2020-05-10 - Familiengottesdienst - 4.Sonntag nach Ostern - Kantate - Jugenddiakonin Angelina Ahrens

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„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Amen

Liebe Gemeinde,

wir haben ganz am Anfang des Gottesdienstes gehört und erlebt, wie mutig einige Gemeindemitglieder zu ihrer Meinung stehen und auch Jesus hat damals Mut aufgebracht und hat anders gehandelt als viele es erwartet hatten. Wie muss es sich wohl anfühlen, wenn man für etwas anderes eintritt als die anderen. Mutig zu sein und zu seiner Meinung zu stehen?

Ich kann euch sagen es ist ein gutes Gefühl, wenn du so stark bist, dass du zeigen kannst, was du fühlst und dass du sagen kannst, was du denkst- auch wenn du damit allein bist. Immer mit dem Strom schwimmen ist zwar bequem, aber manchmal merken wir einfach, es ist nicht richtig. Dann muss man mutig sein. Mut brauchen wir jetzt besonders in dieser herausfordernden Zeit. Wo alles Kopf steht und wir uns in unserem Handeln unsicher sind.

In einer großen Gemeinschaft, wie wir sie haben bei uns in der Gemeinde ist mutig sein meist leichter – da wir zusammen für etwas einstehen können, wir können als Gemeinde ein Zeichen setzen oder ein Vorbild sein, wie es Jesus damals war. Sind wir aber nicht in einer großen Gruppe und stehen vielleicht auch ganz allein mit unserer Meinung da, dann sieht das mutig sein deutlich schwieriger aus. Man macht sich angreifbar und verletzlich. Wir orientieren uns gerne an andere Personen und nicht immer finden wir jemanden, der mit gutem Beispiel voran geht. Und gerade, wenn es zu unserem Glauben kommt, ist es noch schwieriger. Vor allem wenn man sich mit Personen unterhält, die nicht an Gott glauben und man versucht zu erklären, warum auch gerade in Zeiten von Corona der Glaube so wichtig ist. Meine Antwort auf die Frage, brauchst du den Glauben?

Ja, ich brauche das. Ich brauche das Gefühl, ein tiefes Gefühl. Ein Grundgefühl, dass Gott mich kennt, mich ansieht, mit mir etwas vorhat. Das kann ich mir nicht selber sagen, das kann ich nicht selber machen. Es gibt ja vieles, was ich zum Leben brauche: Eine sinnvolle Aufgabe, ein paar Menschen, die mich lieben, auch dann noch, wenn sie mich genauer kennen. Gute Beziehungen sind so viel wert. Dann fühle ich mich wertgeschätzt, dann kann ich leben. Aber was ist, wenn das mal wegbricht? Wer garantiert mir denn, dass das alles bleibt? ... dann möchte ich immer noch glauben, dass Gott zu mir steht. Das ist eine Beziehung, die bleibt. Darauf kann ich mich verlassen. Also: Ja, ich brauche das! Ich brauche auch die Gewissheit, dass Gott alles Leben geschaffen hat, diese ganze wunderbare Welt und dass er auch mit dem großen Ganzen etwas vorhat. Manches läuft dem zuwider. Es gibt Corona, Armut und eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Menschen tun so, als stünde ihnen die Welt unbegrenzt zur Verfügung und machen sie dabei kaputt. Da müssen Christen für ein anderes Leben eintreten und können es auch. Farbe bekennen, sich an irgendeiner Stelle einsetzen, damit etwas anders wird. So wie Jesus in den Geschichten, die wir heute erzählt haben. Er hat ganz mutig gezeigt: Es geht auch anders. Erst sind ganz viele Mensch zusammen, den ganzen Tag schon sind sie unterwegs mit Jesus und seinen Freunden. Natürlich denkt jeder zuerst an sich. Es wird Abend – zeit zum Essen, da hat bestimmt jeder erst mal eben nachgeguckt: Was habe ich denn noch? Und hat die andern misstrauisch beäugt. Ich muss doch wohl nichts abgeben? Jesus hat den Mut, etwas anders zu machen. Seine Freunde haben auch nur noch fünf Brote und zwei Fische. Aber Jesus sagt: Lass die Leute sich einfach mal in Gruppen zusammensetzen. Fangt an und teilt, was wir haben. Da stand er auch erst allein da, sogar gegen seine Jünger. Die sagten ja: Schick die Leute weg! Wir haben nicht genug. Aber er blieb dabei er fng an zu teilen und zeigte damit, dass es auch anders geht. Dann haben sich alle getraut und am Schluss war noch ganz viel übrig. Der Mut hat sich ausgezahlt.

Bei den Kindern war es ähnlich. Die Erwachsenen wollten sie wegschicken. Ihr versteht noch nichts vom Glauben an Gott, sagten sie. Auch hier stellt Jesus sich gegen die andern, gegen das, was die meisten sagen. Lass die Kinder zu mir kommen! sagt er – und hat sie besonders gesegnet. Ich glaube, dazu musste auch Jesus Mut aufbringen. Nach und nach haben Menschen gemerkt: Dieser Jesus zeigt uns noch einmal, wie Gott ist und was Gott will. Natürlich auch, wenn er Menschen begegnet ist, die krank waren, denen etwas zum Leben fehlte. Das war damals kaum anders als heute. Man hat sie ausgeschlossen. Sie lebten am Rand. Mussten für ihr Leben und ihre Rechte streiten. Jesus zeigt, dass auch der blinde Bartimäus dazugehört. Wieder sagten die andern: Schweig doch still! Dräng dich nicht so auf! Aber Jesus geht auf ihn zu. Erkundigt sich, was er braucht. Macht sein Leben heil. Und zeigt allen andern: Gott will, dass er dazugehört. Ganz schön mutig. Immer irgendwie gegen den Strom. Jesus tritt eben immer wieder für seine Überzeugung ein. Für das, was Gott will. Das macht den Unterschied.

Wir sind nicht Jesus, aber wir als Christen haben ihn als Vorbild und können so im Umkehrschluss Vorbild für andere sein. Wir als Gemeinschaft tun dies gerade schon bei uns in der Kirchengemeinde. Sei es durch das Senioren Support Team, das Einkaufe tätigen oder Gemeindemitglieder anrufen. Durch die täglichen Impulse auf YouTube, wo wir nicht nur uns, sondern auch weltweit Personen mit erreichen und sie ermutigen. Die Beiträge hier im Gottesdienst oder durch finanzielle Unterstützung für Bedürftige. Lasst uns weiter machen, Farbe bekennen und gegen den Strom schwimmen, damit wir mutig für uns und andere da sein können und so, wie Jesus einen Unterschied machen.

„Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Amen