2020-08-02 - 8. Sonntag nach Trinitatis - Praise and Worship - Jugenddiakonin Angelina Ahrens

(Predigt John 10,7.9) [ Video ] [ Abkündigungen202.57 KB ]


 “Come in and find out”

Türen…

Was sind Türen heute eigentlich? Sie sind eine große Öffnung in einer Wand, durch die man hindurchgehen kann. Dazu gehört eine große flache Platte, mit der man die Öffnung schließen kann. Türen sind fast so unterschiedlich wie wir Menschen. Da gibt es manuelle, automatische, Drehtüren, Schiebetüren, Glastüren und so weiter und so fort.

Und was bedeuten Türen für dich?

Gerade jetzt im Lockdown habe ich das Gefühl, dass mir Türen ein Stück Freiheit bedeuten. Ich kann durch sie hindurch gehen und raus in die Natur, auch wenn nur eingeschränkt. Sie bedeuten fuer mich aber auch Rückzugsort und Privatsphäre. Vor allem in der Zeit, wo ich noch zu Hause gewohnt habe mit zwei jüngeren Brüdern oder wenn ich auf Kinderfreizeit bin, um einmal 5 min fuer mich zu sein ohne tausend Fragen zu bekommen.

Jesus erzählt von der Tür

Auch Jesus hat mal etwas zu Türen gesagt. Im Johannes-Evangelium (10,7.9) steht: „Jesus begann noch einmal: „Amen, Amen, das sage ich euch: ICH BIN die Tür zu den Schafen. […] ICH BIN die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden.

Jesus benutzt ein Bild aus dem Alltag der Menschen: Türen und Schafherden gehörten zu der Zeit zum alltäglichen Bild. Die Menschen, zu denen er hier spricht, waren Pharisäer - sehr gebildete Männer, die sich in der jüdischen Schrift sehr gut auskannten. Trotzdem benutzt Jesus ganz alltägliche Bilder, damit nicht nur die klügsten religiösen Lehrer verstehen, was er meint.

Schafställe von vor 2000 Jahren kann man nicht mit einem Stall von heute vergleichen. Die Schafe waren den ganzen Tag mit dem Hirten unterwegs und waren nur abends im Stall. Damit ist eine unüberdachte Fläche gemeint, die mit einer Mauer umschlossen war. Der einzige Zugang zu dem Stall war ein schmales Gatter - die Tür.

„Come in“ – „komm‘ rein“

Ich habe das Thema für heute mal in zwei Teile geteilt: Zuerst ist da „come in“ – „komm‘ rein“. „Amen, Amen, das sage ich euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.

Jesus macht sich selbst zu der Tür. Das bedeutet, dass nichts in und aus dem Schafstall kommen kann, ohne mit ihm in Kontakt zu kommen. Und damit wird für mich das statische Gatter zu etwas Lebendigem und Persönlichem. Doch wer sind die Schafe? Die Schafe, das sind wir. Und die Schafe im Stall, das ist die Schafherde Gottes, die Menschen, die an ihn glauben und ihr Leben mit ihm gestalten wollen.

Jesus sagt dieses ICH BIN nicht einfach so. Er nutzt hierbei die Worte, die allein für Gott bestimmt waren. Denn Gott hat sich im Ersten Testament mit den Worten namentlich vorgestellt: „Ich bin, der ich bin, ich werde sein, der ich sein werde.“ Jesus zeigt damit, dass er und Gott eins sind und was sein Auftrag auf der Erde ist: Zugang zu Gott ermöglichen.

Dieser Auftrag wird mit seinem Tod und der Auferstehung erfüllt. Er überbrückt jeden Graben an Schuld, den ich und du zwischen Gott und uns gegraben haben. Er gewährt uns freien Eintritt in eine Beziehung zu Gott.

„Find out“ – „finde es heraus“

Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden.

Jesus verspricht hier drei Dinge, die hinter ihm als Türe warten. Das ist das „find out“ – „finde es heraus“.

1. Erlösung/Rettung

Jeder, der durch mich hineingeht, wird gerettet. Und das meint Jesus ganz ausnahmslos! Egal, wie alt und mit welcher Lebensgeschichte auch immer. Es wird nicht diskutiert und abgecheckt, ob ich würdig genug bin. Es gibt keinen mürrischen Türsteher, der sagt „ du kommst hier nicht rein!“ Gerettet werden wir vor dem Getrenntsein von Gott. Wir können uns freuen, denn das bedeutet, ein Teil der Schafherde Gottes zu sein!

2. Sicherheit

Hinein- und hinausgehen… Wenn du dein Leben in Gottes Hände übergeben hast, dann wird er immer bei dir sein. Ganz egal, wo du bist, ob allein oder mitten auf einer Party - du kannst dir zu 100% sicher sein, dass er dich nicht aus seinen liebenden Augen verliert.

