( Römer 11,33-36 ) - [ English ] - [ Akündigungen587.23 KB ]
Der Tisch ist gedeckt. Unsere Gastgeber haben Platz genommen – Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist. Und ….sie wollen nicht allein bleiben, sondern sie haben eingeladen. Uns, liebe Gemeinde, wir sind die Gäste bei diesem Fest. Wir sind da, und das Fest kann beginnen.
Doch was gibt es denn eigentlich zu feiern? Hören wir den Apostel Paulus, der mit unserem Predigttext das Wort ergreift und, wie es sich gehört, eine kleine eröffnende Festrede hält:
Lesen des Textes
Was soll man da noch sagen, liebe Gemeinde… Was für eine schöne Rede. Schöne, poetische Worte. Fast ein wenig geheimnisvoll schweben die Worte des Paulus über uns als Festgemeinde. Es scheint alles gesagt, und doch bleibt vieles auch geheimnisvoll.
Da stehen sie nun, die drei Fragen: „Wer hat des Herrn Sinn erkannt?“, „Wer ist sein Ratgeber gewesen?“ „Wer hat ihm etwas gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?“ Und ich denke an die „Drei ???“, die Hörspiele, die ich selbst gern gehört habe und heute wieder höre mit meinen Kindern - Kinderkrimis. Als die drei Fragezeichen in ihrem ersten Fall ihre Visitenkarte abgeben, erfahren wir folgendes über sie:
Die Drei ??? – Wir übernehmen jeden Fall.
„Die Fragezeichen bedeuten ungeklärte Geheimnisse, ungelöste Rätsel und spezielle Fragen aller Art.“
Das passt. Auch wir stehen vor unserem Gott manchmal mit drei Fragezeichen oder auch noch mehr. Wir stehen mit Fragen vor Gott und wir begegnen mit Gott ungeklärten Geheimnissen. Aber Gott gibt uns auch Antworten auf unsere Fragen und setzt gelegentlich auch Ausrufungszeichen. Und die lernen schon die Konfirmanden. Und so erheben sich nun noch drei Festredner, unsere Konfirmanden: (sprechen apostolisches Glaubensbekenntnis, und: Ein Hoch auf den Gastgeber und auf uns)
Auf uns?
Wir begegnen der großen Schöpfung Gottes, und wir sind ein Teil von ihr.
Wir begegnen Tod und Auferstehung in Jesus Christus und erhalten die Zusage, dass die Auferstehung auch für uns gelten soll.
Wir bekommen die Taufe als Zeichen dafür, dass wir mit Gott verbunden sind, und uns wird eine Geistkraft geschenkt. Gott offenbart sich uns, zeigt sich uns und wir werden seit Pfingsten mit hineingenommen. In die Geschichte von Gott und der Welt. Das bewirkt der Heilige Geist. Er nimmt mich mit auf die Reise.
Und so ist auch heute noch zu verstehen, dass der Sonntag Trinitatis auch „Das Fest der Glaubensbekenntnisse“ ist. Evangelische und katholische Christen feiern es. Das Trinitatisfest gibt es erst seit dem 10. Jh, wobei es noch über eine längere Zeit Differenzen gab, ob es überhaupt gefeiert werden sollte.
In unserem Gesangbuch finden wir zwei Bekenntnisse: das apostolische und das nicänische. Das eine haben wir gerade gehört, das andere vorhin miteinander in der Gemeinde gesprochen.
Die Konfirmanden lernen das apostolische Glaubensbekenntnis wie Generationen vor ihnen. Es ist wichtig, weil es nämlich unsere Visitenkarte ist als Christinnen und Christen.
Aber Gott ist dennoch viel mehr, als wir mit dem Glaubensbekenntnis sagen können.
Paulus macht im Predigttext deutlich: Gott ist nicht zu fassen. Nicht mit Worten, nicht mit dem Verstand – einfach unerforschlich. Er ist uns immer einen Gedanken voraus. Er ist größer, als wir ihn denken können. Mit dem Predigttext und unserem Glaubensbekenntnis wird das Dilemma für uns Menschen sehr deutlich, wenn wir nach Gott fragen.
