2021-01-17 - 2. Sonntag nach Epiphanias - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( Predigt Joh 2,1-11 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen608.25 KB ]


Liebe Gemeinde, Weihnachten liegt schon seit drei Wochen hinter uns. An Weihnachten ist Gottes Herrlichkeit sichtbar geworden. Wir haben ein Fest gefeiert. Und jährlich feiern wir dieses Fest und lassen uns mit hineinnehmen in diesen Glanz, der vom Himmel auf die Erde gekommen ist in dem kleinen Kind in der Krippe.

Und der erwachsene Jesus wird seinen Jüngern prophezeien: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.

Und damit setzt Jesus einen Doppelpunkt und im Folgenden werden auch wir, indem wir die Hl. Schrift lesen Zeugen von Zeichen, die geschehen. Das erste Zeichen erzählt der heutige Text im 2. Kap. des Johev., 1-11

Textlesung

Das Johannesevangelium, liebe Gemeinde ist ein Besonderes. Denn hier beginnt Jesu Zeit nicht wie bei den anderen Evangelisten fastend in der Wüste, sondern Johannes lässt Jesu Wirken auf einem Hochzeitsfest beginnen. Ist es nicht unpassend, Jesu Wirken mit einem „Luxuswunder“ beginnen zu lassen. Wasser in Wein zu verwandeln?

Obwohl… ich kann mir das gerade ganz gut vorstellen. Schön wäre es, wenn jemand Wasser zu Wein verwandeln würde. Mir würde es aber auch schon reichen, mal wieder ausgelassen ein Fest feiern zu können. Ohne Social Distancing, ohne Maske, von Mensch zu Mensch. Mit Freunden und Familie.

Und gerade auch eine Hochzeit. Viele Paare haben sich in der Corona Zeit auf eine kleine Feier reduziert, andere warten noch auf ihren großen Tag.

Hochzeit – Hoch-Zeit – es soll der schönste Tag im Leben sein. So wünschen es sich viele Verliebte. 

So finde ich es eigentlich sehr passend, dass die erste Wundergeschichte Jesu auf einer Hochzeit spielt. Denn bei einer Hochzeit ist nichts ohne Bedeutung:

Die Ringe z.B., die sich die Brautleute gegenseitig anstecken, werden zu einem Symbol der Ewigkeit. Bei einer Hochzeit weist alles über sich hinaus. Alles hat einen tieferen Sinn. Auch hier im Text hat alles seine tiefere Bedeutung und nichts wird einfach nur so erzählt. Der dritte Tag, an dem die Hochzeit stattfindet weist hin auf die anderen dritten Tage der Bibel, die zu großen Offenbarungstagen geworden sind. Der dritte Tag, an dem Gott dem Volk Israel seine Herrlichkeit auf dem Sinai offenbart hat. Der dritte Tag, an dem der Gekreuzigte von den Toten auferstanden ist.  Wir lesen von dem Ort Kana, an dem die Hochzeit stattfindet, und werden erinnert an den Landesnamen Kanaan, dem Land der Verheißung mit den riesigen Trauben. Wir hören von dem verwandelten Wein und denken an das Festmahl für alle Völker mit „süffigem Wein“, das Jesaja seinen Lesern ausmalt. Verhüllend und durchsichtig zugleich wie ein kostbarer Brautschleier ist diese Hochzeit. Schaut man sie an, entdeckt man hinter ihrer zarten Oberfläche eine Hochzeit des Glaubens und einen Evangelisten, der seinen Lesern zwischen den Zeilen die Frage stellt: Wollt ihr mit diesem Jesus in guten und in bösen Tagen leben, bis auch der Tod euch nicht mehr scheiden kann? Die Hochzeit zu Kana macht es einem schwer, diese Frage nicht mit „Ja“ zu beantworten, denn der Jesus, von dem sie erzählt, ist ein Jesus, in den man sich verlieben kann.

