( Predigt Eph 5,1-2.8-10 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen603.83 KB]
Liebe Gemeinde, ich backe gern und ich glaube, viele von Euch auch.
Und die Kinder kommen aus ihrem Zimmer, angelockt vom Duft und ahnen dass es etwas aus der Schüssel zum Schlecken gibt und recken ihre Hälse, neugierig schauen sie, was passiert.
Sie haben seit kurzem selbst ein Kinderbackbuch. Es wird angepriesen, das ginge ganz ohne Erwachsene, aber so ist es natürlich leider nicht ganz. Ei aufschlagen, Schnee schlagen, Form einfetten… das muss einem jemand schon mal gezeigt haben ehe es klappt und dennoch geht natürlich einiges daneben. Da darf man nicht penibel sein. Die Eierschale landet im Teig, die Schüssel kippt, ein sanfter Mehlbelag breitet sich über sämtliche Arbeitsplatten in der Küche.
Es verlangt einem viel Geduld ab, mit Kindern zu backen. Und immer wenn ich kurz davor bin, meinem Kind den Löffel aus der Hand zu nehmen, weil es schneller und sauberer geht, muss ich mich zusammenreißen. Denn ich weiß selbst, wie demotivierend es ist, wenn man zu hören bekommt: du kannst das nicht. Dafür bist du noch zu klein.
Die Kinder lieben es, in der Küche zu wurschteln.
Und der Duft breitet sich aus in der Küche und damit auch im ganzen Haus. Nach frischem Brot und Vanille und Zimt. Milch und Honig. Nach emsiger Arbeit, Ausdauer, dem Streben, alles richtig zu machen, Hingabe und Geduld, Nachsicht und Verzeihen, nach Zuversicht und Freude.
Kinder lernen durch zuschauen und nachahmen.
Indem man ihnen etwas zeigt und sie selber probieren lässt.
Wichtig ist, dass sie spüren: Mama und Papa trauen es mir zu und ich darf Fehler machen.
Dann kriegen sie´s gut gebacken und sind stolz darauf. Und wir Eltern auch. Und mit jedem Mal werden sie selbständiger in dem, was sie tun. Und sie tun es gern.
Ahmt Gott nach als geliebte Kinder. Hören wir im Predigttext.
Da wird uns aber etwas Großes zugetraut! Gott selbst nachahmen…
Ob wir das gebacken kriegen? Wo kann man ihm denn zuschauen? Was kann ich ihm abgucken?
„Wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat.“ Schau ihn dir an, diesen Jesus von Nazareth. Wie er durchs Land gezogen ist, in jedes Dorf und weiter ins nächste. Weil er die Hoffnung von Gottes unendlicher Liebe in den letzten Winkel tragen wollte. Die Zuversicht, dass Gott sie mit seinen barmherzigen und geduldigen Augen anschaut.
Seht die Lehrer an, die gerade in diesen Tagen besonders geduldig sind, wenn Schülerinnen und Schüler sich erst wieder an den Schulalltag gewöhnen müssen, Material vergessen und Aufgaben wiederholt erklärt bekommen müssen.
Seht euch die Eltern an, die es gebacken kriegen, Familie und Arbeit auch in diesen noch lange nicht wieder normalen Zeiten unter einen Hut zu bekommen. Die ihre Geduld nicht verlieren und weitermachen. Tag für Tag.
Seht euch diesen Jesus an, wie er Geduld hat mit seinen Jüngern, die ihn enttäuschen, missverstehen, verraten. Petrus hat ihn drei Mal verleugnet, bevor der Hahn krähte. Als sie sich wiedersehen, am Seeufer an Ostern, da vertraut ihm Jesus eine neue Aufgabe an: weide meine Schafe!
Geduld und Hingabe kannst du bei Jesus sehen. So ist Gott. Du bist sein geliebtes Kind. Bei ihm kannst du Güte erfahren und abgucken. Selber gütig werden.
„Er hat sich selbst für uns gegeben, als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.“
Jesu Hingabe ein lieblicher Geruch für Gott. Kann man denn Güte riechen?
Wenn man einen Menschen kennenlernt, entscheidet sich oft ganz schnell, ob man ihn mag oder nicht. Leider ist da so. Irgendwie. Einiges kann sich natürlich im Nachhinein noch verändern. Und der erste Eindruck kann einen täuschen. Aber es ist schon so: man hat noch gar nichts mit dem Unbekannten erlebt, man hat nicht erfahren, ob derjenige ehrlich ist oder großzügig oder hinterlistig und falsch. Aber irgendetwas von seinem Charakter erfasst man im ersten Augenblick.
Es hat mit dem Geruchssinn zu tun, sagt die Wissenschaft. Man kann jemanden eben gut riechen oder nicht. Vielleicht kann man dann doch Güte riechen, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit?
Den Kuchen kann man riechen am Samstagnachmittag, wenn er aufgeht im Ofen. Und auch die Liebe, die in ihm steckt.
In den ersten Sonnenstrahlen am Tag kann man Gottes Liebe riechen, der die Welt aus dem Schlaf weckt und Hoffnung in die letzten Winkel trägt. Mach die Fenster auf! In dem Regen nach langer Trockenheit kann man Gottes Liebe riechen, wenn der Boden dampft und die Regentropfen auf die Erde prasseln.
Am Abend bevor die Juden den Sabbat beginnen, liegen zwei Laibe geflochtenes Weißbrot auf dem Tisch und duften. Zwei Kerzen werden angezündet. Die Eltern legen den Kindern die Hand auf den Kopf, sie zu segnen: Du bist mein geliebtes Kind. Und am Ende des Sabbats wird eine Dose mit Duftgewürzen geschüttelt - der Duft des Sabbats der verweht, vergeht.
In allem, was man da riecht und sieht, kommt Gottes besondere Gegenwart ins Haus an diesem besonderen Tag. Fast als könnte man sie sehen und riechen.
Der Sabbat ist ein Vorgeschmack, ein Hauch und Duft vom Paradies. Dann ist man zusammen in der Familie, auch mit Gästen. Man hat es gut und lässt Gottes Güte bei sich wohnen. Die Liebe, die Geduld, die Ehrlichkeit.
Wir kriegen es nicht immer gut gebacken. Ein Kuchen geht mal daneben. Der Familienfrieden ist nicht vollkommen und der Segen hängt schief in der Luft. Aber Gott hat Geduld mit uns.
Wir schauen auf ihn, auf seine Geduld mit uns, seinen geliebten Kindern.
Mit Hingabe macht er es uns immer wieder vor und traut es uns zu.
Jeden Morgen fängt er neu an mit der Welt. Lässt es duften und zeigt uns, wie schön das Leben ist.
Wir ahmen ihn nach und üben.
Backen, decken den Tisch, öffnen die Tür. Kommen aus dem Zimmer an den Tisch, versuchen es miteinander.
Und es gelingt, einen kurzen oder längeren Augenblick am gedeckten Tisch am Sonntag zum Frühstück oder zum Kaffee.
Gut zusammen sein, sich einander gut sein. Gott unter uns wohnen lassen. Manchmal nur ein Augenblick. Ein Hauch, ein Duft vom Paradies. Wir üben noch.
Amen