2021-02-21 - 1. Sonntag der Passionszeit - Invocavit - Prädikantin Elke von Schlichting

( Predigt Johannes 13, 21-30 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen313.8 KB ] [ Anhang50.9 KB ]


Guten Morgen liebe Gemeinde.

Wenn ich das Angebot der Ostereier, bereits Ende Januar, in den Geschäften sehe, rutscht mir das Herz in die Hose.  Mein nachweihnachtliches Vorhaben „Ich esse keine Süßigkeiten mehr“ scheitert bei dem verlockenden Angebot, das ich auf der Regalen der Supermärkte sehe.  Vorallen die österlichen „Speckled Eggs“ stehen bei mir oben an der Versuchungsliste.  Und wenn sie dann noch im Sonderangebot sind, kaufe ich nicht nur eine sondern gleich 3 oder mehr Packungen.  Spätestens beim Auspacken der Einkaufstaschen ärgere ich mich schon über mich selbst, dass ich wieder einmal der Versuchung nicht widerstehen konnte, und nicht in die andere Richtung geblickt habe als ich beim Osterregal vorbei ging.  Und mein Mut sinkt mir in die Schuhe, das schlechte Gewissen plagt und ich ärgere mich über meine Schwäche, denn ich weiß ... Wenn die Packung erstmal offen ist, esse ich gleich den ganzen Inhalt mit einem Mal auf. 

Das Thema dieses 1.Sonntags der Passionszeit ist die Versuchung.  Gott gab seit Anbegin dem Menschen die Freiheit zur Entscheidung, aber da der Mensch eben ein Mensch ist, war er damals nicht im Stande, verantwortungsvoll mit dieser Freiheit umzugehen.  Und auch heute ist es erschreckend, wie die Versuchungen in den Medien, Geschäften, Politik und Wirtschaft immer wieder zu Geldverschwendung, Korruption und innerlichem Zwiespalt führen. 

Manchem mag das „Speckled Eggs“ Beispiel lächerlich vorkommen, aber es ist wichtig zu verstehen, das Versuchungen ein weites Spektrum haben, die sich überall in unserem Alltag auf verschiedene Weisen versuchen in unser Leben einzuschleichen.  Versuchungen sind Verlockungen des Bösen, dem es immer wieder gelingt, den Menschen in seine Gewalt zu bekommen, seien es die kleinen Versuchungen so wie heimlich Schockolade naschen trotz des Vornehmens es nicht zu tun, oder die Großen und richtig schwerwiegenden Versuchungen zB Steuern zum eigenen Vorteil unehrlich berechnen, Geld unterschlagen, auf falsche Geschäfte eingehen und noch vieles mehr.  Eine erschreckende Realität, die jeden treffen kann, den Starken und den Schwachen, den Gläubigen und den Ungläubigen, ja, auch Dich und Mich.

Auch die Bibel ist voller Versuchungsgeschichten, angefangen bei der Schlange im Paradies, über Hiob, der vom Satan und sogar auch von seinen eigenen Freunden versucht wurde, von Gott abzulassen im Angesicht seiner Schicksalschläge und Krankheiten, bis hin zu Jesus, der selbst nach 40 Tagen in der Wüste vom Teufel versucht wurde.  Es gibt noch Judas, der der Versuchung, Jesus für ein paar Silbergroschen zu verraten, nicht wiederstehen konnte.  Auch Jesus wurde erneut im Garten Getsemane versucht, den Kelch an sich vorrüber gehen zu lassen und selbst  Petrus konnte der Versuchung nicht wiederstehen, Jesus 3 mal zu verleugnen, um seine eigene Haut zu retten.  Versuchung war also schon damals ein großes Thema und ist es auch heute noch.

Dazu hören wir den Predigttext, aus Johannes 13, Verse 21-30.


