2020-06-21 - 2. Sonntag nach Trinitatis - Elke von Schlichting

(Matthäus 11, 25-30) [ Video ] [ Abkündigungen319.13 KB ]


Liebe Gemeinde

Die Überschrift des Predigttextes, der im Matthäus Evangelium im 11. Kapitel steht, lautet in der Hoffnung für Alle “Die neue Lebensordnung”. Es gibt wohl keine bessere Überschrift für unser Leben wie es im Moment ist. Wir alle sind im Moment auf Grund der Coronakrise gezwungen, uns an eine “neue Lebensordnung” zu gewöhnen. Als Gemeinde haben wir einen Fragebogen ausgefüllt der uns eine ganz neue Art von sonntäglichen Gottesdiensten vorschlägt – kein Singen, kein Blasen, kein sozialer Kontakt, 1,5m Abstand sogar in der Kirchenbank. Die Kinder die in die Schule zurück müssen dürfen auch nicht mehr eng neben der besten Freundin sitzen oder sich mit den Freunden auf dem Schulhof balgen. Auch in den Geschäften und am Arbeitsplatz gilt es Distanz zu halten – Menschen, die gerne Wärme und Herzlichkeit zeigen, fällt es schwer, um sich an die “neue Lebensordnung” zu gewöhnen.

Ich glaube es gibt momentan wenige Dinge die wir so sehr vermissen wie eine Einladung. Einfach mal bei einer Freundin Kaffee trinken, die Familie zum Sonntagmittagessen einladen, mit dem Arbeitskollegen nach der Arbeit noch schnell ein Bier trinken. Einfach mal wieder mit anderen Menschen in persöhnlichen Kontakt zu kommen. Die sozialen Medien sind zwar gut und schön, aber das persöhnliche Miteinander ist das, was uns wohl am meisten fehlt. In der Realität sitzen die meisten von uns auch heute zu Hause, wie in den vergangenen 3 Monaten dank des Lockdowns auch. Aber heute tut sich was neues: heute bekommen wir eine Einladung. Gott lädt uns ein – und seiner Einladung dürfen wir folgen, trotz des Coronavirus. Bei Gott gelten die Distanzgesetze nicht.

Gottes Hoffnung dass wir seine Einladung annehmen, zieht sich heute wie ein goldener Faden durch den Gottesdienst. In der Epistel spricht Paulus bereits davon: dass wir durch Christus direkten Zugang zu Gottes Himmelreich haben dürfen, wo wir nicht nur Gäste sein sollen, sondern wo Fremdlinge zu Hausgenossen werden! Das wünscht sich Gott. Und dass es nicht nur diejenigen sind die Gott nahe sind, die zu Gott kommen, nein, auch die Suchenden und Fragenden sind eingeladen. Malt das nicht den Begriff “belonging”, auf Deutsch “Zugehörigkeit”, bis ins kleinste Detail wunderschön aus? Im heutigen Evangelium hörten wir, wie ein Mann einmal alle seine Freunde einlud – aber niemand konnte oder wollte der Einladung folgen. Enttäuscht und ärgerlich lud der Mann die Armen und Verkrüppelten, Blinden und Lahmen, die Landstreicher und Ausgestoßenen zu seinem Mahl. Hier hören wir wieder, dass an Gottes Tisch jeder willkommen ist, nicht nur die Frommen, sondern ganz bewusst auch die Kranken und die Menschen am Rande der Gesellschaft - jeder ist willkommen.

Und schlussendlich, in unserem Predigttext, werden diese Gedanken nochmal vertieft. Da richtet Jesus die Einladung ganz persöhnlich an dich und an mich.

Ich lese aus der “Hoffnung für Alle”, aus dem Matthäus Evangelium, Kapitel 11, Verse 25-30.


25 Zu der Zeit betete Jesus: »Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast.

26 Ja, Vater, das war dein Wille, so hat es dir gefallen.

27 Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn. Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will.

28 Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.

29 Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.

30 Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.« Und der Friede Gottes, der alle menschliche Vernunft übersteigt bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Welch ein reicher Text, in dem Jesus zuerst singt und lobt, dann belehrt und schließlich einlädt. Er lobt Gott, weil er die Einladung, ihm zu folgen nicht den Klugen und Gebildeten ausspricht, sondern den Ungebildeten, oder Unwissenden. Da kann man vom Glück im Unglück sprechen - wer das Pech hat arm, verloren, verzweifelt, anfällig, verkommen und verwarlost geboren zu werden, hat das Glück das Jesus vorallem ihn oder sie liebt – die Liebe die ihnen den Weg zum Vater und die Tür zum ewigen Leben bei einem Gott möglich macht, der sich ohne eine Vorleistung zu verlangen, all denen zuwendet die mit der Last des Lebens nicht mehr fertig werden – Wer ist damit gemeint? Etwa du oder ich?

Deutlicher kann diese Einladung nicht formuliert werden: “Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben”. Der Wortlaut der Lutherbibel ist wahrscheinlich noch bekannter - "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.” Das ist die Einladung, die uns trotz Distanzierung, trotz Corona geschenkt wird - zu Jesus kann jeder kommen, egal in welchem Tumult sich die Welt befindet, egal wer oder was wir sind.

