( Predigt Micha 5 ) [ Afrikaanse Vertaling ] [ Abkündigungen515.51 KB ]
1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.
2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel.
3 Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. 4 Und er wird der Friede sein.
Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
“Die Heinzelmännchen zu Köln”, August Kopisch 1836
Dieses Märchen habe ich als Kind geliebt, mir manches Mal gewünscht, diese fleißigen Männchen zu sehen. Aber es ist eben nur ein Märchen, ein schönes.
Für viele ist auch die Weihnachtsgeschichte ein Märchen. Friede auf Erden - den hat es ja eigentlich in den 2000 Jahren seit der Ankündigung durch die Engel nie
richtig gegeben. Und wenn in Micha steht: “Er wird der Friede sein”, müssen Historiker feststellen, dass auch in den 700 Jahren zwischen dem Propheten Micha und dem Kommen von Jesus dieser Friede auch nicht eingetroffen ist. Im Gegenteil, bis heute ist rund um Israel herum alles Andere als Frieden!
Ist es da ein Wunder, wenn viele die Weihnachtsgeschichte mit den gleichen Augen lesen wie die “Heinzelmännchen zu Köln” - als ein schönes Märchen, weiter nichts.
Sollten wir darum heute Abend einfach wieder das Weihnachtsmärchen genießen, und ein wenig tun, als wäre es Wirklichkeit, bevor wir uns dann nach Weihnachten wieder der Realität zuwenden? Das wäre dann wie im letzen Vers von den Heinzelmännchen. Da heißt es, nachdem die Schneidersfrau die Männchen verscheucht hat:
O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muss nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!
Zumindest stimmt das “nie wieder” bei Weihnachten nicht, denn wir können singen: “Alle Jahre wieder kommt das Christuskind”, und uns dann auf das nächste Weihnachten freuen.
Aber die Geschichte von Jesus Christus ist kein Märchen - auch wenn Weihnachten, mit den Engeln und Weisen, den Hirten und Schafen, dem Stall und der Krippe märchenhaft klingt.
Hinter dieser Geschichte steht kein Märchenerzähler, sondern ein Gott, der, seit dem es Menschen gibt, den Wunsch hat, diese Menschen auf seine Seite zu bekommen.
Dieser Wunsch Gottes ist im ganzen Alten Testament zu spüren - vom ersten bis zum letzten Kapitel.
Wer sich Zeit nimmt, und den ganzen Propheten Micha liest, aus dem der heutige Text kommt, wird staunen, wie viel Ähnlichkeit Israel vor 2700 Jahren mit unserer Situation hier in Südafrika hat: Machthaber, die ihre Macht missbrauchen, Arme, die immer ärmer werden, Reiche, die ihren Reichtum anhäufen und sich nur um sich selbst kümmern. In diese Situation hinein kommt dann die Verheißung von einem neuen König aus Bethlehem, der ganz anders, gut, regieren wird.
Gott wünscht sich, dass es anders wird. In Bethlehem, dem Dörfchen aus dem der große König David stammt, soll der Neuanfang starten. Aus dem Stamm Davids, dessen Nachfahren aber zur Zeit Michas schlecht regieren, Macht missbrauchen, gegen Gott handeln.
Mit dieser Verheißung sagt Gott: Ich will nochmal neu anfangen. Ich werde nicht die jetzigen Jerusalemer Könige und Systeme reformieren - das bringt nichts. Ich reformiere nicht Jerusalem - ich fange neu in Bethlehem an.
Für Christen hat sich dieses Wort in der Geburt von Jesus erfüllt. Er ist der König aus Davids Stamm, geboren in Bethlehem, durch den endlich das Neue kommt.
Aber kam mit ihm wirklich Neues, oder ist es tatsächlich ein Heinzelmännchenmärchen, das mit dem Frieden auf Erden?
Das Problem liegt bei uns. Viele Menschen erwarten von Jesus das gleiche wie von den Heinzelmännchen im Märchen: Während wir uns faul zurücklehnen, soll er die Bösen bekehren, die Armen versorgen, Versöhnung und Frieden bringen. Er soll es tun, ohne dass wir einen Finger zu krümmen brauchen. Weil Jesus es nicht tut, wird die ganze Geschichte als Märchen für “alle Jahre wieder” zu Weihnachten aufbewahrt.
Nochmal: Die Geschichte von Jesus ist kein Märchen. Sie ist keine andere Art Heinzelmännchengeschichte. Jesus ist nicht der “Wunderheld”, der alles Neu
macht während wir schlafen, der in Dinge in Ordnung wo wir keine Lust haben uns darum zu kümmern.
Jesus will alles Neu machen - aber nicht an uns vorbei, sondern mit uns, durch uns!
Der Neuanfang beginnt auch heute im unscheinbaren Kaff Bethlehem, nicht in der Königsstadt Jerusalem. Damit meine ich: Jesu Werk beginnt im Kleinen - bei uns, in uns. Jeder von uns allein kann unser Land nicht besser machen, jeder von uns für sich kann nicht Frieden bringen - aber wenn wir Jesus erlauben, uns zu wecken, aufzuwecken, wenn wir es wagen, mit ihm zu leben, breitet sein Reich sich aus - angefangen in Bethlehem - damit meine ich: Bei uns zu Hause, in unserer Familie, in meinem Bekanntenkreis. Von Bethlehem aus zieht es Kreise.
Auf die Heinzelmännchen können wir lange warten- es hat sie nie gegeben. Aber Christus will zu uns kommen - nicht während wir schlafen, sondern wenn wir wach sind, damit wir dann mit ihm anpacken, damit wir mit ihm arbeiten. Zwar ist in den 2000 Jahre seit seines Kommens der Friede auf Erden nicht global realisiert worden - aber immer wieder ist dort, wo Menschen Christus nachgefolgt sind, der Friede sichtbar geworden.
Dort, wo wir uns von ihm anstecken lassen, erfüllt sich dieses Wort: “denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist”.
Ich wünsche dir ein gesegnetes Weihnachtsfest in deinem Bethlehem!
Die Heinzelmännchen sind weg - Jesus nicht!
Ich schließe mit zwei Versen aus einem Weihnachtslied von Georg Schmid (1983, Gesangbuch der Brüdergemeinde 194, 1&4):
“Nicht Bethlehem allein ist auserkoren. Nicht über einem Stall nur steht sein
Stern. In tausend Hütten wird das Kind geboren.
Und jeder Ort ist Krippe unsres Herrn.
Das Kind im Stall soll dir geboren werden. Du weißt nicht wie?
Zünd deine Lichter an und trau darauf dass jeder Ort auf Erden ihm Stall
und Stroh und Krippe werden kann.”
Amen
Horst Müller, Bischof NELCSA,