21 „Nachdem Jesus dies gesagt hatte, bestätigte er tief erschüttert: »Ja, es ist wahr: Einer von euch wird mich verraten!«

22 Die Jünger sahen sich fragend an und rätselten, wen er meinte.

23 Ganz nah bei Jesus hatte der Jünger seinen Platz, den Jesus sehr lieb hatte.[4]

24 Simon Petrus gab ihm ein Zeichen; er sollte Jesus fragen, wen er gemeint hatte.

25 Da beugte der Jünger sich zu Jesus hinüber und fragte: »Herr, wer von uns ist es?«

26 Jesus antwortete ihm: »Es ist der, dem ich das Stück Brot geben werde, das ich jetzt in die Schüssel eintauche.« Darauf tauchte er das Brot ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.

27 Sobald Judas das Brot genommen hatte, bekam Satan ihn ganz in seine Gewalt. »Beeil dich und erledige bald, was du tun willst!«, forderte Jesus ihn auf.

28 Keiner von den anderen am Tisch verstand, was Jesus mit diesen Worten meinte.

29 Manche dachten, Jesus hätte Judas hinausgeschickt, um alles Nötige für das Fest einzukaufen oder den Armen etwas zu geben. Denn Judas verwaltete das Geld von Jesus und seinen Jüngern.

30 Nachdem Judas das Brot genommen hatte, eilte er hinaus. Es war Nacht“.


Auf zwei Gedanken in diesem Text möchte ich heute eingehen.  Der erste basiert sich auf den Vers „Die Jünger sahen sich fragend an und rätselten, wen er meinte.“  Genauer gesehen bedeutet das doch, dass jeder der  Jünger es für möglich hielt, vielleicht selbst der Verräter zu sein?  Traditionel verurteilen wir doch Judas als den Verräter während wir uns selbst als Mitleidende von Jesus sehen.  Aber dieser Satz gibt der Sache eine neue Bedeutung.  Das heißt doch das wir alle, potenziel irgendwann im Leben eine Judas-szene abziehen.  Dass wir versucht werden etwas zu tun, von dem wir wissen, dass es nicht richtig ist, aber wo wir merken, dass es uns zum Vorteil sein könnte.  Und damit sind wir genauso schuldig wie Judas.  Wir haben Jesus zwar nicht den römischen Soldaten ausgeliefert, aber wir verstoßen trotzdem immer wieder gegen Gottes  Gebote, geben der Versuchung nach, und sündigen.  Und wir wissen es ja: Sünde ist Sünde, da gibt es in Gottes Augen keine Unterschiede. 

Diese Erkenntnis ist vielleicht genau das was wir zu Begin der Passionszeit brauchen.  Wir merken, dass wir um kein Haar bessere Menschen sind, als Judas es war.  Aber der zweite Gedanke in unserem Text bietet uns den Trost, den wir bei dieser Feststellung brauchen:  Jesus, das Opfer, war trotzdem Herr der Situation.  Obwohl ihn Judas Vorhaben unendlich traurig stimmte, reichte er ihm bereits bevor der Verrat begangen war, die Hand zum Frieden, und zur Versöhnung.  Aus menschlicher Sicht eine unvorstellbare Situation.  Jesus wusste im Vorraus, was geschehen würde.  Seine Worte die er als Antwort auf die Frage, wer der Verräter sei, sprach, berühren uns zutiefst: „Es ist der, dem ich das Stück Brot geben werde, das ich jetzt in die Schüssel eintauche.« Darauf tauchte er das Brot ein und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.“

Was wird hier gemeint?  Zwei kennzeichnende Gegenpole: Verrat und Vergebung, stoßen in diesen Worten Jesu aufeinander.  Einerseits unvereinbar, aber anderseits der Grundsatz  unseres Glaubens.  Wir sind Sünder und Gott ist Vergeber.  Durch das Tauchen und Reichen des Brotes an Judas wird eine Abendmahlssituation dargestellt.  Hierdurch reicht Jesus Judas, bevor er überhaupt die Schreckenstat begeht, bereits die Hand der Vergebung.  Eine Geste mit der Jesus sagt, „Nimm hin, das ist mein Leib, für dich gegeben zur Vergebung deiner Sünden.“  Und wie kommt das zu Stande?  Allein durch Jesu unendliche Liebe, die allen gilt, seinen Freunden, seinen Verrätern, den Heiligen und den Sündern dieser Welt, und letztendlich dir und mir.    

