( Galater 5,25-6,10 ) - [ English ] - [Abkündigungen613.4 KB ]
Liebe Tauffamilie, liebe Gemeinde, wir haben Leander getauft und bei jeder Taufe bekommt der Täufling ja eine Taufkerze geschenkt. Licht bekommen ist die Voraussetzung dafür, dass man selbst Licht sein kann für die Welt. Ich möchte euch ein Bild zeigen.

Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf stand einst vor diesem Bild, das den leidenden Jesus mit einem Strick um den Hals und der aufgesetzten Dornenkrone zeigt. Er sah in die Augen dieses Jesus und konnte seinen Blick nicht mehr abwenden. Vor allem aber ließ ihn der Untertitel nicht mehr los
„Das tat ich für dich, was tust du für mich?“
Diese Worte wurden zum Kompass seines Lebens.
Er begriff: Am Kreuz hing Christus für mich! Und wenn Christus für mich am Kreuz hing, dann kann ich nicht passiv bleiben. Dann genügt es nicht, zu beten und in den Gottesdienst zu gehen. Was Christus für mich tat, fordert zum Dienst heraus. Das war seine Erkenntnis, als er dieses Bild entdeckte. Wie sieht solch ein Dienst aus?
Bei Paulus finden wir klare Anweisungen, die er in einem Brief an die Gemeinde in Galatien geschrieben hat. Und die an uns heute ebenso adressiert sein können. Hört selbst. Gal 5,25-6,10
Liebe Gemeinde, Paulus schreibt auf, wie unser Dienst untereinander und mit allen Menschen sein soll. Wenn wir uns die Gemeinde in Galatien anschauen, dann merken wir: es war nicht friedlich unter ihnen. Es ging da hoch her. Wenige Zeilen (Vers 15) vor dem soeben gehörten Abschnitt schreibt Paulus „Wenn ihr euch untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.“
Höher und weiterwollen als die anderen, den anderen nichts gönnen können, das vergiftet dort die Gemeinde. Die einen fühlen sich wichtiger als die anderen, versuchen sich auf Kosten der anderen ins rechte Licht zu rücken. Diese Zustände und die Angriffe auf seine eigene Person machen Paulus natürlich sauer und unruhig. Deshalb seine Anweisungen, wie wir Christen miteinander umgehen und einander dienen sollen.
Paulus hat sich nie gescheut, unbequeme Sachen zu sagen. Er, der wie kaum ein anderer, Gottes reiche Gnade verkündete, hat zugleich ein klares christliches Profil und Verhalten eingefordert, in der Gemeinde und in allen Lebensbezügen, in denen man steht. Er schreibt „Täuscht euch nicht! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ Paulus schärft den Galatern nachdrücklich ein, dass Gott unser Leben einmal bewerten wird. „Täuscht euch nicht!“
Es spielt eine große Rolle, wie wir leben und wie wir miteinander umgehen. Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer Unfrieden sät, der kann keinen Frieden ernten. Wer unbarmherzig mit anderen umgeht, der kann nicht erwarten, dass man mit ihm selbst barmherzig umgeht. Strebt nach Gottes Reich und nach seinem Willen ist die Aufforderung Jesu in der Bergpredigt. Und das ist eine Aufforderung an uns alle.
Zinzendorf, nachdem er sich von dem Bild Jesu und seiner Frage angesprochen fühlte: was tust du für mich? begann er als angehender Jurist seinen Glauben zu gestalten und Gebetskreise und Bruderschaften zu gründen. Erst später studierte er Theologie und wurde sogar Bischof der mährischen Brüderkirche.
Als dann 1722 böhmische Glaubensflüchtlinge in die Oberlausitz kamen, er-griff Zinzendorf die Gelegenheit, seinem Heiland Jesus Christus zu dienen. Er stellte den heimatlosen Menschen seinen ererbten Grund und Boden zur Verfügung und erlaubte ihnen, sich auf seinem Land anzusiedeln und ihren Glauben zu leben. Sein Ziel war keine neue Kirche. Er wollte in die bestehenden lutherischen Kirchen hineinwirken. Von Beginn an betonte Zinzendorf den Sendungsaspekt der Gemeinschaft in Herrnhut. Die hier erlebte Gemeinschaft im Heiligen Geist sollte in alle Welt getragen werden.
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf hat sein Leben für seinen Heiland eingesetzt und folgte dem Auftrag, den er wie ein persönliches Wort des Gekreuzigten in sich trug: „Das tat ich für dich, was tust du für mich?“ Ich lasse mich das auch fragen und ich bitte euch, dasselbe zu tun. Das tat ich, Jesus, für dich. Was tust du für mich? In deinem Alltag.
Paulus wirbt dafür, dass jeder erst einmal auf sein eigenes Leben schaut, bevor man auf das Leben von anderen blickt und meint, es beurteilen zu können. Jemanden auf den rechten Weg zu bringen - dazu gehört Einfühlungsvermögen. „Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun – vor allem aber denjenigen, die durch den Glauben mit uns verbunden sind.“ Nachsicht angesichts der Fehler anderer, Hilfsbereitschaft und tätige Nächstenliebe – dies ist es, was Paulus von den Galatern verlangt. Sonst, so meint er, hätten sie kein Recht, sich Christen zu nennen.
Wenn jemand meint, er sei etwas Besonderes, dann macht er sich etwas vor. Jede und jeder ist besonders in Gottes Augen, weil wir seine geliebten Kinder sind. Er blickt uns barmherzig an, weil er genau weiß, dass jede und jeder von uns dunkle Flecken im Leben hat. Jede und jeder hat Schwächen und ist anfällig für gewisse Dinge. Das ist menschlich. So ist das Leben. Das gehört dazu.
Paulus will, dass man sich selbstkritisch hinterfragt. Dann erkennt jeder, dass man nicht frei von Schuld ist. Und wer das erkennt, der kann auch gnädig sein im Umgang mit anderen Menschen. Keiner macht gern einen Fehler. Keine Frage. Aber es passiert.
Einer trage des anderen Last. Heißt nicht: Einer löse die Probleme des anderen. Das funktioniert nicht. Die Verantwortung für meinen Lebensentwurf, meine Entscheidungen und meine Handlungen nimmt mir niemand ab. Aber aus Gottes Geist leben und seine Vergebung annehmen, das heißt, sich demjenigen zuzuwenden, der gerade den Halt verloren hat und gestürzt ist. Noch einmal die Frage Jesu: das tat ich für dich… was tust du für mich? In einem Moment der Stille kann jeder darüber nachdenken. Vielleicht ist es schon eine Menge, die Dir einfällt, was Du für Jesus tust. Vielleicht ist es auch recht wenig. Es ist nie zu spät, umzudenken und umzukehren.
Der Wochenspruch für die kommende Woche heißt:
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Wer so ein Gottvertrauen hat, der empfängt innere Gelassenheit. Jede und jeden von uns ist von Ängsten und Sorgen belastet. Aber die müssen uns nicht niederdrücken. Gott ist uns treu und sorgt für uns. Wer solch eine Befreiung erfährt, kann offen sein für ein Leben, wie Gott es will. Anderen Menschen zu helfen, ihre Sorgen und Lasten zu tragen. Um gemeinsam in die Zukunft zu gehen.
Als Gemeinschaft der Getauften, in der uns Jesus vorangeht. Amen