( Predigt Dtn 30,11-14 ) [ Englischen Predigt ] [ Abkündigungen281.54 KB ]
Move 1 Übergänge im Leben
Liebe Gemeinde, wir feiern heute den Übergang in eine neue Zwischenzeit. Einen Übergang habt Ihr, die Ihr hier seid, auch heute Morgen vollzogen, habt euch vorbereitet, das Haus für den Gottesdienst verlassen, um pünktlich hier zu sein, habt das Tor zum Gelände passiert und dann die Kirche betreten.
Unser Leben ist durch Übergänge geprägt und manche davon feiern wir auch in besonderen Gottesdienst wie Taufe, Konfirmation und Hochzeit z.B.
Ein Übergangsritus ist auch das, was wir von Mose heute hören. Eine letzte große Aufgabe muss er erfüllen.
Das Buch Deuteronomium, das 5. Buch Mose, heißt in der jüdischen Tradition „Devarim – Worte“. Es schließt den ersten Teil der hebräischen Bibel ab und beinhaltet Gottes Worte an sein Volk und die Gebote für Alltag und Feiertage.
Hört nun einen Schwellentext aus Dtn 30,11-14
Move 2 Ungewissheiten
Mose ist mit dem Volk vierzig Jahre lang durch die Wüste gezogen, dem gelobten Land entgegen. Sie kamen aus der Unfreiheit der Sklaverei, jetzt ist die Freiheit zum Greifen nahe. Nur noch kurze Zeit und sie werden das verheißene Land betreten.
Was wird die Zukunft bringen? Das wissen wir heute genauso wenig wie Mose und die Menschen damals. Wird das Leben gelingen? Was ist nicht alles passiert in den letzten Monaten?
Was ist nicht alles passiert in den 40 Jahren in der Wüste. Menschen sind geboren worden, die die ägyptische Gefangenschaft nicht kennengelernt haben, wieder andere sind gestorben. Mehr als eine Generation lang waren sie auf Wanderschaft. Wer will es ihnen vorwerfen, dass sie zwischendurch angefangen hatten zu zweifeln: an Mose, an Gott, an den Verheißungen… ?
Übergänge sind mit Ängsten besetzt. Auch die, auf die man sich freut. Ungewiss ist es allemal, was danach passieren wird. Und Übergänge haben immer auch mit Abschieden zu tun. Abschied von der Jugend, Abschied vom Single Dasein, Abschied von geliebten Menschen.
So weiß auch Mose, dass er das gelobte Land nicht mehr betreten wird. Alt geworden, steht er jenseits des Jordans und blickt hinüber. Gott hat ihm gesagt, dass er den Jordan nicht überqueren wird. Josua, den er zu seinem Nachfolger macht, wird das Volk hineinführen.
Move 3 Die Abschiedsrede
Vierzig lange Jahre – aus dem energiegeladenen jungen Mann ist ein alter Mann geworden. Hitze, Staub und unwegsames Gelände; das Murren und den Ungehorsam des Volkes hat er ständig ertragen. Immer wieder hat er Gott um Gnade angefleht, dass der die Verfehlungen des Volkes nicht strafe. Mose ist erschöpft und kann nicht mehr. Er weiß, dass er am Ende seines Lebens angelangt ist. Mose hält eine Abschiedsrede.
Vor allem an die Zehn Gebote erinnert er die Menschen. Wenn sie sich daran halten, wird ihr Leben gelingen. Dann werden sie die Gemeinschaft mit Gott spüren und das wird ihnen Ruhe und Frieden bringen.
Die Abschiedsrede muss mehrere Stunden gedauert haben.
Was er zu sagen hatte, das muss den Menschen wie ein Berg vorgekommen sein. Die Worte vom Berg Sinai, sie scheinen übermächtig, nicht zu bewältigen.
Wenn Anforderungen zu hoch sind, werden schnell Ausreden gesucht nach dem Motto: „Ich kann mir die 613 Gebote und Verbote nicht merken, die man in der Tora findet.“ „Das ist mir zu hoch und zu schwer, also lasse ich es lieber gleich sein.“
Damit das nicht passiert, ist es Mose wichtig, das Volk zu beruhigen, ihm zu sagen, dass die Anforderung eben nicht übermächtig ist und das Wort Gottes jedem zugänglich.
Deshalb spricht Mose diese entlastenden Worte: „Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. … Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“
Das ist das Entscheidende. Gott kommt den Menschen in seinem Wort ganz nahe.
Move 4 Die Besonderheit des Wortes Gottes
Das Entscheidende ist der Schluss des Textes. Da heißt es „…dass du es tust.“ Darauf kommt es im Leben an. Hören und danach tun. Der Mensch wird von Gott selbst dazu befähigt, dass die Worte, die er ihnen ins Herz gibt, sich in Taten auswirken.
In den 10 Geboten bekommen wir eine kluge Weisung, wie unser Leben gelingen kann. Sie sollen uns helfen, richtige Entscheidungen zu treffen für das Leben und ein harmonisches Zusammenleben.
Und weil das Wort Gottes dem Herzen ganz nahe ist, darum kann es Mut und Zuversicht schenken, das Nötige zu tun. Damit wir die Menschen sein können, als die uns Gott gedacht hat: nämlich fürsorglich und verantwortungsvoll.
Move 5 Gottes Wort war und ist und bleibt
Schon von Beginn hatten Gottes Worte eine Macht, Dinge zu erschaffen, die noch nicht da waren. Im Schöpfungsbericht hören wir von Gottes Wort, das die Welt und den Menschen ins Leben gerufen hat und ihm seinen Sinn gab: Gott sprach und es geschah. Und es war gut so.
Viele hundert Jahre später stellte der Evangelist Johannes (1,1-4) zu Beginn seines Evangeliums das Wort an den Anfang : „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“
Leben im Licht, das möchte Gott für uns.
Seine Worte berühren unser Herz, wo sich nach dem Verständnis der Hebräer und Griechen alles das konzentriert, was uns als Menschen ausmacht. Wer aufmerksam in sich hinein hört, dem wird sein Herz sagen, was Gott von ihm will. Davon bin ich überzeugt.
Egal wie voll oder leer unser Herz ist, Gott ist unserem Herzen nahe. Näher als wir meinen. Er verlässt niemanden. Weder die Israeliten zu Mose Zeiten, noch seinen Sohn Jesus Christus, noch uns heute. Niemand muss meinen, das Wort Gottes wäre zu weit weg.
Wir können es in der Bibel lesen. Wir erzählen einander davon. Wie es schon zu biblischen Zeiten war. So überhaupt ist die Bibel entstanden. Weil Menschen miteinander redeten, bevor es Jahrhunderte später die ersten schriftlichen Aufzeichnungen gab. Geschichten wurden Wort für Wort erzählt. Und so wurden viele Menschen von Gottes Worten tief im Innersten berührt.
Und das geschieht auch heute… immer wieder…, dass in einem Wort eine Wahrheit aufleuchtet, die bewegend oder heilend wirkt. Die ein Leben verändern kann. Dann kommt uns auch heute das Wort Gottes so nahe wie zu Mose Zeiten.
Uns hier, die wir in der Kirche Gottesdienst feiern. Euch allen, die Ihr Zuhause Gottesdienst feiert.
Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.
Amen