( 1 Könige 19,1-13a ) - [ English ] - [ Akündigungen608.14 KB ]
Liebe Gemeinde,
an einer jüdischen Festtafel zum Passafest ist immer ein Platz mehr und ein Gedeck mehr, als Gäste erwartet werden. Der freie Platz ist für den Propheten Elia reserviert. Denn das Alte Testament erzählt, dass Elia nicht gestorben ist, sondern eines Tages in den Himmel entrückt wurde.
Wenn er wiederkommt, so soll er willkommen sein in diesem Hause.
Was macht Elia zu diesem erwarteten Gast? Welche Botschaft würde er mitbringen und was hätte er von sich und seiner Geschichte mit Gott zu erzählen? Wir brauchen diese Geschichten von Menschen vor uns, die uns von ihrem Glaubensleben erzählen und davon, wie sich Gott ihnen gezeigt hat oder auch verborgen blieb.
Elia ist Prophet in Israel zu einer Zeit, in der das Land immer mehr den Einflüssen fremder Religionen zu erliegen droht.
Ahab, der damalige König von Israel hat die phönizische Prinzessin Isebel geheiratet, die ihren Götterkult- die Verehrung des Gottes Baal- in die Ehe und ins Land gebracht hat.
Elia kämpft dafür, dass die Menschen wieder zu ihrem Gott zurück finden und den falschen Göttern den Rücken kehren. Er ist zu einem unermüdlichen Einzelkämpfer geworden, nachdem Isebel so gut wie alle Propheten des einen Gottes hat töten lassen. König Ahab hat ihr keinen Einhalt geboten.
Eines Tages erscheint Gott Elia mit dem Auftrag, König Ahab eine große Zeit der Dürre anzukündigen. Kein Regentropfen soll in diesem Land mehr fallen, bis Gott es wieder will.
Es kommt zu einem großen Machtkampf am Berg Karmel zwischen den Propheten des Baal und Elia. Ein Stier wird auf einen Holzstapel gelegt, der nicht entzündet wird. Welcher Gott wird das Feuer vom Himmel fallen lassen, um zu zeigen, dass er der wahre und einzige Gott ist? Den Propheten des Baals gelingt es nicht, so sehr sie auch in Ekstase geraten und ihren Gott anflehen. Elia indessen erhält auf sein Gebet, das ersehnte Feuer.
Elia fühlt sich in diesem Moment seinem Gott so nahe und berauscht von der Macht seines Gottes, lässt er sich im Eifer des Gefechts zu grausamer Gewalt hinreißen. Er gibt den Befehl, alle Propheten des Baal zu töten.
Aber nach dem großen Sieg, bricht Elia zusammen und verliert den Boden unter seinen Füßen. Davon erzählt der heutige Predigttext (1 Könige 19, Verse 1-4).
Elia ist also mit seinen Kräften am Ende. Die Morddrohung Isebels lässt ihn am Sinn seines Auftrages (ver)zweifeln, er kann die ständige Anspannung und die ihm angedrohte Gewalt nicht mehr ertragen. Und noch eine andere Frage quält ihn: Hat er auf dem Karmel den Bogen überspannt, als er noch einmal zu großer Gewalt aufrief? War das noch im Sinne Gottes?
Doch Gott schweigt und Elia fühlt sich verlassen. Seine letzte Kraft reicht gerade noch für die Flucht, am Rande der Wüste angelangt, ist nur noch ein Verlangen in ihm wach: Sterben, um dieses Leben nicht mehr spüren zu müssen. Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele;
Manch einer von uns kennt solche Situationen vielleicht ganz gut. Wenn Du alles gegeben hast. Für deine Kinder. Für den Erfolg im Beruf. Für deinen Sport. Für die Liebe. und jetzt kannst du nicht mehr.
Und du weißt auch nicht, ob dein ganzer Einsatz überhaupt Sinn hatte. "ich bin nicht besser, als meine Väter"seufzt Elia.
Vielleicht geht´s einem manchmal auch so. Man wollte alles besser machen. Als die eigenen Eltern, die Kollegen, die Freunde. Und manches hat man auch geschafft und wirklich besser gemacht. Aber dafür andere Fehler. Und dann dämmert einem so ganz langsam: du bist nicht besser als die anderen. Man ist am Boden zerstört. Tot sein wäre nicht schlimm, dann wäre endlich Ruhe. Und irgendetwas in dir fände das schön.
