( 1. Korinther 4, 1-5 ) - [ English ] - [ Akündigungen393.24 KB ]
Wer bin ich eigentlich als Christ? Kind Gottes, Bruder/Schwester Jesu, Jünger, Nachfolger, Wegbereiter, Freund/ Freundin von Jesus... ? Alles sind richtige und mögliche Antworten.
Das Thema des dritten Sonntags im Advent ist Johannes der Täufer, Sohn des Priesters Zacharias und dessen Ehefrau Elisabeth. In der Evangeliumslesung haben wir vorhin von Zacharias gehört, wie er Gott lobt und dankt. Er sagt auch das wir ohne Furcht in Gottes Gegenwart leben können und ihm unser Leben lang dienen als Menschen, die ihm gehören und seinen Willen tun. Und zu Johannes sagt er: dich, mein Sohn, wird man einen Propheten nennen. Du wirst vor dem Herrn hergehen und ihm den Weg bahnen.
Johannes weiß sich als Wegbereiter für den kommenden Gerechten und Helfer gesandt, „der Heil und Leben mit sich bringt“.
Zacharias sagt wir sind Diener Gottes und Johannes fügt noch eins hinzu wir sind auch Wegbereiter.
Ich möchte eine kurze Vorgeschichte des Predigttextes erzählen, bevor ich in den eigentlichen Text lese.
Die Gemeinde in Korinth wurde von Paulus gegründet, etwa 50 nach Christus. Nach etwa 1,5 Jahren verlässt Paulus die Gemeinde. Die zweite Phase dieser Gemeindegründung ist dann durch Apollos geprägt. Dieser Judenchrist formt die junge Gemeinde dann weiter, setzt dabei aber andere Schwerpunkte, als Paulus es getan hat. Trotzdem wird er von Paulus nicht als Konkurrent, sondern als Ergänzung, als wertvollen. Mitarbeiter im Reich Gottes gesehen. In der Gemeinde hatten diese zwei sehr unterschiedlichen Typen zur Folge, dass sich Gruppen bildeten: Die einen, die eher zu Paulus hielten, die anderen, die eher Apollos toll fanden. Und gegen diese Auseinandersetzungen in der korinthischen Gemeinde wendet sich Paulus im Kapitel vor unserem Text. Paulus stellt Gemeinde als Tempel Gottes dar. Er und Apollos haben, auf unterschiedliche Weise, das Fundament gelegt, jetzt ist es an den Korinthern weiter zu bauen. Und an dieser Stelle setzt dann unser heutiger Text ein, mit dem Paulus vermitteln will, auf welchen Standpunkt es wirklich ankommt.
Den heutigen Predigttext haben wir bereits als Epistel gehört – ich lese ihn noch einmal vor in einer anderen
Übersetzung aus der Basisbibel, weil uns manches dann sicher verständlicher wird
Text 1 Kor 4,1-5
1 Dafür soll man uns halten: für Diener von Christus und Verwalter der Geheimnisse Gottes.
2 Von Verwaltern verlangt man, dass sie zuverlässig sind.
3 Aber mir ist es völlig gleichgültig, wenn ich von euch oder von einem menschlichen Gericht beurteilt werde. Ich maße mir ja nicht einmal selbst ein Urteil an.
4 Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst. Aber deswegen gelte ich noch nicht als gerecht. Nur der Herr kann über mich urteilen.
5 Urteilt also nicht vorschnell. Wartet, bis der Herr kommt! Er wird alles ans Licht bringen, was im Dunkeln verborgen liegt, und die geheimsten Absichten enthüllen. Dann wird jedem Menschen sein Lob zuteilwerden von Gott.
Wir sind Diener Christi! Diener möchte man nicht gerne sein. Vielleicht könnte man doch besser übersetzten: Wir sind Gehilfen Jesu. Jemand, der Christus zur Hand geht. Statt sich jedoch zu verteidigen, rückt Paulus die Dinge zurecht: Was wir als Boten Christi zu tun haben, sind Handlangerdienste, schreibt er.
Handlanger reichen nur zu: dem Hammer oder die Wasserwaage. Handlanger zu sein kann entlasten, vor allem, wenn wir von der gestellten Aufgabe wenig verstehen.
