( Predigt Hebr 11,1–2(8–12.39–40); 12,1–3 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen543.89 KB]
Move 1 Am Wegesrand umgeben
Der Tag war gekommen. Das große Fest hatte begonnen. Menschenmengen jubeln am Wegesrand. Große und Kleine, Fremde und Einheimische, Kinder mit ihren Eltern und Großeltern. Sie hatten es gehört: Jesus sollte kommen. Er hatte Lazarus von den Toten auferweckt. Wem so etwas möglich ist, der kann auch die Gesellschaft verändern. Der kann den Frieden bringen, die Römer vertreiben. Kranke hatte er geheilt. Wunder um Wunder vollbracht und von Gottes Reich in Bildern gesprochen. Und voller Liebe und Barmherzigkeit.
Ja, den Frieden ersehnten sie so sehr. Hosianna! Gelobt sei der da kommt, im Namen des Herrn. Der König von Israel.
Nun wird Großes passieren. Das erhofften sie sich, die ihm aus aller Welt nachliefen und nun Palmzweige und Kleider für ihn ausbreiteten und ihren Blick auf Jesus richteten. An diesem Tag in Jerusalem.
Der Beginn seines letzten Weges. Nachdem er weite Strecken schon gegangen war. Mit Freunden, mit Fremden, zuweilen einsam und angefochten. Von anderen abgelehnt und gehasst. War das sein Weg?
Gewiss. Er hatte davon gesprochen. Es musste so sein. Da musste er nun durch.
Die Menschen am Wegesrand … sehen ihn und glauben an ihn und ahnen nicht, welche Woche vor ihm liegt. Sein Weg geht ans Kreuz, auf das Leiden zu, verraten, verspottet, verlacht. Hingerichtet.
Sie können es jetzt noch nicht wissen und sie können auch nicht wissen, was wir heute wissen: Karfreitag ohne Ostern gibt es nicht.
Durch das Leiden hindurch geht er den Weg in die Herrlichkeit Gottes.
Doch zuerst das Leiden. Daran geht kein Weg vorbei.
Alle Blicke richten sich auf Jesus. Macht den Weg frei.
Und wir? Stehen heute auch am Wegesrand und blicken auf ihn. Mit unseren je eigenen Gedanken.
Wer ist Jesus für dich?
Und dann kommen die Menschen am Wegesrand miteinander ins Gespräch darüber. Erzählen sich Geschichten von Jesus, die sie gehört haben oder wo sie selbst dabei waren. Die Eltern erzählens ihren Kindern, der Freund der Freundin. Und sie stehen da gemeinsam.
Der Blick auf Jesus vereint sie. In diesem Moment.
Move 2 Die Wolke von Zeugen
Auch uns. Wir sind nicht allein. Wir haben andere um uns. Menschen, die mit uns sehen. Auf Jesus.
Menschen, die mit uns glauben.
Welche, die vor uns geglaubt haben.
Und es wird unzählige geben, die nach uns glauben werden.
Move 3 Der Weg des Glaubens
Liebe Gemeinde, unsere Glaubensgeschichte hat mit Menschen zu tun. Unsere ganz persönliche. Und die uns in der Bibel überliefert ist. Sie erzählt von Menschen und ihren Wegen im Glauben, von ihren Erfahrungen mit Gott.
Hört den Predigttext
Liebe Gemeinde,
Der unbekannte Verfasser des Hebräerbriefes hat eine Gemeinde am Ende des 1. Jahrhunderts vor Augen, also etwa zwei Generationen nach Jesu Tod. Keiner lebt mehr, der Jesus selbst gekannt hat. Man erzählt die Geschichten von Jesus. Man kennt die Geschichten der hebräischen Bibel, die man von der jüdischen Gemeinde übernommen hat. Man trifft sich als Gemeinde. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Jahrzehnte sind so vergangen. Kein schnelles Ende der Welt war eingetreten. Das hatten sich die ersten Christen so vorgestellt. Jesus ist noch nicht wiedergekommen. Aber an der Hoffnung hält man trotzdem fest.