Selbst wenn du dich mal superweit vom Stall entfernt hast. Denn seien wir mal ehrlich: Oft sieht das Gras auf der anderen Seite viel grüner aus… Und dann mach ich mein eigenes Ding und will selber kontrollieren, wo mein Leben langgeht.

Bis ich kapiere, dass ich doch eigentlich Gott als meinen Wegweiser wollte. Dann kehre ich wieder um und trete vor ihn, beschämt und kleinlaut. Und das ist die größte Sicherheit ever: Ich kann immer wieder zu Gott zurückkommen und mich entschuldigen, und er wird mich mit offenen Armen empfangen und mir vergeben.

Das bringt mich zu meinem dritten Punkt…

3. Erfüllung

Eine gute Weide finden... Jesus verspricht, dass wir bei Gott Erfüllung bekommen. Und das nicht nur beim ersten Mal in den Stall kommen, nein - immer und immer wieder neu und mehr, als wir uns vorstellen können. Erfüllung ist ein Wort, das sich am ehesten noch mit tiefer Zufriedenheit umschreiben lässt. Aber diese Zufriedenheit von Gott ist nichts, was sich mit materiellen Dingen vergleichen lässt. Ich ertappe mich dabei zu denken, dass Klamotten, der perfekte Instagram-Post oder Applaus Dinge sind, die mich zufrieden stellen. Und das mag vielleicht für einen Moment klappen. Aber dann merke ich wieder, dass da trotzdem eine Leere zurückbleibt, die selbst mit 500 Likes nicht gestillt werden kann. Auch ich muss mir immer wieder neu ins Gewissen rufen, dass Gott derjenige ist, der mir das schenkt, was mich erfüllt und zufriedenstellt.

Jetzt kommt der große Haken: Christsein bedeutet nicht, einen Freifahrtschein für ein sorgenfreies Leben zu haben. Aber du kannst dich an sein Versprechen halten, dass er bei dir ist. Wie bereits in Psalm 23 steht: „Und ob ich schon wanderte im finster‘n Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“ Wenn du diesen Vers vor dich hin betest, wenn immer du Angst hast, dann hilft es dir. Ich ruf‘ mir dabei ins Gewissen, dass Gott größer und stärker ist als meine Angst. Denn er hat mich errettet, er gibt mir Sicherheit und er stillt meinen Hunger nach Zufriedenheit.

Jesus - die Tür

Jetzt hab‘ ich euch ganz viel darüber erzählt, was sich hinter der Tür verbirgt. Aber was für eine Art von Tür ist Jesus für dich? Ist er eine automatische Schiebetür, durch die du selbstverständlich ein- und ausgehst? Oder ist er eine morsche alte Tür, die für dich mehr antik aussieht als tragfähig? Oder vielleicht eine schwere Eisentür, die alles dahinter super exklusiv wirken lässt?

Ein großer Teil der Jugendkirchen in Deutschland hat im Kirchengebäude mit Glastüren gearbeitet. Nur die Glasscheiben trennen Büro, Küche und Altarraum. In England gibt es sogar eine Kirche, die mit einer ganzen Glaswand am Eingang versehen ist. Warum – es soll eine offene Kirche und keine Exklusivveranstaltung sein. Sie wollen offen sein, und möglichst viele neue Gesichter durch die Tür laufen sehen. Und es hat funktioniert!

Ähnlich stelle ich es mir bei Jesus vor: Er möchte nichts Trennendes darstellen. Aber er ist auch ein Gentleman, der nicht möchte, dass du dich gezwungen fühlst, durch diese Tür laufen zu müssen. Vielleicht bist du neugierig, und schaust schon seit einiger Zeit durch das Schlüsselloch in der Tür auf das, was dahinterliegt. Vielleicht kannst du dir gar nicht so ganz vorstellen, was es groß an deinem Leben verändert, wenn du durch die Tür hindurchgehst.

Genau das ist der Knackpunkt: Um das herauszufinden, erfordert es den Mut, die Einladung von Jesus anzunehmen und durch die Tür zu gehen. Ich möchte dir Mut machen, dass du mit Gott offen darüber sprichst. Deine Fragen, Zweifel, Ängste kannst du einfach mitbringen.

In der neuen Schule bin ich damals durch die Tür durchgelaufen und bin auf viele nette und durchaus liebe Menschen getroffen. Und es hat mir die Weichen gestellt, zu dem Punkt im Leben, wo ich jetzt bin. Tatsächlich habe ich dort auch meine Schullaufbahn zu Ende gebracht, wenn man von meinem Auslandsjahr in den USA absieht . Wie viel krasser sind dann die Auswirkungen, die es auf dein Leben haben wird, wenn du durch die Jesus-Tür trittst! „Come in and find out”, was Jesus für dich bereithält. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt.


Amen