2022-07-24 - 6. Sonntag nach Trinitatis (DE) - Prädikantin Elke von Schlichting

( Röm 6,3-8 ) - [ English ] - [ Akündigungen599.29 KB ]


Wir feiern heute MITeinander Gottesdienst. Vielleicht haben sogar einige vor dem Gottesdienst MITeinander am schön gedeckten Tisch gefrühstückt, statt jeder im Stehen oder wie so oft im Alltag eine Scheibe Brot im Auto zu essen. Gerade eben haben wir MITeinander eine Tauferinnerung gefeiert. Auch letzten Samstag, bei unserem Mandela-Tag haben wir MITeinander im Kirchgarten gearbeitet, MITeinander die Küche geputzt, MITeinander zu Mittag gegessen. MIT, das ist ein mutiges, aber wichtiges Wörtchen für unseren Alltag.

Dieses MIT durchzieht auch heute unseren Predigttext: Römer 6, V 3-8:


3 “Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?

4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.

5 Denn, wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,

9 und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen.

10 Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.

11 So auch ihr: Haltet euch für Menschen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben in Christus Jesus.”


Wer hat da mitgezählt? 5x kam das Wort MIT im Predigttext vor. 5x eine Zusage auf ein MITeinander für Gottes bedingungsloses Ja, das uns durch die Taufe als Christen gilt und uns den Beginn eines neuen Lebens mit Gott verspricht.

Wir hören es noch einmal. Paulus erklärt, dass wir MIT Christus begraben, MIT ihm zusammengewachsen, MIT ihm gekreuzigt, MIT ihm gestorben, und MIT ihm zum neuen Leben auferstanden sind.

Zunächst finde ich die Erklärung von Paulus ziemlich krass – durch die Taufe mit Jesus gekreuzigt, gestorben und begraben zu sein, das alles hört sich mir nicht nach einem festlich und freudigen Tauferlebnis an. Paulus’ Taufverständnis aber war es, dass ein Täufling in den Tod Christi getauft wird und mit ihm „begraben (wird) in den Tod“. In Luthers Kleinem Katechismus wird es ähnlich unverblümt erklärt. Dort steht, dass „der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße ersäuft werden und sterben soll in allen Sünden und bösen Lüsten”. Zum Glück enden die Tauferklärung und das Erlebnis nicht an dieser Stelle. Dem “in Christus gekreuzigt, gestorben und begraben sein” folgt nämlich das Auferstehen eines neuen Menschen, der in Verbundenheit mit Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebt.

Diese Auferstehung aus dem Wasser, die das neue Leben andeuten soll, wird in unserem Taufritual, wie wir es feiern, bildlich nicht so deutlich. Früher, und auch heute noch in vielen charismatischen Kirchen, wurde und wird noch die ganzkörperliche Taufe ausgeführt – ein Sinnbild für diese Auferstehung.

Durch diese Auferstehung überschreitet der Täufling also eine erlebbare Schwelle von seinem alten Menschsein zu einem neuen Leben in Christus. In der Taufe MIT Jesus zusammengewachsen, gekreuzigt, gestorben und begraben zu sein, ist genau das, was uns das Ablegen unserer Sünden ermöglicht, das Reinwaschen von dem, was uns von Gott trennt. «Mit Christus zu sterben» heißt: Ich bin bereit, mich selbst, im Licht von Jesu Hingabe für mich, neu zu sehen. Ich bin bereit, meine Unzulänglichkeiten, meine Selbstzentriertheit und Selbstüberschätzung zu erkennen und zu überwinden. Das ist mein Schritt zum Sterben und Auferstehen mit Christus. Das ist mein Bekenntnis zu Gott: Ich brauche dich, Gott, und ich bin bereit, mich immer wieder neu im Licht deiner Liebe zu überprüfen. Für mich soll für immer diese Taufformel gelten: 5-mal MIT = 1-mal EWIG.

Gott handelt und macht die Taufe zur Quelle des Christseins und zum Tor des Lebens als Christen. Sie lässt uns teilhaben an dem, was Jesus Christus in seinem Sterben und Auferstehen für uns getan hat: Er befreit uns aus der Macht der Sünde und des Todes und er schenkt uns ein neues Leben jetzt und in der Ewigkeit. Durch die Taufe fängt die Ewigkeit für uns bereits hier auf Erden an. “Durch das Zeichen des Kreuzes bist du getauft im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Du gehörst zu Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.“ Durch meineAntwort „Ich bin getauft auf den Namen Jesu Christi“ werde ich Teil der Liebesgeschichte Gottes, die sich in Jesus Christus zeigt.

