2020-07-12 - 5. Sonntag nach Trinitatis - NELCSA Winter-Gottesdienstreihe - Bischof Horst Müller

NELCSA Winterreihe Gottesdienst 2

Wie hilft die Gute Nachricht von Jesus Christus uns in dieser Zeit?


( Predigt Lukas 5, 1-11 ) [ Video ] [ Gottesdienstablauf613.92 KB ] [ Abkündigungen208.33 KB ]


1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.

2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.

4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.

7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.

8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.

9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,

10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.

Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.


Liebe Schwestern und Brüder,

Es fing an einer Stelle an, und breitete sich über die ganze Welt aus. In allen Kontinenten, ja, in fast allen Ländern ist es nun. Nein, ich meine nicht COVID 19. Ich meine das Evangelium von Jesus Christus!

Aber in unserer Zeit und Situation muss ich auch über COVID 19 sprechen, denn es beschäftigt uns alle. Hätte ich vor 6 Monaten gesagt, dass du im Juli beim Einkaufen eine Mundschutzmaske tragen würdest, hättest du mich ausgelacht. Und wenn ich dann einen “Hand sanitiser” aus der Tasche holen würde, könnte man meinen, ich spinne.

Nun ist es Teil unseres Alltags geworden. Wir mussten uns in den letzten Monaten einiges abgewöhnen und neue Gewohnheiten lernen. “Social distancing”, sich nicht mehr per Hand, und schon gar nicht mit Umarmen zu begrüßen, fällt vielen immer noch schwer.

Das Virus hat sich in Windeseile um die ganze Welt verbreitet, und ist bei uns immer noch am wüten und sich ausbreiten. Weil es so hoch ansteckend ist, müssen wir neue Gewohnheiten lernen um uns zu schützen, und damit es sich nicht so schnell verbreitet.

Nun fällt mir auf, dass da Interessante Ähnlichkeiten zwischen Corona und dem Evangelium bestehen, aber in umgekehrter Form: Corona ist hochansteckend, wir müssen unsere Gewohnheiten ändern damit es sich nicht so schnell verbreitet. Wir wollen es stoppen.

Das Evangelium ändert unser Leben, unsere Gewohnheiten, und wird damit ansteckend und kann sich verbreiten! Es soll sich ausbreiten!
In der ersten Predigt dieser Reihe haben wir uns damit befasst, wer dieser Jesus ist, der seine Kirche baut. Heute geht es um die Frage: Was ist das Evangelium, das uns Menschen erreichen soll, das Evangelium mit dem er die Kirche baut?

Im Wochenspruch haben wir gehört: “Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.” (Epheser 2,8) In Lukas 5 lesen wir dann, wie das konkret bei Petrus passiert. Petrus, der starke, selbstständige Fischer, stellt Jesus sein Boot als Kanzel zur Verfügung. Er ist müde nach einer langen Nacht, wo vergeblich gefischt wurde. Am Ende der Predigt sagt Jesus: Fahrt nun nochmal hinaus wo es tief ist, werft die Netze aus!

Ich kann nur ahnen, was dem Petrus durch den Kopf ging: Ich bin der Experte. Ich kenne mich aus. Das ist Blödsinn - so fängt man gar nichts! Was ihn dann bewegt hat, hinauszufahren, ist nicht ganz deutlich. War es pure Höflichkeit dem Pastor/Prediger gegenüber? Oder hat er gemerkt, dass man diesem Jesus irgendwie vertrauen kann?

Wie auch immer, er fährt hinaus, und erlebt einen Fischfang wie noch nie. Nun könnte man erwarten, dass er Jesus auf die Schulter klopft und ihm eine Partnerschaft in der Fischerei anbietet. Aber statt dessen fällt dieser starke Fischer vor Jesus auf die Knie und bittet: Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!

Für Petrus wird klar: Meine Welt und Jesus passen nicht zusammen. Er gehört nicht hier auf mein Boot, in meinen Alltag. Ich komme hier nicht raus - also muss Jesus gehen.
Jesus und Petrus gehören nicht zusammen - Jesus ist zu gut für die Welt des Petrus. Umgekehrt: Petrus hat kein Recht in die Nähe dieses Jesus zu kommen. Doch Jesus geht nicht weg, kehrt Petrus nicht den Rücken zu, sondern sagt: Fürchte dich nicht! Das ist das Evangelium in ganz wenigen Worten!

Evangelium: Was nicht zusammen gehört, wird zusammengeführt. Ein Mensch, den Gott nur als störend und ungenügend empfinden kann, wird nicht verdammt, nicht weggeschickt, sondern angenommen. Fürchte dich nicht!

Auch an anderen Stellen hören wir diese Gute Nachricht in solch kurzen Sätzen von Jesus. Manchmal lauten sie: Dir sind deine Sünden vergeben! An anderer Stelle: Steh auf und geh!

Die Botschaft der Kirche, gute Nachricht, lautet: Jesus verwirft uns nicht, sondern wendet sich uns zu!

Doch das ist nur der Anfang - für Petrus der Wendepunkt im Leben. Jesus sagt dann: Von nun an wirst du Menschen fangen! Petrus bekommt einen neuen Auftrag, einen neuen Lebensinhalt!

Das Evangelium führt in ein neues Leben, ändert unsere Richtung, unsere Gewohnheiten und gibt uns neue Schwerpunkte, will uns neue Gewohnheiten lehren.
In allen Evangelien steht die Berufung der Jünger am Anfang des Wirkens Jesu. Dann folgt eine Unterweisung von gut drei Jahren, in denen Jesus seinen Jüngern zeigt, was es heißt, Christus nachzufolgen.

