( 1.Korinther 13.1-13 ) - [ English ]
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei bei uns allen.
Liebe Gemeinde
Wie ich bereits am Anfang des Gottesdienstes erwähnte, steht heute das Thema der Liebe Gottes, zu uns Menschen, im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes. Genauer genommen, Sein Leidensweg für uns, und sein Aufruf zur Nachfolge Jesu, für unsere Welt und unseren Nächsten, aus göttlicher Liebe. Die Mathematiker unter uns würden vielleicht gleich eine Formel dazu aufschreiben, die diesen Zusammenhang konkret erläutert. Gottes Liebe = Jesu Leiden, Kreuzigung und Tod = Auferstehung = Unsere Chance auf Jesu Liebe = Ewiges Leben.
Gottes Liebe ist eine Liebe, die aus menschlicher Sicht nicht zu erfassen ist, sie ist einfach die innigste und tiefste Liebe die es gibt, die Agape-Liebe. Durch unsere Annahme und Nachfolge dieser Liebe, wird uns die Möglichkeit gegeben, echte Liebe, ohne Bedingungen, ohne Grenzen, zu üben. Und diese Liebe ist das, was die Welt im friedlichen Gleichgewicht hält, was Harmonie in unserem Sein mit unseren Mitmenschen verschiedener Herkünfte und Kulturen ermöglicht, und was uns so leben lässt, wie Gott es sich erhofft hatte.
Wenn ich an das Wort Liebe denke muss ich schmunzeln. Ich hörte vor einiger Zeit einmal eine kurze Geschichte unter dem Titel “Hupe, wenn du Jesus liebst”. Das ist die Aufschrift eines Autoaufklebers. Die Geschichte erzählt von einem Mann, der einen solchen Aufkleber hinten an sein Auto geklebt hatte. In diesem Auto wartet er eines Tages missmutig an einer roten Ampel, verzweifelt über seine Arbeitssituation und traurig, dass es in seiner Familie auch nicht gerade rosiger aussah. Er ist so in seine trüben Gedanken vertieft, dass er nicht merkt, als die Ampel auf grün umschaltet. Während seines Grübelns nach Lösungen fällt ihm sein himmlischer Vater ein, der ihn unendlich liebt und ihn nicht allein lässt. Plötzlich hupt der Autofahrer hinter ihm. Der Mann blickt überrascht in den Rückspiegel und denkt sodort an seinen Aufkleber. “Wie schön, dass es da noch jemanden auf der Straße gibt, der Jesus liebt”, denkt er sich und kurbelt schnell das Fenster runter um dem Bruder in Christus freundlich zu zu winken. Da hupt noch ein Autofahrer, und noch einer und noch einer. Manche winken dabei wild mit den Armen, andere strecken den Kopf, allerdings mit unerklärlich düsterer Miene, zur Begrüßung, aus dem Fenster. Der Mann kann sein Glück kaum fassen, die Straße mit so vielen Glaubensgenossen zu teilen. Er löst geschwind den Sitzgurt um auszusteigen und um seine neu erworbenen Brüder und Schwestern in Christus persöhnlich zu begrüßen. Erst dann blickt er zufällig auf die inzwischen schon längst grüne Ampel vor ihm. Seufzend merkt er, dass er doch die neugewonnen Freunde nicht begrüßen könne, weil er ja an der Ampel stand und weiter fahren musste. So legt er enttäuscht den Sitzgurt wieder an, während er sich aber unheimlich freut, dass immer noch jede Menge von begeisterten christlichen Autofahrern hinter ihm weiterhupen, genauso wie sein Aufkleber am Auto sie aufgefordert hatte. Er fährt fröhlich winkend über die Kreuzung und bemerkt noch gerade, wie nur sein Auto es schafft, bevor die Ampel auf Orange wechselt. “Schade”, denkt er “dass ich so viele neugefundene Glaubensbrüder und Schwestern hinter mir lassen muss”, und fährt gutgelaunt weiter.
