( Predigt Römer 2, 1-11 ) [ Abkündigungen254.02 KB ]
1 Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest.
2 Wir wissen aber, dass Gottes Urteil zu Recht über die ergeht, die solches tun.
3 Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst?
4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?
5 Du aber, mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen, häufst dir selbst Zorn an für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,
6 der einem jeden geben wird nach seinen Werken:
7 ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben;
8 Zorn und Grimm aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;
9 Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die das Böse tun, zuerst der Juden und auch der Griechen;
10 Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die das Gute tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen.
11 Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.
Liebe Gemeinde
Du kannst dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest.
Wo urteilen wir, wo urteile ich über andere Menschen.
Wir sind am vergangenem Freitag überfallen worden. Wir haben von vielen lieben Leuten Botschaften, Unterstützung, Hilfeangebote bekommen – und sind dafür recht dankbar.
Viele erzählten, dass ihnen auch ähnliches passiert wäre. Es ist nur alzu oft, dass Menschen unter Kriminalität leiden. Wie reagiere ich auf die Kriminalität? Wie reagierst du?
Bei einigen Gesprächen über Kriminalität habe ich ganz schön starke Worte gehört. Vielleicht verständlich – ein Zeichen der Frustration, der Wut, auch der Angst: Die sollten doch alle umgebracht werden!
Wie sollen wir denn reagieren? Wer sind „Die“
Wir sind so schnell bereit, zu richten. So schnell bereit „Die“ zu sagen.
Paulus schreibt in einer Situation, wo auch „Die“ gesagt wurde: Die Juden. Die Heiden. Die Barbaren – die Griechen und Römer nannten die anderen Völker so. Die … Die anderen
Wenn wir klagen über unser Land – und weiß Gott es gibt viel zu klagen – wie oft kommen wir zum Schluss „Die“ sind Schuld.
Und wir? Es kommt vor, dass wir versuchen, es so zu drehen, dass wir mit weißer Weste dastehen.
Als ich Schüler war, konnte ich meine Mutter zur Raserei treiben, weil ich immer für mein Verhalten Entschuldigungen – Gründe, nannte ich es – noch und nöcher anführen konnte.
Noch heutzutage merke ich: Ich rege mich auf, wenn andere über rote Ampeln fahren. Aber: Wenn ich mal nicht ganz konzentriert war, und dann zu spät reagiere – dann find ich oft einen Grund, weswegen dass, was ich tat, nicht so schlimm war – auf jedem Fall, nicht so schlimm wie die anderen.
Mir fällt dabei ein Kanon ein: Die Menschen sind schlecht – sie denken an sich – nur ich denk an mich.
Die Menschen, die andere ausrauben, sind schlecht. Ich habe noch keinen ausgeraubt. Bin ich gut?
Aber – hat Jesus nicht gesagt: Wenn du begehrst, ist es so schlimm, wie zu rauben?
Ist es nicht so, dass der Mensch der raubt, es tut in der Meinung, dass es ihm ebensogut zusteht, so schöne Sachen zu haben, wie mir. Und ich – bin ich nicht der Meinung, dass ich diese schönen Sachen für mich behalten will?
Ist nicht Selbstsucht, Selbstzentriertheit, zu sagen „Mir ist das Hemd näher als die Jacke“ auch in meinem Herzen?
Gott will, dass ich ihn von ganzem Herzen und mit allen meinen Kräften Liebe – und meinen Nächsten wie mich. Habe ich das denn getan, und meine ganze Kraft eingesetzt Gott zu dienen – und meinen Nächsten? Wenn nicht, ist dann nicht das, was ich meinem Nächsten an Dienst schuldig blieb auch Raub?
Die Menschen sind schlecht – sie denken an sich – nur ich denk an mich.
Geht es dir vielleicht auch so?
Paulus schreibt diesen Abschnitt im Römerbrief als einen Schritt in einem längeren Argument: In Röm 1 schreibt er über das dahingegebensein in Sünde aller Menschen, und schließt mit einem Lasterkatalog. Juden hätten ihm darin gefolgt und gesagt: „Ja – so sind die Heiden – dahingegeben in Sünde – aber wir, wir haben das Gesetz, wir sind da ganz anders“
Ihnen – den Frommen, die sich besser dünken, die richten, schreibt Paulus in Kapitel 2, „Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest.“
Er tut dieses um dann, in Kapitel 3 zu seinem Ziel zu kommen: "22 Aus Gnade sind wir Gerecht, durch Glauben, als Gabe Gottes: Denn es ist hier kein Unterschied: 23 Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist."
Sinn dieses Abschnitts ist nicht, die schlimmen Taten der Kriminellen zu bagatellisieren. Aber – Paulus weiß, ist ganz fest überzeugt, dass wir vor Gott alle auf eine Stufe stehen, und alle ganz abhängig sind von seiner Gnade.
Wo wir aus dieser Gnade leben, da dürfen wir uns von der Gnade Gottes von unserer Selbstbezogenheit und Sünde befreien lassen. Dort, wo wir aus der Gnade und von Gottes Vergebung leben, können wir uns auch befreien lassen, denen, die uns Leid getan haben, zu vergeben.
Dabei heißen wir das Schlimme nicht gut – aber wir lassen uns befreien davon, mit Hass und Rache, mit Angst und Vorurteil zu leben.
Wenn wir das einsehen, dann werden wir vielleicht auch gnädiger miteinander umgehen, und kann es sein, dass wir uns von Gott davon befreien lassen „Die anderen“ zu verurteilen. Vielleicht können wir dann als die, die alle von Gottes Gnade abhängig sind, zusammen, als Gemeinschaft der Sünder, die rein aus Gnaden von Gott angenommen sind, auch neu ein miteinander, eine Gemeinschaft und eine Gesellschaft aufbauen.
Weil wir aus der Gnade leben dürfen, sind wir gerufen, umzukehren, Buße zu tun: Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?
Amen