten Hirten, dass wir mit unserem Herrn Jesus Christus unzertrennlich zusammengehören. Wie der Vergleich von Hirte und Herde, so war auch der Vergleich von Weinstock und Reben den Zeitgenossen Jesu wohl vertraut. In Israel wurde viel Wein angebaut, und so wussten die meisten Menschen, wie ein Weinstock wuchs und wie der Weingärtner ihn pflegte. Schon im Alten Testament haben Propheten Gott mit einem Weingärtner verglichen, sein Volk aber mit einem Weinberg. Die meisten von uns haben nicht so eine genaue Vorstellung von Weinstöcken, Reben und der Arbeit des Weingärtners. Aber wir können uns das jetzt mit Jesu Worten vor Augen führen und zugleich betrachten, was das für unser Leben als seine Jünger bedeutet.
Mit dem Bild vom Weinstock und den Reben spricht Jesus von einem denkbar innigen Verhältnis. So eng und untrennbar Weinstock und Rebe zusammengehören, so eng und untrennbar ist und bleibt er mit seinen Freunden verbunden. Das ist die Botschaft an seine Freunde, die noch nicht wissen, was die nächsten Tage auf sie zukommt.
Jesus will seine Freunde mit dem Wort vom Weinstock ermutigen, denn er weiss, was vor ihnen liegt. Alles Entscheidende geht vom Weinstock aus. Denn der Weinstock versorgt die Rebe mit allem, was sie braucht; er gibt ihr Nährstoffe, Lebenskraft und Halt.
Wer kennt sich schon im Weinbau aus, hat schon einmal einen Weinstock gesehen, weiß, welche Arbeit und Mühe für die Pflege eines Weinberges notwendig ist. Wer schon einmal selbst im Weinberg gearbeitet hat, wird dieses Bild plötzlich ganz neu verstehen.
Das Klosterweingut St. Hildegard in Rüdesheim ist das einzige von Ordensfrauen geführte Weingut Deutschlands. Die Betriebsleiterin Schwester Thekla Baumgart erzählt: „Für mich, die ich bis zu meinem Klostereintritt nie etwas mit Weinbau zu tun hatte, begann das Weinstockbild sehr lebendig zu werden, als ich die verschiedenen Arbeiten zum ersten Mal selbst gemacht habe. Ich möchte Ihnen nun aus meinen eigenen Erfahrungen etwas über die Arbeiten im Weinberg erzählen.
Der Weinstock ist eine Kletterpflanze, die nach Möglichkeit ein Spalier oder eine andere Vorrichtung braucht, an der sie hochklettern kann. Die Rebe besteht aus mehreren Teilen: Die Wurzeln, die den Rebstock mit Wasser versorgen, reichen oft metertief in die Erde. Der Rebstamm, der 30-40 Jahre, sogar bis zu 80 Jahre alt werden kann, besteht aus sehr hartem Holz. An ihm wachsen die Reben, die dann die Trauben tragen.
Wird ein neuer Weinberg angelegt, muss zuerst der Boden bereitet werden. Die Fläche liegt ein, zwei Jahre brach. Dann wird die Fläche umgegraben, neue Erde aufgeschüttet, Steine entfernt und das Ganze fein säuberlich geebnet. Jeder Weinstock erhält den gleichen Standraum, genügend Platz, damit er alles Notwendige in ausreichendem Masse hat. Ein Jungfeld braucht viel Pflege: Stöcke gießen, Unkraut hacken, Boden lockern. Die dünnen Stämmchen bindet man an Stützpfählen an, damit sie gerade wachsen und bei Sturm und Unwetter nicht abknicken. Alle Triebe, die am jungen Stock wachsen, werden bis auf zwei entfernt. Drei Jahre lässt man dem jungen Stock Zeit, sorgt sich um jeden Stock einzeln. Manche Winzer reden mit ihren Weinstöcken, damit sie gut gedeihen.
Hat man nun alle Mühe und Sorgfalt bei der Pflanzung eines Weinberges angewandt, kann man sich nicht zur Ruhe setzen, vielmehr wiederholen sich Jahr für Jahr viele notwendige Arbeiten damit der Weinberg seinen Ertrag bringt.
Im Winter, wenn die Reben ruhen, beginnt das Schneiden der Reben. Ohne beschneiden, würde der Rebstock wild wuchern und keine Trauben tragen. Bis auf einen Rebzweig, der ausgewählt wird, um die Frucht zu tragen, werden alle anderen abgeschnitten. Nach dem Schneiden erfolgt das sogenannte Ausheben. Alle übrigen Rebzweige müssen aus dem Stützdraht herausgezogen werden, damit die neuen Triebe Platz und Halt bekommen. Dies geschieht von Hand. Dafür braucht man oft Kraft. Die trockenen Rebzweige werden gesammelt, aus dem Weinberg herausgetragen und verbrannt. Das Holz ist zu nichts anderem zu gebrauchen.
Beginnt der Fruchtsaft in die Rebzweige zu steigen, geht der Winzer zum Gerten in die Weinberge. Die Fruchtrute wird um einen der Drähte gebogen und festgebunden. Sinn dieser Arbeit ist es, die wachsende Rebe in eine Form zu bringen. Wieder wendet sich der Winzer jedem einzelnen Weinstock zu. Er muss die Fruchtruten vorsichtig biegen, denn sie brechen schnell ab. Im Frühlingl beginnen die Reben auszutreiben. Tag für Tag kann man ihnen beim Wachsen zu schauen. Ca. 2-4 Wochen nach dem Austrieb beginnt das Ausbrechen. Man wundert sich, wie aus dem so tot wirkenden alten Stammholz, junge grüne Triebe wachsen können. Die Triebe werden von Hand entfernt. Da diese Arbeit nur in gebückter Haltung gemacht werden kann, ist sie gerade an heißen Tagen sehr anstrengend.
