( Mk 16,1-8 ) - [ English ] - [ Akündigungen492.78 KB ]
Ostern will ein Tag der Freude sein.
Und doch - Die Stimmung ist gedrückt in diesen Tagen, liebe Gemeinde. All der Zerstörung durch das Wasser in KZN. Unsere Gedanken sind also heute auch bei den Opfern.
Und unsere Gedanken gehen heute auch zu all den Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt.
Liebe Gemeinde, wie sollen wir bloß fertig werden mit der Flut von menschlichem Leid und himmelschreiender Ungerechtigkeit?
Was bewahrt uns davor, zu verzweifeln und unsere Hoffnung zu verlieren?
Auf diese Frage weiß ich keine andere Antwort als Ostern.
Ostern ist das christliche Fest der Hoffnung gegen alle Traurigkeit dieser Welt. Darum singen wir so viel und hoffnungsfroh: „des solln wir alle froh sein“; „Ehre sei Gott in der Höhe“; „Erschienen ist der herrliche Tag“. Wir singen unsere Lieder nicht etwa, um die Schreie der Angst und Verzweiflung um uns herum zu übertönen. Auch nicht zu dem Zweck, um uns selbst zu betäuben. Sondern dazu, um der Traurigkeit etwas entgegenzusetzen, damit sie nicht das letzte Wort behält.
Ostern ist das christliche Fest der Hoffnung gegen alle Traurigkeit dieser Welt. Von Beginn an ist es das gewesen. Seinem Jubelklang ging der Schrei des Schmerzes und der Klage von Karfreitag voraus. Und es brauchte eine ganze Weile, bis die Freude wirklich zu den Herzen drang. Davon erzählt die Ostergeschichte aus dem Markusevangelium.
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Keine Spur von Osterfreude in dieser Geschichte des Evangelisten Markus, liebe Gemeinde. Späteren Autoren wie Matthäus und Lukas war das unangenehm; sie gaben ihren Auferstehungserzählungen deshalb einen anderen, helleren Charakter.
Der Bericht des Markus aber hat den Vorzug, dass er dem tatsächlichen Geschehen vermutlich am nächsten kommt. Die Frauen, von denen der Evangelist erzählt, haben sich nicht gefreut. Nicht zu Beginn der Geschichte, im Augenblick der Morgendämmerung, als sie den Friedhof betreten, um den Leichnam Jesu zu salben. Und auch nicht am Ende der Geschichte. Da hasten sie fort vom Grab, entsetzt, berührt von etwas Unheimlichem, ja Gespenstischem.
Und sie behalten das Erlebte für sich, nicht nur, weil sie selbst davon zutiefst erschüttert sind, sondern auch aus dem Grunde, weil man sie für verrückt und übergeschnappt halten würde, wenn sie jemandem davon erzählten. Die Botschaft des Jünglings aus der Grabeshöhle: Jesus ist auferstanden! – diese Botschaft dringt zunächst bei den Frauen nicht durch, ebenso wenig wie sein Appell: Fürchtet euch nicht!
Sie fürchten sich, natürlich… ja noch mehr: Sie sind geradezu panisch vor Angst und Entsetzen. Sie kommen unmittelbar vom Karfreitag her, dem Ort Golgatha mit seinen grausigen Bildern und Eindrücken. Und jetzt das. Wer wollte es den Frauen verdenken, dass der Boden unter ihren Füßen wankt? Ihre Schockreaktion ist nur zu begreiflich. Die meisten von uns hätten vermutlich nicht anders reagiert und sich ebenso wie die Frauen schwer getan mit der Freude und dem Glauben an die Auferstehung Jesu.
Eigentlich tun wir uns doch auch heute noch schwer damit. Sie passt nicht in unser Denken. Nach wie vor sind wir wie gefangen von den Bildern und Klängen des Todes. Die sind allzu real, als dass wir ohne Weiteres der Osterfreude die Tür öffnen könnten. Martin Luther bringt es auf den Punkt, wenn er über Jesu Auferstehung sagt: „Es ist keine Lüge, sondern die lautere Wahrheit. Aber wir haben dicke Ohren und schwere, träge Herzen, solches zu erfassen. So wir’s recht erkennten, würden wir uns von Herzen darüber freuen und in eitel Sprüngen gehen.“
Die Frauen hüpfen nicht vor Freude, sie laufen weg und schweigen. Und als sie dann einige Zeit später doch von dem erzählen, was sie erlebt haben, da bestätigt sich ihre Befürchtung, dass die Geschichte kein Gehör findet. Die Jünger Jesu winken nur müde ab. Und die Skepsis gegenüber der Osterbotschaft setzt sich auch in den Folgejahren fort. Die Ohren sind dick, die Herzen sind schwer. Das war damals so, das ist heute nicht anders. Darum der Nachdruck, mit dem die Osterbotschaft von Anfang an weitergegeben wurde, bis in die Gegenwart hinein: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Wahrhaftig, liebe Gemeinde! Nicht etwa nur in unserer Einbildung oder Fantasie. Auch nicht bloß in dem Sinne, dass seine Sache weitergeht und sein Wort in uns weiterwirkt wie ein Spruch von Plato oder Seneca. Sondern in dem Sinne, dass er lebt und an unserer Seite geht und wir mit ihm rechnen dürfen.
Leicht zu glauben ist das nicht, leicht zu verstehen erst recht nicht. Immer wieder neu muss sich deshalb die Osterbotschaft gegen die menschlichen Zweifel und gegen den Augenschein behaupten. Ostern sprengt unser Vorstellungsvermögen. Mit Ostern bricht eine ganz andere Wirklichkeit in unser Leben ein als diejenige, die uns bekannt und vertraut ist. Aber wer es wagt, sich auf diese andere Wirklichkeit einzulassen, für den verändert sich der Blickwinkel total. Der ahnt plötzlich, dass dieses irdische Leben mit seinen Abgründen und seinen großen oder kleinen Dramen nicht alles ist. Dass die Opfer der Regenmassen in KZN und an anderen Orten nicht verloren gegangen sind. Dass das Blutvergießen in der Ukraine und vielen anderen Teilen der Welt einmal aufhören wird, weil Gott die Wunden der Erde heilt. Dass den vielen Flüchtlingen dieser Erde eine ewige Heimat bei Gott bereitet ist. Dass die Gescheiterten, die Verlorenen, die Kranken und Sterbenden eine Perspektive haben, die über das irdische Dasein hinausgeht. Und dass am Ende auf jeden von uns nicht das Nichts und die Finsternis warten, sondern Gottes Licht und Liebe.
Dies, liebe Gemeinde, ist die Hoffnung von Ostern. Und diese Hoffnung schenkt uns Freude in einer Welt voller Angst und Schrecken. Wir träumen uns die irdische Realität nicht zurecht, aber wir finden uns auch nicht mit ihr ab, so wie sie ist. Wir vertrauen darauf, dass sie eine Zukunft hat von Gott her. Und dieses Vertrauen macht uns Mut zu Veränderungen schon hier und jetzt. Denn wir schauen nicht mehr auf uns selbst, unsere eigene Ohnmacht und Ratlosigkeit, sondern auf den, der vor uns steht und uns zuruft: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Amen.