(Apg 2,1-21) [ Video ] [ Abkündigungen163.15 KB ]
Gottes Geist gibt Anlass und Kraft dazu, offen zu werden und eine Weltgemeinschaft zu werden.
Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes sei mit euch allen – in aller Welt. Der Hl. Geist lasse euch zu einer beispielhaften Gemeinschaft werden. Amen
Move 1 Sprachverwirrung, Sprachlosigkeit, Unverständnis
Ich denke, nicht jede und jeder von uns hat alle Sprachen gerade verstanden, die wir im Glaubensbekenntnis gehört haben.
Wir hatten Satzteile in Zulu, deutsch, afrikaans, englisch, französisch, schwedisch, russisch und Tswana. Und wenn wir alle 11 Landessprachen Südafrikas wirklich hätten hören wollen, dann wäre das Glaubensbekenntnis dafür fast zu kurz gewesen.
Südafrika ist nach Bolivien und Indien dasjenige Land mit den meisten offiziellen Sprachen der Welt.
Und was ich faszinierend finde: gerade wenn man mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterwegs ist, dann merkt man, wie sie von einer Sprache mühelos in die andere wechseln. Sprache als Chance, einander zu verstehen. Aber… Sprache auch als Gefahr, weil es immer wieder dazu kommt, dass man einander nicht versteht oder missversteht.
Sprachverwirrung entsteht nicht nur, weil man eine andere Sprache spricht, sondern auch ganz oft, wenn man die gleiche Sprache spricht.
Man sagt z.B.: Männer und Frauen sprechen zuweilen unterschiedliche Sprachen, auch die Generationen reden aneinander vorbei, in Gremien kommt es vor, dass man einander einfach nicht verstehen kann und manchmal auch nicht will. Und dann gibt es noch die Sprache hinter der Sprache. Sie sagt… sie meint. Und Gestik und Mimik unterstreichen dann noch das Gesagte oder eben gerade nicht.
Es gäbe noch viel darüber zu sagen. Mediatoren verdienen ihr Geld damit, zerstrittene Parteien wieder miteinander ins Gespräch zu bringen.
Wir hören in der Bibel im AT, das ist nicht neu mit der Sprache. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt, Gott selbst stiftet die Sprachverwirrung, um dem „alles ist uns möglich Wahn“ des Menschen eine Grenze zu setzen.
Dass Menschen einander fortan nicht mehr verstehen und aneinander vorbei reden, ist die Folge. Sie zerstreuen sich über die ganze Erde.
Heute an Pfingsten hören wir die Gegengeschichte dazu.
Jesus war gen Himmel gefahren. Die Jüngerinnen und Jünger gingen vom Ölberg hinunter nach Jerusalem. Sie blieben beieinander, weil sie spürten, dass sie einander gut taten. Sicherlich schwiegen sie miteinander, aber sie teilten auch ihre Geschichten und Erinnerungen miteinander. Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, wie sie alle einmütig am Gebet fest hielten, Frauen und Männer im Obergeschoss des Hauses, wo sie sich immer aufhielten.
Bis der Pfingsttag kam. Der Tag des jüdischen Wochenfestes, Schawuot, ein Erntefest, an dem die jüdische Gemeinde bis heute für die Weizenernte und Gottes Gebote dankt, die er seinem Volk am Sinai einst gegeben hat.
Viele Menschen waren damals nach Jerusalem gekommen, um das Wochenfest zu feiern, neben dem Passa- und dem Laubhüttenfest eines der drei großen Wallfahrtsfeste des Judentums. In den Straßen von Jerusalem war Leben.
Die Jüngerinnen und Jünger Jesu aber bis dahin wohl unter sich.
Das Pfingstwunder
1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.
2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,
4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.
5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?
8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?
9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,
10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,
11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.
12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Move 2 Gott bleibt sich treu – er handelt
Liebe Gemeinde, Jesus hatte es versprochen: „ihr wisst nicht, wann und wo, aber ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen, der auf euch kommen wird.“ Was Jesus verspricht, das hält er. Und er selbst hatte es schon erlebt, wie der Geist Gottes bei seiner Taufe auf ihn kam. Nun erfahren es auch seine Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Was Jesus verspricht, das tritt ein. Und Gott bleibt sich treu. Es ist nicht das erste Mal, dass er Menschen im Feuer erscheint. Gerade beim Wochenfest erinnert man sich an die Gotteserscheinung am Sinai mit Donner und Blitzen. Das laute Brausen und die Feuerflammen über den Köpfen zeigen wieder: Gott ist da.
