( 1. Mose 12,1-4a ) - [ English ] - [ Akündigungen428.21 KB ]
Das Weizenkorn, das der Schatz der Ernte war im Winter, wird verworfen, begraben, damit es das Potential, das in ihm gespeichert ist, freigeben kann, um als eine neue Pflanze zu wachsen. Ob und was die Pflanze als Frucht bringen wird, wird man erst viel später genau wissen.
Der HERR sagte zu Abram: »Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!“ Gott verlangt von Abram, dass er das Bekannte, Vertraute hinter sich lässt und ins Unbekannte geht. Man kann selten schon am Anfang das Ende eines Weges sehen, und das verunsichert einen. Die Schritte ins Ungewisse tut Abram aber nicht nur mit Gott, denn sein Neffe Lot und dessen Familie sind mit ihm gegangen. Die gewagten Schritte auf einen Neuen, ungewissen Weg sind begleitet und geleitet, von Gott und auch von Mitmenschen. Im Laufe der Zeit kann sich vieles ändern. Der geteilte Wege von Abram und Lot trenne sich . Abram wird von Gott weiter nach Ägypten geleitet.
Nach der harten Covid-Zeit haben viele Menschen nach langer Besinnung alte Wege hinter sich gelassen und neue Wege begonnen. Neue Wege können auch zu was Unerwartetem führen. Neue Wege mit anderen zu gehen kann gut beginnen, aber wenn es nicht ein gemeinsames Ziel gibt, können sich die Wege trennen, bevor das ursprüngliche Ziel erreicht ist. So gibt es immer wieder neue Wege. Es ist auch möglich, dass das Ziel sich ändert. Aber jetzt am Anfang der Reise ist alles noch ungewiss, und als Christen rechnen wir damit, dass Gott uns begleitet und leitet.
Es ist Sommer. Wenn mich jemand fragt: “Wie geht’s?”, antworte ich, wahrheitsgetreu: ”Gut, danke”. Es ist warm, ab und zu gibt es einen kühlen Regenschauer; alles wächst, blüht und gedeiht. Ich fühle mich stark, gesund und zufrieden. Tiefe Dankbarkeit kommt in mir auf - für die Fülle, in der ich leben darf, für den spürbaren Erfolg und Segen. Und ich weiß: All das habe ich nicht verdient, sondern durch Gottes Gnade geschenkt bekommen. Ich erkenne: Gott schenkt uns reichlich Gaben. Aber er gibt uns auch Aufgaben. Für diese Aufgaben will er uns die Kräfte und Ressourcen geben, die wir brauchen. Oftmals liegen aber diese Kräfte in uns brach und nützen niemandem, auch nicht uns selbst. Aber sie können geweckt werden durch einen Anderen, der ihrer Bedarf. Und durch das Weitergeben, können wir selbst glücklich werden. Es entsteht ein wechselseitiges Kräftegeben und Kräftenehmen. Jesus selbst ist diesen Weg gegangen. Er war erfüllt von Gottes Kraft. Er dankte Gott dafür und oftmals geschah es direkt danach, dass Gott durch ihn ein Wunder wirkte (zB bei der Speisung der 5000 Menschen).
Wenn ich mit Dankbarkeit erfüllt bin, kann auch ich durch Gottes Kraft ein Stück die Welt verändern:
- indem ich Menschen teilhaben lasse an meiner Fülle- an meinen Gaben und meiner Zeit
- indem ich helfe, dass Menschen zueinander finden
- indem ich Menschen schütze und unterstütze, die ohne diesen Schutz zugrunde gehen würden
- indem ich Menschen helfe, einen Weg zu finden, die keinen Ausweg sehen
- oder indem ich (was manchmal der schwierigste Weg ist) auf einen Menschen zugehe, der mich verletzt hat und ihm / ihr Vergebung zuspreche... Nicht weil er / sie es verdient hat, sondern weil ich selbst reich beschenkt bin und dadurch einfach großzügig sein kann. Das größte Wunder dabei ist dann oft, dass auch ich innerlich frei werden kann, indem ich die andere Person freispreche.
Von einem unbekannten Autor stammt dieses Gedicht:
„Das will ich mir schreiben in Herz und Sinn: Dass ich nicht für mich hier auf Erden bin,
Dass ich die Liebe, von der ich lebe, liebend an andere weitergebe.“
Herbst ist eine Reflektion, ob ich auf dem richtigen Wege bin.
