2022-10-09 - 17. Sonntag nach Trinitatis (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

Jesaja 49,1-6 ) - [Abkündigungen469.06 KB ]


Thema der Predigt: Glaube, der die Welt überwindet

Liebe Gemeinde, liebe Familien, lieber Christiaan, Andreas und Tristan, 

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Diese Bibelverse habt ihr euch aus dem 1. Johannesbrief ausgesucht. Für die Liebe habt ihr euch also entschieden. Es sagt sich so leicht. Doch was meint Liebe konkret. Es ist einer dieser Begriffe, die sich immer gut erklären lassen in Abgrenzung zum Gegenteil. Da ist Liebe und Hass, hell und dunkel, schwarz und weiß. Als wäre es immer so einfach. Ganz und gar nicht. 

Vielleicht ist es aber das, was mich und viele andere auch reizt, wenn ich mir Superheldenfilme anschaue… Vielleicht ist es tatsächlich so einfach, wie es schon immer auch im Kino funktioniert hat. Die Taten eines Helden in Mythen, Romanen und Filmen ereignen sich auf einer Heldenreise, die durch typische Situationsabfolgen und Figuren gekennzeichnet ist. Ein am Rande der Gesellschaft stehender Mensch bekommt ungeahnte Kräfte und kämpft einen dann doch sehr klaren Kampf „Gut gegen Böse“ – und gewinnt am Ende gegen alles, was sich ihm in den Weg stellt. 

Und ja: Ist es nicht befriedigend und befreiend in einer komplizierten Welt, am Ende des Tages auf sein Sofa zu sinken und sich eine Geschichte erzählen zu lassen von Gut und Böse und zu wissen, dass das Gute siegt? Ich meine schon. 

Aber tief im Herzen weiß ich, dass das Leben nicht so einfach und nicht so klar und so schwarz weiß ist, wie wir es manchmal gerne hätten. Der christliche Glaube erzählt davon. 

Das macht ihn so widerspenstig und so schwierig und auch so wunderbar. Und auch in unseren Gesprächen, die wir hatten, kam es zu guten Gesprächen. Und es drehte sich auch um die Fragen: wie funktioniert der christliche Glaube? Muss ich perfekt sein? Darf ich Fehler machen und auch einmal zweifeln? Ist Gott immer da? Hat er alles schon entschieden, bevor ich überhaupt handle? Wie lässt Gott das zu? Und wie hat Jesus das überhaupt alles gemacht? 

Da kommt ein Retter der Welt, nicht mit dem Hammer oder dem Schwert, um die Feinde zu vernichten, sondern er stirbt selbst, um den Hass zu überwinden. Da reitet der König der Menschen nicht auf einem edlen Pferd in die Hauptstadt, sondern auf einem Esel. Da wird der Herrscher der Welt nicht im Königspalast geboren, sondern in einem Stall. 

Es ist das tiefe Geheimnis vom Kreuz, das unsere Vorstellung von der Welt „durchkreuzt“. Da sollte einer kommen, der durchgreift, klipp und klar sagt, was Sache ist, notfalls mit Gewalt durchgreift und so den Gang der Geschichte lenkt, aber bitte so, wie ich es will. So denken wir doch gern. Und das, obwohl wir es eigentlich wissen, zumindest aus der Geschichte: Allen Führergestalten, auf die die Menschheit zu unterschiedlichen Zeiten hoffte, dass sie mit „Kraft und Stärke“ eine Situation ändern könnten, folgte meist ein Unterdrückungssystem. So, als ob es die „Welt“ oder die Menschen eben nicht anders könnten. So, als ob sie gefangen wären in ihrer Art und in ihrem Denken – zumindest in dieser Welt.

Als das Volk Israel um etwa 587 vor Christus seine geschichtlich wirkmächtigste Erfahrung machte - die Zerstörung der Hauptstadt Jerusalem und die Deportation eines guten Teils seiner Bevölkerung in das Exil – da trat ein Prophet auf, der im Namen Jesajas predigte und dessen Worte wir heute im Jesajabuch in den Kapitel 40 bis 55 finden. Zu den berühmtesten dieser Worte zählen die vier sogenannten Gottesknechtslieder, die sich bis heute einer eindeutigen Zuordnung widersetzen und wahrscheinlich gerade deswegen so wegweisend geworden sind. 

