( Röm 8,26-30 ) - [ English ] - [ Akündigungen563.82 KB ]
Liebe Gemeinde, eine Pfarrerin, so denken manche, findet immer passende Worte. Hat Rat und weiß, wie Gottes Worte in bestimmten Situationen auszulegen sind, tröstlich für andere und mutmachend.
Aber manchmal verschlägt es auch mir die Sprache. Wie jedem anderen von Euch, denke ich auch. Ich höre eine traurige Nachricht und möchte auch reagieren und weiß doch nicht, was ich sagen soll. Ach, fällt mir da manchmal als einziges Wort ein. „Ach“ – das ist schnell gesagt und auch schnell als whatsapp Nachricht verschickt. Nur drei Buchstaben sind das.
Ach, es ist mehr ein Laut als ein Wort, ein Stöhnen, Stammeln, Seufzen. Es kann Traurigkeit ausdrücken oder auch Sehnsucht.
Zum Seufzen gibt es genug Grund in der Welt. Und das darf Gott auch von uns hören. Das will er auch hören.
Darüber hinaus, was ich gelesen habe: Seufzen ist lebensnotwendig. Das sagen Mediziner. Ob es wirklich 12 mal in der Stunde ist, dass wir angeblich unbewusst seufzen? Wer seufzt, atmet tiefer ein. Und wir brauchen die Luft zum Atmen, damit wir leben können. Wir seufzen aus Kummer oder Sorge und manchmal aus Erleichterung. Unsere Gefühle brechen sich Bahn. Tief holen wir Luft, um zur Ruhe zu kommen. Seufzen befreit.
Und eben auch im Gebet darf ich befreit seufzen oder zur Befreiung seufzen. Ach, Gott, höre mein Gebet. Ich bringe vor Gott, was mich in diesem Moment bewegt und beschäftigt, ohne dass ich wohlüberlegte Worte mache. Es kommt mir einfach aus der Seele und dem Herzen. Vielleicht weiß ich nicht so genau, warum ich gerade seufze.
Aber im Seufzen brauchen wir uns nicht verlieren. Denn wir sind nicht allein. Denn Gott gibt uns seinen Geist dazu, den Tröster, den Beistand.
Also, lasst uns seufzen, ABER: im Wechselgesang mit Gottes Geist. So, dass wir ihm in uns Platz machen, dass er seufzen kann in uns. Dass wir aus ihm heraus leben und ihn für uns sprechen lassen:
Lesen des Textes Lutherbibel
Liebe Gemeinde, mit Gottes Geist kommt Bewegung in meine Beziehung zu Gott. Er gibt mir Kraft für alles, was nicht gut ist in meinem Leben und in dieser Welt.
Und wo ich mich schwach fühle. Und ich fühle mich gerade dann schwach in solchen Zwischenzeiten. Etwas ist vorbei, ich tappe im Nebel, weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Das neue hat noch nicht begonnen. Das sind sensible Momente in meinem Leben, fühle mich selbst auch leicht angreifbar und reizbar. Die Furcht: Bin ich genug? Oder der Gedanke: Wer bin ich schon … Was kann ich schon machen. Mich sieht und hört keiner.
Gott weiß offensichtlich darum. Und er weiß, dass es mehr über uns zu sagen gibt, als nur unsere Schwachheit zu benennen. Ihr ist zu helfen. Aufzuhelfen. Dann kann sie sich aufrichten lassen. Die Schwachheit ist nicht das letzte Wort über uns. Die Schwachheit bekommt Hilfe und Unterstützung von außen. Sie kann sich helfen lassen.
Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Man kann diesem Vertrauens-Satz auch einen Rhythmus geben, wenn man das Bekenntnis laut ausspricht. Dann bekommt diese alte Hoffnung Schwung und gerät in Bewegung. Im Deutschen hängen sprachgeschichtlich die Worte „hüpfen“ und „hoffen“ zusammen. Diese Hoffnung setzt von Anfang an auf Gottes Geist. Sie rechnet mit ihm, vertraut ihm – auch gegen den Augenschein. Denn Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter. Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht (Lothar Zenetti).