Und so sehe ich eine Gemeinde, die sich längst eingerichtet hat in der Welt. So ähnlich wie wir. Mit unseren Häusern, mit den Familien, Kindern, mit den Sorgen der Welt. Mit der Arbeit, mit all den Mühen des Lebens. Auch mit den Freuden. So vieles beschäftigt uns Tag für Tag, Woche für Woche. An manchen Tagen kommen wir kaum zur Besinnung. Versuchen uns durchs Leben zu kämpfen ohne großes Konzept. Der Blick vernebelt und getrübt. So ähnlich war es damals auch.
Die Angesprochenen werden im Laufe der Jahre müde und matt. Haben kein Feuer mehr so wie die ersten Christen nach Ostern und Pfingsten. Manche verlieren den Glauben, kommen nicht mehr zu den Zusammenkünften der Gemeinde. Sie müssen neu gewonnen werden für den Glauben, brauchen Motivation. Oder eine Mischung aus Ermutigung und Ermahnung, wie es der Hebräerbrief versucht.
Move 4 der Glaube – ein Kampf?
111Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Abraham ist DAS Beispiel des Glaubens schlechthin: der seinen Blick in den Himmel richtet und Gott ihm, unzählige Nachkommen verheißt wie Sterne am Himmel. Der diese Verheißung nie erleben wird und dennoch aufbricht im festen Glauben daran, dass Gott mitgeht und den Weg weist. Wohin es geht, weiß Abraham nicht.
Wie auch wir so manches Mal nicht wissen, weder wo wir stehen, geschweige denn, wohin wir gehen sollen. Nur wenige hören Gottes Stimme so, wie Abraham sie gehört hat. Was will Gott von mir, das ich tun soll? Gibt es ihn überhaupt? Ich kann ihn nicht sehen, nicht hören, nicht spüren. Ist das, was ich zu glauben meine, wirklich Gottes Wille.
Und manchmal, da kann ich ihn auch nicht verstehen. Gottes Wege sind mir fremd. Mit dem Verstand kann ich ihn nicht begreifen. Und meinem Glauben auch nicht trauen. Und dann ist es so, als würde ich mich in mir selbst verstricken, weil alle Gedanken zu sehr um mich selbst kreisen.
Move 5 Den Blick auf Jesus richten
Jesus hat seinen Mut nicht sinken lassen.
Warum hat er das nicht? Aus zwei Gründen: zum einen steht er in der Geschichte seines Volkes, einer Wolke von Zeugen um uns. Und schon die haben den Mut nie sinken lassen. Gottes Zeugnis bestätigt, dass man mit den Alten, die aus der Hoffnung lebten, auf dem richtigen Weg ist.
Zum anderen erduldet Jesus den Willen Gottes – wie schon seine Väter und Mütter. Den Mut muss nicht sinken lassen, wer von Gott weiß, dem großen Mut jeden Lebens.
Natürlich dürfen wir zweifeln, immer. Wir dürfen nur dem Zweifel nicht allen Raum geben. Ein Plätzchen muss bleiben, an dem die Hoffnung wachsen und gedeihen kann. Groß muss das Plätzchen nicht sein. Bei Jesus ist es im schlimmsten Augenblick nur ein Wörtlein, das Wort „mein“ Gott. Du bist mein und ich bin dein – was immer auch geschieht, was immer Gottes Wille ist, was immer ich nicht verstehe: Du bist, du bleibst „mein“ Gott.
Das ist das Plätzchen Hoffnung in einem Raum aus Zweifeln. Da kann Hoffnung wachsen. Aus winzigen Senfkörnern, sagt Jesus, können große Bäume werden. Also auch aus einem Körnchen Hoffnung.
Und so stehen wir heute mit am Wegesrand. Jubelnde, Zweifelnde, Glaubende.
Jesus kommt…. Mit ihm fängt alles an. Glauben, Lieben, Hoffen und Tun.
Mit ihm hört alles auf
und alles ist in ihm vollendet.
Wir stehen nicht allein. Wir glauben nicht allein. Wir gehen nicht allein. Allem entgegen, was auch kommen mag. Durch das Leiden hindurch. Hinein in Gottes Herrlichkeit.
Amen