(Predigt 1.Mose 2,4b-9.15 ) [ Video ] [ Abkündigungen267.88 KB ]
Predigtidee: Anfänge helfen uns, das Leben zu gestalten, leben und zu genießen
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
Liebe Gemeinde,
noch einmal neu anfangen können … ich bin mir sicher, viele von uns begleitet der Wunsch und begegnet immer mal wieder. Vielleicht nur insgeheim, vielleicht aber auch konkret. Noch einmal neu anfangen in einer neuen Schule, einem neuen Job, einer neuen Liebe, einem Umzug in ein neues Haus oder an einen anderen Ort.
Wären wir hier zusammen und würden uns davon erzählen, könnten wir viele Bände voller Bücher mit unseren Anfängen im Leben füllen. Diese Geschichten haben einen besonderen Reiz, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wie Hermann Hesse es so schön in seinem Gedicht von den Lebensstufen ausgedrückt hat. Ich kann das Alte ein Stück weit hinter mir lassen und mich neu ausprobieren.
Dieses Jahr ist auch ein Jahr, geprägt von Anfängen könnte man sagen. Sich regelmäßig den neuen Levels anpassen und von da ausgehend, das Private und das Gemeindeleben organisieren.
Wenn wir bald wieder Gottesdienste in der Kirche feiern, dann ist das auch in gewisser Weise wieder ein Anfang, und ich bin mir fast sicher, ihm wird ein Zauber inne wohnen.
Bilder und Geschichten von Anfängen. Wenn ich an meine denke: Manche waren einfach nur schön, andere aufregend, wieder andere auch schwer.
Doch Gott muss immer dabei gewesen sein. Denn in allen Anfängen, in allem, was sich dadurch verändert hat, habe ich gespürt, dass da einer mit mir geht.
Bilder des Anfangs begegnen uns auch im Predigttext.
Und sie nehmen uns mit auf eine Reise in das zarte Anfangsgeschehen zwischen Gott und Mensch.
Eine Geschichte, die uns mit grundlegenden Menschheitserfahrungen – und hoffnungen verbindet.
Ich lese aus dem 1. Buch Mose im 2. Kapitel
4) Am Tag, als Jahwe Gott Erde und Himmel machte,
5) und es gab das Gebüsch des Feldes noch nicht auf Erden und das Kraut des Feldes wuchs noch nicht; denn Jahwe Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Und der Mensch war noch nicht da, die Erde zu bearbeiten.
6) Nur ein Wasserschwall stieg aus der Erde empor und tränkte die ganze Umgebung.
7) Da formte Jahwe Gott den Menschen aus Staub von der Erde und hauchte ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
8/9) Und Jahwe Gott pflanzte ein Garten in Eden im Osten. Und er setzte den Menschen dorthin, den er geformt hatte. Und Jahwe Gott ließ aus der Erde aufwachsen vielerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
15) Und Jahwe Gott setzte also den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
…jedem Anfang geht eine Geschichte voraus
Ich sehe die Bilder vor mir und ich weiß: jedem Anfang geht eine Geschichte voraus: etwas wird beendet und ich entscheide mich für etwas Neues oder ich begebe mich auf die Suche nach Antworten, die mein Leben bereichern können. So auch hier.
Wie alle Völker und Kulturen sucht auch Israel Antwort auf die Fragen nach Gott und nach dem Woher und Wohin des Menschen.
Längst lebt Israel nicht mehr im Paradies und erlebt den Menschen als gefährdetes Wesen. Es stellt die für den Menschen urtypischen Fragen: warum Menschen sterben und schuldig werden und warum das Leben manchmal so mühselig ist. Die Paradiesgeschichte wird in ihrem Fortgang Antworten darauf geben.
Aber hier in unserem Text ist von all dem nicht die Rede: kein Vertreiben aus dem Paradies, keine Sünde, keine Störung. Und das liebe Gemeinde können wir genießen. Gute Anfänge tun uns gut, damit wir mit allem, was das Leben bereit hält, gut zurechtkommen können.
Gottes guter Schöpferwille steht am Anfang aller Anfänge und ist eine Gesamtleitperspektive für unseren Glauben. Egal was passiert.
Der Anfang klingt gut: der Mensch ist geschaffen, versorgt, beauftragt und zur Gemeinschaft bestimmt
Und mit dieser Brille schauen wir uns die zwei grundlegenden Taten Gottes an - am Tag nämlich als Jahwe Gott Erde und Himmel machte.
Die Erde, also alles, was wir sehen und erforschen und erobern können, alles, was für uns zugänglich ist und der Himmel, der für uns nicht erreichbar ist.
Der Grund von allem, was ist, was wir sehen und nicht sehen können, haben wir Gott allein zu verdanken. Und so fragen wir: wer ist Gott und wer ist der Mensch?

4) Am Tag, als Jahwe Gott Erde und Himmel machte,
5) und es gab es das Gebüsch des Feldes noch nicht auf Erden und das Kraut des Feldes wuchs noch nicht; denn Jahwe Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Und der Mensch war noch nicht da, die Erde zu bearbeiten.

6) Nur ein Wasserschwall stieg aus der Erde empor und tränkte die ganze Umgebung.