Was hat die Geschichte mit unserem Predigttext zu tun. So ziemlich alles, denn heute geht es nämlich genau um diese Jesus Liebe, die vollkommene Liebe Gottes, die Agape-Liebe, so tief und innig, dass wir Menschen sie nicht erfassen und schon gar nicht in seinem ganzen Ausmaß leben können. Aber genau die Liebe ist es, die, wenn wir sie auch nur ein Stückchen leben würden wie Jesus sie gelebt hat, die Welt so verändern könnte wie keine andere Tugend. Paulus schreibt folgendes zum Thema Liebe an die Gemeinde in Korinth, im 1.Korintherbrief, Kapitel 13, Verse 1-13
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.
3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.
9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.
12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Einer der schönsten und bekanntesten Bibeltexte die es gibt. Über das schönste Thema überhaupt, die Liebe. Niemand kann das bestreiten, denn da wo Liebe ist, ist Harmonie, wo Harmonie ist, sind Menschen glücklich, wo Menschen glücklich sind geht es einem gut und wo es einem gut geht, hat man meistens auch selbst den Wunsch, anderen etwas Gutes zu tun. Da entwickelt sich eine innere Dankbarkeit und ein Bedürfnis, andere an dieser Liebe Teil haben zu lassen. Genauso sah Paulus das auch. Er war darum bemüht die Gemeinde in Korinth zu beraten, wie sie mit ihren Problemen, der Unmoral und dem Götzendienst umgehen sollten. Die Lösung war für ihn eindeutig: Den Korinthern fehlte offensichtlich die Liebe, genauergenommen, die Gottesliebe Agape in ihrem Umgang miteinander.
Wenn wir uns die Welt ansehen, die Kriege, die Gewalt, den Völkerhass, die Verfolgungen, die negative Schlagzeilen der Zeitungen und die betrübenden Nachrichten aus dem Fernsehen und dem Radio, braucht man nicht lange zu fragen: “Warum ist das so?”
Die Liebe fehlt!, weil dem Menschen der Nächste nicht mehr wichtig ist, weil Regierungen in vielen Fällen nur für ihren Eigengewinn sorgen, weil Menschen respektlos mit dem Leben Anderer umgehen. Dieser Welt fehlt es aber nicht an der Liebe Gottes für die Menschen, denn diese ist seit der Schöpfung her in Hülle und Fülle vorhanden und hört niemals auf. In dieser Welt fehlt es an der Liebe unter den Menschen, die Liebe die Gott uns durch Christi Kreuzigung und Auferstehung schenkt und die wir beauftragt sind weiterzutragen.
Damals begriff die Gemeinde in Korinth das nicht. Aber Paulus begriff es, er war davon überzeugt, er wusste, das es genau darauf ankam, auf diese Agape-Liebe. Und aus dieser Erkenntnis entstand “Das Hohelied der Liebe”, unser Predigttext.
Bühnenwechsel: Es ist das Jahr 1757. Ein intelligenter, hochbegabter Mann, der trotz hoher Schulbildung kein Studium absolvieren konnte, arbeitet als Handwerker in einem kleinen Familienbetrieb. Während er durch eine innere Krisenzeit kämpft und über den Sinn des Lebens grübelt, merkt er dass ihm etwas existenzielles fehlt. Ihm wird klar, dass es in seinem Leben eine Lücke gibt und das diese Lücke “Liebe” heißt. Und der Weg dorthin, das begreift der Mann nach langem Ringen, ist die Nachfolge Christi, weil Christus die Liebe ist. Und er gibt sein ganzes Leben Jesus Christus. Er addressiert ihm sogar einen Brief, nicht mit Tinte, sondern mit „Herzblut“ geschrieben, mit seinem inneren Anliegen: Durch die Liebe Christi Heilig zu leben. Und das tut er auch, bis an sein Lebensende.