Vater, Sohn und Hl. Geist. Jugendliche, vielleicht auch Ältere ist der Glaube an den Hl. Geist am Schwierigsten. An Gott kann ich glauben. Und Jesus zeigt mir den Weg zum Leben. Aber wozu brauche ich den Geist, den Heiligen Geist, Gottes Geist? Er ist nicht greifbar, man kann ihn nicht sehen. Und doch spüren wir: Hier ist ein guter Geist im Haus. Es ist zu merken und mit Händen zu greifen: Hier ist ein guter Geist am Werk. Alle wissen, was damit gemeint ist: die Atmosphäre, der Stil, die Art und Weise, wie man in dem Haus lebt, gemeinsam lebt und miteinander umgeht.
Wessen Geistes Kind du bist, das spüren andere. Wessen Geistes Kind du bist, das zeigst du mit dem, wie du lebst und wonach du dich in deinem Leben ausrichtest.
Bist du jemand, der immer fromme Sprüche parat hat oder lebst du nach dem Geist Gottes. Redest Du nur oder handelst Du auch? Bestimmen Liebe und Barmherzigkeit, Vergebung und Wahrheit deine Gedanken oder ist dein Reden nur leeres Geschwätz, billige Vertröstung und Erklärung für Gott und die Welt?
Jedem Reden sollte ein Hören vorausgehen, nämlich auf das, was Gott heute von uns möchte. Offen sein für seine Wege mit uns.
Der Geist Gottes ist von Anfang an dabei. Von Beginn der Schöpfung an ist er da. Er ist die Luft zum Atmen. Er gibt Leben, ist das Lebensprinzip, ja der Anfang des Lebens, der Anfang, damit wir atmen und leben können.
Der Geist Gottes ist wie der Wind, der in die Segel eines Bootes bläst und Schwung und Antrieb gibt. Ohne ihn bliebe alles stehen, gäbe es keine Veränderung, gäbe es uns Christinnen und Christen heute gar nicht. Geistvoll und geistesgegenwärtig sein, heißt leben aus Gottes Geist, der tröstet und gewiss macht und uns zu Hilfe kommt, wenn wir angefochten und schwach sind, wenn uns Zweifel und Sorgen überfallen. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf – er hilft. Es heißt nicht: “Er könnte, wenn er wollte“, sondern: „Er macht es“. Gottes Geist ist Kraft und setzt Kräfte frei, die stärker sind als menschliches Erkennen und menschliche Sprachfähigkeit und Weisheit.
Gottes Geist führt in die Freiheit, bringt Menschen auf den Weg der Versöhnung, lässt uns eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Und das mit unserer kleinen Kraft, die jeder und jede von uns hat. Gottes Geist ist ein Geist der Hoffnung und der Freude.
Leben aus dem Geist Gottes, das bedeutet für mich: ihm Platz zu machen in mir. Damit ich nicht nur zu Gott rufe: „Höre!“, sondern ich sagen kann: „Rede, seufze, Gott, ich höre.“
Manchmal fällt es mir leicht zu beten: Gott zur Sprache zu bringen, was mich beschäftigt, was mir auf der Seele liegt, wen ich ihm anbefehle. Lebende und Tote vertraue ich ihm an. Doch das ist nicht immer so: manchmal überfällt mich der Gedanke: Also, wenn du für die eine betest, dann musst du auch für den anderen beten. Wenn du das eine Elend Gott vorhältst, dann doch auch die andere Not. Ich habe Sorge, jemanden zu vergessen, dass meine Gebetsliste nicht vollumfänglich ist. Der Wunsch, dass alles gut werden möge, ist so groß, dass mir die richtigen Worte fehlen.
Ich glaube, Gott hört unsere Bitten, auch wenn wir nicht die richtigen Worte finden. Gottes Geist selbst seufzt in uns. Amen