Oft allerdings wollen wir lieber selbst alles tun. Wir lassen uns nur ungern sagen: „Gib mir dies oder jenes!“ Doch wir riskieren zu scheitern, wenn uns der nötige Überblick fehlt. -
Gott weiß schon, warum er von uns nur Handlangerdienste erwartet. Gleichzeitig setzt Gott dieser Aufgabe Grenzen: Wir brauchen nur „Handlanger” Christi zu sein, Verwalterinnen und Verwalter seiner Geheimnisse. Es zählt allein, treu und zuverlässig unsere Arbeit zu tun.
Dass Gottes Geheimnisse sich Menschen erschließen, ist Gottes Sache, nicht die unsere. Ich gehöre also nicht mir selbst, sondern ich gehöre Christus an! Und weil ich ihm gehöre, höre ich auf ihn, nehme ich seine Anweisungen zum Leben ernst und überlege zusammen mit den anderen Christen, wie das denn gestaltet werden kann.
Wie soll ich im Alltag als Christ leben? Wo ist mein Dienst gefragt? Diese Frage „Wo ist mein Dienst gefragt?“ macht allerdings nur Sinn, weil wir nicht nur Diener sind, sondern auch Haushalter bzw. Verwalter Gottes! Ein Haushalter, ein Verwalter war zur Zeit des Paulus ein Angestellter, der von seinem Dienstherrn sein Vermögen anvertraut bekam.
Und das ist ja schon ein Ding, liebe Gemeinde, das Gott so von uns, von Dir und von mir denkt. Ich vertraue dir, Mensch, du, der du hier sitzt, ich vertraue dir mein Vermögen an! Ich vertraue dir meine Zeit an, meine Gaben, mein Vermögen, meine Welt. Und vertraue darauf, dass du das angemessen verwaltest.
Wir verwalten nur, was Gott uns anvertraut hat. Gottesdienste, Gottes Wort in der Bibel, Gespräche mit anderen Christen helfen uns dabei. Sie helfen, darauf zu hören, was Gott mit uns vorhat.
Paulus wurde bekämpft, er wurde abgelehnt und mit Vorwürfen überzogen und deshalb muss Paulus im Korintherbrief auf einige grundsätzlichen Fragen eingehen, zum Beispiel: Wer bin ich eigentlich? Was ist meine Berufung? Und lebe ich das, was Gott für mich vorgesehen hat?
Paulus hat das verstanden. Er wusste, dass er nicht der Hausbesitzer war, sondern nur der Verwalter. Er wusste, dass ihm das Evangelium nicht gehörte, sondern dass er es nur anderen weitergeben sollte. Er war wie ein Kellner, der
das Essen nicht zubereitete, sondern es nur den Kunden servierte. Er war Gottes Instrument, das der Welt das Geheimnis des Evangeliums offenbaren sollte. Daher störte es ihn nicht, dass einige Korinther Petrus und Apollos ihm vorzogen. Und wenn wir Jesus so kennen würden, wie Paulus ihn kannte, würden wir dasselbe tun wie er: Wir möchten, dass die Leute besser von Jesus als von uns denken.
Unser eigener Glaube verdankt sich Gottes Handlangern: der Mutter oder Großmutter, dem Vater oder Großvater, der Religionslehrerin oder dem Pfarrer, dem oder jenem Gemeindeglied. Durch sie und andere sind wir mit Gottes Geheimnissen in Berührung gekommen. Sie haben uns geholfen oder helfen uns, im Glauben zu wachsen.
Eines Tages allerdings haben wir unseren eigenen Weg des Glaubens zu gehen.
Paulus selbst hatte keinen guten Stand. Unschöne Behauptungen zogen seine Glaubwürdigkeit in Zweifel. Statt sich jedoch zu verteidigen, rückt Paulus die Dinge zurecht. Mehr als ein Handlanger, als ein Verwalter der göttlichen Geheimnisse bin ich nicht sagt er. Aber in dieser Aufgabe bin ich nur Gott gegenüber verantwortlich. Ihm allein steht ein Urteil darüber zu, ob ich treu und zuverlässig bin. Die Klarheit des Paulus beeindruckt: Wie oft schielen wir nach dem Urteil anderer Menschen! Auch, wenn es um unseren Glauben geht: Werde ich anerkannt?
Erkennen die Anderen, wie tüchtig ich bin?
