( Predigt Mk 2,23-2 ) [ Abkündigungen258.88 KB ]
Unser Konfirmandenunterricht geht so langsam zu Ende. Es war ein besonderes Jahr zu dritt. Wir hatten gute und tiefe Gespräche über den christlichen Glauben. Auch im Lockdown. Woran erkenne ich einen Christen? Was meint es „den Glauben zu bekennen“.
Es gibt Meinungen über Christinnen und Christen, besonders von denen, die mit dem christlichen Glauben nichts anfangen können. Die Meinungen begegnen euch in der Schule, die begegnen uns allen auch, am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis. Da meinen manche: Christen seien weltfremd und konservativ. Ich bin dankbar über den Predigttext heute, zeigt er doch, dass die Bibel nicht konservativ ist und Jesus schon zweimal nicht.
Lese im Mk ev 2,23-28
Die Geschichte fängt geradezu idyllisch an. Jesus und seine Jünger gehen am Sabbat durch die Kornfelder. Es wird nicht gesagt, warum sie Ähren raufen. Vielleicht haben sie Hunger. Vielleicht wollen sie für Hungernde etwas ernten. Vielleicht wollen sie provozieren, um auf etwas aufmerksam zu machen. Kaum an den Ähren gezogen, schon stehen welche da und pochen auf Recht und Ordnung. Hier geht es schließlich ums Prinzip.
Jesus könnte sich für das Verhalten seiner Jünger entschuldigen, aber er kontert mit dem Hinweis auf David, der in einer Notsituation ebenfalls geltendes Recht übertreten habe, und mit der grundsätzlichen Feststellung: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht umgekehrt.“
Was nicht heißt: Am Sabbat kann der Mensch tun und lassen, was er will. Jesus stellt den Wert des Sabbats keineswegs in Frage. Er verweist aber auf seinen eigentlichen Sinn. Mit dem Sabbat ist es nicht anders als mit den übrigen der Zehn Gebote. Sie sind sie eine Hilfe zu frohem und gelingendem Leben.
Gerne würde ich jetzt eine Umfrage in die Runde geben: wie habt Ihr als Kinder und Jugendliche die Sonntage erlebt? Und ich könnte mir vorstellen, dass einige sich an bestimmte Regeln am Sonntag zu halten hatten: die Sonntagskleidung nicht schmutzig machen, zum Gottesdienst gehen, ruhiger und besonnener sein als an den übrigen Wochentagen. Für viele sind die Sonntage sicher positiv in Erinnerung, aber ich denke mir, es gibt auch einige, die mit Sonntagen Langeweile verbinden und strenge Regeln und das sehnsüchtige Warten auf den Montag.
Der Sabbat, der Sonntag soll dem Menschen und der menschlichen Gemeinschaft dienen. Darum hat Jesus keine Bedenken, wenn seine Jünger am Sabbat ihren Hunger stillen; darum heilt er Kranke bedenkenlos am Sabbat, denn Leid und der Hunger machen keine Pause. Nirgendwo auf der Welt. Das hat Jesus gesehen. Und er hat auch gesehen, dass meistens Heilung und Linderung nicht warten können. Dann muss man handeln, hier und jetzt und gleich. Das Wohl des Menschen hat oberste Priorität. Und dafür nimmt Jesus auch in Kauf, dass es zu Streitgesprächen kommt.
Und die gibt es ja auch heute oft: denn es gibt immer welche, die Oberschlauen, die es genau wissen. Es gibt leider auch heute noch herzlose Fromme, die Bibelstellen gegen die Menschen ausspielen. Ohne den Wert des Lebens dabei zu berücksichtigen. Sie diskutieren „ums Prinzip“. Ein andauerndes Streitgespräch.
Als die gesetzestreuen Pharisäer Jesus sehen, wird nur der Vorwurf laut: „Sieh doch, was deine Jünger da tun. Und das auch noch am Sabbat! Euch ist wohl nichts heilig?“
Liebe Gemeinde, ich liebe den Sonntag. Ich mochte ihn schon als Kind:
Wir haben den Sonntag, den Tag, an dem alles ruhen darf für viele von uns. Einige müssen aber auch arbeiten… Polizei, Krankenhaus und anderes mehr. Auch ich bin ein kleiner Pharisäer, wenn es ums Einkaufen geht. Das versuche ich am Sonntag zu vermeiden. Aus Prinzip. Ich gebe es zu. Aber müssen wir sonntags einkaufen?
Wir dürfen uns erholen, so wie es Gott schon getan hatte am siebten Tag seiner Schöpfungsgeschichte: zurücklehnen und mal sagen: Siehe, es ist alles gut genug so. Heute ist Sonntag. Da tanke ich Kraft. Dieser Tag ist heilig. Er ist mir heilig. Deshalb will ich ihn beschützen. Aber:
„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ Der Sonntag, die Gebote; all das ist für uns und nicht gegen uns.
Wird es ein Sinn entleerter Tag, müssten wir ihn überdenken. Feiern wir Gottesdienste mit leeren Phrasen, müssen wir auch sie überarbeiten. Jesus Christus zeigt uns den Weg zum Leben. Durch Jesus Christus haben wir ein neues Gesetz: Wenn wir uns an ihn halten, stehen alle Gesetze der Welt in einem anderen Licht. Dann zählen Glaube, Liebe und Hoffnung. Das gilt es zu teilen und daran wollen wir uns ausrichten.
Das ist der heilige Sabbat, der jeden Tag sein kann, wenn wir nach den Geboten der Liebe leben. Dann kann man auch mal gedankenverloren beim nächsten Spaziergang an einem Grashalm ziehen und an das Ährenraufen der Jünger denken.
Was wir tun, ist entscheidend, nicht wann. Wir können Kranke besuchen und Hungernde einladen. Gerade daran wird der Sonntag heilig. Dann wird jeder Tag zum lebendigen Gottesdienst, wenn wir nicht nur sonntags als Christen erkennbar werden durch unser Tun. Und wenn ein Pharisäer des Weges kommt und dich fragt, warum du es anders machst, als es schon immer ist, und warum du diesem oder jenem eine Stimme gibst, dann reiße noch ein paar Ähren mehr aus.
Wie es Hermann von Bezzel beschrieb: „Nicht das weiht den Sonntag, dass du an ihm nicht arbeitest, sondern das weiht ihn, dass du an ihm Gott ganz besonders für dich und in dir arbeiten lässt.“
Und noch mehr: Dass du für Gott arbeitest. Werde zum Vorbild für andere, dass sich der Einsatz für das Leben immer lohnt. Das, liebe Michelle und Hannelore, liebe Gemeinde meint „den christlichen Glauben bekennen“. An jedem Tag.
Amen