Ich habe in dieser Woche zufällig ein Bild eines T-shirts, welches man übers Internet kaufen kann, gesehen. Es ist ein schwarzes T-shirt auf dem hinten drauf sogenannte “Notnummern “ stehen – Notnummern in der Form von bekannten Bibeltexten die in bestimmten Lebenslagen Trost spenden könnten. (T shirt wird eingeblendet) Gleich oben an der Liste steht Matthäus 11, Vers 25-30 – unser heutige Predigttext und die Lebenssituation dazu lautet: Stress. Ist es Zufall dass gerade Stress oben dran steht? Ich glaube nicht, denn laut Statistiken in 2019 leiden mindestens eine von 6 Personen in Südafrika an Depression, Angstzuständen oder Drogenmissbrauch. Nur 1/3 sind in Behandlung. Beunruhigende Tatsachen. Jetzt in dieser Coronazeit erleben viele Menschen möglicherweise den Stress und die Angst noch intensiver, denn niemand weiß wie das Leben nächste Woche aussehen wird. Eine beunruhigende Ungewissheit vor der Zukunft hat sich in unser Leben eingeschlichen - man kann einfach nicht mehr vorraus planen, weil man nicht weiß wie es mit der Verbreitung des Virus weitergeht und wie lange die Schutzmaßnahmen noch eingehalten werden müssen, oder welche zusetzlichen Maßnahmen eingesetzt werden um noch schlimmere Ausmaße der Pandemie zu verhindern. Und diese Ungewissheit verursacht Stress: Fragen kommen auf, wie “Wann werde ich meine Kinder wieder sehen? Wie lange werde ich noch Arbeit haben? Wird meine Rente reichen, wenn der Rand weiter und weiter an Wert verliert? Was passiert wenn ich trotz allen Maßnahmen vom Coronavirus infiziert werde…” Die Liste der Fragen ist endlos, und ich glaube das sich die meisten unter uns diese und ähnliche Fragen über die Zukunft stellen. Wie dankbar bin ich da, das genau hier ist unserem Predigttext das tröstende Wort steht, dass wir heute brauchen. Kommt her zu mir - ich gebe euch Ruhe!

Es gibt einen Ausdruck der lautet: „Nur der in Ruhe gelassene Mensch kann in Ruhe ein gelassener Mensch werden...“ Denn wenn ich ein gelassener Mensch bin, der nicht getrieben wird von Erfolg und Ruhm, Angst und Verzweiflung, dann erst kann ich mich entspannen - dann erst merke ich dass ich nicht auf meine eigene Kraft vertrauen brauche um etwas zu schaffen oder eine Situation zu meistern, sondern dass ich auf Gott vertrauen kann um mich meinem Ziel näher zu bringen. Wenn ich alles was mich bedrückt abgeben kann und weiß, dass Gott es gut mit mir meint und meine Sorgen tragen will, dann habe ich Ruhe und Frieden. Dann kann ich mit der Situation wie sie gerade unser Leben beherscht, besser umgehen.

Aber wie bekomme ich das Vertrauen dass ich auch wirklich alle Sorgen bei Jesus ablegen kann? Vertrauen kann man nicht einfach lernen so wie Kuchen backen oder Fahrrad fahren.

Vertrauen heißt, ich muss loslassen können. Und das ist eine bewusste Entscheidung, die ich treffe: mich Jesus zu nähern und mir von ihm helfen zu lassen.

Es ist ein zielgerichteter Schritt, Jesus im Gebet anzurufen und ihm die Not vor die Füße zu legen. Der erste Schritt zieht den zweiten dann nach sich. Wer zu Jesus kommt, wird in Jesu Joch eingespannt. Er darf alle Lasten Jesus übergeben, und Jesus wird Jochgenosse, um diese Lasten zu bewältigen. Er entlässt uns nicht aus der Verantwortung und regelt alles für uns, so dass wir uns nur faul in den Sessel setzen müssen. Aber er führt uns so, dass wir mit seiner

Hilfe unsere Not durchstehen können und Hoffnung auch in einer scheinbar ausweglosen Lage entwickeln, und in die richtige Richtung weiterlaufen.

Um das zu schaffen, kannst du dich mit Menschen umgeben, die diese Hoffnung auf vollkommenes Vertrauen in Dir stärken und Dich mit ihrem Gottvertrauen anstecken! Und Vertrauen wächst durch Nähe: Zieh Dich nicht von Gott zurück, wenn scheinbar alles drunter und drüber geht. Mach Dich eher auf und lerne Gott persönlich mehr und mehr kennen, indem Du mit ihm sprichst und sein Wort, die Bibel liest.

Und entscheide dich bewusst für diesen Schritt. Bete dafür und bitte andere auch dafür zu beten. Denn wenn du das Vertrauen aufgebaut hast, kannst du Ruhe und Frieden in jeder Situation spüren, auch jetzt in der Corona Krise – geistlichen Frieden, inneren Frieden und Beziehungsfrieden.

Gott, der uns in Jesus begegnet, lädt dich ein. Er beschenkt dich reich mit seiner Liebe. Er lädt dich ein, deine Sorgen und Ängste, alles, was dich belastet, vor ihn zu bringen und in seine Hand zu legen. Er erquickt und stärkt dich und in seiner Kraft liegt deine Kraft.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


Amen.