Sogleich sind die Jünger vom Hl. Geist erfüllt und fangen an ihren Sprachen zu predigen. Da bleibt keine Tür verschlossen, wenn solch ein übernatürlicher Machtstrom durch das Haus dringt. Ganz Jerusalem ist auf einmal mittendrin im Geschehen.
Die Menschen entsetzen sich. Denn was hier passiert, das ist gewaltig. Kein harmloses Lüftchen, das hier weht.
Was soll das werden? Fragen die einen. Sie sind voll des süßen Weins sagen die anderen.
Ich lese weiter:
Die Pfingstpredigt des Petrus
14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!
15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;
16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):
17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;
18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;
20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.
21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«
Move 3 Pfingstpredigt des Petrus
Liebe Gemeinde, Petrus ist von Gottes Kraft erfüllt. Er wird mutig und spricht. Und er erinnert an die Worte des Propheten Joel, nämlich, dass Gott seinen hl. Geist auf alles Fleisch ausgießen werde und alle Menschen egal welchen Geschlechts, egal welchen Alters, egal aus welcher sozialen Schicht die Möglichkeit bekommen, mit Gott neu anzufangen.
Denn nichts muss so bleiben, wie es war. Niemand muss sich mit einer bedrückenden Gegenwart abfinden, sondern lieber auf Gottes Verheißungen trauen.
Auf den Blick kommt es an. Statt auf das Negative im Leben zu schauen, soll sich der Blick auf die Lebensmacht des Gottes Israels richten. Er hat den Gekreuzigten auferweckt und weist die Mächte des Todes in ihre Schranken.
Gott handelt. Damals und heute immer noch. Immer wieder. Seine hl. Geistkraft macht Mut, seinen Verheißungen zu trauen und in der Nachfolge Jesu getrost und trotzig dem Leben zu dienen.
Move 4 Kraft bekommen…
Was die Jünger von Jesus zu erzählen, wird auf einmal von Menschen aus ganz verschiedenen Weltregionen verstanden. Hier geschieht wirklich ein Wunder, denn die Regel ist ja eher, dass man einander nicht versteht. Die unerklärliche Verständigung aller in allen Sprachen ist ein Vorgeschmack auf Gottes kommende Welt.
Da gibt es keine Abschottung mehr von kleinen Gruppen, da muss sich keiner mehr im Obergeschoss eines Hauses verkriechen. Da gibt es keine unterschiedlichen Konfessionen und keine Fremdlinge mehr. Da spielen Sprachen und Hautfarben keine Rolle.
Bis dahin ermutigen besondere Momente immer wieder, die Verständigung über alle Grenzen hinweg zu suchen. Besondere Momente sind z.B. ein in verschiedenen Sprachen gesprochenes Glaubensbekenntnis, ein ökumenischer Gottesdienst, besondere Zeltlager oder Freizeiten.
Wo Gottes Geist wirkt, da werden Grenzen überwunden. Da verlieren Menschen ihre Angst, können frei reden, sprengen vorhandene Grenzen, lassen sich verändern, gehen aufeinander zu, öffnen sich füreinander, bilden eine neue Gemeinschaft, verlassen erstarrte Einstellungen und lernen, sich selbst neu verstehen.
Und das passiert nicht nur in mitreißenden Events, sondern das passiert auch im „sanften, stillen Sausen“ (1 Kön 19,12) wie bei Elia am Horeb und auch bei nachdenklichen Beratungen. Gottes Geist weht, wo und wann er will.
„Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat, aber ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1,7.8) So sagt es Jesus. Das darf uns genügen.
Und mit einem Lob Gottes möchte ich enden.
Move 5 Das Lob Gottes
Guter Gott, wir loben und preisen dich und deine großen Taten. Du schenkst uns deinen Heiligen Geist, der unter uns die weltweite Gemeinschaft stiftet und alle Sprachgrenzen und alle anderen Grenzen überwindet und alle Mauern und Türen durchbricht. Das ist wunderbar. Unmögliches wird auf einmal möglich und wir stehen da und staunen. „Was will das werden?“ Wir dürfen uns überraschen lassen.
Amen