( Matt. 8, 5-13 ) - [ English ] - [ Akündigungen391.91 KB ]
„Gottes Liebe ist wie ein Ozean. Man kann den Anfang sehen, aber das Ende nicht.“ So lautet ein Zitat von Rick Warren, Amerikanischer Pastor und Autor vieler inspirierender christlicher Bücher. Wenn ich am Strand in die Ferne an den Horizont blicke, oder Abends unter dem Sternenhimmel stehe kommt tatsächlich nur ein Wort in meinen Gedanken auf: Grenzenlos.
Grenzenlosigkeit ist ein Begriff den es in unserem Leben selten gibt. Überall stoße ich an Grenzen. Wenn ich Reisen will muss ich Grenzen überqueren. Gerade jetzt in der Coronakrise haben sogar Provinzgrenzen und Ausgangssperre unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Nicht selten stoße ich an Grenzen mit meiner Geduld, meiner Konzentration, meiner Kenntnis. So viele Grenzen prägen unser Leben: arm und reich, schwarz und weiß, Heimische und Ausländer. Oft sind gerade die Grenzen die Ursachen der Probleme dieser Welt. Du bist von hier, du sprichst unsere Sprache – und du nicht. Du gehörst zu uns – und du nicht. Grenzen Grenzen Grenzen, sie sind überall. In vielen Fällen sind sie notwendig, um uns ein geordnetes und balanziertes Leben zu ermöglichen, nicht ausgenutzt zu werden, und um Burnout und Depression vorzubeugen. Aber sie führen auch zu Missmut und Gewalt, Diskrimination und Kriegen. Und sie rauben mir die Freiheit, die ich mir wünsche, mich zu entfalten.
Auch Jesus setzte Grenzen. Er wusste wann es nötig war zu handeln und wann er seine Zeit abwarten musste, wann er unter Menschen sein konnte und wann er sich zurückziehen musste, wann es an der Zeit war zu heilen und wann er weitergehen musste, obwohl noch viele auf Wundertaten an ihnen hofften. Denn auch Jesus wurde müde und musste sich ausruhen, auch Jesus war durstig und musste sich zu trinken geben lassen, auch Jesus musste allein sein um Gottes Stimme zu hören, sich ganz auf Gottes Wort einzustellen, damit er seinen Willen erfüllen konnte. Jesus spürte als Mensch seine Grenzen, darin war er uns gleich. Und er scheute sich nicht, auch andere auf ihre Grenzen zu weisen, beispielsweise die Tempelhändler, Pharisäer und seine Verwandten. Jesus wurde also genau wie wir in seinem Menschsein mit Grenzen konfrontiert. Wie auch bei uns ist es die innere Notwendigkeit seines Menschseins. Aber letztlich ist gerade dies Ausdruck seiner grenzenlosen Liebe zu Gott und den Menschen.
Wie ist aber dann Gott grenzenlos? Gottes Grenzenlosigkeit liegt in seiner Liebe zu allen Menschen, und in der Verheißung der Hoffnung auf das Reich Gottes.
Da setzt er keine Grenzen. Da möchte er alle Menschen willkommen heißen, alle die diese Verheißung annehmen, ob sie nun von Geburt an Christ oder Nicht- christ sind. Er ruft sie alle, denn er ist allmächtig. Er ist „allwissend“, und „ewig“ – er ist ohne zeitliche und räumliche Grenzen wie wir sie kennen, seine Liebe, Gnade und Hoffnung gilt uns allen, trotz unserer Fehler, trotz unserer Sünden. Genau das feiern wir während der Epiphaniaszeit: Jesus ist gekommen. Jesus ist für alle Menschen auf der ganzen Welt gekommen. Gottes Heil kennt keine Schranken und Grenzen. Es darf und soll sich ausbreiten, überall. Viel ist nicht zu tun: Nur den Glauben wagen, so wie es im heutigen Evangelium beschrieben wurde. Jesu Wirken etwas zutrauen. Die Bibel enthält kein Patentrezept wie wir unsere eigenen Grenzen überwinden können oder wie wir gottes grenzenlose Liebe annehmen können. Aber sie nimmt uns hinein in Geschichten und Lebensberichte normaler Menschen wie dem Hauptmann von Kapernaum. In ihnen erkennen wir uns wieder. An ihnen lernen wir.
Es ist ein Trost zu wissen, dass die christliche Botschaft grenzenlos ist und nicht halt macht vor Volks- oder Landesgrenzen, vor sozialen Schichten oder Religionen. Sie gilt ausnahmslos allen Menschen, sie überwindet alle Unterschiede und alles Trennende und gibt uns einen Vorgeschmack auf das bunte und vielsprachige Reich Gottes dass uns im Wochenspruch im Lukasevangelium angekündigt wird. „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“.
Der heutige Predigttext, vom Hauptmann von Kapernaum, berichtet uns von dieser Liebe und Gnade Jesu Christi, die alle Grenzen überwindet. Ein römischer Hauptmann, kommt mit einer dringlichen Bitte auf Jesus zu. Sein Knecht sei krank, gelähmt und voller Schmerzen. Eine brenzlige Situation. Der Hauptmann von Kapernaum ist ein Heide. Doch er wagt es, die unsichtbare Grenze, die Juden und Heiden voneinander trennt, zu übertreten und sich an Jesus zu wenden. Und Jesus wendet sich ihm zu. Er sieht in sein Herz. Er sieht den Menschen in seiner Not, nicht die Uniform oder die Religionszugehörigkeit. Um sich als Jude einem fremden, heidnischen Mann zuzuwenden war nicht üblich und ihm zuzuhören war unerhört. Solch ein Heide hätte verdammt werden sollen. Aber Jesus handelt mit anderen Maßstäben. In seinen Augen war der heidnische Soldat in erster Linie ein Mensch. Ein Mensch in Not, der über seine Rolle als oberster Soldat hinaussteigt, und ein besorgter, verzweifelter Mensch war, dem alle möglichen Worte und Hilfsmittel ausgegangen waren, um seinen Knecht zu retten, und der nur noch eine Möglichkeit sah, Jesus. Jesus erkennt seine Not, aber er erkennt noch mehr. Er sieht eine Möglichkeit, dass der Hauptmann den Blick in die Weite des Himmels und in die grenzenlosen Liebe Gottes werfen kann. Hier ereignet sich himmlischer Segen denn Jesus gelingt es, Gottes weite, lebendige und heilbringende Welt ins Leben des Heiden zu ziehen. Jesus antwortet: „Ja, ich komme.“ Ein Zeichen der Liebe Gottes, ohne Grenzen. Ende gut alles gut, oder auch nicht.