7) Da formte Jahwe Gott den Menschen aus Staub von der Erde und hauchte ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
Liebe Gemeinde, als noch nichts da war, kein Gebüsch und kein Kraut, keine Wildpflanzen und keine Nutzpflanzen, kein Grün, nichts Essbares, viel eher eine karge und wüstenähnliche Landschaft, da erfahren wir schon die Bestimmung des Menschen. Seinen Sinn im Leben. Der Adam, der Mensch soll die Adamah (die Erde also) bearbeiten, aus der er geformt wurde und mit der deshalb zusammenhängt.
Zwei Dinge sind es, die uns als Menschen ausmachen.
1. Wir sind Körper, die aus dem Staub der Erde gemacht wurden. Staub ist vergänglich, aber Gott kann auch aus Staub ein Kunstwerk herstellen. Und das sind wir alle.
2. Jahwe Gott haucht er diesem Kunstwerk den Atem des Lebens ein, unendlich zärtlich durch die Nase. Sie ist das einzige Körperorgan, das empfängt und abgibt. Gott hat einen Zugang in unser Innerstes. Denn von dem Atem des Lebens, den ich Zug um Zug nehme, bin ich abhängig. Die Bibel sagt: ich bin ein Atemwesen. Gott muss nicht atmen, aber wir. Er macht uns zu lebendigen Wesen, im Hebräischen lebendige Näfäsch. Und näfäsch ist ein Körperorgan, das Innere des Halses, Kehle und Schlund. Wir brauchen den Atem, wir brauchen essen und trinken. Und vieles mehr. Wir sind bedürftige Wesen und darauf angewiesen, dass unsere Bedürfnisse gesehen, gewürdigt und gestillt werden. Und das tut Gott.
8/9) Und Jahwe Gott pflanzte ein Garten in Eden im Osten. Und er setzte den Menschen dorthin, den er geformt hatte. Und Jahwe Gott ließ aus der Erde aufwachsen vielerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
15) Und Jahwe Gott setzte also den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
Gott überlässt den Menschen nicht sich selbst, so nach dem Motto: sieh zu, wie Du zurechtkommst. Nein, die Priester, Propheten, Weisheitslehrer, die die Geschichte aufgeschrieben haben, erleben einen sich kümmernden Gott, der dem Menschen einen Lebensraum verschafft, sich unermüdlich überlegt, was er für den Menschen noch tun kann. Die Bibel sprudelt über davon, wie Gott dem Menschen etwas vorbereitet. Für Abraham hat Gott etwas vorbereitet und so lockt er ihn aus seiner Heimat heraus. Er verspricht ihm Nachkommen so viele wie Sterne am Himmel und Gott lockt die Menschen auch aus der Sklaverei in Ägypten. Ein weites Land, wo Milch und Honig fließt erwartet die Menschen und Gott wird mit ihnen sein. Weil er den Plan schon vorbereitet hat. Für die Menschen damals und für uns heute.
„Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde“ erkennt der Psalmbeter. „Kommt es ist alles bereit“, sagt Jesus und er geht vor zu seinem Vater im Himmel, um einen Ort zu bereiten, damit wo Gott ist, auch wir sein können. Wo Gott ist, da ist immer auch ein Ort für mich vorbereitet.
Wir Menschen brauchen einen Ort, wo wir einfach nur sein können, uns zuhause fühlen, Heimat haben können. Wie furchtbar vor diesem Hintergrund, sich all die Menschen vorzustellen, die auf der Flucht sind und irgendwo im Straßengraben schlafen und die das Gefühl bekommen, nirgendwo erwünscht zu sein.
So hat es sich Gott nicht gedacht.
Gott eröffnet einen Raum für den Menschen. Und es ist nicht irgendein Ort. Es ist ein Garten. Abwechslungsreich, vielfältig, den wir entdecken sollen und staunen und uns daran erfreuen.

In einem Garten kann man Abenteuer erleben, in den Bäumen Schutz finden, Schatten und Wasser finden, Früchte und Orientierung. Verlockend anzusehen. Gott lockt uns, verlockt uns, weckt unsere Neugierde. Unser Leben soll ein Garten sein.
Mehr als Pflichterfüllung. So hat es Gott für uns vorbereitet.

…jedem Anfang folgt eine Geschichte
Ein traumhafter Anfang. Und in der Mitte des Gartens steht der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Wer weiß wozu….
Ein vollkommener Ort.
Und der Mensch sollte diesen Ort bebauen und bewahren.
Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Der Baum der Erkenntnis wird dem Menschen zum Verhängnis. Und so erlebt der Mensch, dass auch ein Weg aus Eden herausführt.
Genau wie dieser Anfang nicht im Paradies fortgeführt werden konnte, so geht es mir auch manchmal mit meinen eigenen Anfängen. Nicht jeder Anfang hält, was er verspricht. Jenseits von Eden sieht das Leben oft ganz anders aus. Die hellen, lichten, vielversprechenden Momente des Anfangs werden im Laufe der Geschichte überlagert: ich versage, verstricke mich und gehe am rechten Weg vorbei. Das lässt meine Sehnsucht wachsen und ich erinnere mich an die verheißungsvollen Anfänge und wünschte, ich könnte noch einmal von vorn beginnen. Es besser machen.
Gott ist und bleibt in Beziehung
Ich weiß: Gott hat die Menschen aus dem Paradies geschickt, und sie hätten sich wohl auch so manches Mal gewünscht, noch einmal neu anfangen zu können.
Doch obwohl sie außerhalb des Gartens leben mussten, hat Gott nicht aufgehört, für sie zu sorgen, sie zu begleiten, für sie etwas vorzubereiten.
Leben kann misslingen, ich kann scheitern, doch ich weiß: Gott bricht die Beziehung zu mir nicht ab. Er bemüht sich, mir das Leben schmackhaft zu machen und bei ihm den Ort zu entdecken, wo ich meine ablegen kann. Bei Gott fühle ich mich geborgen und ich kann erleben, wie er mir immer wieder neuen Lebensatem gibt für neue Anfänge im Leben.
Es ist schön zu leben, weil Leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.
Amen.