Altes soll abgelernt, neue Gewohnheiten gelernt werden.

Am eindrücklichsten ist hier die Bergpredigt, Mt 5-7.

Jesus kennt die Gewohnheiten der Menschen seiner Zeit, ihre Sitten und Normen. Israel, durch Römer besetzt und unterdrückt, lebt in Spannung. “Hasst eure Feinde, liebt nur eure mit-Juden” war die Norm im Verhalten zu Fremden. Eine art Rassismus. Jesus sagt dagegen: Liebt eure Feinde!

“Auge um Auge, Zahn um Zahn” war die Norm im Verhalten innerhalb des Volkes, untereinander - es war das Wesen des Rechtspruchs. Gleiches wird mit Gleichem vergolten. “Vergebt, wenn einer etwas gegen den anderen hat” sagt Jesus dagegen.

Es geht um meinen Erhalt, ich muss überleben - so die allgemeine Lebenseinstellung, die Norm im eigenen Leben. Jesus bringt einen neuen Ansatz: Dein Leben soll anderen zum Segen werden!

Ich sagte vorhin: Weil Corona so ansteckend ist, müssen wir unsere Gewohnheiten ändern, damit es sich nicht so schnell verbreitet.

Hier sehen wir: Wenn wir merken, dass Christus uns annimmt, und daraufhin unsere Gewohnheiten ändern, wird das Evangelium ansteckend und verbreitet sich! Jesus sagt: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid wie ein Sauerteig, der sich überall verbreiten soll, verbreiten wird! Dieses geschieht nicht an erster Stelle durch unsere Worte, sondern durch unser Leben, durch unsere Gewohnheiten, die von Christus geprägt werden!

Für Petrus geschah der Anfang dieses neuen Lebens dort auf dem Boot auf dem See Genezareth. Aber es war keineswegs so, dass sich ab dann alles änderte. Petrus blieb immer noch Petrus. Er war nicht schlagartig ein neuer Mensch. Im Gegenteil - das Lernen hörte nie auf! Immer wieder gab es Momente, wo er sagen musste: Ich bin ein sündiger Mensch!

Wir lesen, wie er drei Jahre später, als Jesus vor Pontius Pilatus stand, Jesus dreimal verleugnete. Diesmal schickte Petrus Jesus nicht fort, sondern floh selber, weinend - der große Versager. Ich bin ein sündiger Mensch!

Nach Ostern erlebt er dann wieder, wie Jesus auf ihn zuging, in dreimal fragte: Liebst du mich?, und dreimal wieder den Dienst bestätigte, “von nun an” - diesmal mit den Worten: Weide meine Schafe!

Auch in der Apostelgeschichte ging das Lernen von Petrus weiter: er, der Jude, musste lernen, was es heißt, als Christ unter Heiden zu leben: Neue Gewohnheiten. Der Rassismus gegen Heiden, der in ihm steckte, musste überwunden werden. Und das mehrere Male.
Immer wieder musste er Versagen bekennen und durfte hören: Fürchte dich nicht! Von nun an...

Liebe Schwester, lieber Bruder, wir leben in schwierigen Zeiten. Nicht nur Corona breitet sich aus - auch anderen schlimmen Dinge. Rassismus nimmt wieder zu, Vorurteile, Verachtung, Gewalt breiten sich aus. In den Häusern werden Frauen und Kinder missbraucht, gequält. In der Gesellschaft nimmt die Brutalität zu. Zwischen Kulturen und Rassen weltweit nimmt Verachtung zu. “Herr, geh weg von uns - diese Welt und Zeit ist dich nicht wert!”

Ich fühle mich machtlos, der Situation ausgeliefert. Was kann ich da schon tun?

In der ersten Predigt dieser Reihe sagte ich: Jesus ruft Menschen persönlich, bei Namen. Petrus wurde persönlich angesprochen: Fürchte dich nicht - von nun an ...

Heute wirst auch du von Jesus persönlich angesprochen. Jesus sagt dir: Du sollst Teil meiner Kirche sein, meiner neuen Bewegung, meines Heilswegs in dieser Welt!
Ich kann mir vorstellen, dass du denkst: Ich? Wer bin ich schon? Ich bin total unbedeutend, mit mir kann Jesus nichts anfangen!

Nun höre, wie er sagt: Fürchte dich nicht! Ich will dich zum Segen machen!

Du und ich, wir sind heute eingeladen, wieder neu, oder auch zum ersten Mal, Jesus nachzufolgen, und dabei alte Gewohnheiten abzulegen, und neue anzulernen.

Das Evangelium hat sich in der ganzen Welt verbreitet, nicht weil eine Stimme vom Himmel ab und zu mal donnernd ein Volk anspricht, sondern weil einzelne Menschen, von Jesus angesprochen, anfingen anders zu leben und durch sie andere vom Evangelium angesteckt wurden.

COVID 19 soll gebremst werden - darum müssen wir neue Gewohnheiten lernen.

Das Evangelium soll sich ausbreiten - indem wir lernen, anders zu leben, das auszuleben, was Jesus gelehrt hat. Wie bei Petrus, hört dieses Lernen nie auf!

Die Gute Nachricht ist ein Zuspruch: Du bist angenommen, sagt Jesus. Fürchte dich nicht - von nun an wirst du ...

Machst du mit?

Amen

Horst Müller, Bischof NELCSA Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Die Predigt ist auch als Video zu sehen bei

https://youtu.be/WNrt2XFdUJw