2021-02-07 - Sexagesimä - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( Predigt Lukas 8:4-8 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen610.94 KB ]


Bei meinem Einführungsgottesdienst habe ich dieses Schild mitgebracht, und es hängt seitdem in der Sakristei. Und darauf steht: Wo Gott dich hingesät hat, da sollst du blühen.

Das ist zuallererst ein Anspruch an mich, und ich sehe einen Sämann vor mir, der für mich in allererster Linie einmal Gott ist.

Der sät: all seine Liebe in unsere Herzen, all seine Worte, manchmal scharf wie ein Schwert, dann wieder leise, sodass ich gut hinhören muss, dann klar und deutlich und voller Mitgefühl. Und er sät eben auch Menschen an gewisse Orte zu bestimmten Zeiten.

Sicher, manchmal blühe ich.

Manchmal sehne ich mich aber auch, wie die gestreuten Samenkörner nach Wasser. Manchmal da wirkt einfach nicht, was ich tue und wird wie von Dornen erstickt.

Heute 7. Februar – Mitarbeiterdankgottesdienst. Laut Jahresplan. Trotz allem, dennoch und jetzt erst Recht. Danken, das geht immer.

Gott, der euch in unsere Gemeinde gesät hat.

Allen euch, die blühen, wo Gott euch hingesät hat. Die ihr mit euren Begabungen in all den unterschiedlichen Bereichen mithelft, Gemeinde zu bauen. Vielleicht kommt es euch selbst nicht als etwas Großes vor. Aber… es trägt 100fach Frucht hören wir von Jesus, der dieses Gleichnis erzählt.  

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen…

Damals eine Hand voller Körner, die sich in den Beutel graben. Säen – ein Bild für Fülle und Schwung und Verschwendung.

Längst nicht alles wird aufgehen und heranwachsen und Frucht bringen. Aber das macht ihm überhaupt nichts aus. Es geht ihm wie uns allen in unseren Aufgaben. Da gelingt bei Weitem nicht alles. Manches wird gut, allerlei bleibt auf der Strecke. Aber das macht dem Sämann überhaupt nichts aus. Er macht weiter. Schritt für Schritt. Lässt sich nicht entmutigen.

Obwohl der Verlust groß ist.

Alle drei Versuche führen nicht zum Gelingen, obwohl der Same an sich das volle Potenzial dazu hat.

Jesus weiß: an vielen Stellen, in dem was wir tun, wird das Gelingen behindert oder sogar verhindert. Er selbst kennt die Anfechtungen derer, die ihn ablehnten. Und seine Zuhörer kannten das auch. Und wir auch. Wie oft frustriert und lähmt diese Erfahrung. Vergeblich scheint dann alle Mühe. Die Arbeit scheint umsonst gewesen zu sein.

Ja, das gibt es. Wer Jesus zuhört, wird darin bestätigt. Das gibt es tatsächlich. In unzählig vielen Varianten.  

…. Aber das gibt es eben auch: Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Unerwartet und überwältigend… der Erfolg. Der jeglichen Verlust von vorher unbedeutend erscheinen lässt.

Wir sind Gottes Helfer. Tun unseren Dienst, indem wir selbst säen aus dem, was wir von Gott bekommen haben. Schwungvoll sehe ich euch, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor meinem inneren Auge. Wir schöpfen aus dem Aussaatbeutel, zum Rande gefüllt mit Gottes Liebe und wollen die Herzen der Menschen erreichen.  

Was daraus wächst… wir wissen es nicht.

Vieles liegt nicht in unserer Hand

Aber einiges eben schon:

3 Dinge sind es, die mir wichtig geworden sind:

  1. Es gelingt nicht alles, was wir uns vornehmen. Aber es tut gut, von Jesus zu hören, dass das ganz normal ist. Dass das zum Leben dazu gehört. Aber es bringt nichts, immer nur auf das zu schauen, was nicht klappt. Das entmutigt nur und trübt unsere Augen. Wir sehen dann nicht mehr das, was wirklich wächst und hundertfach Frucht bringt. Jesus ermutigt und ermuntert mich. Wo ich denke, es gelingt nichts Rechtes, da brauche ich jemanden, der mir die Augen öffnet, dass jemand mir sagt: wo du alles verloren glaubst, da vertrau auf Gott.
  2. Die Menschen damals hörten Jesus zu. Jesus erzählte von Gottes Reich und von Gottes Liebe in Kontrast zu dem, was die Menschen im Alltag hörten.

Es sind viele Stimmen, die auf uns einreden.

Ich möchte hören und zuhören … auf das, was Gott mir sagt.  

  1. Jesus erzählte, wie es in Gottes Reich zugeht. Es waren Worte, die eine Weite ermöglichten und Freiheit. Worte sind mächtig. Sie schaffen eine Realität. Zuerst in unserem Herzen, dann auf unserer Zunge. Ich möchte achten auf die Worte, die ich wähle.

Mitarbeiterdank. Unsere Kirche: Gemeinschaft der Gesäten und Säenden. Das ist unser Auftrag: blühen und selbst säen und Geduld haben, dass es wachsen kann.

Und wir wissen: wir sind und bleiben auf Gott angewiesen. In allem Säen, in Wort und Tat.  

Es kann geschehen, dass Pläne scheitern. Denn ich habe mein Leben nicht selbst in der Hand. Es kann sein, dass ich mit und ohne eigenes Verschulden nicht mehr sehe, wie es weitergehen kann. Aber der Sämann geht weiter und weiter, zu säen seinen Samen. Und ich weiß: die Saat kann auch ohne großes Zutun meinerseits Frucht bringen.

Meist kommt es am Ende gut, aber später und vor allem anders als erwartet. Viele von euch wissen: In der Hoffnung auf gelingende Arbeit braucht es langen Atem.

Jesus erzählt dies Gleichnis denen, die ihm zuhören und manchmal mutlos werden. Und seine Botschaft lautet: Lasst euch nicht lähmen von dem, was euch mutlos machen will. Schaut auf das, was Gott begonnen hat und weiter tut.

Das Reich Gottes wächst, mitten unter uns. Zu allen Zeiten. Auch jetzt. Gerade auch jetzt. Gottes Geist verändert das Leben derer, die zu gutem Land geworden sind. Er lässt Früchte heranwachsen, die ihm zur Ehre und den Menschen zum Segen gedeihen und diese nähren. Da wachsen Barmherzigkeit und Friedfertigkeit mitten unter uns. Da finden auch Menschen zusammen, die Gottes Geist bewegt. Da entstehen Streuobstwiesen Gottes, fruchtbare Landschaften. Da bewegt die Jesusliebe die Herzen von Menschen, die ihm gehören. Zur rechten Zeit tun sie, wozu er sie braucht. Gottes Geist lässt sich nicht aufhalten. Sein heilender, wunderbarer Geist wächst in die Lebensgeschichten so vieler Menschen hinein. Sie werden geprägt, fangen an zu blühen und werden zum Segen für andere. Sein Reich wächst mitten unter uns.


Amen