Da ist Jesus, der mit den Menschen feiert und isst und trinkt und mit ihnen nicht nur die Passionszeiten, sondern auch die Hoch-Zeiten des Lebens teilt. Dieser Jesus erinnert uns als Kirche Jesu Christi an etwas sehr Wichtiges, nämlich das Leben zu feiern und miteinander auch die Freude des Lebens zu teilen. Es ist wichtig, dass wir uns daran erinnern lassen, denn manchmal droht diese Seite von Jesus etwas in Vergessenheit zu geraten. Bei der Hochzeit wär ich gern dabei gewesen. Weil Jesus so menschlich ist. Weil er Ecken und Kanten hat, der diese Hochzeitsfeier an der Seite seiner Mutter verbringt und erst einmal bockig reagiert, als sie ihn darauf aufmerksam macht, dass kein Wein mehr da ist („Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“) um dann wenig später doch ihrem Hinweis nachzugehen. Dieser Jesus liegt mir am Herzen, weil er den Menschen nicht nur guten, sondern auch reinen Wein einschenkt. Jesus gewährt ihnen einen Ausblick auf sein Schicksal: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Das ist ein Hinweis auf die Stunde seines Todes, die für Johannes immer auch die Stunde seiner Verherrlichung ist. Das Leben mit Jesus wird nicht nur Hoch-Zeiten bereithalten. Auf die Hochzeit wird auch noch die Leidenszeit folgen. Wer aber an Jesus glaubt, darf in seinem Leben immer wieder mit überraschenden Verwandlungen rechnen.

Im Glauben an Gott können aus grauen Alltagen Hoch-Zeiten des Lebens werden. Der gute Wein für das Fest findet sich plötzlich in den Wasserkrügen, die den regelmäßigen rituellen Waschungen vorbehalten waren. Der Alltag kann sich in ein Fest verwandeln. Eine irdische Trauung kann zu einem himmlischen Vorgeschmack auf das Reich Gottes werden.

Im Glauben an Gott sind viele Verwandlungen möglich. Trauerbesuche kommen mir in den Sinn. Die Angehörigen erzählen mir von der letzten Zeit mit dem Verstorbenen. Anstrengend und hart war es, den Vater oder die Mutter zu begleiten. Viele wissen im Nachhinein jedoch auch davon zu berichten, dass ausgerechnet diese traurige Zeit des Sterbens noch mal eine gute und wertvolle Zeit des Miteinanders und des Lebens wurde. Tage des Todes werden zu Zeiten des Lebens. Im Glauben an Gott sind viele Verwandlungen möglich. Menschen sehen auf einmal wieder einen Sinn in ihrem Leben. Versöhnung geschieht, wo man es nicht vermutet hätte, weil Menschen einen Schritt aufeinander zugehen. Kinder und Eltern finden wieder einen Weg, miteinander umzugehen. Neue Ziele und Hoffnungen ermöglichen eine Wandlung im Leben. Eine neue Ausrichtung. Die Tränen verwandeln sich in Freude.

Das sind die Verwandlungen, die im Leben passieren. Und Verwandlungen, die wir auch herbeiführen können. Manchmal ganz ungeplant, aber manchmal auch bewusst forciert.

Wasser in Wein werden wir vielleicht nicht verwandeln. Auch werden wir nicht das ganze Leid der Welt in Freude verwandeln.

Was wir an jedem Sonntag verwandeln können, das ist unsere Betroffenheit. Wir verwandeln sie in Unterstützung, wenn wir die Kollekte erbitten. Oder wenn wir gestärkt in die Woche gehen und die Not bei anderen wahrnehmen, hören und handeln.

Ihr werdet den Himmel offen sehen, sagte Jesus zu seinen Jüngern. Und somit auch zu uns.

Er lädt uns ein, mit ihm Seite an Seite durch das Leben zu gehen. Bis wir irgendwann einmal den Himmel ganz offen sehen werden wird es immer wieder diese Hoch-zeiten im Leben geben, wo Verwandlungen geschehen und wir die Herrlichkeit Gottes sehen und spüren können.

Der Friede Gottes, der größer ist als alles, was wir uns vorstellen können, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


Amen