2021-04-11 - Quasimodogeniti - Prädikantin Renate Switala

( Predigt Johannes 21, 1-14 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen382.61 KB ]


Jetzt ist er also weg! So vieles haben sie gemeinsam unternommen; eine so schöne Zeit! 

Aber sein Tod – noch dazu der Tod der Schande am Kreuz – das machte überhaupt keinen Sinn. Das war einfach nur frustrierend. 

Was bleibt? Nur Erinnerungen an eine so schöne Zeit. Die Uhr würde man am liebsten wieder zurückdrehen, aber das geht ja nicht. Es bleibt also nichts anderes übrig als so weiterzuleben, wie man vorher auch gelebt hat. Was bleibt? 

Der heutige Text ist der erste Teil einer erweiterten Erzählung, die einen der Erscheinungen Jesu nach seiner Auferstehung beschreibt, ein Bericht, der nur von Johannes aufgezeichnet wurde. 

Predigttext Johannes 21, 1-14 

Da stehen sie nun die sieben Jünger. Was sollen sie jetzt nur machen? Fischen Gehen – das, was sie, bevor sie mit Jesus unterwegs waren auch getan haben. Zurück zum Alltagsgeschäft. 

Sie haben die ganze Nacht auf dem See zugebracht und nichts gefangen. Was bleibt? Einfach nichts! 

Das ist doch kein Start in den Alltag, wie man ihn sich wünscht. Und dann dieser Frühaufsteher dort am Strand, der einem bei der Arbeit zusieht und gute Ratschläge erteilt und alles besser weiß. 

Jesus steht am Strand und tritt in den Alltag der Jünger hinein. 

„Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Die mitfühlende Frage eines sorgenden Menschen erreicht die Jünger. Jesus sieht die Not und den Misserfolg der Jünger. Jesus steht am Strand, aber „die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ 

Die erkannten Jesus einfach nicht. 

Uns würde das doch nicht passieren! Wenn man jemanden kennt, dann erkennt man die Person auch sofort, gerade wenn man sie erst vor wenigen Tagen das letzte Mal gesehen hat. Aber die Jünger erkennen Jesus einfach nicht, obwohl sie ihn erst kurz zuvor gesehen haben. 

Wir, ja wir, würden doch auch sofort erkennen, wenn Jesus uns in unserem Alltag begegnet. 

Wirklich? Schön, wenn es so ist. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das oft gar nicht so einfach ist, wie es zunächst scheint. Da steckt man in seinem Alltag. Hier noch schnell ein Anruf, dort noch ein Arzttermin, schnell noch zur Bank und die Behörde verlangt schon wieder neue Unterlagen. Den Sorgen, wie man seine Grundbedürfnisse stillen kann, der Trauer, weil man alleine ist. In solchen Situationen fällt es oft schwer, die Umwelt überhaupt noch wahrzunehmen, weil man so im eigenen Alltag gefangen ist. Dennoch tritt Jesus in den Alltag der Jünger und in unseren Alltag hinein wie damals bei den Jüngern – unbemerkt und doch mit seiner ganzen Größe und Macht. Seine Macht zeigt sich und wird erlebbar. 

Das erleben auch die Jünger. „Da warfen sie das Netz aus und konnten es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische“. Gestandene Männer, die Arbeiten konnten, haben keine Kraft mehr. Jesus sorgt dafür, dass die Jünger einen Riesenfang machen. Ein Netz voller Fische. Eigentlich total super, nur dass die Jünger plötzlich vor einem ganz neuen Problem stehen. Ein volles Netz und keine Kraft! 

In genau diesem Moment begreifen die Jünger, wer der Mann am Strand ist. Jesus steht am Strand – ihr Herr. Der Herr ist es, der sie zum Teil eines Wunders gemacht hat. Er allein war es, der ihre Netze gefüllt hat. Die Jünger haben überhaupt nicht mit Jesus gerechnet, sonst hätten sie doch wohl etwas für ihn vorbereitet. Völlig unvorbereitet trifft sie die Begegnung mit Jesus. 

Jesus steht am Strand. 