Hören wir also einen Text aus dem Propheten Jesaja im 49. Kapitel, die Verse eins bis sechs: (Basisbibel) 

Es sind sehr kraftvolle Sätze. Einige möchte ich herausgreifen. Mir fällt auf, dass der Auftrag, den der Knecht Gottes erhält, ausgeweitet wird: Es geht nicht mehr nur um die Zerstreuten Israels, sondern es geht um alle Völker bis an die Enden der Welt. Das Zweite: Es ist zwar vom Schwert und vom spitzen Pfeil die Rede, aber es sind keine echten Waffen mehr, mit denen gekämpft werden soll, sondern es ist das Wort, mit dem der Gottesknecht gewinnen soll. Und schließlich das Dritte: Ich sagte: Ich habe mich vergeblich bemüht, für nichts und wieder nichts meine Kraft vertan. Doch der Herr verhilft mir zu meinem Recht, mein Gott wird mich belohnen.

So beginnt lange vor unserer Zeitrechnung etwas, das wir in Christus erfüllt wissen: Dass es einen Gott gibt, der alle erreichen will und der seinen Knechten sein Wort mitgibt, welches eine besondere Kraft entfaltet. 

Als Christen sprechen wir vom Glauben, an dem wir beteiligt sind, nämlich als „Liebes“ Boten in dieser Welt. Genährt und gehalten wird der Glaube von dem Vertrauen, dass Christus auferstanden ist und somit den Tod und das, was die Welt oft genug gefangen hält, grundsätzlich überwunden hat. Er ist der Erste, wir werden ihm nachfolgen. 

Niemand unter uns – so vermute ich es zumindest – ist ein Superheld oder eine Superheldin. Aber dennoch sind wir alle von Gott begabt worden. Und wir haben im Glauben eine weitere Gabe bekommen, die uns geschenkt ist und die uns führt und handeln lässt in Situationen, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben. Es ist die Gabe, von der der Prophet Jesaja erzählt: Licht sein zu können für Menschen, die uns begegnen und uns begleiten. Menschen, die Jesus später „die Nächsten“ nennen wird. Alles steht und fällt mit der Liebe. Und damit sind wir wieder angekommen bei Euren Bibelversen. Gott ist die Liebe und von ihm allein geht sie aus. Seine Liebe ist zuerst da und wenn wir liebevoll zu anderen sind, dann antworten wir ihm auf seine Liebe mit unserer Liebe.  

Jeden Tag eine gute Tat. Allzeit bereit sein. Ein Motto der Pfadfinder, die ihr 50 jähriges Bestehen bei uns feiern. Und Christiaan und Andreas, ihr seid aktiv dabei. Jeden Tag eine gute Tat. Allzeit bereit

Dieser Leitspruch wird im besten Fall zu einer Lebenseinstellung. 

So wird die Liebe Gottes sichtbar. Mit all dem baut Ihr ein Stück am Reich Gottes mit, von dem Jesus sagte: „Es ist mitten unter uns.“

 Bis ans Ende der Erde reicht meine Rettung. So stellt Gott es sich vor.

Und wir helfen dabei. Nicht immer müssen wir dazu ans Ende der Erde reisen, aber wenn ihr es doch tut… dann kann es nicht schaden, einen Kompass dabei zu haben. Gott zeigt euch den Weg dorthin. 

Als Geschenk bekommt ihr für euren Lebensweg, der euch zu anderen Enden der Erde zu den Menschen weltweit führen soll, einen Kompass geschenkt. Gott findet immer einen Weg. 

Traut euch eure Superkräfte ruhig zu und gebt diesen ruhig auch Ausdruck mit den Worten,die alle von dem einen großen Satz herkommen, der Wochenspruch (1. Joh. 5,4c) ist: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Amen