( Predigt Römer 10,9-17 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen664.75 KB ]
Urlaub. Für einige ist er gerade vorbei, andere sind mittendrin, irgendwo unterwegs. Und für wieder andere, wie für mich ja auch, liegt er unmittelbar bevor.
Abspannen. Die Seele baumeln lassen. Es dauert einige Tage bis man in diesen Zustand kommt, aber wenn dann das Korsett des Alltags in sich zusammenfällt, dann ist der Urlaub bestimmt … von Leichtigkeit und Ruhe, von Offenheit und Heiterkeit, von einer gelungenen Mischung aus ungezwungener Anstrengung und befreitem Loslassen.
Jeder Urlaub weiß, dass diese Gelassenheit allzu schnell nach der Rückfahrt wieder verschwunden sein wird.
Aber trotzdem: Urlaub zeigt:
1. es ist möglich, gelassen und ausgeglichen zu leben.
Und 2.: das, was wir wirklich zum Leben brauchen, ist oft ganz einfach und nah, wenn wir es nur sehen und uns darauf einlassen... im Alltag wird das leider oft überdeckt und wir sehen es nicht.
Ich behaupte nun: was der Urlaub zeigt, ist auf den Glauben übertragbar.
1. Mit dem Glauben an Gott ist es möglich, gelassen und ausgeglichen zu leben und
2. der Glaube ist einfach und nah, wenn wir Augen und Ohren öffnen und uns darauf einlassen...
Natürlich habe ich euch auch den Predigttext mitgebracht, der meine Behauptung stützt:
Paulus schreibt im Brief an die Römer, 10,9-17 folgendes: TEXT
Wie schön ist die Vorstellung, gelassen zu bleiben, was auch passiert. Stattdessen ist da oft Unruhe. Wie bekomme ich alles unter einen Hut.
Aber was macht das Leben aus? Was rettet mich im Innersten und gibt mir Seelenfrieden?
Paulus sagt: Konzentriert euch auf den Glauben. Das reicht. Mit dem Glauben ist der Alltag wie Urlaub. Und zum Glauben braucht es die Predigt, die Verkündigung des Evangeliums. Glaube und Predigt gehören zusammen
Wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht.
Der Glaube also ist eine Herzensangelegenheit. Ich kann noch so viele theologische Bücher lesen, mir noch so viele Gedankenkonstrukte aufbauen. Wenn sie das Herz nicht berühren, dann ist da auch kein Glaube. Dann ist eine heile Beziehung zwischen Gott und mir nicht möglich. Die Gerechtigkeit Gottes kann ich mir aber nicht durch Leistung erwerben. Wie schön und wie befreiend.
Niemand kann Gott etwas bringen. Er will auch nichts. Er interessiert sich nicht für meine Erfolge und mein Geld. Im Herzen finden Gott und die beunruhigte Seele auf eine andere Weise zueinander.
Von Gott aus gesehen heißt das Gnade. Vom Menschen aus gesehen Glaube. Und wer ist dieser Gott?
Geheimnisvoll. Unerforschlich. So groß, dass wir ihn nicht fassen können. Aber ein glühender Backofen voller Liebe, mit Luthers Worten, dass er nicht anders kann als sich uns zu zeigen. Er will nicht bei sich selbst bleiben. Seine Liebe sucht ein Gegenüber. Er unternimmt den Schritt auf uns zu - in seinem Sohn Jesus Christus. Das menschgewordene Wort Gottes, das die Liebe selbst ist. Gott wird ein Mensch, um uns dort abzuholen, wo wir stehen. Unten.
Vor Gott sind wir alle gleich. Ob Juden oder Griechen, fromme Kirchenchristen und solche, die höchstens einmal durch ein Loch im Zaun gucken; solche mit einem normalen, geordneten Leben und auch die anderen, denen nichts gelingen will und die von einer Verlegenheit in die andere stolpern; solche, die Christus schon seit langem kennen, aber auch die, die zum ersten Mal - halb begreifend und halb kopfschüttelnd - auf ihn aufmerksam werden. Christus liegen alle am Herzen, die geistlich Armen zuerst. Der Herr ist reich und freigebig für alle, die ihn anrufen.
Die ihn annehmen. Jesus Christus, der ganz nah ist.
Nun kann jemand einwenden: Ich habe mich wirklich sehr bemüht zu glauben. Aber ich komme nicht in diesen Zustand des Herzens, den ich mir erhofft habe. Manchmal gelingt es mir, dann glaube ich. Aber dann verfliegt dieser Zustand wieder. Er geht mir im Alltag verloren. Manchmal machen sich Zweifel breit. Manchmal bin ich vom Gegenteil dessen überzeugt, was ich in der Bibel lese.
Glaube ist den Bewegungen menschlichen Lebens ausgesetzt.
Ewig, nachhaltig und dauerhaft ist allein die Gnade Gottes. Von ihr zu hören, lässt Glauben wachsen.
Glaube kommt also vor allem aus dem Hören, aus dem genauen Hinhören auf Gottes Wort.
Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat das Gebet nicht als ein Medium des Sprechens, sondern als ein Medium des Zuhörens verstanden. Wer betet, dem gelingt es zuzuhören, was Gott dem Beter sagen will. Der Glaube an Gott bleibt dabei aber nicht stehen. Im stillen Kämmerlein.
Der Glaube macht etwas mit einem Menschen. Der Glaube im Herzen wirkt sich auf das eigene Weltverhältnis aus. Der Glaube relativiert nämlich die Welt.
Fitness, Leistung, Erfolg, Karriere, all das ist denke ich keinem von uns fremd. Wer aber nur noch darauf blickt, der macht aus erstrebenswerten Zielen nichts anderes als Götzen. Der Glaube nun hilft dabei, die Götzen wieder vom Thron zu holen. Sie werden wieder der Welt eingeordnet. Und das ... schenkt Gelassenheit... mitten im Alltag ein Stück Urlaub.
Es genügt aber nicht, den Glauben im Herzen zu tragen. Paulus fordert die Gemeindeglieder in Rom auf, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Wer Gott im Herzen trägt, der kann auch öffentlich sagen: Dieser Gott hat mich überzeugt.
Wir müssen uns hinter unserem Glauben nicht verstecken. Der christliche Glaube entsteht im eigenen Herzen, ganz privat, aber er sucht die Gemeinschaft und die Gemeinde und will andere Menschen erreichen.
Darum fordert der Glaube im Inneren auch das Bekenntnis nach außen: An diesen Jesus Christus glaube ich. Von diesem Gott der Bibel bin ich überzeugt. In jedem Gottesdienst legt die Gemeinde solch ein Bekenntnis ab, indem sie das Apostolische Glaubensbekenntnis spricht. Und dahinter muss sich keiner verstecken. Wir dürfen davon sogar laut und gewaltig singen.
"Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust. Ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst."
Amen