Dieser Text lenkt unseren Blick auf unsere Erwartungen im Advent und auf die Urteile, die wir fällen – über einander und über uns selbst. Urteilen – das ist ein Thema, das uns unser ganzes Leben lang beschäftigt. Andere Menschen fällen Urteile über uns, wir beurteilen andere und auch uns selbst. Und nicht immer sind diese Urteile freundlich, ich fürchte sogar, wir fällen mehr negative Urteile als positive. Manchmal auch über uns selbst.
Paulus macht sich von dem „Der sagt dies, die andere jenes” nicht abhängig. Die einzige Abhängigkeit, die er gelten lässt, ist die von Jesus Christus. Paulus denkt durchaus nach über sich und über das, was er tut. Die Briefe, die er an seine Gemeinde geschrieben hat, weisen nach: er hört hin und nimmt sich zu Herzen, was andere zu ihm sagen. Und genauso teilt er auch Lob und Kritik aus. Es geht bei ihm also nicht um die Haltung: Mir ist alles egal! sondern es geht um die Frage: Wie kann ich mit all den Urteilen und Beurteilungen leben, ohne davon abhängig und völlig aufgerieben zu werden. Dazu sagt Paulus: Ich gestehe keinem Menschen, keiner Instanz, ich gestehe nicht einmal mir selbst zu, mich zu richten, das heißt ein Urteil über mich zu sprechen. Das gibt ihm die Kraft, sich von Kritik, vor allem von unberechtigter nicht unterkriegen zu lassen. Das gibt ihm auch den Mut, Menschen mit denen er zu tun hat, unangenehme Wahrheiten ins Gesicht zu sagen, anstatt aus Angst nicht mehr gemocht zu werden, alles Kritische zurück zu halten. Paulus geht an seinen eigenen Fehlern und Mängeln nicht zugrunde.
Ja: Paulus hat das, was ich mir wünsche, womit ich mich aber nicht leicht tue, genauso wie die meisten anderen Menschen auch: Er hat innere Freiheit!
Wo schlägt mein Herz? Das zu entdecken – von Gott her zu sehen, welche Gaben er mir gegeben, welche Möglichkeiten er mir geschenkt hat; darum geht es. Und das dann auch von Herzen einsetzen. Also Berufung meint nicht, als Missionar oder Pastor berufen zu sein, sondern zu sehen: was hat Gott mir anvertraut, was liegt drin in meinem Leben, und wo bin ich gefragt? Die eine hat Freude im Umgang mit Kindern, der andere hat Spaß an Autos rumzuschrauben. Der eine hat das Vermögen schnell und viel zu lesen, die anderen eine gute Art zuzuhören. Unser Leben erfahren wir nur dann als lebenswert, wenn wir eine sinnvolle Aufgabe gefunden haben; wenn wir wissen wozu wir da sind, wozu unser Leben gut ist. Johannes der Täufer sah seine Aufgabe und Sendung darin, Bote und Wegbereiter des Messias zu sein. Er war und ist für uns Christen nicht nur Bote des Advent, sondern auch Vorbild.
Es soll immer wieder konkret werden was wir an Weihnachten feiern: Gott wird in Jesus Christus Mensch und wendet sich mit ganzer Liebe uns Menschen zu. Weil wir diesem Geheimnis auf der Spur sind, machen wir es wie er: Wir geben diese Liebe an andere weiter, schaffen Vertrauen und Glaubwürdigkeit, und begegnen einander als Dienerinnen und Diener Christi. Wir müssen deswegen noch lange kein Paulus sein, kein Luther und auch keine Mutter Theresa. Wir müssen nicht, wie Jesus, die ganze Welt erlösen.
Das verlangt niemand von uns und Gott verlangt es bestimmt nicht. Aber was er von uns erwartet, und zurecht erwartet, ist, dass wir in unserer Umgebung, in unseren Familien, in unserer Nachbarschaft, in unserer Gemeinde, eben so weit unser Einfluss reicht, wir seine Mitarbeiter sind. Was er erwartet, ist, dass wir nicht nur schöne Worte machen und Weihnachtsreden halten, sondern zupacken, wo Not am Mann und an der Frau ist. Niemand erwartet von uns, dass wir alle Not der Welt beseitigen, aber dass wir da, wo wir die Kraft und die Möglichkeiten haben, uns als Diener Christi und als Verwalter von Gottes Geheimnissen erweisen.
Ich wünsche uns allen, dass wir immer wieder neu Gottes Geheimnisse in unserem Leben entdecken.
Amen