Wieder hatte einer es begriffen, wieder hatte einer sich davon überzeugt und wusste, worauf es ankam. Dieser Mensch war ein Paulus seiner Zeit, der Liederdichter Gerhard Tersteegen. Und diese Begebenheit führte zum Dichten seines wohl größten Werkes, und später eines der bekanntesten Kirchenchorälen: “Ich bete an die Macht der Liebe”
(Vers 1 und 2 vom Kleinchor gesungen.)
1. Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesu offenbart;
Ich geb‘ mich hin dem freien Triebe,
Wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
Ins Meer der Liebe mich versenken.
2. Wie bist Du mir so sehr gewogen,
Und wie verlangt Dein Herz nach mir!
Durch Liebe stark und sanft gezogen,
Neigt sich mein Alles auch zu Dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
Du hast mich, ich hab Dich erlesen.
“Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart .” Die Wirkkraft der Liebe ist mächtig. Liebe versetzt Berge. Sie bringt Licht in die dunkelste Stube. Auch Paulus glaubt an die Macht der Liebe. Er bezeichnet die Liebe als das Wichtigste, das Größte überhaupt. Er schreibt, dass, auch wenn er mit Menschen oder Engelzungen oder prophetisch reden könne, oder all sein Hab und Gut und sich selbst dahin geben würde aber die Liebe nicht hätte, dann wäre es nichts nütze.
Wenn wir ehrlich sind, und die Liebe aus Paulus Sicht betrachten, ist die Erwartung wirklich hoch. Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe nimmt alles auf sich, sie verliert nie den Glauben oder die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.
Begreifen wir den Umfang und die Tiefe dieser Agape-Liebe? Begreifen wir was da eigentlich von uns verlangt wird? Besser noch, begreift Gott was er eigentlich von uns verlangt? Hand aufs Herz, wer von uns ist immer freundlich, hofft und denkt nur das Beste, denkt immer zuerst an den anderen, dann an sich selbst, ist nie reizbar und ungeduldig? Ich glaube ich spreche für die meisten, wenn nicht alle von uns, wenn ich behaupte, dass wir Menschen da – selbst mit den besten Absichten und Vorsätzen – schnell an unsere Grenzen kommen. Das Geheimnis der Agape-Liebe ist, dass es etwas Übermenschliches ist, etwas, was wir jeden Tag neu empfangen müssen. Und nur ein großer Geber kommt dafür in Frage: Unser liebender drei-einger Gott! Gott kennt dich und mich, er weiß dass uns aus eigener Kraft diese göttliche Agape-Liebe unmöglich ist, denn der Anspruch ist hoch. Aber ich kann es immer wieder neu versuchen, über mich hinaus zu wachsen und mich von Gottes Liebe beflügeln zu lassen. Diese Liebe ist eindeutig und rein, absolut und gut. Deswegen ist seine bedingungslose Liebe, durch Jesu Tod und Auferstehung für uns die einzigste Hoffnung, denn nur dadurch können wir kleine Bruchteile dieser Liebe leben und verschenken. Gott weiß, dass wir es aus eigener Kraft nicht können und gerade deshalb beschenkt er uns mit der Möglichkeit, unser Bestes zu geben. Und wenn wir scheitern, fängt er uns auf und schenkt uns immer wieder die Chance auf einen Neuanfang. Immer wieder, ohne Bedingungen. Das ist echte Liebe, eine Götterfunkenliebe – eine Liebe, deren Möglichkeiten eigentlich von Anfang an in uns eingebettet wurden, noch bevor wir überhaupt ein Gedanke waren. Aber eine Liebe, die wir auf Grund unserer menschlichen Natur nicht selbst vollkommen wirken lassen können. ABER! Wir können uns, so wie Paulus und Gerhard Tersteegen, durch die Nachfolge Jesu für diese Liebe entscheiden. Und dort wo wir ungeduldig oder unfreundlich, verbissen oder prahlend, hochmütig oder verletzend, selbstsüchtig oder unehrlich sind, da dürfen wir damit rechnen, das Gott die Hände nach uns ausstreckt, uns auffängt, den Brunnen seiner Liebe für uns überquellen lässt und uns einen Neuanfang ermöglicht.
