( Mt 14,22-33 ) - [ English ] - [ Akündigungen739.9 KB ]
Vers 22 und 23a lesen
Endlich allein. Endlich raus aus der großen Volkmenge. All die vielen Menschen um ihn herum, sie schauen ihn permanent an und rufen nach ihm. Viele waren ihm gefolgt. Einfach so. Von sich aus. Hingen an seinen Lippen, wenn er von Gottes Reich erzählte, kamen zu ihm weil sie heil werden wollten an Leib und Seele. Doch nun wollte er gern allein sein.
Ich bin nicht Jesus….Aber solche Momente kenne ich gut. Da will ich am liebsten allein sein. Und es ist oft so wie in der Geschichte von Jesus: der Wunsch, allein zu sein ist oft dann besonders groß, wenn es einfach nicht geht. Auch wenn man ehrenamtlich tätig ist, kann dieses Gefühl hoch kommen. Eigentlich macht es einem Freude…aber esverlangt Zeit und manchmal auch Nerven. Abends ist dann noch ein Treffen anberaumt nach einem anstrengenden Tag bei der Arbeit. Manchmal wird es einem vielleicht auch zu viel … Es ist wichtig, dass man dann die Stille sucht, um Kraft zu schöpfen… Jesus an jenem besagten Abend auch. Er sucht die Einsamkeit, um zu beten. Auf dem Berg. Dem Ort der Gottesbegegnung.
Hört, was im Predigttext weiter geschieht.
Vers 23b-33 lesen
Jesus wollte allein sein auf dem Berg. Daher schickte er seine Jünger voraus, allein auf den See… am Abend… es wurde schon Nacht.
Da kam der Sturm auf… Und wenn sie anfangs mutig waren… sind sie es nun nicht mehr. Haben Angst… sind allein auf sich gestellt. Mühen sich ab, Wind und Wellen machen ihnen schwer zu schaffen. Auch das kenne ich… diese Gefühl: alles hängt an mir… ich mühe mich ab… allein auf der stürmischen See des Lebens. Ich habe das Abenteuer vielleicht gewollt, aber plötzlich fühl ich mich allein… im Dunkeln… den Naturgewalten ausgesetzt.
Wo ist Gott?
Wo bist du? Zeig dich…
Und wenn er dann kommt, dann erkennen wir ihn vielleicht nicht… meinen, es sei ein Gespenst… bedrohlich, vor dem man Angst haben müsste…
Menschen in der Bibel fallen mir ein, die Angst bekommen… die Engel verkünden den Hirten auf dem Felde „Fürchtet euch nicht.“
Dieser Satz durchzieht die Bibel wie ein roter Faden. Gott weiß, wie schnell wir Menschen Angst haben – und dass wir jeden Tag Ermutigung brauchen.
Wenn es doch nur so einfach wäre, die Ängste abzulegen. Leider ist es das nicht. In einer Welt, die geprägt ist von viel Hass und Zerstörung, erscheint es alles andere als leicht, sich nicht zu fürchten. Gott hat nicht gesagt, dass wer mit ihm lebt, keine Ängste mehr haben wird. Dass sich alle Probleme sofort lösen werden und mir fortan alles gelingt. Ängste gehören zum Leben dazu. Aber Gott ist da und geht mit. Auch wenn er nicht vor allem Unheil bewahrt, so verspricht er doch an meiner Seite zu sein und mir die Stärke und Kraft zu geben, die ich in schweren Zeiten brauche.
„Fürchte dich nicht“ – das ist die Botschaft von Weihnachten. Der Retter, Jesus Christus, ist in unsere dunkle Welt gekommen.
Ich bin`s. sagt Jesus hier mitten in der dunklen Nacht zu den sich fürchtenden Jüngern im Boot. Schaut auf mich. Erkennt mich. Ich bin`s
Und einer ist mutig… Petrus… Und er fordert Jesus auf, dass er ihm befiehlt, zu ihm zu kommen. Er will in Jesu Nähe sein. Und Jesus fordert ihn auf: komm zu mir. Es geht erst mal gut… dann bekommt er Angst vor dem Wind und den Wellen und sinkt ein… Auf einmal sind die Zweifel wieder größer als der Blick auf Jesus… Und irgendwie hofft man darauf, dass ein großes Wunder geschieht und Gott sich eindeutig zeigt und drunter geht es nicht… und man hat so richtig Gelegenheit, sich in seinen Vorstellungen und Ängsten zu baden… und darin unterzugehen und dann …
Jesus erfasst seine Hand
Petrus… mal schwach und mal stark, wie wir alle. Er muss nur zugreifen… und er tut es.
Er packt die Gelegenheit beim Schopfe und Jesu Hand… das ist seine einzige Rettung in dem Moment.
Liebe Gemeinde, es geht hier nicht um ein spektakuläres Wunder. Darum ging es Jesus übrigens nie. Es geht um Unscheinbares, manchmal banal Erscheinendes. Das rettet unser Leben, im richtigen Moment. Und der richtige Moment in der Geschichte ist der, in dem allen Beteiligten klar wird bis tief in ihr Herz: Es gibt ein Heilmittel gegen die Angst, nämlich, dass einer da ist und sagt: Gib mir deine Hand.
Das will der Evangelist Matthäus unbedingt erzählen: Jesus reicht denen die Hand, die nicht mehr allein an sich glauben wollen. Oder er sagt seinen Jüngern und uns: Reicht einander eure Hände. Zieht sie nicht weg, verweigert sie nicht. Reicht sie einander – wenn es sein muss, auch mit zusammengebissenen Zähnen, wenn Ihr einander vielleicht nicht leiden mögt. Das soll ja vorkommen: in Familien, in Gemeinden, in der Nachbarschaft, unter Fremden, Unbekannten. Da zögert man gerne mal oder schaut woanders hin oder will es nicht so genau gehört haben, das mit der Not und dem Elend. Da sagt Jesus einfach immer nur: Seid einander bitte nicht egal. Seid einander bitte nie egal. Und redet euch bitte nicht ein, ihr hättet von nichts etwas gewusst.
Mit Wasser, Wind und Wellen will uns Matthäus etwas ganz Zartes erzählen. Es ist jemand da, der sagt: Gib mir deine Hand; oder: Ich gebe dir meine Hand. Es soll immer jemand da sein, der sagt: Gib mir deine Hand; oder: Nimm doch meine Hand. Und womöglich bin ja manchmal ich derjenige, der das sagen soll; oder ihr zueinander. Zu Freunden oder zu ganz Fremden.
Dann geschieht das Wunder. Die, die ich halte, die halten auch mich.
Amen