Eine zweite brenzlige Situation entsteht.
Nach damaligem Verständnis wurde ein Jude durch den Kontakt zu einem „unreinen“ Heiden selbst unrein. Jesus wäre zwar bereitgewesen, diese Grenzen zu ignorieren, und dem Heiden helfen, seinen einfach Glauben an Gottes Allmacht nicht zu verlieren. Der Hauptmann erkennt das Problem und handelt aus Rücksichtnahme auf Jesus, indem er ihm sagt dass er eines Besuches Jesu nicht würdig sei, und dass ein Wort genüge um seinen Knecht zu heilen. Ein Wort solle dazu dienen, Gott im Vergleich mit dem Menschen groß und würdig erscheinen zu lassen. Ein Wort war nötig um die Grenzenlosigkeit von Gottes Gnade und Liebe wirksam zu machen. Nur ein Wort!
In diesem Text geht es nicht um das Wunder, die Fernheilung des Knechtes. Nein es geht um den einfachen naiven Glauben eines Nicht-gläubigen, der ihm das Himmelreich Gottes öffnet. „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst“, sagt er. „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Hier zeigt sich schlichter aber intensiver Glaube an Gottes grenzenlose Liebe und Zuwendung: Der Glaube an ein Wort von Jesus, dass alles Heil mit sich bringt.
Sogar Jesus ist durch diesen Glauben des Hauptmannes verwundert. Hier geschieht etwas, was unseren Vorurteilen zuwider ist. Hier können wir dazulernen, umdenken lernen, Buße lernen! Vom Hauptmann aus Kapernaum können wir lernen was echter Glaube ist, ein Glaube über die Grenzen hinaus. Und damit erteilt uns diese Geschichte eine Warnung:
Als Christen meinen wir oft dass wir den besten Draht zu Gott haben. Worauf berufen wir uns in unserer Beziehung zu Jesus Christus und zu seiner Kirche. Darauf, dass wir im Konfirmandenunterricht mal viel auswendig gelernt haben? Darauf, dass wir zum Gottesdienst gehen und uns am Gemeindeleben beteiligen? Darauf dass wir aus einem christlichen Haus kommen? Darauf, dass wir Kirche und Mission finanziell unterstütze,?
Oder darauf, dass wir uns ebenso bedingungslos und schlicht auf Jesus verlassen wie der Hauptmann von Kapernaum es tat? Was meint ihr, worauf kommt es an? Ich glaube wir wissen es alle. Nur das Letzte macht mich selig, nur durch bedingungsloses und schlichtes Vertrauen auf Jesus gefalle ich Gott! Nur wenn ich Christus Herr nenne, und ihn wirklich Herr sein lasse, nur dann habe ich ernstes Vertrauen, dass seine Wirkung in alle Lebensbereiche ein- dringen kann: in meine Gesundheit, in meine Ehe oder meine Beziehungen, in den Weg meiner Kinder und Enkel, in meine Arbeit und Freizeit, in mein Haus und Garten, das tägliche Brot und die Hobbys und so geht die Liste weiter und weiter. „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“ So steht es in Sprüche 3,5. Glaube ist in erster Linie eine Herzenssache. Jesus sagt im Gleichnis vom Sämann nicht, dass das Wort Gottes in unserem Kopf Wurzeln schlagen muss, sondern in unserem Herzen. (Luk.as 8, 12). Deswegen sollen wir unsere Herzen öffnen und uns von ganzem Herzen wünschen, dass Gott ein Wort zu uns spricht und in unser Herz legt. Ein Wort von Ihm – tief im Herzen aufgenommen – macht uns selig. Wenn wir nicht nur erwarten sondern auch fest und bedingungslos glauben dass Jesus mein Leben in Ordnung bringt, dann ist mein Glaube so wie der des Hauptmanns von Kapernaum. Jesus ermutigt uns, so zu glauben wie der Hauptmann. Uns anstecken zu lassen von diesem Glauben, der so voller Liebe ist, verantwortungsvoll, demütig und rein. Er wünscht sich, dass ein solcher Glaube in unser Herz dringt und dort Wurzeln schlägt und Früchte trägt. Denn dann sind wir auf dem richtigen Weg in Richtung seines Reiches unterwegs.
Überprüfe dich selbst. Findet Jesus diesen Glauben bei dir, hier und jetzt? Findet Jesus bei dir das Herz in dem der Glaube wohnt, dass er tatsächlich Herr über dein Leben ist? Findet er das Vertrauen bei dir, dass du seine grenzenlose Liebe und Gnade annimmst? Dass er nur mit einem Wort die Welt, deine Welt verändern kann, und das Gott dessen Liebe und Gnade keine Grenzen kennt dein Herr ist.
Dann stehst vielleicht auch du am Strand oder unter dem Sternenhimmel und dankst Gott für seine grenzenlose Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Amen.