Paulus bestätigt das: Wer getauft ist, wer ein Christ geworden ist, der ist neu geboren, der fängt neu und frisch an „MIT Christus”. Hier begegnet uns der lebendige Herr, hier redet er und handelt, hier geht er für immer MIT uns.

Die Taufe ist Gottes Geschenk an uns. Er trägt uns damit auf, die Liebe, die er uns beweist, weiterzugeben in Wort und Tat – den nahen und fernen Nächsten. Die Taufe fordert uns zum MITEINANDER auf. Im MITEINANDER vollzieht sich unser Glaube. Als Tauf-, Glaubens- und Liebesgemeinschaft ist die Gemeinde in die Sendung Gottes hineingenommen.
So wird das Leben aus dem Geschenk der Taufe zu einem wechselseitigen Geben und Weitergeben.

Auch ich möchte meine Taufe nicht nur heute neu erleben, sondern jeden Tag. Ich möchte mich täglich an das “MIT Jesus” erinnern: 5 x MIT Jesus verbunden sein, um ein neues Leben zu bekommen. Das hört sich fast an wie bei “America’s got Talent”: 5 x Ja und du schaffst es in die nächste Runde – Aber eine nächste Runde gibt es hier nicht. Durch die Taufe bekommst du sofort den sog. “Golden Buzzer”, der dir gleich einen Platz im Finale versichert, im neuen Leben, im ewigen Leben MIT Gott.

Das Wort “MIT” ist es was aus meinem Zitronen-Leben ein Limonaden- Leben macht. Mit dem “MIT” wird es meist besser. Eis MIT Schokoladensoße, Spiegelei MIT Speck schmeckt einfach besser. Ein Tag MIT Sonnenschein und ein Gesicht MIT einem Lächeln hebt die Laune. Natürlich gibt es auch die negativen MIT Seiten, die erleben wir immerzu – Krieg MIT Waffen, Coronazeiten MIT Masken, Regierung MIT Korruption. Kalte Winterabende MIT ‚Loadshedding‘. Aber in der Taufe gibt es nur das schöne MIT, das MIT Jesus MIT Wasser. Und das ist gut.

Ich möchte mich immer wieder an meine Taufe erinnern, wenn ich Wasser sehe. Wasser, das Freude in mir auslöst beim Anblick schäumender Ozeane, reißender Flüsse, brausender Wasserfälle oder stimmungsvoller Seen – oder Dankbarkeit beim Anblick des Wassers, das aus dem Wasserhahn kommt, daran denkend, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Wege und Erfahrungen des Glaubens und der Taufe sind unterschiedlich. Jeder hat seine eigene Geschichte. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er seine Taufe in den Alltag hineinbringen möchte. Es gibt genug Gelegenheiten dazu. Jesus hat uns berufen als Jünger in die Welt zu gehen und Menschenfischer zu sein. “Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”. So haben wir es im Evangelium gehört. Wir tragen die Verantwortung, Gottes Geschenk seines Sohnes an uns in unserem Leben sichtbar zu machen. Vielleicht sollten wir uns einmal bewusster um die Kinder kümmern, die als Babys getauft wurden aber mit der Zeit vom Radar des Gemeindelebens verschwunden sind. Oder um unsere Konfirmanden, die selbst das Versprechen für ein Leben mit Jesus abgelegt haben, aber trotzdem Unterstützung brauchen, um im Glauben weiterzukommen oder darin zu bleiben. Oder einfach mal direkt nach den Bedürfnissen unserer Schüler und Studenten zu fragen, die aus einem vielfältigen Angebot wählen müssen, und sich nicht unbedingt für unsere Gemeinde entscheiden. Auch Ehepaare, die nicht nur Deutsch als Haussprache haben, wollen ein geistliches Zuhause finden, das nicht von Sprache abhängig ist, sondern von einer Glaubensgemeinschaft.

Lebe ich meine Taufe MIT Verständnis für andere Lebenssituationen, MIT einem Ohr für andere Ansichten, MIT einem Herz für jeden, der sich durch die Taufe zum gleichen wie ich bekennt, nämlich zu Christus?

Lasst uns nicht unterschiedliche Wege gehen, lasst uns an einem Strang ziehen, denn MITeinander, in der Gemeinschaft Gottes, können wir unsere Verantwortung der Taufe ausleben. Denn es steht geschrieben: “Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.” Amen