2022-08-07 - 8. Sonntag nach Trinitatis (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

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Der Wochenspruch lautet: "Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." | Eph 5,8b.9

Wie wird das konkret?

Wir haben gerade den Predigttext gehört.

Vorrangig geht es in den vier Versen ums liebe Geld. Und da kann man erst einmal beobachten, dass das schon ein bisschen unanständig von Jesus war, was da berichtet wird etwa aus dem Jahr 30 in Jerusalem.
Er setzt sich einfach dem Gotteskasten gegenüber und beobachtet die Menschen.

„Gotteskasten“ ist übrigens ein wunderbares Wort, finde ich. Es leuchtet auch viel heller als „Klingelbeutel“. Gotteskasten bedeutet, dass Gott einen gewissen Anteil hat an dem, was da hineingelegt wird. Es ist nicht einfach nur Geld, das irgendwo gebraucht wird. Es ist auch Teil des Dankes, den ich Gott bringe. Gott hat einen Anteil an dem Geld, das ich da einlege. Er hat mir gegeben, was ich mit anderen teile. Mit Hilfe des Gotteskastens danke ich ihm dafür.

Zurück zur Szene im Tempel: Jesus sitzt also dem Gotteskasten gegenüber und beobachtet die Menschen. Stellt euch vor, jemand setzt sich von unseren Kirchenvorstehern an den Eingang unserer Kirche und beobachtet alle, die etwas hineinlegen.

Aber das ist noch nicht genug. Jesus beobachtet, wer wie viel hineinlegt in diesen Kasten.
Jesus sieht das. Er sieht die Reichen, die viel einlegen. Und er sieht die arme Frau, die wenig einlegt. Ohne Mann, einsam und arm und nicht wissend, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten soll.

Da macht sich Jesus so seine Gedanken. Und an seinen Gedanken will Jesus nun seine engsten Vertrauten Anteil haben lassen. Darum lässt er seine Jünger zu sich kommen und gibt ihnen Erläuterungen zu dem, was er beobachtet hatte und was die Jünger vielleicht nur am Rande wahrgenommen hatten.

Jesus sieht mehr als die anderen. So ist es immer schon gewesen und immer noch:

Er sieht die, die sich Zeit nehmen und Zeit spenden.

Er sieht die, die sich für arme Menschen einsetzen und Essenspakete bringen für diejenigen, denen es an Grundlegendem fehlt.

Er sieht die, die sich einsetzen für Frieden und die Gespräche suchen.

Und er sieht die, die beten. Die darauf vertrauen, dass diese Welt besser werden kann.

Jesus sieht die Liebe. Die Hilfsbereitschaft. Wie jede sich einbringt, mit dem was sie hat. Wie wir am Reich Gottes bauen. Wie wir von unserem Überfluss geben. Gerne geben.

Und er sieht aber auch, wenn Menschen ihre Begabungen zurückhalten,

weniger geben als sie könnten und sich letzten Endes doch selbst einfach am Wichtigsten sind.

Jesus sieht und erklärt seinen Mitarbeitern, dass die arme Witwe, die sie gerade gesehen haben, richtig viel Geld in den Gotteskasten dort im Tempel eingelegt hat.

Sicher haben sie erst einmal etwas verlegen geschaut. „Jesus, wie weltfremd ist das denn? Kannst du denn nicht rechnen? Die paar Geldstücke der alten Frau – was ist das denn gegen die großen Beträge der Reichen? Damit kann man doch richtig viel Gutes tun. Die zwei kleinen Kupfermünzen sind doch nun wirklich bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.“Aber Jesus redet weiter. Er erklärt, was er meint und macht deutlich: Wie viel jemand gibt, ist eigentlich nicht so wichtig, sondern: ob das, was er oder sie gibt, ein Opfer ist.

Die Reichen waren reich und hatten mehr, als sie zum Leben brauchten. „Überfluss“ wird sprachlich definiert als „Über den Bedarf hinausgehendes reichliches Vorhandensein von etwas“; und Armut schlicht als „Mittellosigkeit“. Die Frau, von der Markus berichtet, war ja wirklich arm. Diese zwei kleinen Kupfermünzen, die sie hatte, warf sie in den Gotteskasten. Alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt, wörtlich: ihr ganzes Leben. Ohne Berechnung, was dabei für sie rausspringt. Jetzt hatte sie nichts mehr. Jetzt war sie auf die Fürsorge anderer angewiesen. Wer in dieser Weise sein Portemonnaie ausschüttet, macht für sich keine Pläne mehr. Die Frau hat keinerlei Sicherheiten in der Hand. Sie hält das wenige, das sie hat, nicht ängstlich fest. Aus Sorge, zu kurz zu kommen. Sie liefert sich ganz Gott aus, der ihr Leben in der Hand hat und wohl weiß, was er daraus machen wird.

Die Reichen – ja - legten viel ein, aber hatten immer noch was. Sie passten schon auf, dass sie nicht zu kurz kamen. Jesus schildert das nur. Er bewertet es nicht. Er lobt nicht die Witwe und er tadelt nicht die vielen Reichen. Er stellt einfach etwas fest. Und überlässt es jedem selbst in der Freiheit eines Christenmenschen die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen und die nötigen Schritte zu tun.

Und wenn wir ehrlich sind: wie selbstverständlich und unbekümmert muten wir dem lieben Gott zu, mit dem zufrieden zu sein, was bei uns nach Befriedigung sonstiger Bedürfnisse noch abfällt. Und spenden das dann. Ist das Dankopfer wirklich ein Opfer für uns?

Der Zweck einer Kollekte aus biblischer Sicht ist die Unterstützung der Armen, auch armer Gemeinden. Aber es scheint noch um mehr zu gehen. Später wird Jesus einmal sagen, dass das, was man Armen tut, Hungernden, Durstigen, Gefangenen, Nackten, Fremden, Kranken – man ihm getan hat, Jesus. So gesehen wird die kleine Katechese von Jesus , die er seinen Jüngern im Tempel von Jerusalem hält, zum Beispiel dafür, den Blickwinkel zu verändern – vom Opferkasten weg hin zu Jesus. Vom Geld, das reich machen kann, hin zu Jesus, der Leben verändern kann. Und dann wird die Witwe im Tempelbezirk von Jerusalem ein Beispiel für alle, die sich in letzter Konsequenz für Jesus einsetzen.

Man kann die Geschichte reduzieren aufs Geld. Und ja, es stimmt. In der Kirche geht es auch ums Geld. Menschen haben „Arbeit und Brot“. Wir haben ein Gebäude zu unterhalten. Und das ist gut und richtig. Doch die Kollekte, das Opfer soll uns in der Kirche den Blick für die Not in der Welt schärfen. Und für die Projekte, die unsere Unterstützung brauchen. Den Nächsten nicht aus dem Blick zu verlieren. Das gilt für die Kirche als System, wie auch für alle ganz persönlich.

Jesus sieht.
Und weil er unser Licht ist, sehen wir auch:
Die die Hilfe brauchen, und wir helfen.
Wir sehen es. Wir helfen. Wir können es. Wir wagen es.

Wie ein Stein, der ins Wasser fällt oder wie ein Funke, der überspringt setzt uns die frohe Botschaft von Jesus in Bewegung. Mit meinem Leben kann ich etwas bewirken. Und Nina, unser Täufling heute und wir alle.

"Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." | Eph 5,8b.9 Amen