Und Jesus tritt auch in unseren Alltag mal still und unbemerkt, mal mit aller Kraft und Deutlichkeit. Wenn Jesus in unseren Alltag tritt, dann tritt er mehr in unsere Wahrnehmung, denn eigentlich ist er immer da. Rechnen wir, bei dem was wir tun und bei dem, wie wir uns in unserem Alltag verhalten mit einer Jesusbegegnung? Sind wir vorbereitet oder erwischt es uns wie die Jünger? 

Jesus kommt und handelt. Jesus greift ein in unsere Not und unsere Bedürfnisse, ob wir auf ihn vorbereitet sind oder nicht. 

Situationen, in denen wir wie die Jünger mit leeren Händen dastanden. Und doch! Sie veränderten sich. Jesus ist im Alltag, nur wo? Vielleicht sollten wir auch unsere Wahrnehmung schärfen. Im Alltag und auch im Gottesdienst. Und manchmal gibt es Situationen, wo mir dafür auf einmal die Augen aufgehen. Ich erinnere mich an Gottesdienste, in die ich am Sonntagmorgen gegangen bin, ohne Erwartung. Aber sehr oft ist es mir dann passiert, dass ich in den Gottesdiensten etwas erfahren habe, dass mich etwas angesprochen hat. Ein Lied, ein Wort oder nur eines der Kirchenfenster hat etwas in mir ausgelöst. Es ist vielleicht nur ein Gefühl, eine Ermutigung, innere Freude. Es muss nichts Großes sein, aber für mich ist es dann so, wie wenn mir Jesus damit auf die Schulter tippt und sagt: „Ich bin da und weiß, was Du jetzt brauchst.“ Ich bin da in Deinem Alltag nicht nur im Gottesdienst. Ich bin da in Deinem Alltag, in Deinen täglichen Sorgen und auch dort, wo alles gut läuft und das Leben gelingt. 

Jesusbegegnungen in unserem Alltag können ganz klein sein, aber auch so groß, dass wir es nicht mehr fassen können. Jesusbegegnungen verlaufen, wie in unserer Geschichte oft eigenartig. Es gehen plötzlich Türen auf im Leben, die neue Chancen bieten. Das Wunder, neue Arbeit zu haben oder einen Partner zu finden. Es sind nicht immer Netze voller Fische, sondern auch Gespräche mit Menschen, die wir brauchen, Halt und das Wissen, nicht allein zu sein, aufmunternden Worte oder ein Bibelwort. 

Für die Jünger waren die Fische von lebensnotwendiger Bedeutung. Die Fischerei war ihre Existenz und für uns sind es andere Dinge. 153 Fische waren im Netz. 153 – eine merkwürdige Zahl. Endet Jesu Fürsorge bei 153 Fischen? 153 ist die Zahl, die die absolute Fülle bedeutet. Wenn die Jünger 153 Fische im Netz hatten, da hatten sie alles bekommen, was man überhaupt bekommen konnte. Jesus schenkt alles und das in Fülle – mehr geht nicht! 

Das Problem der Jünger wird in der Gegenwart Jesu und in der Gemeinschaft mit Jesus zu einer lösbaren Aufgabe. 

Die Jünger kommen an den Strand und Jesus hat Frühstück gemacht. Jesus isst mit den Jüngern und gibt ihnen das, was sie brauchen. Er weiß, dass seine Jünger nach dem Fischen richtig Hunger haben. Jesus versorgt und sorgt sich um seine Jünger. Ein Herr, der in Liebe und aus Liebe für seine Jünger väterlich, fürsorglich sorgt. Und was bleibt? Den Jüngern bleibt das Wissen, dass Jesus lebt und sich um sie sorgt ein für alle Mal. 

Was bleibt uns? Jesus bleibt als der Auferstandene und ist auch in unserem Alltag dabei. 

Jesus kommt in unseren Alltag. Einer, der bleibt - für immer und ewig.. Kein Alleinsein, keine Leere in uns, sondern die Freude, jemanden zu haben, der da ist und sich um uns sorgt. Er ist da und bleibt – Freude, Gemeinschaft, Hilfe und Fürsorge kommen in unser Leben, weil er in unseren Alltag kommt. Was bleibt? Jesus bleibt. 


Amen