Auf der einen Seite die Erkenntnis, dass Gott größer ist als wir es uns vorstellen können. Denn die Fragen, die Paulus stellt, wollen ja nicht wirklich beantwortet werden. Denn natürlich ist es keinem Menschen möglich, den Sinn Gottes zu erforschen, sein Ratgeber zu sein oder von Gott etwas zurückzufordern. Alles löst sich auf in unendlicher Größe. Das lässt uns Menschen zwar mit Staunen, aber auch mit vielen Fragen zurück.
Auf der anderen Seite das Glaubensbekenntnis. In knappen Sätzen wird zusammengefasst, was es über Gott und sein Heilshandeln zu sagen gibt. Von der Schöpfung der Welt bis zum ewigen Leben, alles ist benannt. Das Unfassbare bei Paulus wird im Glaubensbekenntnis wie ein Beipackzettel zum Leben und Glauben für uns Menschen zusammengestellt. Und wir sprechen es. Auf diese Sätze haben sich die Christen der frühen Kirche im vierten Jahrhundert geeinigt, um sich ihres Glaubens zu vergewissern. Sie wurden über die Jahrhunderte weitergegeben.
Mit dem Glaubensbekenntnis sprechen wir das aus, was Paulus in einen Lobgesang Gott kleidet und ausdrückt, Gott bleibt ein Geheimnis für uns.
Wenn wir unseren Glauben bekennen, dann sagen wir damit: Gott hinterlässt nicht nur Fragezeichen, sondern er ist ein Gott der Beziehung mit sich hat in Vater, Sohn und Hl. Geist und der eine Beziehung zu uns möchte und der sich den Menschen offenbart hat.
Mit den Worten unseres Glaubensbekenntnisses stoßen wir eine Tür auf in die Heilsgeschichte Gottes. Indem wir es gemeinsam aussprechen, brechen wir die Begrenztheit unserer Worte auf und geben Gott in seiner Vielfalt wieder einen größeren Raum. Die Worte allein würden Gott begrenzen. Das Große am Glaubensbekenntnis sind nicht die gesprochenen Worte, sondern die Hoffnung und der Glaube, die das Glaubensbekenntnis zu uns bringt. Das Sprechen in Gemeinschaft öffnet diese neue Dimension der Gemeinschaft des Glaubens – global und vor allem auch durch alle Zeiten.
Ein bekannter Theologe, Fulbert Steffenski, hat den Glauben und seine Traditionen mit einem Zelt verglichen. Viele Menschen waren schon Gast in diesem Zelt, haben ihre Hoffnungen hineingewebt und ihre Erfahrung mit Gott. Sie haben den Glauben weiter getragen, Lieder gesungen und Gebete gesprochen und dadurch leuchtet die Vielfalt und Größe Gottes auf. Und auch ich bin Gast in diesem Zelt des Glaubens – und mit jedem Aufenthalt wird es mir zur Heimat. Ich bin Gast, aber auch Gastgeber und Gastgeberin. Ich lade ein mit meinen Geschichten, Liedern und Gebeten. Das Zelt bietet mir Schutz und Trost, lässt mich aber dennoch beweglich sein. Es ist durchlässig für die Hoffnungen, die andere vor mir hatten. Und es ist immer noch Raum für meine Hoffnungen und für die Größe Gottes.
In allem, was wir über Gott sagen, singen und bekennen, schwingen die Glaubenserfahrungen anderer Menschen mit. Denken wir also groß von Gott und auch von unserem gemeinsamen Glauben und stellen nicht nur Fragen, sondern setzen mit unserem Leben ebenfalls Ausrufungszeichen.
Das können wir, denn Gott denkt auch groß von uns. Vom ersten Schöpfungstag bis zur Auferstehung am letzten Tag. Amen