( Markus 2,1-12 ) - [ English ] - [Abkündigungen619.24 KB ]
Liebe Gemeinde, unsere biblische Geschichte heute erzählt von 5 Freunden. Sie haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass einer von ihnen nicht laufen kann. Wir kennen keine Namen von ihnen, aber wir wissen: sie halten zusammen. Sie tun für ihren Freund, was sie tun können. Und wenn etwas in der kleinen Stadt Kapernaum los ist, dann versuchen sie, ihn mitzunehmen. Und jetzt ist wieder etwas los. Jesus ist nämlich da. Er spricht von Gottes Reich, er treibt Dämonen aus und er tut Wunder. Schon vielen hat er geholfen, sogar denen, die andere schon aufgegeben hatten.
Einer wird von vieren getragen. Er ist gelähmt. Seine Freunde nehmen ihn mit. Kümmern sich um ihn, fühlen mit ihm. Lassen ihn nicht einfach zu Hause zurück. Die Freunde haben einen Plan. Jesus ist in der Stadt. Endlich ist da Hoffnung für ihren Freund. Sie beeilen sich… tragen ihren Freund auf seiner Matte… sie haben ein Ziel: Jesus: er ist der Retter…. Und sie kommen zu spät… das Haus ist übervoll.
Keine Chance für den Gelähmten, gesund zu werden.
Gesundheit ist das Wichtigste im Leben. Das höre ich oft. Ist das so? Es ist ein hohes Gut. Keine Frage und es ist wichtig, auf die Gesundheit zu achten. Jede Krankheit schränkt einen ein und die Lebensqualität sinkt.
Aber was, wenn nichts mehr hilft? Wenn man austherapiert ist. Unheilbar krank. Wie ordne ich dann Krankheit ein und vor allem, wie lerne ich, mit der Krankheit zu leben?
Und wie gehen wir in der Gemeinde und in der Gesellschaft mit Menschen um, die krank sind.
In einer meiner Konfirmandengruppen in D war ein Junge, der gelähmt war und im Rollstuhl saß und auch geistig eingeschränkt gewesen war. Er veränderte das Verhalten in der Gruppe in erstaunlicher Weise. Die Nervensägen wurden erträglicher, die Schüchternen blühten auf, weil sie ihm helfen konnten. Er gehörte dazu. Und er bereicherte diese Konfirmandengruppe.
Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Gesundheit und Heil. In der Geschichte von der Heilung des Gelähmten wird dieser Unterschied deutlich. Vier Freunde sorgen sich um den einen. Der ist vielleicht eher skeptisch. Er will keinem zur Last fallen, das will man nie. Er kann nicht ertragen, wie ihn die anderen anstarren. Und er hört, wie sie hinter seinem Rücken tuscheln: „Gott hat ihn bestraft. Sicher hat er Gottes Zorn verdient.“ Einige haben auch Mitleid: „Ach, der Arme, der kann einem ja wirklich leid tun.“ Und ihn machen diese Reaktionen traurig. Hat Gott ihn vergessen?
Und dennoch: diese seine 4 Freunde geben eben nicht auf. Und sie haben DIE Idee: wir steigen Jesus aufs Dach. Sie machen das Dach kaputt und lassen den Freund auf seiner Matte durch das Loch herunter. So wichtig ist den Freunden, dass der Freund heil wird. So viel Vertrauen haben sie. Sie steigen Jesus aufs Dach, lassen nicht locker und legen ihn Jesus direkt vor die Füße. Sie geben nicht auf. Und ich denke: ja, es braucht Menschen, die sich für einen einsetzen. Besonders dann, wenn man krank ist, wenn man alt ist, wenn man ohne Hoffnung ist. Dann kann man die Last leichter ertragen, die einem auferlegt ist.
Und Jesus schaut ihn an. Blickt ihm geradezu ins Herz hinein. Dem Gelähmten dämmert es: wenn einer helfen kann, dann Jesus. Er sieht all die vielen Leute in diesem Haus, wie sie ihn anschauen: mitleidig, erwartungsvoll und voller Abscheu einige.
„Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ sagt Jesus.