Ich stelle mir die Frage „wer ist der wirkliche Judas in meinem Leben?“  Ich bin es selbst!  Ich bin es die den Versuchungen nicht widerstehen kann, egal wie klein sie zu scheinen vermögen.  Und das, obwohl ich ein Kind Gottes bin.  Da kann auch die Frage, „Gott, warum lässt du das zu?“, nicht einfach unter den Tisch gefegt werden.  Meine Anklage „Gott! Du weißt doch dass ich schwach bin, und trotzdem stellst du mich immer wieder auf die Probe.“ ist begründet. 

Aber die gute Nachricht ist, dass ich wissen darf, dass derselbe Gott, der die Versuchung zulässt und meinen verantwortlichen Umgang mit meiner Freiheit prüft, auch der Gott ist, der mich aus der Versuchung führen kann.  Der verhüten kann dass ich der Versuchung nachgebe und zum Sünder werde.  Die Sünde liegt nicht in der Versuchung, die Sünde liegt im Überschreiten der Grenze zwischen dem was Gut und Böse ist.  Manchmal lässt Gott es zu, dass ich ganz nahe an diese Grenze komme, weil er mir zeigen will, dass er für mich da ist, dass er mich liebt und dass er mich aus jeder Situation retten kann, egal wie schwierig sie auch zu sein scheint, wenn ich ihm vertraue. 

Das wichtige ist, dass man sich der Versuchung immer bewusst wird wie gefährlich der Versucher sein kann und welche Methoden und Tricks er anwendet um unsere Liebe zu Gott zu zerstören, den Frieden den Gott gibt klein zu reden, das Gebet abzuwerten, Sünde zu verharmlosen und uns einer Welt auszusetzen, in der der Mensch erhöht und Gott erniedrigt wird.  Eine Welt in der das Wort der Bibel entkräftigt wird und den Medien geglaubt wird, und eine Welt in der das weltliche in den Mittelpunkt gestellt wird, aber das Wesentliche verkümmert.

Wie kann ich mich der Versuchung wehren?  Im Jakobusbrief im 1.Kapitel werden uns wertvolle Richtlinien erteilt:

  1. Erschreckt nicht vor den Prüfungen! Ihr lernt aus ihnen für viele kommende Situationen. Bleibt dran, und ihr kommt weiter und werdet dadurch immer stärker.
  2. Zweifelt nicht an Gottes Führungen. Bittet vielmehr um Weisheit, die Gott gerne gibt. So bekommt ihr Einblick in seine Gedanken.
  3. Verlasst euch nicht auf vergängliche Werte und Währungen! Alles vergeht! Wer Gott gehört, bleibt!

Das hört sich so einfach an, aber in Wirklichkeit sind wir oft zu schwach um diesen Richtlinien zu folgen.  Da brauchen wir tägliche konkrete Methoden die uns stärken.

  1. Meine wichtigste Regel für mein Leben ist es, jeden Tag mit einem Lob anzufangen und mit einem Lob zu beenden. Das ist manchmal leichter gesagt als getan, aber ich habe schon so oft erfahren: Im Lobpreis und täglichen Gespräch mit Gott liegt unendliche Kraft.
  2. Gottes Wort zu lesen ist wichtig, damit du lernst seinen Willen zu erkennen, und seine Stimme von anderen Stimmen zu unterscheiden. Daher, lese die Bibel, lass dir per handy jeden Tag die Losungen oder ander Bibelstellen schicken, nehme diese Worte in den Tag und siehe wie Gott durch sie wirkt.
  3. Lebe in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Besucht oder hört zusammen Gottesdienste und Andachten, lobt und singt Lieder zu seiner Ehre.  Versuche Bibeltexte auswendig zu lernen und teile sie mit anderen.  Bete täglich, nicht nur vor dem Essen oder vor dem Schlafengehen, sondern wann immer du an Gottes Liebe und Gnade denkst.  Schließe dich einem Hauskreis an, und lege eine Christliche CD im Auto in den CD Spieler, zu der du lautstark singen kannst.  Gottes Nähe in deinem Alltag befreit dich von Sorgen und Angst und hilft dir, den Versucher zu erkennen und nicht an dich ranzulassen. 
  4. Suche dir gleichgesinnte Menschen denen du Vertrauen schenken kannst. Bei einem andern Christen die Sorgen und Lasten abzuladen und gemeinsam vor Gott zu bringen ist ein Geschenk.
  5. Wir, als Christen dürfen Jesus als unseren ständigen Begleiter annehmen und in jeder Situation die Frage stellen: „What would Jesus do?“ Jesus ist unsere Stärke. Er verspricht im Hebräerbrief „Worin ich selbst gelitten habe und versucht worden bin, kann ich dir helfen, wo du versucht wirst (Hebr 2,18) .

