( Predigt 1. Thessalonicher 5,14-24 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen657.35 KB ]
Was für ein Texteinstieg. Gefühlte vierzehn Ausrufezeichen, wie Fanfarenstöße in der Musik.
Oft kommt ja das Wichtigste am Schluss. Kurz bevor man auseinander geht, möchte man seinem Gegenüber noch etwas Wichtiges mit auf den Weg geben: „Was ich dir unbedingt noch sagen wollte.“
Vielleicht will Paulus die Gemeinde einfach erinnern, damit sie nicht vergessen, was christliches Leben so besonders und reich macht und was der Gemeinde dient.
Als Paulus an die Christen in Thessaloniki schreibt, da lag die Gründung der Gemeinde nur gut ein Jahr zurück, so um das Jahr 50 nach Christus. Er befand sich auf seiner zweiten Missionsreise. Thessaloniki, die Hauptstadt der Provinz Mazedonien, war eine pulsierende Hafenstadt mit einer Mischung aus vielen Völkern und Religionen.
Schon bald nach der Gemeindegründung gab es Streitigkeiten; Paulus musste die Stadt schnell verlassen. Die Gemeinde lag ihm sehr am Herzen. Er war besorgt über Nachrichten, die er aus Thessaloniki erhielt.
Es gab Anfeindungen der heidnischen Landsleute. Das stellt die junge Gemeinde natürlich auf eine ernste Probe. Paulus ist weit weg. Also schickt er seinen Begleiter Timotheus nach Thessaloniki, damit er nach der Gemeinde sieht. Was er erzählt, beruhigt und erfreut Paulus. Die junge und kleine Gemeinde lebt.
Erleichtert schreibt er den 1. Thessalonicherbrief.
Er dankt für die Gemeinde. „Wir müssen Gott allezeit für euch Geschwister danken“. Und dann zeichnet er fast schon ein Idealbild einer Gemeinde, malt sich aus, wie das Zusammenleben in der Gemeinde aussehen soll. Beantwortet auch Fragen, die sich der jungen Gemeinde gestellt haben.
Die Naherwartung der ersten christlichen Gemeinden war sehr stark. Man wollte darauf vorbereitet sein.
Gar nicht so einfach. Was tun in so einer Zwischenzeit? Worauf kommt es an?
Die Naherwartung ist heute bei uns kein Thema mehr. Es gilt weiterhin, dass niemand den Tag und die Stunde kennt, außer Gott dem Herrn. Darum: „Seid wachsam und betet“ (Mk 14,38).
Und dennoch: die Frage: worauf kommt es an? Stellt sich immer wieder ein in Krisen- und Wartezeiten jedweder Art. Was macht da Mut und schenkt Sinn?
Paulus findet klare Worte, aber er setzt sie nicht unter Druck und droht ihnen auch nicht. Am Ende fasst er alles sanft zusammen: „Treu ist er, der euch ruft, er wird’s auch tun.“ Darauf kommt es an.
Die Gemeinde soll sich fest auf den Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, verlassen dürfen. So kann er in aller Gelassenheit aufzählen, was das Zusammenleben in der Gemeinde leichter macht.
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen …“ Zeichnet Paulus hier ein Idealbild eines Christen? Das würde nicht zu ihm passen. Er ist lebenserfahren und hat in seinem Leben schon etliche Schicksalsschläge erdulden müssen. Er erwartet nicht, dass Christen in schwierigen Situationen fröhlich pfeifend schweres Leid durchstehen.
Paulus meint eine Grundfreude im Leben.
Weil der feste Grund Gott ist, auf den man sich verlassen kann.
Alles kann man mit ihm besprechen.
Freut euch, betet, seid dankbar. Und mit dem „Dankbar sein“ ist eine positive Lebenseinstellung gemeint. Es gibt immer Gründe zu danken. Ich muss nur genau hinschauen. Mein Leben ist ein unverdientes Geschenk; mein Dank ist die Antwort auf seine Gnade.
Den Geist löscht nicht aus und prophetische Rede behaltet. Gott ist nahe. Sein Geist ist mitten unter euch. Mitten unter uns, liebe Gemeinde.
Wie wirkt sich das aus? Gottes Geist allein ist es, der Glauben entfacht und Gaben und Kräfte schenkt. Christ ist man nie für sich allein, sondern immer zugleich und erst recht für andere. All das soll nicht ausgelöscht werden. Indem ich z.B. sage: ich kann das alles sowieso nicht. Ich bin froh, wenn die Kirche mir Angebote macht, ich mich zurücklehnen und konsumieren kann, aber aktiv mitgestalten, mich einbringen, das will ich nicht.
Liebe Gemeinde, wir brauchen euch. Damals in Thessaloniki und heute in Pretoria.
Wir wollen Gemeinde bauen, diese Krisenzeit weiter miteinander auf dem Weg gehen und überwinden. Und einander beistehen. Einander aufbauen mit Worten, klar sein in dem, was wir sagen und gemeinsam überlegen: was will Gott heute von uns? Was ist jetzt dran?
Das ist immer wieder im Laufe der Zeit gemeinsam zu überlegen und erst recht in so einer Zeit, wo alles Planen unsicher ist und natürlich auch Auswirkungen auf eine Gemeinde hat.
Prüft aber alles und das Gute behaltet.
Dieser Satz ist für mich Schatz im Acker. Hier atme ich auf, durchströmt mich Freiheit. Hier möchte ich laut rufen: Ja.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ Gal 5,1
Hinter diesen Satz möchte ich nicht zurück, denn dieser Satz traut mir zu, dass ich kompetent bin, selbst zu entscheiden. Und mich in die Verantwortung nimmt. „Das Gute“ soll ich behalten, bewahren, pflegen, ausüben.
Aber was ist das Gute? Die Bibel ist kein Rezeptbuch. Luthers Hinweis lautet: ob sie Christum treiben oder nicht. Danach solle man die Bücher der Bibel durchsuchen und prüfen.
Was sich also mit Jesus Christus in Einklang befindet und identifizieren lässt. Also: wie Jesus selbst mit Menschen umgegangen ist. Wie er sie angeschaut hat. Seine Hoffnung, sein Vertrauen in einen liebenden, lebensfördernden Gott. Dieser kindliche, beinah närrische Mut zum Dennoch. Auch seine Angst und Not, als es soweit war und er sterben musste.
Die Welt nicht rosarot und auch nicht schwarz zusehen.
Barmherzig sein.
Und das Böse meiden. Keine Rache, keine Vergeltung, kein Zerstören. Dem Bösen aus dem Weg gehen und selbst neue Anfänge setzen und auf deren schöpferische Kraft hoffen.
Liebe Gemeinde, das ist schwer und doch so wichtig: wie sähe die Welt aus, wenn jeder sich daran nur halten könnte.
Das wusste auch Paulus, darum betet er für die Gemeinde in Thessaloniki. Sein Gebet gilt uns noch heute. Nicht nur die Thessalonicher, auch wir beten füreinander und bitten Gott um Orientierung und Kraft. Nicht, weil wir perfekt sein sollen, sondern den Menschen zugewandt. In der Gemeinde und außerhalb.
Und er gibt ihnen diesen wunderbaren Segenspruch zum Abschluss: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft, er wird’s auch tun.“
Ein Segenswunsch aus tiefstem Herzen, er umfasst den ganzen Menschen in all seinen Lebensbezügen von Körper, Geist und Seele.
Innerlichen und äußerlichen Frieden haben, das wünscht Paulus seiner Gemeinde.
Und auch uns.
Amen