( 2 Korinther 1,3-7 ) - [ English ] - [ Akündigungen449.23 KB ]
Lätare – das kleine Osterfest heute. Das Licht von Ostern bricht schon leicht durch. Das Dunkle wird am Ende nicht gewinnen, das wissen wir. Und es ist gut, sich das immer wieder vor Augen zu halten. Bei all den schweren Dingen, die im Leben passieren und den Enttäuschungen, die uns runterziehen, immer wieder und man vielleicht dann und wann geneigt ist, das Glas eher halb leer als halb voll zu sehen.
Du bräuchtest jetzt eine große Portion Trost, denkst du dann so bei dir – aber wie soll das gehen? Gut gemeinte Ratschläge magst du nicht hören. Aber einen, der dir zuhört, den könntest du brauchen.
Der sagt: komm rein. Erzähl mal – oder auch nicht.
In dieser Verfassung stelle ich mir Paulus vor. Er ist traurig. Weil die Sache mit der Gemeinde in Korinth gar nicht so läuft, wie er es sich vorgestellt hat.
Also bitte ich ihn herein. Auf einen Tee. Und er erzählt.
Zunächst ging es ganz gut. Vor sieben Jahren war Paulus von Athen aus nach Korinth gekommen. In diese bunte, quirlige Hafenstadt. Florierender Handel und sehr lockere Sitten bestimmten das Leben. Es gab große soziale Unterschiede, Kaufleute, Handwerker, Seefahrer, Sklaven, Hafenarbeiter ... Eine Vielzahl von Göttern wurde verehrt, Kulte und Religionen existierten nebeneinander. Mittendrin gab es eine jüdische Gemeinde.
Paulus lernte dort ein jüdisches Paar kennen, die Zeltmacher Aquila und Priszilla. Er arbeitete in ihrem Betrieb mit und ging am Sabbat in die Synagoge. Er sprach von Jesus als dem Messias und wollte die Juden von seinem Glauben überzeugen, aber er hatte damit nicht viel Erfolg. Irgendwann gab er auf und wendete sich an die Heiden.
Er fand religiös interessierte Menschen, Titus und ein paar andere; Menschen, die er für Jesus begeistern konnte. Das hört sich also erst einmal so an, als hätte Paulus Erfolg gehabt.
Die Gemeinde wuchs schnell, immer mehr Menschen schlossen sich ihr an, ließen sich taufen. Sie bildeten eine bunte Gemeinschaft, die sich bald von der Synagoge löste. Eineinhalb Jahre bleibt Paulus in Korinth. Nachdem er eine Anzeige beim Provinzgouverneur unbeschadet überstanden hat, verlässt er die Stadt. Und dann geht der Ärger los.
Die Gemeinde spaltet sich in mehrere Gruppierungen. Man streitet viel: über Sitten, Disziplin und über das, was sich für Christen gehört. Manche denken, sie seien schon Teil der himmlischen Welt und wollen sich nicht an verbindliche Regeln mehr halten. Das Miteinander leidet erheblich.
Ein Sprichwort sagt: „Du musst mit den Ochsen pflügen, die du hast“.
Die Korinther sind nun mal Korinther. Großstädter, geprägt von Handel und Seefahrt. Die einen sind dort aufgewachsen, die anderen von den Wechselfällen des Lebens dorthin gespült. Alle versuchen, sich besser oder schlechter durchs Leben zu schlagen.
Sie fragen nach dem, was trägt und tröstet in dieser Welt. Manche von ihnen haben so zum Christusglauben gefunden.
Paulus verzweifelt fast, als er die neuesten Entwicklungen in Korinth erfährt. Eine Gruppe von Missionaren brüstet sich mit besonderen Offenbarungen und zieht verächtlich über Paulus her. Briefe werden hin- und hergeschickt. Sein Mitarbeiter Timotheus soll vermitteln. Und schließlich reist Paulus ein zweites Mal nach Korinth. Er wird beleidigt. Zornig und traurig kehrt Paulus Korinth den Rücken.
Er hatte sich das alles anders vorgestellt: dass man mit dem neuen Glauben auch wirklich ein neuer Mensch wird.
Dass Christen einander als Schwestern und Brüder begegnen. Die eine neue Art von Gemeinschaft leben. Ihr Lebenswandel sollte doch anderen ein Vorbild sein.
Ein Traum. Reich Gottes, das jetzt schon anfängt – so ähnlich hatte Jesus gepredigt. Leben aus einer großen inneren Freiheit heraus.
