( Jeremia 9,22-2 ) - [ English ] - [ Akündigungen654.42 KB ]
Gott weckt mich alle Morgen; er weckt mir selbst das Ohr, haben wir gesungen. Gott macht uns Menschen zu Hörenden.
Hören kann ich ganz unterschiedliche Dinge.
Und zuhören ist die Grundvoraussetzung für eine gelingende Beziehung.
Manchmal hören wir auch nicht hin, das mag sein. Manchmal vergessen wir unser Gegenüber und reden selbstverliebt über uns selbst.
Dann tut es gut, Propheten zu haben, zu biblischen Zeiten und auch heute, um uns ins Nachdenken zu bringen. So sind die Worte, die Jeremia überbringt. Gültig. Ich lese aus Jeremia 9,22-23
Gott sagt nicht: Weisheit, Stärke und Reichtum gefallen mir nicht. Er kritisiert nicht diese Werte und Eigenschaften an sich. Er sagt auch nicht: bitte strebt nicht danach.
Aber bei Jeremia kann man lernen, dass es eben auch gefährlich werden kann. Nämlich dann, wenn man sich dessen rühmt und arrogant auf andere herabblickt, um sich selbst noch besser zu fühlen.Der geistliche Schaden, sich selbst zu rühmen, liegt darin, dass man den Erfolg dem eigenen Konto zuschreibt, anstatt es als Gottes Gabe dankbar aus seiner Hand zu empfangen.
Schauen wir uns die Sache mit dem Reichtum näher an: wenn Reichtum die Stelle einnimmt, die Gott gehört, dann wird es gefährlich. Woran einer sein Herz hängt und worauf er sich verlässt, so Martin Luther, das ist sein Gott. Wenn der Reichtum und die Statussymbole alles sind, was mein Denken, Streben, Hoffen und Glauben und Mühen bestimmt, dann habe nicht ich mehr das Geld, sondern das Geld hat mich… dann bin Sklave all dieser irdischen Güter. Und auf sie ist kein Verlass. So schnell kann es im Leben anders werden. Wir hören von Autounfällen, plötzlichen schweren Erkrankungen, von Existenzängsten oder auch untragischer: Menschen, die älter werden und in den Ruhestand gehen… was hält einen im Leben und im Sterben? Diese Frage stellt sich. Das Geld, sofern ich es habe, nimmt mir mit Sicherheit einige Sorgen ab, aber es gibt mir doch keinen Seelenfrieden.
„Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Sklaverei, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Die 10 Gebote gibt Gott uns nicht, damit er uns wieder in die Sklaverei bringt, sondern damit wir befreit leben können.
Gott kennen, liebe Gemeinde, das ist meine Stärke und anerkennen, dass er allein der Herr ist. Wenn ich bete, rede ich mit Gott. Ich versuche zu hören, was im Leben wichtig und richtig ist. Das ist nicht leicht, aber notwendig und eine tägliche Übung. Ich fühle, dass Gott mir nahe ist. Auch in dunklen Zeiten. Wenn ich schwach bin und mein Glaube mir die nötige Kraft gibt.
Manchmal fühle ich mich auch stark, das ist gut so. Und es gibt viele von uns, die müssen auch stark sein und ihre Macht, die sie bei der Arbeit z.B. haben ausüben. Ohne Machtausübung ist ein Leben in unserer Welt nicht denkbar. Aber Macht und Stärke bringen denjenigen auch in Gefahr. Jeder, der Macht verwaltet, egal auf welcher Ebene, sollte bei allem Wissen um ihre Notwendigkeit ihren Gebrauch immer nur als unvermeidbares Übel ansehen und sich selbst ständig daraufhin prüfen, ob er etwa heimlich seine Macht genießt und in welchem Interesse er seine Macht ausübt.
Schauen wir uns nun noch den Weisen an, der sich seiner Weisheit rühmt. Dazu zählt der Fromme, der sich seiner Weisheit, also seiner frommen Erkenntnis und Erfahrung rühmt. Er baut auf das, was er selber ist, kann und vollbringt. Alle halten ihn für einen vorbildlichen Christen und er gefällt sich in dieser Rolle. Hier scheint Gott zwar im Spiel zu sein, aber in Wirklichkeit ist er ausgeschaltet. Ich erinnere an den Pharisäer in Lk 18 im Gebet zu Gott: Ich danke dir, Gott, dass ich kein Sünder bin wie die anderen Menschen…
Der Fromme Mensch, der heimlich denkt, er brauche Gott nicht (das würde er nie aussprechen), setzt sich selbst an Gottes Stelle. Statt Gott zu rühmen, rühmt er sich. Statt sein Heil von Gott zu empfangen, sucht er es bei sich.
Es müsste nicht sein, dürfte nicht sein, es geschieht aber immer wieder, dass gerade die Frommen, die Braven, die Selbstgerechten für Gott, der sich aller seiner Menschenkinder erbarmt, zum Stressfaktor Nr. 1 missraten. Das heutige Evangelium stellt diesen Gedanken ins Zentrum: es sind gerade die fleißigen, die den ganzen Tag im Weinberg gearbeitet haben, die den „Letzten“ Arbeitern im Weinberg ihr Auskommen neiden. Die scheel blicken, weil Gott gnädig ist.
Warum fällt es uns Christen so schwer, die Gnade, die wir von Gott erfahren, Allen Menschen zuzugestehen?
Gott nicht zu kennen, mit ihm nicht im Gespräch zu sein, ist für Jeremia das Grundübel von allen Dingen, die schief laufen zwischen Menschen. Wer Gott kennt, stellt ihn in den Mittelpunkt. Und nicht sich selbst. Ich bin nicht das Zentrum der Welt. Die anderen sind nicht dafür da, um um mich herum zu kreisen und mir das Leben schön zu machen. Und es ist auch nicht Gott, der sich um mich dreht und dafür da ist, mir das Leben schön zu machen. Ich bin Teil eines Großen Ganzen, Teil von Gottes Idee, Teil seiner Welt.
Diese Erkenntnis macht mich frei. Nämlich von Selbstverliebtheit und Egozentrik. Frei zu einem Leben, das Gott in den Mittelpunkt stellt und dessen Ziel es ist, ihn zu loben. Frei dafür, mich füllen zu lassen von Gottes gutem Geist.
Gott zu erkennen ist ein lebenslanger Prozess, eine immer wieder neu zu machende Entdeckung.
Gott erkennen wir nie ganz, bei weitem nicht. Aber wir haben es leichter als die Menschen des Alten Bundes.
Die Barmherzigkeit Gottes ist für uns Mensch geworden. An Jesus Christus erfahren wir, dass Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit bei Gott eins sind. Immer für uns. Immer für andere.
Lass uns in deinem Namen Herr die nötigen Schritte tun. Amen