Sünde, wieso Sünde? Auch die Pharisäer sind da und meinen, sie hören nicht richtig. Sie suchen nach einem Grund, Jesus zu kritisieren, ihn anzuklagen. Jesus spürt was sie denken und fühlen. In die gespannte Stille sagt er: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter – Vergebung oder Heilung? Die Gesetzeslehrer sind empört! Das geht zu weit. Jetzt haben sie ihn, denn Sünden kann nur Gott allein vergeben.
Die Freunde staunen – Jesus lässt sich nicht einschüchtern. Er sieht ihren Glauben, ihre Hoffnung und ihre Liebe zu ihrem Freund. Er sagt mit lauter, fester Stimme zu dem Gelähmten: „Steh auf, nimm dein Bett und geh heim!“ Stille im Raum.
Alle blicken wie gebannt auf den am Boden Liegenden. Der bewegt seine Beine, befühlt sie und steht dann auf. Er kann wieder laufen. Er rollt seine Matte zusammen und bahnt sich einen Weg durch die Menge. Jetzt tuschelt keiner mehr. Sie rufen: „Wir haben so etwas noch nie gesehen!“
Liebe Gemeinde,
Jesus kann heilen und Sünden vergeben. Es gehört zusammen, untrennbar. Sünde möchte ich nicht verstehen als einen Fehler, den jemand begangen hat, sondern als etwas, das grundsätzlich in mir kaputt ist. Das mich von anderen trennt und Beziehungen zerstört.
Und Heilung beginnt in der Seele. Der Glaube verändert das Leben von Grund auf.
Wenn Jesus dich freispricht, wenn er zu Dir sagt: steh auf und geh hin, du bist in Ordnung, so wie du bist, dann wirst du verwandelt. Dann bist du heil, selbst wenn dein Körper schwach ist.
Nächste Woche feiern wir Reformation. Martin Luther hatte es nicht leicht in seinem Leben. Und wurde selbst oft von Krankheiten und Schmerzen geplagt. Er fragte verzweifelt: Gott, wie kann ich vor dir bestehen? Wie kann ich vor dir Gnade finden?“. Plötzlich erkannte er: Gott will die Menschen nicht kleinmachen. Er will aufrechte, selbstbewusste Menschen, die zu ihrem Glauben stehen, aus Überzeugung und nicht aus Angst. Gott allein macht gerecht. Gottes Gnade kann sich niemand erkaufen, das kann sich auch niemand erarbeiten – daran kann der Mensch nur glauben. Luther kannte die Bibel gut. Ihm waren auch die Wundergeschichten vertraut. Er kannte gewiss die Geschichte von der Heilung des Gelähmten.
Jesus heilte ihn, weil er den Glauben seiner Freunde sah. Und weil er ein Zeichen setzten wollte. Das Heil ist ein Geschenk Jesu und niemand kann es einem absprechen.
Es gibt viele Gründe, dankbar zu sein und Gott zu loben. Wir gehören nicht zu den Verlierern in dieser Welt. Und wir müssen auch nicht meinen, zu kurz zu kommen. Gott sieht uns und es kümmert ihn, wie es mir geht. Ich muss niemanden abhängen, sondern bin für andere verantwortlich. Gott gibt uns Mittel und Möglichkeiten, etwas in dieser Welt zu verändern. Er schaut nicht nur auf die Kranken. Er schaut auch auf die Gesunden und hört ihre Gebete, sieht ihren Glauben. Für andere. Und manchmal bin ich diejenige, die für andere betet und glaubt und manchmal bin ich auch die Empfangende, die es nötig hat, dass andere für mich glauben.
Gesundheit ist ein hohes Gut. Ja, das stimmt. Aber nur wer sich an Geist und Seele heilen lässt, wird ein unbeschwertes Leben führen auch wenn da Einschränkungen sind.
Das Wort, das dich aufrichtet und weiter gehen lässt, kannst du dir nicht selbst sagen. Ich glaube, dass Gott unsere Not nicht gleichgültig ist. Er macht uns heil an Leib und Seele. Gott sagt es dir, meistens durch andere Menschen, die sich um dich sorgen. Freunde.
Amen