Nichts kommt im Leben ohne Einsatz.   Auch Glauben nicht, auch das Leben nach Gottes Wort nicht.  Um Versuchungen zu widerstehen erfordert Arbeit, Selbstdisziplin, offene Kommunikation mit Gott und auch meinem Nächsten.  Es erfordert ein zielbewusstes Handeln, Gottvertrauen und letzendlich das Wissen, dass bei Gott keine Sünde zu groß ist, um seine bedingungslose Liebe zu entfachen und seine Vergebung zu bekommen. 

Und da eignet sich die Fastenzeit eigentlich wunderbar, Stärke zu üben um der Versuchung zu widerstehen.

Es gibt in den evangelischen Kirchen in Deutschland die Aktion „7 Wochen ohne...“ die genau für die Fastenzeit gedacht ist.  Jedes Jahr hat diese Aktion ein anderes Thema, in diesem Jahr heißt es „7 Wochen ohne Blockaden“.  Während der Fastenzeit will ich jene Blockaden ablegen, die mich daran hindern, Gott durch sein Wort zu begegnen, seine Stimme in meinem Leben zu hören, seinen Willen zu erkennen und zu tun.   Wie könnte ich das tun?  zB könnte ich morgens 10 minuten früher aufstehen oder mir vornehmen, nur 3x, statt 20x am Tag meine Whatsapp oder Signal Botschaften zu lesen.  Die gewonnene Zeit könnte ich im Gespräch und im Gebet mit Gott verbringen.  Oder statt mich nach der Arbeit auf die Couch zu setzen und meinen Kaffee zu trinken, könnt ich mit Wasserflasche noch eine Runde draußen drehen, an der Natur, denn dort spricht Gott mir tief in die Seele.  Und ich könnte zielbewusst an den „Speckled Eggs“ im Sonderangebot vorbeigehen, und den Betrag den ich dazu ausgegeben hätte lieber in eine Spardose stecken um eine Familie die in Not ist, zu unterstützen. 

7 Wochen ohne Blockaden sollen mir helfen Gott ganz neu zu erfahren, wobei nicht so sehr der Verzicht, sondern das „Ohne“ eine Rolle spielt  – die Befreiung von festgefahrenen Haltungen damit ich merke, wie ich auch anders, sinnvoller und vertrauensvoller, mit der Freiheit die Gott mir schenkt umgehen und leben kann. 

Und zum Schluss noch ein kleiner spezial Tip im Sonderangebot heute:  Wie wäre es denn mit „Sieben Wochen mit …“? Mit Zeit für andere, mit Zeit für Gott. Mit einer täglichen Stille, einem Spaziergang, einem Bibelvers.  Nicht immer einfach, aber möglich.

Um mir selbst dabei zu helfen habe ich mir eine Flasche mit Bibeltexten vorbereitet, die mir für jeden Tag in der Fastenzeit eine zusetzliche hoffnungsvolle Botschaft geben soll, wie ich sieben Wochen oder 40 Tage mit Gott im vollem Ausmaß genießen kann.  Diese Verse sollen nicht nur mich, sondern auch euch bereichern und unterstützen.  Daher werden sie heute per email mit den Abkündigungen verschickt50.9 KB.  Nutzt sie, denn Gott will euch durch sein Wort Hoffnung schenken, euch stärken um Versuchungen zu wiederstehen und euch vergewissern, dass ihr in seiner Liebe geborgen seid, Gestern, Heute und auch morgen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus,


Amen