Segen heißt im biblischen Sinn: Gott überschüttet mit Gutem, Gott will Schutz und Schirm sein. Segen zu erfahren ist das Eine. Ein Segen für andere Menschen zu sein ist das Andere. Beide gehören zusammen. Wie begeht man neue Wege im Herbst des Lebens, wo tausend Fäden schon ineinander verstrickt sind, aber auch und hoffentlich Wunden verheilt sind ... Was hat man gelernt vom Frühlings- und Sommergrün? ... Da darf ich mich kurz zurücksetzen, ruhig werden und überlegen: Wohin bin ich unterwegs? Wenn Gott segnet mit festlich gedecktem Tisch und vollen Scheunen (mit Weisheit und Wohlstand) - Da kann man danken für was man ernten durfte, für den Segen, den man empfangen hat. Und? Wie begegne ich meinem Nächsten? Wie kann sich in dieser Lebensphase Reife bei mir äußern?
Im Herbst verabschiedet man die Zugvögel. Es ist Zeit, dass die Kinder das Haus verlassen; man lässt sie gesegnet losziehen und gibt ihnen Raum, sich zu entfalten. Schwiegersöhne, Schwiegertöchter, Enkelkinder- alles neu, in der Gemeinde vielleicht neue Gemeindemitglieder, oder Besucher:
Zuhause sollen sie sich fühlen, indem man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, Gastfreundschaft ausübt, Mitgefühl, wenn sie verunsichert sind. Bei Meinungsverschiedenheiten sollte man sich klarmachen, dass es jeder Person zusteht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist ein Test: „Toleranz“ heißt so viel wie „ertragen, aushalten", Hass und Gewalt ablegen. Die Herbstzeit sagt uns „Wir leben in der Endlichkeit“ Irdischer Ruhm und Geld ist nicht was zählt. Es soll nicht nur ums eigene Wohl gehen.
Ein heftiger Konflikt schwelt zwischen der Sippe Abrams und der seines Neffen Lot. Beide haben reiche Viehherden. Doch das Land, in dem sie leben, reicht nicht für alle aus. Abram ergreift die Initiative: Er bietet den entscheidenden Schlüssel zur Überwindung des Konflikts an: Großzügigkeit! Der Glaubende weiß, dass ihm alles zum Besten dienen muss. Er weiß, dass Gott es gut mit ihm meint! Scheue dich nicht, den Kürzeren zu ziehen. Das ist der Weg zur Gerechtigkeit. – Dann bin ich ein freier Mensch. Ich kann aufatmen und leben.... und gelassen weitergehen.
Mit Gott neue Wege gehen im Winter...Es gibt Zeiten im Leben, in denen die Sonne untergeht. Man wird krank oder hat einen „burnout“ und kann einfach nicht mehr. Aus einem Gebet von Jörg Zink zitiere ich „Dann ist es wichtiger, geduldig zu sein als tüchtig. Dann ist es besser, Schmerzen ertragen zu können als zu arbeiten. Dann ist es nötiger, sich in andere zu fügen als zu befehlen, sinnvoller, die Einsamkeit auszuhalten als mitzureden. “ Geh diesen Weg ... und vertraue auf Gottes Hilfe, bleib im Winter des Lebens gelassen und getrost, lass den Schmerz ein, und warte still ab, wie man das Vorübergehen eines Unwetters abwartet… und bleib beharrlich im Gebet...
Mit Gott neue Wege gehen im Winter... Was tun, wenn uns ein lieber Mensch genommen wird durch Tod oder Scheidung? Sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden und den Verlust zu verarbeiten ist eine der schmerzlichsten Situationen, mit denen wir im Leben konfrontiert werden. In dieser verzweifelten Situation sind wieder Menschen an deiner Seite hilfreich… die deine Tränen, deine Fragen und deine Bitterkeit zulassen. Menschen, die dich an deiner Bedürftigkeit messen, und nicht an deinem Tun... geduldig in Trübsal... Bitte Gott, die schmerzhafte Wunde der Trennung zu heilen und dir neuen Lebensmut zu schenken.
Mit Gott neue Wege gehen im Winter... Ganz unerwartet ist besonders in dieser Zeit: Ein Winter-Regenbogen – ein Wunder, in dem uns ein Bibelwort, Gottes Stimme, ein Geschenk oder eine Begegnung die Gottes Liebe zu uns sichtbar macht. Das erfrischt und tröstet Herz und Geist, ... mit dem Wissen, dass Gott bei uns ist, uns entgegenkommt und sich um uns kümmert... Davon möchten wir freimütig, offen und furchtlos, von Gott Zeugnis geben – und somit denen, die bewusst oder unbewusst Gott suchen, Frieden und Zuversicht bringen.
Mit Gott neue Wege gehen im Winter... Fröhlich sein und lachen, das ist ein wichtiger Teil des Lebens. Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt. Das Lachen, das verschenkt wird, kommt zum Geber zurück. Das Leben ist nicht nur ernst sein, es ist auch fröhlich, glücklich, ausgelassen. Im Winter des Lebens ist lachen besonders schön...
Amen