(Kleinchor singt Vers 3 und 4)
3. Ich liebt und lebte recht im Zwange,
Wie ich mir lebte ohne Dich;
Ich wollte Dich nicht, ach so lange,
Doch liebest Du und suchtest mich,
Mich böses Kind aus bösem Samen,
Im hohen, holden Jesusnamen.
4. Des Vaterherzens tiefste Triebe
In diesem Namen öffnen sich;
Ein Brunn der Freude, Fried und Liebe
Quillt nun so nah, so mildiglich.
Mein Gott, wenn’s doch der Sünder wüsste!
Sein Herz alsbald Dich lieben müsste.
Und noch ein Schlussgedanke. Paulus beschreibt die Liebe als ewig. Prophetisches Reden, Zungenreden und Erkenntnis werden aufhören, Aber der Glaube, die Hoffnung und die Liebe hören niemals auf.
Es sind die drei Bestandteile, die ein jeder Mensch in seinem Leben benötigt.
Als Christen fällt uns das Glauben relativ leicht, obwohl auch wir manchmal ins Zweifeln greaten. Aber grundsätzlich glauben wir an den heiligen Schöpfer, der die Welt und uns Menschen erschaffen hat. Wir glauben, dass er seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde sandte, damit wir durch sein Blut reingewaschen sind, und unbefleckt vor ihm stehen dürfen und seine göttliche Liebe empfangen und weitergeben dürfen. Wir glauben an die Auferstehung und das wir allein durch Christus direkten Zugang und eine Beziehung zu unserem Herrn haben können. Wir glauben auch daran, dass Christus eines Tages wiederkommt und wir mit ihm in der Ewigkeit leben werden. Uns ist der Satz aus dem Hebräerbrief im 11.Kapitel durchaus verständlich:
"Es ist aber der Glaube, eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht." (Hebräer 11,1)
Wir glauben an die Dreieinigkeit, auch wenn wir sie niemals gesehen haben. Wir spüren ihre Existenz und fühlen uns ein Teil ihrer ewigen, himmlischen Familie.
Die Hoffnung ist das, woran wir uns festhalten. Glaube ohne Hoffnung, wäre für uns sinnlos, denn es gäbe keine Hoffnung auf Christi Wiederkunft oder auf das ewige Leben. Wir hoffen durch die Kraft des Heiligen Geistes, dass wir die Vollkommenheit, auf die wir hier auf Erden warten, im Himmel zu sehen und zu erleben bekommen.
Und zum Schluss, als krönende Spitze, die über allem was in unserer Lebenspyramide wichtig ist, thront, schreibt Paulus: "... die größte aber von diesen ist die Liebe." Denn die Liebe ist Gott selbst. In 1.Brief des Johannes im 4. Kapitel, Vers 8 steht geschrieben:
"Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe."
Gott ist ewig, und Gottes Liebe ist ewig. Sie ist mächtig. Sie umfasst uns und bewahrt uns in Ewigkeit.
(Kleinchor singt Vers 5 und 6)
5. O Jesu, dass Dein Name bliebe,
Im Herzen drück ihn tief hinein!
Möcht Deine große Jesusliebe
In meinen Sinn gepräget sein!
Im Wort, und Werk, in allem Wesen
Sei Jesus und sonst nichts zu lesen.
6. Ehr sei dem hohen Jesusnamen,
In dem der Liebe Quell entspringt,
Von dem hier alle Bächlein kamen,
Aus dem der Sel’gen Schar dort trinkt.
Wie beugen sie sich ohne Ende!
Wie falten sie die frohen Hände!
Und die Liebe Gottes, die alles menschliche übersteigt, erfülle eure Herzen, dass ihr sie in euch tragt, und euren Nächsten dadurch Glauben und Hoffnung auf die Liebe in Ewigkeit schenkt, durch Christus Jesus,
Amen.
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