Sind die Triebe ca. 50 cm lang, werden sie von Hand geheftet, um den jungen Trieben durch das Einstecken Halt zu geben, denn gerade die grünen Triebe sind sehr empfindlich. Täte man dies nicht, würden sie bei Wind oder starkem Regen einfach abbrechen. Diese Arbeit ist zeitaufwendig, muss aber schnell geschehen, da zu dieser Jahreszeit plötzlich auftretende Gewitter einen ganzen Weinberg zerstören können.
Im Sommer dann ist der einzelne Weinstock kaum vom anderen zu unterscheiden. Die Reben bilden eine grüne Laubwand, in der jeder Stock untergeht. Dieses Laub muss mehrfach geschnitten werden, damit die Rebe ihre Kräfte zur Ausbildung der Trauben gebraucht und nicht für ein unendliches Längenwachstum der Triebe. Der Winzer muss regelmäßig seine Weinberge mit wachen Augen kontrollieren, damit nicht Pilzbefall, Schädlinge oder Nährstoffmangel die Arbeit zu Nichte machen. Immer wieder muss der Boden aufgelockert, die Begrünung zwischen den Zeilen geschnitten, das Unkraut zwischen und unter den Stöcken kurz gehalten werden.
Dann blühen die Reben. Es ist eine risikoreiche Zeit, denn starker Regen oder Hagel gefährden die Blüte.. Nach der Blüte lässt sich das weitere Wachsen der Trauben gut verfolgen Haben die Beeren eine solch prächtige, geschlossene Traube gebildet, braucht es Sonne und trockenes Wetter, damit genügend Zucker in den Beeren entsteht. Das Wetter spielt eine wichtige Rolle, der richtige Lesezeitpunkt eine weitere. Er muss mit Glück und einem guten Blick auf die Qualität der Trauben gefunden werden. Jede Traube wird von Hand abgeschnitten, in einen Leseeimer geworfen. Dann kommt sie in den Legel und wird aus dem Weinberg getragen, dann auf den Traubenwagen geschüttet. Zu Hause wird der Wein gekeltert.
Der Weinstock hat nun seine Hauptaufgabe erfüllt. Die herbstlichen Tage mit Sonne und Wärme nutzt er, um Energien für den Winter im Holz einzuspeichern und für das nächste Jahr gerüstet zu sein. Langsam fällt der Fruchtsaft wieder, die Blätter fallen und bald schon kann der Winzer den Rebstock aufs Neue beschneiden, damit er im nächsten Jahr wieder reiche Frucht bringen kann.“
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Dieses dürfen Herbert und ich jeden Tag neu erfahren, denn es ist unser Trauspruch. Wenn wir am Weinstock Jesus Christus bleiben und an seinem Wort und an der Gemeinschaft der Christenheit, dann wachsen wir geistlich und entwikeln uns weiter.
Die Reben, die Weinranken, das sind Sie und ich. Jesus, das ist der knorrige Weinstock. Auch wenn der Weinstock die Reben völlig unterschiedlich aussehen,sind sie ein und die selbe Pflanze! Sie leben vom selben Wasser, Licht, Luft und der bedachten Pflege des Winzers.
„.ohne mich könnt ihr letztlich nicht leben.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben,
ohne mich könnt ihr letztlich nicht sein.“
Die Bedingung für das Früchtebringen ist also allein der Zusammenhang mit dem Weinstock.
Manche lesen die Bibelstelle vom Weinstock und den Reben mit Angst. Denn es wird hier auch davon gesprochen, dass es Reben gibt, die keine Frucht bringen und deshalb abgeschnitten und verbrannt werden. Doch das ist nicht der Fokus. Denn Voraussetzung zum Frucht bringen ist, dass Reben rein sind, wie sich Jesus ausdrückt, und er sagt seinen Jüngern zu, dass sie aufgrund seines Wortes rein sind.
Wenn man den Vergleich zudem sehr wörtlich nimmt, ist es ja nicht Sache der Rebe, Frucht zu bringen, sondern es ist eine Sache des Weinstocks und des Winzers, der sich um die Pflanze kümmert.
Was also kann die Rebe nun tun? Salopp und humorvoll ausgedrückt: rumhängen. Oder etwas ernsthafter formuliert: einfach nur dranbleiben, nicht mehr. Und von diesem «bleiben» spricht Jesus in dem Zusammenhang sehr oft und nachdrücklich.
Dieses Wort von Jesus galt aber nicht nur seinen Jüngern vor zweitausend Jahren. Es gilt allen Menschen, die ihm vertrauen und mit ihm leben. Er verspricht ihnen, dass sie selbst das Entscheidende nicht machen müssen. Alles, was sie brauchen, ist das «Ja» dazu, von Jesus abhängig zu sein.
So wie die Rebe vom Weinstock abhängt,
hat Gott uns Menschen das Leben geschenkt.
Wir tun grad so, als gäb es IHN nicht.
hört doch mal zu, wenn Er zu uns spricht:
So wie die Rebe nur Frucht bringen wird,
wenn sie zur Pflanze, zum Weinstock gehört,
so dürfen wir zum Schöpfer gehörn
und seine Kraft auch in uns verspürn.
Wie an der Rebe die Trauben entstehn,
lässt Gottes Liebe das Wunder geschehn,
dass wir entdecken, wieviel in uns steckt,
manche Begabung wurde so schon geweckt.