Aber die Dinge liefen ganz und gar nicht nach Plan. Innere Not und Traurigkeit drücken Paulus auf Seele und Gemüt. Was soll er machen? Die Gemeinde abhaken? Aber Aufgeben ist nicht seine Sache. Er hält den Kontakt. Paulus packt noch mal alles in einen weiteren Brief an die Korinther; seine Wut, seine Trauer, seine Enttäuschung.
Stark und voller Emotionen, voller Sarkasmus und Ironie versucht er ihnen zu zeigen, wem die Gemeinde ihre Existenz verdankt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und bläst ihnen den Marsch, wie man sagt. Und er will sie besuchen. Unter Tränen schreibt er diesen Brief. Und so wird er bis heute genannt: Tränenbrief.
Vieles spricht dafür, dass die letzten Kapitel im Zweiten Korintherbrief diesen Tränenbrief wiedergeben.
Paulus übergibt ihn seinem Mitarbeiter Titus und schickt diesen damit nach Korinth. Und dann reist er nach Mazedonien, missioniert dort. Doch so recht zur Ruhe kommt er nicht. Der Konflikt mit den Korinthern nagt an ihm? Werden er und die Korinther wieder zusammenfinden? Oder wird er lernen müssen, mit dieser Niederlage zu leben? Soll er überhaupt noch mal nach Korinth gehen?
Und dann kommt es doch anders. Paulus ist schon auf dem Weg nach Korinth. Da reist ihm Titus Briefbote entgegen. Und bringt gute Nachricht. Der Tränenbrief hat gewirkt. Die Streitigkeiten werden beigelegt und die über Paulus gelästert hatten, zur Rechenschaft gezogen. Und Paulus schreibt den Korinthern erneut:
Lesen des Textes 2 Kor 1,3-7
Dranbleiben, den Kontakt nicht aufgeben. Es hat sich gelohnt. Auch wenn es beiden Seiten sicher nicht leichtgefallen ist. Verhärtete Herzen, verletzte Seelen.
Paulus schreibt in seinem Tränenbrief von einer Erfahrung, die er gemacht hat. Immer wieder quält mich der Satan. Er ist wie ein Stachel in meinem Körper. Er stellt mich auf die Probe und versucht, mich zu Fall und Dinge durcheinander zu bringen, auch die Gemeinschaft untereinander. Immer wieder habe ich zu Gott gebetet, dass das aufhören möge. Aber Gott hat nur zu mir gesagt: Allein meine Gnade genügt. Denn meine Kraft ist gerade in den Schwachen mächtig.So kann Paulus alle Schwäche als Stärke empfinden. Gott hilft ihm durch dunkle Zeiten hindurch und macht ihn stark dafür. Das ist seine Botschaft an die Gemeinde in Korinth und auch für uns heute.
Alle von uns leiden mehr oder weniger daran, dass wir nicht so vollkommen sind, wie wir es gern wären oder nach außen hin zeigen, es fehlt uns an Vertrauen und Liebe.
Und viel zu oft bleiben wir nicht aneinander dran. Wir brauchen Trost und Ermutigung. Was Paulus für die Korinther war, können und sollen wir füreinander sein. Eine Trost- und Ermutigungsgemeinschaft.
Ist das nicht das schönste Geschenk, das man einem Täufling machen kann? Seinem Kind zu sagen: hör zu, hier ist eine Gemeinschaft, die dich auffängt, wenn es dir schlecht geht und hier darfst du so sein, wie du bist? Mit allen Stärken und Schwächen? Denn wir alle wissen, dass Gott in den Schwachen mächtig ist?
Und wenn wir dann dem Täufling noch von unseren Erfahrungen erzählen, die wir selbst im Glauben machen, wie wir selbst Trost und Heil erfahren haben…
Wir sind so verschieden wie die Gemeinde in Korinth. Aber unsere Mitte, der uns miteinander verbindet, das ist Jesus Christus.
Er hat gezeigt, wie Gemeinschaft funktioniert: Barmherzigkeit und Vergebung zu üben. Immer wieder. Und Vertrauen zu wagen.
Jesus ist für uns gestorben am Kreuz. Hat geliebt bis in den Tod und ist seinen Weg konsequent bis zum Ende gegangen.
Und Gott hat ihn nicht verlassen, sondern war dort mit ihm am Kreuz. Jesu Leid ist sein Leid. Unser Leid ist sein Leid.
Gott lässt uns niemals los.
Bis in alle Ewigkeit hält er uns… fest.
Das ist mein Trost … im Leben und im Sterben. Und das ist es, was mir die Freude schenkt, die bleibt. Amen