2021-11-07 - Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr - Jubelkonfirmation - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

Predigt Genesis 12,1-4 ) [ English Translation ] [ Abkündigungen611.78 KB ]


Thema: Rückblick und Neue Anfänge mit Gottes Segen

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt.

Jubelkonfirmation. Erinnerungen kommen hoch. Auch bei mir. Ich war die einzige Konfirmandin vor 30 Jahren in unserer kleinen Dorfkirche im Odenwald. Und auf dem Fest waren viele Verwandte, die heute leider gar nicht mehr leben. Geschenke wurden gebracht und tagelang schleppte man noch Kuchen in die Nachbarschaft. Und das Gefühl, ein kleines bisschen erwachsener zu sein.

Und Ihr, die ihr gemeinsam im Jahrgang ward, habt vielleicht heute noch Gelegenheit, euch gemeinsam zu erinnern.

Eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit. Wie habt Ihr Euch seitdem verändert? Äußerlich. Aber auch Innendrin hat sich einiges verändert. An Einstellungen, an Gefühlen, an neuen Einsichten. Einige haben Familien gegründet, haben Umzüge hinter sich, Brüche und Enttäuschungen erlebt, den Beruf gewechselt oder sind im Ruhestand.

Bewegung.... Auf dem Weg sein... bis zum letzten Atemzug... mit Veränderungen umgehen und Herausforderungen annehmen... all das beschreibt, denke ich, ganz gut, unser menschliches Leben. Und wenn wir uns dem nicht völlig entziehen, dann stehen wir vor immer neuen Anfängen....

Wir sind heute nicht nur hier, um uns zu erinnern, sondern auch um nach vorne zu blicken. Und das ist auch das, was das Wichtigere von beiden ist?

Wohin möchte ich gehen? Was in meinem Leben noch tun? Diese bekannten Wegkreuzungen im Leben, an denen man sich entscheiden muss.

Deshalb habe ich euch heute einen Text aus dem Buch Genesis. Er erzählt die Geschichte von einer Aufforderung zum Aufbruch.

Wobei sowohl der Weg als auch das Ziel an sich völlig ungewiss sind. Allein der Segen ist gewiss.

Lesung des Predigttextes Gen 12,1–4

Was wir hier hören, liebe Gemeinde, ist der Neuanfang eines 75-Jährigen! Egal, wie alt man ist, ein Umzug ist oft ein kompletter Neuanfang,
ein Aufbruch in ein neues Land im wörtlichen oder übertragenen Sinn. Nichts wird wieder so sein, wie es mal war. Nicht nur alte Bekannte und vertraute Orte lässt man hinter sich, sondern oft auch die bisherige Art zu leben.

Da kann das Gefühl in einem aufkommen, sich erst einmal fremd zu fühlen.

Wer aber alt ist, bei dem kommt meistens noch hinzu, dass er oder sie auf Hilfe angewiesen ist und es ist meistens die Angst mit dabei, dass es abwärts geht, wenn die Selbständigkeit erst einmal aufgegeben wurde.

Abram soll nicht in ein retirement village ziehen und nicht in ein Seniorenheim. „Geh aus deinem Vaterland, von deiner Verwandtschaft, aus deines Vaters Haus“, sagt Gott. Es geht um Aufbruch und um Abschied in all seinen Facetten – von dem, was man leichter und sogar gerne hinter sich lässt, bis zu dem, was einem zu Herzen geht beim

Losgehen. Allen Grund hätte der alte Mann Abraham gehabt, da zu bleiben, wo er war, zusammen mit seiner Frau. Schließlich ist da eine Menge Vergangenheit. Aber er macht es anders. Er will eine Zukunft gewinnen. Und geht los. „Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.“ (Genesis 12,4a.)

Abraham ist ein Mensch, der die Zukunft mehr wollte als die Vergangenheit. Und losgegangen ist, langsam wahrscheinlich, Schritt für Schritt und mit Pausen.
Aber Gott verspricht dem Abram: "Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Liebe Gemeinde,
über diesem Aufbruch liegt Gottes Versprechen, Segen zu schenken. Es wird ihm sogar im Alter noch geschenkt werden, was ihm bei allen Erfolgen in seinem Leben bisher versagt blieb: Kinder.
Abrams Weg wird nicht leicht sein und er wird lang werden. Er wird sich auf diesem Weg noch einen neuen Namen machen. Aber er wird diesen Weg mit Gott an seiner Seite gehen.

Segen ist alles Gute, das Gott einem Menschen schenkt. Man kann Gott um dieses Gute bitten und es einem anderen Menschen zusprechen. Segen bedeutet: mit Gott verbunden sein. Sich an ihn halten können und von ihm gehalten werden. Segen kann auch heißen: Es wird noch vollendet, was aussteht.

Ich kann mir vorstellen, dass Abram in der Gewissheit losgehen konnte, weil er sich Gottes Segen gewiss war.

Neue Situationen, Herausforderungen und Menschen warten in jedem Lebensalter auf uns. Segen kann Kraft, Mut und auch Trost schenken, den eigenen Lebensweg weiterzugehen und also nach vorne zu blicken.

Sieh nicht zurück, sagt Gott zu Abraham. Denn diesen Weg kannst du nicht gehen. Sieh nach vorne, brich auf, geh los. Geh für dich und für alle, die zu dir gehören. Abraham konnte bei seinem Aufbruch nicht alles mitnehmen.

So, wie wir nicht alles mitnehmen können auf dem Weg, der vor uns liegt.

Wenn die Konfirmanden sich heutzutage selbst einen Bibelvers aussuchen, der sie auf dem Weg begleitet, dann erzählen sie uns auch in der Gemeinde davon, was ihnen der Vers bedeutet.
Am Mittwoch, als einige von uns Jubelkonfirmanden sich getroffen haben, ging es auch um unsere Verse von damals.

Und einer war dabei, der in unserem Predigttext steht und den ich euch gern heute mit auf euren Weg geben möchte.
Der Zuspruch Gottes an Abram „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Für dich selbst und für andere. Wo du auch bist, wie alt du auch bist. Dieser Zuspruch gilt nicht nur Abraham, sondern allen Völkern, dir und mir.


Amen