( Predigt Jes 58,1-9a ) [ English Translation ] [ Abkündigungen497.32 KB ]
Heute, liebe Gemeinde, sind die Paramente noch grün, ab kommendem Mittwoch, dem Aschermittwoch dann lila, die Passionszeit beginnt. Zeit, um die Stille Zeit bewusster zu gestalten, über sein Leben nachzudenken und einige fasten auch - 7 Wochen ohne – Zucker, Fleisch, Alkohol, social media. Was täte mir gut? Vielleicht habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, vielleicht noch nicht. Dann ist der Predigttext ein guter Ausgangspunkt, um noch einmal darüber nachzudenken. Wir hören von Jesaja, der den Willen Gottes verkündet.
Lesen des Textes Jes 58,1-9a
Liebe Gemeinde, ganz offensichtlich gibt es falsches Fasten und es gibt richtiges Fasten. Und die Menschen, zu denen Jesaja im Auftrag Gottes hier spricht, machen es offensichtlich falsch. Ihre Situation ist folgende: Die Gefangenschaft der Israeliten in Babylonien war zu Ende. Nach Jahrzehnten der Fremdherrschaft und dem Leben in der Verbannung war in Israel wieder Frieden eingekehrt. Jedenfalls äußerlich. Das Leben lief wieder in gewohnten Bahnen. Manche waren sogar zu etwas Wohlstand gekommen, andere litten aber auch Not und gerieten in Abhängigkeiten. Man machte sich Gedanken über den Wiederaufbau des Tempels und der Stadtmauer von Jerusalem, und jeder versuchte über die Runden zu kommen, so gut es ging.
Jeder versucht, über die Runden zu kommen. Kommt mir gerade irgendwie bekannt vor. Jedes Land versucht irgendwie über die Runden zu kommen, an Impfstoff zu kommen, die Zahlen runter zu bekommen, jeder versucht in der Familie mit dem Homeschooling, mit wirtschaftlicher Not, mit fehlender Kinderbetreuung klarzukommen. Über die Runden zu kommen. Tag für Tag. Manchmal spürt man da eine Leere, die sich innerlich breit macht.
Den Israeliten fehlte es an Visionen, sie hatten keine Hoffnung für die Zukunft, es fehlte die Begeisterung. Gott schien weit weg zu sein.
Daher versuchten einige mit frommen Übungen, sich zu vergewissern, dass Gott nah war. „Wenn ich faste und in Sack und Asche gehe, muss Gott mir doch gnädig sein“, sagten sich manche, „dann muss er mir doch freundlich begegnen. Dann muss das Leben doch gelingen.“
Doch Gott blieb ihnen scheinbar fern, und die Menschen klagten: „Warum fasten wir und du siehst es noch nicht mal?“
Jesaja ist zornig und ruft: „Siehe an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut.“
Und im Namen Gottes fragte er: „Wollt ihr das Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat.“? Soll sich Gott darüber etwa auch noch freuen, an dem, was ihr tut?
Gott ist anders: Er mag diese Art der Verehrung nicht. Er ist uneitel und selbstvergessen. Hat keinerlei Freude an einem Gottesdienst, der keinerlei Auswirkungen hat unter der Woche. Menschen gehen in die Kirche und gehen als dieselben wieder raus, machen weiter ihre Geschäfte, reden weiter, als gäbe es keinen Gott. Ohne christliche Nächstenliebe. Ohne Blick auf die anderen. Ohne Selbstreflektion, was ich mit meinem Handeln und Reden anderen und der Welt antue.
Ich sage euch, woran Gott sich freut, poltert Jesaja: ein Fasten, an dem du die loslässt, die du mit Unrecht gebunden hast. Gib frei, die du bedrückst. Brich dem Hungrigen dein Brot und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.
Denn so hat Jesaja es den Israeliten schon zugerufen: beim rechten Fasten wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
Dann wenn ihr erkennt, dass alles mit allem zusammen hängt, ihr mit Gott und ihr untereinander.
Es passt wunderbar, dass, dass heute nicht nur der Sonntag Estomihi ist, sondern auch 14. Feb. und somit Valentinstag. Namenstag des heiligen Valentin. Tag der Liebenden. Tag der Liebe.
Kurz zum Hintergrund: Der heilige Valentin soll Verliebten, die er jenseits der Klostermauern gesehen hatte, Rosen geschenkt haben. Und obwohl diese Geste ja eher winzig war, hat sie doch die Zeiten überdauert. Immerhin lebte und starb Valentin, nach dem Klosterleben auch Bischof und Märtyrer vom heutigen Terni in Umbrien in Italien, schon 269 nach Christus. Auch der Grund seiner Hinrichtung an einem 14. Februar ist bekannt: er hat Liebende trotz Verbot christlich getraut. Außerdem hat Valentin, so erzählt man sich, den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt.
Der hl. Valentin wollte seine Wertschätzung ausdrücken für die Liebenden und die Liebe.
Und die Liebe kommt von Gott. Gott ist die Liebe. Und wo Liebe ist, da ist Gott.
Wo ist Gott? Fragten sich die Israeliten?
Gott, wo bist du und wie komme ich dir nahe? Ist das nicht auch die Frage in der Passions- und Fastenzeit?
Siehe, hier bin ich. Sagt Gott.
Näher an uns kann Gott nicht mehr sein.
Wer den Nächsten achtet – auch den, den man sich nicht selbst aussucht – ist umgeben von Gott. „Hier bin ich“, wird Gott sagen – und was wollen wir denn mehr? Wer Gott finden will, findet ihn in seinem Dienst am anderen. Wer Licht für die Welt sein will, wird es in der Achtung des Nächsten. Fürsorge bedeutet Nähe Gottes, sagt Jesaja. Und er sagt es so schön, dass man sich auf den Weg machen möchte, auf den Weg der Liebe zu anderen. Ja, der ist manchmal mühsam, aber dafür ist der Gewinn unbezahlbar. Der Gewinn ist die Fürsorge Gottes an mir.
Vielleicht muss es nicht heißen: 7 Wochen ohne. Sondern 7 Wochen mit:
- Stiller Zeit nur für mich
- Blickwechsel hin zu meinem Nächsten
- Verbundenheit untereinander
- Verzicht, um anderen etwas abzugeben
Liebe Gemeinde. Ich glaube, mit darin liegt der Gewinn solch einer Fastenzeit: die Erkenntnis erlangen: Wirklich reich ist nicht der, der viel hat, sondern der, der viel gibt. Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Darauf liegt der Segen
8Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. 9Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.
Gebet
Gott, wir suchen dich und finden dich oft nicht.
Ändere unsere Blickrichtung hin zum Nächsten.
Lass uns teilen, ohne die Angst, selbst zu kurz zu kommen.
Lass uns unseren Mitmenschen mit Liebe begegnen.
Lass uns spüren, du bist da, nahe bei uns. Wo auch immer wir sind.
Zeige uns den Weg in diesen Wochen hin zum Leben.
Amen