Wir wissen, dass Elia nicht gestorben ist, doch es fällt schwer, sich vorzustellen, wie an einem solchen Punkt, an dem Elia angekommen ist, eine Wende möglich ist. Auch davon erzählt der Predigttext (1 Könige 19, Verse 5-13a)
Den ersten Anstoß zu neuem Leben hat Elia sich nicht selbst gegeben.. Die Hilfe kommt von außen und sie fängt mit dem Einfachsten an: Nahrung und Zuwendung. Wer auch immer dort geröstetes Brot und einen Krug Wasser neben Elia gestellt hat und ihn angerührt hat, Gott wird ihn geschickt haben.
Der Geruch von geröstetem Brot und die Stimme des Boten Gottes wecken Elia aus seinem Erschöpfungsschlaf auf. Er isst und trinkt und fällt erneut in tiefen Schlaf. Ein Schlaf, der sich von einem Todesschlaf in einen Schlaf zu neuem Leben wandelt.
Und dann, nach einer gewissen Weile, weckt ihn die Stimme ein zweites Mal: Es hilft nichts, Elia, es ist jetzt soweit, du musst dich aufmachen, du hast einen langen Weg vor dir. Lass vergangenes hinter dir, schau nicht zurück, denn es ist kein Weg, der dich wieder zurück in die Stadt, unter die Menschen, in die Aufgaben des Alltags zurück führt, sondern er führt dich zunächst tiefer in die Wüste hinein.
40 Tage und 40 Nächte soll Elia diese durchwandern. Er soll bis zum Berg Horeb gehen, zum Ursprung des Glaubens, denn dort hatte Gott einst seinen Bund mit seinem Volk geschlossen.
So macht er sich auf den Weg, ein mühsamer und ungewisser Weg, aber auch ein heilsamer Weg.
Die Wanderung durch die Wüste findet am Berg Horeb ihr Ziel. Und endlich, Gott spricht zu Elia, der sich in einer Höhle am Fuß des Berges verkrochen hat. „Was machst du hier, Elia“, fragt und Elia klagt Gott sein Leid. Und Gott ruft ihn aus der Höhle heraus und erscheint ihm. Ganz anders als Elia immer dachte. Nicht in der Macht der Naturgewalten, nicht im Lauten, im Donnern, im Getöse- sondern erst dahinter, hintern den Mächten von Gewalt und Größe- es heißt: es kam ein stilles, sanftes Sausen. Und Elia versteht, auf seinem ganzen Weg ist Gott seinem Propheten treu geblieben.
Elia hat sich verändert, er ist bereit zum Aufbruch, zum Neuanfang. Gott schickt ihn mit dem Auftrag, einen neuen König zu salben, wieder zurück ins Leben. Die Erfahrung der Krise und des Scheiterns nimmt er mit, sie ist Teil von ihm- sie gehört zu ihm, er kann sie annehmen.
Dass Elia ein erwarteter und willkommener Gast am Tisch des Hauses ist, kann ich gut verstehen. Denn er ist ein Gast, der von seinen Krisen und seinen Umwegen im Leben erzählen kann, einer, der einen weiten Weg zurück gelegt hat, um wieder zu sich selbst zu finden und der dabei Gott begegnet ist.
Es ist und bleibt Elias Geschichte mit Gott, aber sie ist mir trotzdem wegweisend geworden, sie macht mir Mut, die Zeiten im Leben anzunehmen, in denen ich erschöpft und verunsichert bin und mir selbst keinen Rat mehr weiß, wie es weiter gehen kann. Würde Elia bei mir am Tisch sitzen, würde er vielleicht sagen: Diese Erfahrung bedeutet nicht das Aus in deinem Leben, sondern ist notwendig, sie will gefühlt und ausgehalten werden, dann kannst du sie durchwandern und hinter dir lassen. Schau dich um, nach den Boten Gottes, also nach Menschen, die gerade mehr Kraft haben als du sie hast. Die dich trösten können und dir neue Perspektiven zeigen können. Nimm ihre Hilfe an.
Und- sei bereit, dich auf den Weg zu machen. Sei nicht erstaunt, wenn Gott, sich dir dann von einer ganz neuen Seite zeigt.
Und wenn es an der Zeit ist, sei offen für die Begegnungen, die du auf deinen Wegen hast. dafür, wann jemand deine Hilfe braucht. Zu dem du sagen kannst: steh auf und iss. Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Amen